Ausgabe 
5.5.1894 Erstes Blatt
 
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1894

SamSta« den 5. Mai

Erstes Blatt

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Moreto war ein fruchtbarer Dichter. Er hinterließ im Ganzen etwa siebzig Stücke, von denen er zwanzig in Ge­meinschaft mit Anderen verfaßt hatte. Sein Meisterwerk ist unbestritten das Lustspiel, das am morgigen Samstag der Theaterverein zur Aufführung bringen wird: Trotz wider Trotz, oder wie der vom Uebersetzer dem Stück gegebene Titel lautet,Donna Diana." Der Inhalt der Comödie ist kurz folgender. Donna Diana, die einzige Tochter Diegos, Grafen von Barcelona, soll sich dem Wunsche ihres Vaters gemäß vermählen, ist aber durch ihre philosophischen Studien zu einer grenzenlosen Verachtung der Männerwelt gelangt, mit der gewappnet sie alle Liebesbetheuerungen ihrer Freier verlacht. Zwei von diesen, Don Luis, Prinz von Bearne, und Don Gaston, Graf von Foix, suchen auf dem gewöhn­lichen Wege des Courschneidens zum Ziele zu gelangen. Anders der dritte Freier, Don Cesar, Prinz von Urgel. Dieser hatte zuerst aus Rücksichten der Convenienz um die Hand der Erbtochter geworben, war aber dann durch deren Sprödigkeit zu heißer Liebe entflammt worden. Gestützt auf die Erfahrung und fortwährend ermuntert durch den Ber- trauten Dianas, Perin, sucht er die Geliebte nun auf die gleiche Weise zur Liebe zu zwingen, indem er vollkommenste Kälte heuchelt. Dadurch wird Diana zunächst aufmerksam, dann empört und beschließt, sich an Don Cesar zu rächen, indem sie ihn in sich verliebt machen und dann den Ueber- wundenen mit kaltem Hohn fortschicken will. Aber der Prinz ist gewarnt und spielt die Rolle des Spröden meisterhaft. Nur einmal bei dem Faftnachtsvergnügen, zu dem ihn Diana als ihren Ritter erwählt hat, vergißt sich Don Cesar, berauscht durch die hinreißende Liebenswürdigkeit der Gräfin und gesteht ihr seine Liebe. Triumphirend will Donna" Diana ihn ver­lassen, da erklärt er mit wunderbarer Fassung alles, waS geschehen, für einen zu dem Maskenspiel, das sie begonnen, gehörigen Scherz. Diana geräth außer sich und will nun alle Mittel anwenden, den scheinbar Spröden in ihre Gewalt zu bekommen. Aber nichts verfängt und als nun gar Don Cesar Dianas Eifersucht zu erregen weiß, da lodert mit dieser

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verschiedenen Seiten die Angaben über abermalige Unruhen in Kamerun unter Mittheilung einer ganzen Reihe von Einzel­heiten aufrecht erhalten. Es muß zunächst die Aufklärung dieser offenbaren Widersprüche abgewartet werden. Uner­quicklich sieht eS fortgesetzt in Deut sch -Südwestafrik» aus. Rack neueren Meldungen von dort hatten die deutschen Behörden dem aufsässigen Häuptling Hendrik Wittboi Amnestie angeboten, welches Angebot aber von ihm verächtlich zurück- gewiefen worden ist. Infolge deffen befindet sich Major v. Fran^oiS auf einem neuen Zuge gegen Wittboi. Der ganze Vorfall ist leider durchaus nicht geeignet, daS deutsche Ansehen in Südwestafrika zu erhöhen.

Berlin, 2. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht einen anscheinend officiösen Artikel über das am 15. d. M. ablaufende Handelsprovisorium mitSpanien. Die Thatsache, daß die Commission des spanischen Senats die Erledigung deS deutsch-spanischen Vertrage- erkennbar zu ver­schleppen suche, gebe dem berechtigten Gedanken Raum, daß es endlich an der Zeit sei, aus den Provisorien herauS- zukommen und ein Definitivum zu schaffen, der Tadel aber, den einige Stimmen gegen die deutsche Regierung erheben, weil sie gegen Spanien ein Uebermaß von Geduld bethättge, sei nicht begründet. Wenn außergewöhnliche Ereignisse, wie die Krankheit des Ministerpräsidenten und die marokkanische Frage die Einberufung der Cortes unmöglich hätten erscheinen lassen, seien hier politische Erwägungen, die sich der Beur- theilung einer fremden Regierung entziehen, in Betracht ge­kommen. In Deutschland werde man der Entscheioung über das Schicksal des Vertrages mit Ruhe entgegensetzen. Davon könne aber nicht die Rede sein, nach Verwerfung desselben neue BertragSverhandlungen auf anderer, für Spanien günstigerer Grundlage aufzunehmen. Der Ablauf des Pro­visoriums bedinge für Deutschland die Anwendung des auto- nomen Tarifs- die weitere Gestaltung der handelSpolittschen Beziehungen zwischen beiden Ländern werde von der Haltung der spanischen Regierung und in erster Reihe von derjenigen der Cortes abhängen.

Berlin, 3. Mai. Die Große Berliner Kunst- Ausstellung 1 894 ist heute Mittag 12 Uhr feierlich eröffnet worden.

Berlin, 2. Mai. Ueber den Haupt-Differenzpunkt in der Vorlage betr. die LandwirthschaftSkammern hat heute eine Besprechung zwischen Vernetern der beiden conservativen und der nationalltberalen Fractionen deS preußischen Abgeord­netenhauses stattgefunden. Wenngleich eine Einigung noch nicht erzielt ist, so hofft man doch, nach Pfingsten zu einer Verständigung zu gelangen. Die Frage, ob die LaudtagS-

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zugleich die Liebe in hellen Flammen empor und die schöne Gräfin giebt sich gefangen. Die beiden anderen Freier haben sich unterdeß mit den beiden Muhmen Dianas, Donna Laura und Donna Fenisa getröstet und der schlaue Perin, der durch seine Intriguen Don Cesar so vorttefflich in die Hände ge- arbeitet hat, wird mit seiner Floretta, dem Kammermädchen, auch glücklich werden. r

Die Personen des Stückes sind aufs feinste characterifirt.' Da ist zunächst die Heldin, ein überspanntes Frauenzimmer, aber mit allen Reizen geschmückt, die einen Mann fesseln können. Mit Verachtung behandelt sie die Männer und hoch erhaben dünkt sie sich über die Liebe. Allein der Erste, der ihr anders begegnet als mit Schmeichelei und Schönthuerei, ruft alle Eigenschaften des W eibeS in ihr zum Leben, indem er ihre Eitelkeit verletzt. In der Sucht, sich dafür zu rächen, merkt sie gar nicht, aus welch gefährlichen Boden sie sich begiebt, bis sie in der eigenen Schlinge gefangen ist. Im Gegensatz zu ihr steht Don Cesar, der die Liebe zu Donna Diana durch äußere Gleichgültigkeit zu verbergen sucht. Der Kampf zwischen seinem heißen Herzen und dem Willen zur Kälte, der Zwang, den der Kopf dem Herzen auferlegt, ist meisterhaft darge­stellt. Gegenüber diesen beiden Personen treten die übrigen, mit Ausnahme Perms, in den Hintergrund. Perin ist in dem Stück eigentlich das, waS der Heizer für eine Dampfmaschine. Denn er istS, der Don Cesar den Gedanken zu seinem Ex­periment eingiebt und ihn immer wieder ermuntert, wenn dieser schon seine Sache verloren giebt, und er ifts, der Donna Diana zu immer neuen Angriffen reizt. Sehr hübscb wird der Kampf der beiden Hauptpersonen begleitet von dem Werben deS gewandten Luis von Bearne unb des massiven, sebftbewußten Gaston von Foix, deren Bemühungen bei den lebenslustigen Muhmen der Heldin von leichtem Erfolg ge­krönt sind.

Die Erfindungsgabe Moretos erreichte diejenige Lopes, Calderons, Ttrsos, Alarcons keineswegs. Unser Dichter griff daher vielfach auf ältere Stücke anderer Autoren zurück, um sich deren Gedanken nutzbar zu machen. Aber er nahm

Bekauutmachtmg.

Die Erhebung der direkten Steuern für 1894/95, sowie Abgabe der Gewerbs-Patente findet an den bezeichneten Zahltagen im Laufe dieses Monats statt.

Gießen, am 1. Mai 1894.

Gr. Districtseinnehmerei I.

Platz.

Deutscher Reich.

Berlin, 2. Mai. Der Kaiser traf, von Cronbcrg kommend, am Mittwoch Vormittag kurz vor 8 Uhr auf der Wildparkstation bet Potsdam ein, wo er von der Kaiserin und den vier ältesten Prinzen empfangen wurde. Nach zwei­stündigem Aufenthalte tm Neuen Palais begab sich der Kaiser mit einer glänzenden Suite nach dem Bornstedter Felde und besichtigte daselbst das 1. Garde-Regiment z. F. Später nahm er am Frühstück der Offiziere des inspicirten Regiments Theil.

Die Blätternachrichten über angebliche neue Unruhen in Kamerun werden von derNordd. Allg. Ztg." neuerdings auf Grund telegraphischer Anfragen in Kamerun als unbegründet bezeichnet. Dennoch werden von

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Moreto und sein StückBonn» Disna".

Zu einer Zeit, da das deutsche Drama noch in seinen Kinderschuhen steckte, hatte sich in Spanien, von L o p c d e D e g a begründet, die dramatische Literatur zu einer Blüthe ent­wickelt, die sich derjenigen des englischen Nationaldramas unter Shakespeare würdig an die Seite stellen konnte, ja sogar sie, was die Zahl der Erzeugnisse angeht, bei Weitem übertraf.

In diese Periode gehört der Dichter, der uns heute beschäftigt: Augustin Moreto y Cavana,der jüngste der sechs Heroen altspanischer Dramatik." Ein jüngerer Zeitgenosse von Lope dr Vega unb Calberon de la Barca, wurde er im Frühjahr 1618 zu Madrid als der Sohn aus Italien stammender und in der neuen Heimath zu Wohlstand gelangter Eltern geboren. Die Nachrichten, die wir von seinem Leden besitzen, sind äußerst dürftig; sie beschränken sich auf folgende Daten. Von 1634 an studirte Moreto einige Jahre zu Alcala Logik unb Physik unb promovirte am 10. D-cember 1639 zum Siccntiaten. Zehn Jahre später sehen wir ihn als Mitglieb der literarischen Academie zu Madrid, an deren Secretär Cancer er einen Mitarbeiter an dielen seiner Stücke fand. Um diese Zeit erschien der erste Band seiner Comödien, dem erst nach des Dichters Tode zwei weitere Sammlungen folgten. Wie Lope de Vega und diele andere seiner zeitgenössischen Dramatiker trat auch Moreto in späterem Lebensalter in den geistlichen Stand. Seine Priesterweihe und Ernennung zum Caplan des Erz- LischofS von Toledo erfolgte zwischen 1654 unb 1657. Von ia ab hören wir nur noch zweimal von unserem Dichter: er würbe 1659 vom Erzbischof MoScoso zum Vorsteher der Bruderschaft bes heiligen Petrus zu Toledo ernannt unb starb cm 28. October 1669. Sein Leib ruht in der Capelle ber Schule Christi" im Kirchspiel Johannes des Täufers.

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Artikel 4. Eine diplomatische Verhandlung soll statt I finden in den Fällen, in denen die Grenzbehörden sich über | die Uebernahmepflicht nicht einigen können, oder wenn die Entscheidung der Grenzbehörden von den höheren Behörden Heimathsstaats nicht gebilligt wird.

Artikel 5. lieber die Grenzorte, wo die Uebernahme heimzuschaffenden Personen stattzufinden hat, werden sich beiden Regierungen verständigen.

Artikel 6. Die beiden Regierungen werden einander ... Grenzbehörden bezeichnen, in deren Hand die Uebernahme- verhandlungen gelegt werden sollen.

Artikel 7. Die beiden Regierungen verpfitchten sich, ihre Grenzbebörden anzuweisen, alle Uebernahme-Anträge mit größtmöglicher Beschleuniguna zu erledigen.

Artikel 8. Dieses Uebereinkommen soll so lange in Kraft bleiben, als es nicht von einer oder der anderen Seite gekündigt wird. In diesem Fall soll es noch drei Monate über den Tag hinaus bestehen, an welchem Die Kündigung des einen Theils dem anderen Theil angezeigt sein wird.

Artikel 9. Gegenwärtiges Abkommen tritt in Wirksam­keit 20 Tage, nachdem es in beiden Staaten vorschriftsmäßig

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung, betreffend das Uebereinkommen zwischen dem Deutschen Reich und Rußland wegen der gegenseitigen Uebernahme früherer Angehöriger der beiden Länder.

Das zwischen dem Deutschen Reich und Rußland wegen der gegenseitigen Uebernahme früherer Angehöriger der beiden Länder unterm 10. Februar d. I. abgeschloffene, am 30. v. M. im Centralblatt für das Deutsche Reich veröffentlichte Uebereinkommen bringen wir nachstehend zur öffentlichen Kenntniß.

Gießen, 30. April 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Die Kaiserlich Deutsche Regierung und die Kaiserlich Russische Regierung haben sich zur Regelung der Frage, nach welchen Grundsätzen jeder Theil zur Wieder Uebernahme seiner auf dem Gebiete des anderen Theils lebenden Angehörigen verpflichtet sein soll, über folgende Punkte geeinigt.

Artikel 1. Beide Theile verpflichten sich, diejenigen ihrer früheren Angehörigen, welche ihre Staatsangehörigkeit durch Abwesenheit im Anslande ober durch förmliche Entlassung ober auf andere Weise verloren haben, zu übernehmen, falls jene nicht eine andere Staatsangehörigkeit erworben haben.

Diese Uebernahmepflicht soll sick jedoch nicht erstrecken auf Personen, welche die von ihren Eltern verlorene Staats­angehörigkeit ihrerseits niemals besessen haben.

Artikel 2. Die heimzuschassenden Personen sollen über­nommen werden auf Grund eines unmittelbaren Schrift­wechsels der deutschen und russischen Grenzbehörden.

Die Heimschaffung ist jedesmal der Grenzbehörde des­jenigen Bezirks, in welchem die Uebernahme geschehen soll, vorher anzuzeigen, worauf diese nach Prüfung der Verhält­nisse und der Ausweispapiere ihre Zustimmung dazu zu geben hat, daß die betreffende Person an einem bestimmten Ort übernommen werde. .

Artikel 3. Ein vorgängiger Schriftwechsel ist nicht erforderlich, wenn die heimzuschaffende Person mit Papieren versehen ist, die noch gültig oder doch erst feit einem Jahre abgelaufen sind, ober wenn kein Zweifel darüber besteht, daß sie beut übernehmenden Staate angehört ober früher an­gehört hat

In allen biefen Fällen sollen bie Grenzbehörden bie be­treffende Person ohne weitere Förmlichkeit übernehmen.