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4.7.1894 Zweites Blatt
 
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1894

Mittwoch den 4. Juli

Zweites Blatt

Nr. 153

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schutstraße Ar.7.

Fernsprecher 51.

Die Gießener Aamitienblälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

Hleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

Gießener Anzeig er s

Kenerat-Mnzeiger.

2lints- und 2knzeigeblatt für den Kreis Gießen.

chratisöeikage: Gießener KamitienMtter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Alle Annonccn-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Vermißtes.

Oehriugeu (Württ.), 2. Juli. Gestern Morgen erstach der Seifensieder R e u t r e r in einem Anfall von Geistes­störung seine Frau. Reutter versuchte sich darauf die Pulsader zu öffnen, wurde jedoch rechtzeitig daran gehindert und in Sicherheit gebracht.

* Laudöhut. 27. Juni. Einen drolligen Anblick boten gestern zwei Velocipedisten, welche die Sense auf dem Rücken, zur Feldarbeit radelten.

Budapest, 2. Juli. Bet einem Groß feuer in der Vorstadt Neupest wurden eine Lederfabrik, das Gemeindehaus, das Schulgebäude und mehrere Wohnhäuser zerstört. Durch den Einsturz eines Fabrikgebäudes und einer Mauer wurden mehrere Personen getödtet und 25 schwer verletzt.

* Deutschlands jüngste Stadl. Wenn man von einer grohen Stadt spricht, von der vor vierzig Jahren noch kein Stem stand, an deren Stätte es vor derselben Zeit nur Sumpf und Sand gab, so wird Jeder sie in dem Lande j suchen, wo rasendes Emporwachsen von Städten saft zu den gewöhnlichen Erscheinungen gehört, in den Vereinigten Staaten | von Nordamerika. Und doch giebt es eine solche Stadt auch im deutschen Reiche. Sie zählt heute 20 000, mit den an­schließenden Vororten sogar 50 000 Einwohner, hat schöne Gebäude, prächtige Plätze, elegante Promenaden, kurz alle Merkmale einer Großstadt, obwohl sie am 17. Juni 1894 erst ihren 25jährigen Geburtstag feierte. Es ist die Stadt Wilhelmshaven. In derGartenlaube" (Nummer 24 und 25) finden wir eine höchst anziehende Schilderung von ° der Entstehung und heutigen Gestalt dieses jüngsten städtischen Gemeinwesens auf deutschem Boden, begleitet von mehreren Abbildungen. Mitte der 50er Jahre begann Preußen auf dem von Oldenburg käuflich erworbenen Gebiete an der Mündung des Jahdebusens den Bau eines Kriegshafens für eine junge Flotte. Unsäglich waren die Schwierigkeiten. Eilig gezimmerte Baracken nahmen die Arbeiter auf, die Be­amten fanden in dem für Bureauzwecke errichtetenCom- misfionshaus" nothdürftige Unterkunft. Wege gab es Anfangs nicht/ in hohen Wasserstiefeln bis über die Knie im Schlamme 1

watend, legten die wackeren Pioniere den Weg zur Baugrube I zurück und Manchen raffte das Sumpffieber hinweg. 1859 wurde die erste Straße nach dem Hinterlande, 1867 die Eisenbahn fertig. Inzwischen war es auch durch mächtige Auffüllungen gelungen, gesunde Wohnungen herzustellen. Endlich 1869 war das Werk vollbracht. Am 17. Juni vollzog König Wilhelm die Einweihung des Hafens und zu­gleich die Taufe der Stadt auf seinen NamenWilhelms­haven". Es verdient noch besonders hergehoben zu werden, daß Wilhelmshaven heute zu den gesündesten Städten im Reiche gehört.

* Ein absterbeuder Ort.So schwindet der Glanz der Welt" können die Lixh eimer sagen, deren altes, in Lothringen gelegenes Städtchen von einer weiland pfälzischen Residenz zu einem simpeln, abseits des Verkehrs liegenden Landorte herabgesunken ist. Eine geradezu auffallende Er­scheinung ist, daß die Bevölkerung seit 1835 von etwa 1300 auf etwa 700 Einwohner zurückgegangen ist. Die Lixheimer zogen theils nach Frankreich oder wanderten nach Amerika aus, um da ihr Glück zu machen, was auch einigen gelungen ist. Die protestantische Gemeinde zählt nur mehr noch wenig über 100 Psarrkinder. Große Häuser, die noch aus der Glanzperiode stammen, sind dort um wenig Geld zu erhalten. Wer einen ruhigen idyllischen Aufenthalt liebt, möge sich da ankaufen.

* Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit laufen die Eis- berichte von den neufundländischen Bänken noch immer ziemlich reichlich ein. Während das Feld- und Packeis im Allgemeinen schon geschwunden ist, sind um die Mitte dieses Monats noch vielfach große Eisberge zwischen 43 Grad und 45 Grad nördlicher Breite östlich von den großen Bänken und auf denselben durch die in amerikanischen Häsen angekommenen Dampfer gesichtet worden. Viele Dampfer fangen bereits an, nördlichere Wege einzuschlagen. Der am 17. Juni in Glasgow von Newyork angekommene DampferElhiopia" lief am 6. Juni mit furchtbarer Gewalt gegen einen Eisberg. Durch den heftigen Stoß ward der ganze Bug des Dampfers zertrümmert. Anfangs glaubte man, das Schiff werde sofort sinken/ es ward Befehl gegeben, die Boote herunterzulassen, doch stellte sich heraus, daß die Gefahr nicht so groß war,

wie man angenommen hatte. Mit Hilfe von Mehl'äcken, die, sobald sie im Wasser quollen, wie Gement wirkten, wurde die Oeffnung im Bug vorläufig verstopft und sodann die Ladung möglichst weit nach achtern gebracht, um den Vordertheil aus dem Waffer zu bringen. Auf solche Weise gelang eS, den Schaden nothdürftig zu dichten und unschädlich zu machen und die Reise mit sehr geminderter Geschwindigkeit fort» zufetzen.

Universität- - Nachrichten.

Die Russifizirung der Universität Dorpat. Aus guter Quelle verlautet, daß dem Universitätssenat zu Dorpat der Befehl des Ministeriums der Volksaufklärung zugegangen ist, vom Beginn des neuen Lehrjahres, d. h. vom August d. I. an, den Vor­trag in allen Fächern, mit Ausnahme jener der theologischen Facultat, in russischer Sprache abzuhalten. Wenngleich die Ruffifizirung in Dorpat sehr bedeutende Fortschritte gemacht hat und der größte Theil der Professoren der russischen Nationalität angehört, so giebt es doch noch immer unter den Medicinern und ebenso in anderen Facultäten Deutsche. Diese Herren werden jetzt genöthigi sein, ihre Lehrstühle baldmöglichst aufzugeben.

Citeratar rrrrd Knnft

- «ratiSprÜmie für unsere Leser! Im Interesse uferet kaufmännischen Abonnenten haben wir mH dem Verlag für Sprach- unb Handelswissenschaft Dr. P. Langenscheidt), Berlin SW. 46 die Vereinbarung getroffen, daß das MerkchenFür Pult und Lasche, «ine Sammlung wichtige« «nd nützliche« Material» für alle Lagen de» geschäftlichen Lebens* (sonstiger Preis 20 Pf.) auf Verlangen gratis und franco von obiger Verlagsbuchhandlung zugesendet wird. Von dem reichen Inhalt des bereits in 15 000 Expl, verbreiteten, allseitig mit Beifall aufgenommenen Werkchms Heven wir nur hervor: Postgebühren; Telegraphentarif; Zinsen- und Zinseszinsberechnungstabelle;Amortisationstabelle;Tagesberechnungs- tabelle für Zinsberechnung; Disconttabelle; Maße und Gewichte; Münztabelle; Stempelabgaben; Einkommensteuer-Veranlagung; Gerichtskosten; Anwaltskosten; Wechselstempeltarif der bedeutenderen Länder; Kaufmännische Formulare und Scheine rc. Wir empfehlen unseren Leseren, soweit sie im kaufmännischen und gewerb­lichen Leben stehen, von diesem Vorzugsangebot Gebrauch zu machen. Die Bestellungen find direct an obige Firma nicht an uns zu richten. Die Redaction.

Feuilleton.

Unser Garten im Inli.

Die Höhenfeuer der Johannisnacht sind erloschen.

Ein stilles Mahnen zieht durch unfern blühenden Juligarten: Seid fröhlich, ihr lieblichen Blumenkinder, freut euch, benutzt eure Blülhentage sie nehmen schon leise wieder ab!

Nein" sagt der Lawendelvom abnebmen wollen wir nichts wissen: für unS geht des Blühens Lust und Freude erst recht an! Wenn die Johannislieder verklungen und das goldene Aehrenfeld der reifen Gerfie zu uns über den Gartenzaun herüber lacht, da ist just unsere rechte Zett!" Und die stille Gemeinde der Würzkräuter deS häuslichen Apothekergärtchens nickt ihm freundlichen Beifall.

Ein Gast vom Mittelmeer, hat der Lawendel (richtiger eigentlich die) alsdeutsche Narde" fchon im frühen Mittelalter den Einzug in unsere Gärten gehalten und manche Ahnfrau hat dafür gesorgt, daß er den kommenden Geschlechtern erhalten bleibe. Wer in seinem Gärtchen die anspruchslosen dankbaren Lawendelstöcke besitzt, freut sich jetzt an dem Lustwäldchen ihrer mattblauen Blüthen und manche liebenswürdige Leserin pflückt pietätvoll die jungen Blüthen mit möglichst langem Stengel, um daraus, mit Zuhilfenahme ganz schmaler tosarother ober mattoioletter Seibenvänbchen, mit geschickten Fingern die reizenden Lawenbel-Flaschenkörbchen zu flechten, die eine ebenso niedliche als fein- und wohlduftende Gartengabe bilben. Man legt sie in bie blüthweißen Wäscheschätze unb freut sich bei bereu Duft in der Erinnerung an verklungene glückliche Sommertage.

Schon früh schätzte man ja bie gewürzhaft wohlriechenben Blüthen alsFlores lavandulaeu, als angenehmen Zusatz zum Wasch- waffer und zu erfrischenben Bädern und es gab eine Zeit, in der ein ganz zarter Lawendelduft die Gegenwart einer vornehmen Dame oerrieth.

Unb unsere alte treue Gartensalbei blüht auch!

Wie ist bieser schlichte, oft ein halbes Jahrhunbert alte Kräuter- bnsch unb Gartengast im Volksmunb von Sagen unb wunberkräftigem Glauben Umtausch!! Jedes Kind kennt ihn und bas gebückte Ur- aroßmüiterchen geht an ihm nicht vorbei, ohne mit ntilbem Blick sein Luschwehk zu streifen ober ein weiches Blatt mit fast segnenber Geberbe von ihm mitzunehmen.

An fchönen Sommernachmittagen gibt es kaum eine intereffantere Unterhaltung, als sich einen Sitz an solch alten reich blühenben Kameraden zu rüden unb nun im warmen Sonnenschein bas Hof- balten im kleinen Königreich seiner Blüthensphäre zu beobachten. Der würzige Honig, ben bie Tiefe der Blumenkrone birgt, zieht ein reiches munteres Völkchen herbei. Welch Schwingen unb Schweben her zahlreichen eigentümlichen unb vielgestalteten Wesen! Haben auch fie von ben Sagen, von ben Wunberkräften bet Treuen ver­nommen V

Sieh hier, golbglänzenbe, purpurschimmernde Wespchen; fie Riegen zierlich an und nippen ebenso zierlich am süßen Becher. Fleißige Bienen mit dickenHöschen" statten ihre Blitzvisite ab; .Hummelgestalten, groß unb klein, mit gutmütigem Pelz unb

Brummbaß summen herbei, hängen sich mit Schonung unb gewisser Galanterie an ben Lippenranb unb trinken bann in mächtigen Zügen Lust unb SebenSfreube aus dem geheimnißvollen Schlund.

HierPlötzen" dickköpfige fliegen mit lüsternen Augen unb bleichen Rüsseln hernieber, sobaß ber liebliche Abonis, ber an einem Blüthenbecher hängt, nervös erschrickt unb mit prächtig schillernben Flügeln enteilt. Dort tastet zaghaft mit trommelnben Fühlern eine schlanke Jchneumonide harmlos burch ber Zecher Schaar, um sich eine kleine Labung zu neuen Thaten ihres Morbhanbwerks zu gönnen.

Jetzt schwirrt ein liebliches Schwesternpaar reizenderTauben­schwänzchen" herbei; ihre Flügelchen schwirren mit solch ungeheurer Schnelligkeit, daß sie nur als ein leichter Schein in ber Luft zu erkennen unb ber wohlgenährte Leib mit bem ausgebreiteten Flug­steuer, bem ber Taube ähnlich, aller Schwerkraft spottenb, in ber Luft festzustehen scheint. Von Blüthe zu Blüthe gebt ihr Besuch, gewanbt unb freunblid) bie anberen Trinker umgehend: bei jebem Blüthenkelch rollt sich bie mehr als körperlange Zunge heraus unb versenkt sich mit unfehlbarer Sicherheit in bas Gebeimniß bes Nektariums, kurz unb nachhaltig ben Blüthenhonig zu schlürfen.

Immer neue unb posfirlichere Gäste kommen. Vertieft in bereu bunten Anblick in das reiche Seelenleben ihres Gebahren, nehmen sie für uns plötzlich bie köstlichsten menschlichen Carrikaturen an: wir glauben ba alle Temperamente, alle lächerlichen gesellschaftlichen Usancen", ben gespreizten Stolz des Hohlkopfs, den Gift-und Geld­beutel des Wucherers, den unterwürfigen Bückling des Stellenjägers und Strebers zu erblicken. Hier .machen einige dünne Stechmücken mit mächtigen Haarbüschen einer golbaugigcn Eintagshaft den Hof unb dort lauft ein Trüppchen markiger Ameisen an, um ein Haus­recht auszuüben unb bie frechen, fonst nur !im Schmutz wühlenden Eindringlinge, schmerbäuchige Aasfliegengestalten mit krummemAüssel und schiefen Gehwerkzeugen aus dem Bereich ber reinenSalvia sal- vatrix hinauszuboxen!

Jetzt gar scheint sich uns ein Reigen vorzubereiten: unter Hüpfen unb fliegenben Tanzschritten sammelt sich ein Theil ber Gciellschaft auf ber rechten, ein anderer Theil auf ber linken Blüthen- gruppe. Wie zwei bithyrambische Chöre ber antiken Dionysosfeste stehen sie sich im kühnen Spiel freier Begeisterung gegenüber. Man merkt: eine gewichtige Frage kommt ba zum Austrag.

Eine mächtige Gartenhummel nimmt auf erhöhtem Sitze Platz, wirft ben bekannten überlegenen Blick des Concertmeisters auf bie eine Gruppe, erhebt einen Blüthengriffe! als Tacistock in ber schwarzen betrauten Rechten. Nur ein ermunternbeS Zunicken unb braufenb fällt ber Chor in einen feierlichen Gesang. Unb ist als hörten wir es beutlich heraus, was von ber berühmten Heilschule zu Salerno einst ausging, ein langgezogener Choral:Cur moritur homo, cui cresoit Salvia in horto?

Dann jünbete schnell ber Tactmeister bes anberen Chors Be­gehr: er setzte ein, unb als Wiebergesang erscholls von bieser Seile, ernst, fast elegisch:Contra vim mortis, non est medicamen in hortisl In Variationen klang es aus. Dann schwirrte wieber alles fröhlich burcheinanber.

Nee, Heeren Sie, da bin ich nu nicht auf Ihrer geschätzten Seite", rief eine dünne, etwas belegte Stimme unter den Blättern

hervor.Wenn Sie, Heeren Sie, bie schätzbare Frage stellen: Warum stirbt ber Mensch, bem Salbei im Garten wächst?" so antworte ich nicht, erlauben Sie, wie der geehrte Widergesang: Gegen den Sensenmann wächst kein Kraut im Garten!" sondern: Contra vim mortis crescit salvia in hortis! Ja verzeihen Sie, ich kann och lateinisch:gegen des Todes Macht und Gewalten müssen im Garten Sie Salbei halten!"Salbei, dafür lasse ich mein Leden." Dann tauchten zwei goldgeringelte braune Augen aus der Blätter­nacht am Boden, eine derbe Zunge klappte blitzschnell die nächste honigsatte Fliege von einem Blatt, um sie in einem gutmütig breiten unb warzigen Maule verschwinden zu lassen. Auch bieses paßte zu unseren kleinen Träumereien: wir sehen, wie im beutschen Märchen vomKrötenring" bie in eine biete Kröte oerroanbelte Prinzessin immerfort im Salbeibusch sitzen; wir erblicken fie, nach ber an- haltischen Schloßsage, von ber Fürstin fürsorglich gefüttert, bis sie, erlöst, bieser zum Dank im Entschweben ben Krötenring reichte

Je mehr sich ber Nachmittag zum Abend senkt, besto ruhiger wirb es im Salbeibusch, bis schließlich alles oerbuftet unb nur noch einige Eulen- unb Spinnenfalter, als Vorboten nächtlicher Gäste, zur Abenblasel erscheinen.

Wir aber sehen uns nach bieser kleinen Salbeiidylle noch im Juligarten um. Durch ben fast zu reichlich gefallenen Regen bes Juni ist er zwar frisch unb üppig in seinem Pflanzenwuchs, im all­gemeinen aber hat ber junge Sommer bis jetzt nicht gehalten, was ber so früh lächelnde Frühling versprach. Deshalb mit doppeltem Fleiß an bie noch nöthigen Arbeiten: vor allem bie geleerten Beete hübsch compostiren unb umgraben, bann neu bestellt. Winter- unb Rosen­kohl, auch Enbivie, gilt es zu pflanzen; Frühsalat, Rettige unb noch­mals Rabieschen zu säen. Wer klug ist, lockert ben Boben, sobald er trocken, jätet, behackt unb behäufelt. Die Tomaten entspitzt er unb lichtet fie aus, bleicht Bleichsellerie unb bekämpft mit kundiger Hand bas Heer ber Schädlinge. Besonders stier Kohlweißlings­plage muß er durch Aufsuchen und Vernichten der gelben Weißlings- eier an den Blattunterfeiten energisch abwickm.^ Sind die Raupen erst aus, bann ist hunbertfache Mühe!

Im Obstgarten geht ber Sommerschnitt um; im Blumengarten werben ©enter unb Stecklinge gemacht unb bie Rosen auf8 schlafenbe Auge oculirt. Es ist eigentlich rounberbar, daß bies nicht mehr unb nicht vorzugsweise von ben zu feinen Arbeiten so geschickten Händen liebenswürdiger blumenpflegenber ©artenfreunbinnen ge­schieht !

Wie köstlich, gerade für bas weibliche Gemüth, sich bie aller- schonften Lieblingsrosen selbst zu schaffen, durch eine ganz leichte kleine Uebung der Hand!

Die Zeitenmahnerin Georgine mit ihren koketten Krausen taucht fteundlich auf; sie ruft uns lustig zu:Pflücket die Rose, eh' sie verblüht!" unb fchneibet Euch tüchtig Blumensträuße, setze ich hinzu, füllt bie Körbe mit lachenben Kirschen, üppigen Johannis-, Stachel- unb Himbeeren, mit köstlichen Gemüsen, als Dank bes lieben Gartens für Eure Winter- unb Frühlingsmühen!

Heinrich Freiherr Schilling v. Canstatt.