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4.3.1894 Drittes Blatt
 
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Nr. 53 Drittes Blatt. Sonntag den 4. März

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Anstr Gärten im Mär?.

Willkommen, o fröhlicher Ost-rtag!

Nun klingt es wie Psalmen in Lüften, 9lun lebet was welk und erstorben lag, Nun grünt eS aus Gräbern und Grüften; Du Erde so sonnig, du Himmel so blau, Ihr Wölkchen so licht und ihr Winde so lau, Was lebt in der Lust und was webt aus der Au Wer feiert die fröhlichsten Ostern?

Ist« nicht, wie wenn mit dem ersten FrühlingSwehen, an heiteren sonnigen Märztagen, dieser Sang Karl GerokS, deS Heim­gegangenen edlen Freundes der GotteSnatur und der bedrückten Seelen, mächtig durch unsere Gärten zöge? UnS alles Leid des Winter« vergessen machte? Bald schwingen die diesmal srühen Osterglocken aus ihren hohen Stühlen und rusen die Frage hinaus, weit über die Lande, in den sich rüstenden Frühling. Und Millionen seine Sümmchen auS berstenden Wintergrüsten der ei wachenden Erde jubeln ihnen Antwort entgegen:Wir, wir sriern die slöhltchsten Ostern!"

Die Legionen der Samenkörnletn, Keime, Hälmchen und Knospen wollen ihren sröhltchen AuscrstehungStag feiern und wir feiern ihn frohen Herzen« mit. Ja, tm Perirauen auf diesen in seiner stillen Treue mit jedem jungen Lenz wlederkehrenden Vorgang, eilen wir, sobald Wind und Sonne unsere Gartenerde abgetrocknet und erwärmt, den luftigen Reigen der srühjähtlichen Gartenarbeiten zu beginnen. Ob die VorfrühlingSsonne in kunstvoll angelegte Gartenparadiese, ob sie in das bischeibene kleine HauSgärtchen niederlacht: überall trifft sie steitzige Hände, die deS grämlichen Winters Spuren ver­wischen, beschneiden, pflanzen, graben, harken. All ihre Arbeit geht dahin, den König Lenz, den lang ersehnten, würdig zu empsangen und ihm möglich zu machen, recht bald und recht reich, bad Füllhorn seiner Gaden schossender Kraft über unsere Blumen-, Gemüsebeete, Zier- und Olsthaine auszufchütten. Und in welch reizender und treuherziger Gesellschast sollen wir nun hantiren! Schneeglöckchen läutet mit silbernem Schall zur Arbeit! Ein jeder Sonnenst'ahl öffnet neue lachende Bimhenkelche der bunten Ciocusgemeinbe, über die das erste Bienchen, der erste Falter dahin schwebt! Maßliebchen winken, weiß und roth, mit glückseligen Gesichtchen von Wiese, von Bceietnfassung herüber unb Waldanemonen, im Verein mit ber izrühlingspttmel und dem lieblichen Veilchen, gucken neugierig unter dem sonnigen Rand der alten Hecke hervor. Die Küchenschelle, die al«Öftertlumt* willig ihr farbige« Flausröckchen zum Schmuck blauer Ostereier hergibt, die erste bepuderte Aurrkel, ist erwacht unb da« himmelblaue Leberblümchen wetteifert in seinen reinen Blüthen- fternen mit der Klarheit des Firmaments.

Wohl z'ehen noch kalte und trübe Tage im Gefolge von.Schnee- und Regenwolken über die märzliche Landschaft, aber sie vermögen an der Tyaljache nichts mehr zu ändern: der herzbeglückende ewig junge Frühling will ttnziehen! Und seine beschwingten Boten sind auch schon da. Der Staar schwatzt im Morgenltcht, drüben auf den noch kahlen Bäumen; er zirkelt und mißt an seinem Häuschen, ob es i och da« alte. D<r melodische Schlag des zurückgekcbrten Roth- kehlchenS tönt auS den golden stäubenden HaselftaudiN, Singdrosseln juban chon im abendlichen Park und das Weidenlaubvögelchen huscht zufrieden durch sein altes Revier, in dem ein Heer silberner Kätzchen leinen Palmsonntagschmuck vorbereitet. Zu diesem Fest will auch da« hebe HauSrothfchwänzchen in sein trauliche« Versteck des Garten- bäuSchen« zu uns zurückkehren.

In der letzten Plauderei haben wir versprochen, eine Rundschau über die ersten FrühltngSarbeiten zu halten. Das wollen wir jetzt thun; nicht weitschweifig, sondern kur, und bündig, denn es sind viele, und ist die Witterung verlockend will fich ber echte Gartenfreunb mit ihnen sputen.

Aus bie nochmals seicht gegrabenen, sofort klar geharkten, lockeren, in hübsche Beete abgetretenen Reviere säen wir: Zucker- unb Pflückerbsen, Petersilie, Boretsch, den beliebten Würzer des Salats; ferner Kresse, die srühen Karotten, Schwarz- unb Zucker- wurzeln, Kerbelkraut unb Kerbelrüben, Pastinak und Zwiebeln. Rach Palmsonntag, sose.n nicht schon vorher beständige Witterung, auch die ersten Radieschen, Kopfsalat, Spinat, Schnittkohl, Melden und Vommerrettige. Schalotten, Zwiebeln und eoent. Knoblauch werden gesteckt. Hat unser kleines Frühbeet seine Pflicht gelhan und ist empfindliche Kälte nicht mehr zu befürchten, so kann nach Ostern wohl auch schon ans AuSpflanzen des jungen Kopfsalats, des Wirsing, deS Blumenkohl, Blaukohl rc. aus günstig gelegene Beete gegangen werden. Die Einfassungen von Eidbeeren, Salbei, Lawendel, Thymian, Schnittlauch, Estragon, Sauerampfer rc. können durch Theilen und Lichten verjüngt und umg. pflanzt werden. Zur Anlage neuer ©pargelbeete ist es auch Zeit; die alten werden seicht umgeg aben oder mit der Hacke gelockert, auch compostirt. In den Frühbeeten wird das Antreiden von Gemüse- und Blumensetzlingen weitergeführt; herrscht anhaltend strenge Witterung draußen, so kann diese Anzucht, an Stelle der Freilandaubsaat, auch in ganz einfachen, sogenannten kalten Kasten, ohne Dünger, die mit GlaS- oder Papier- senster versehen sind, vorgenommen werden.

Im Blumengarten kann mit der Aussaat der Lieblingssommer- blumen begonnen werden. Wer hätte solche nicht? Sieben nicht sieundliche Erinnerungen beim Nennen der Namen folgender Blumen­kinder durch bie Seele ber liebenswürdigen Leserin? Und möchte sie solche nicht auch im eigenen Gärtchen erziehen und pflegen? Blaue Kornblumen, wohlriechende ober spanische Wicken, Lupinen, Gaiten- mohn, breifarbene Winden, Rittersporn, Frauenspiegel (Campanula), Adonisröschen, Leokoyen, Goldlack, Fingerhut, Milchglöckchen,Jmor- ttHen ufrv.

Ist'« draußen noch zu rauh, der Boden noch zu seucht und kalt, so ist alles frühe Ausfäen, seien eS Blumen oder Gemüse, ein Unding. DaS Keimen und Wachsen läßt sich nun einmal nicht erzwingen. Dann warte man ruhig erwärmten, trockenen Boden ab. UebrigenS können in diesem Falle alle die ^genannten Blumen in Schalen oder Töpfe am Fenster der warmen Stube ausgesät werden; man erreicht aber nicht immer einen Vorsprung damit, besonders wenn dieglückliche Hand" dazu fehlt.

Gedeckte Pflanzen, wie Rosen rc., werden bei lauer Witterung gelüstet; Ziersträucher werden gepflanzt und die vorhandenen sach­gemäß beschnitten. Auch Staudenblumen pflanzen wir jetzt und ver­mehren sie durch Thetlung.

Im Obstgarten erfolgt jetzt der sogen. Winterschnitt ber Apri­kosen- unb Pfilsichformbäume. Schicken sich solche zur Blüthe an, so schützen wir sie in Frostnächten und desonbers an ben daraus folgenben Morgen solange durch geeignetes Deckmaterial, bis die Sonne den Boden wieder erwärmt hat. An einem der Sonne aus­gesetzten bereisten Spalier rc. erfrieren die Blüthen. Das gleiche Schicksal trifft alle zarten jungen Pflanzen, wenn deren noch gefrorener Boden unvermittelt von den warmen Strahlen der vollen Sonne getroffen wird. Nicht in der Frostnacht, sondern am sonnigen Morgen erfrieren sie! Eine Beschattung um diese Zeit Hilst über die Gefahr weg.

Der Schnitt der Kernobstbäume war schon im Februar erfolgt: bei allem Obst beginnt jetzt das interessante Pfropfen, sowohl in der Baumschule deS Gärtner«, als beim Gartenfreund, der eine ihm nicht zusagende Sorte durch eine köstliche, im aufzufetzenden Edelreis schlummernde, ersetzen möchte. Wo immer die Zahl der obsttragenden Lieblinge, auch deS Beerenobstes, vermehrt werden soll, da wird jetzt sorgsältig und sürsorgltch nach den schon früher angebeuteten Regeln gepflanzt. Es gibt ein Heer von guten und schlechten Obstsorten; Die Wahl ist deshalb sehr wichtig; nur bei einer glücklich getroffenen erlebt man spätere Freuden! Aus die verschiedenen Pflanzmethoden in den verschiedenen Bodenarten und Lagen, Pflanzregeln, den etwa nothwendigen Beschnitt, sei eS an Wurzeln oder Krone der Pflanz- objecte, hier zweckdienlich einzugehen, fehlt es leider an Raum. Jede practische Gartenzeitung lehrt sie; ebenso bie so wichtigen noth- wenbtgen Maßnahmen gegen bas leiber mit dem Erwachen beS PflanzenlebenS auch roieber austauchende SchädlingSheer, das infolge der letzten trockenen Jahre mehr droht rote sonst.

Wo irgend im Garten eine Verschönerung angebracht werden soll, sei eine kleine Felsanlage, eine trauliche Laube, ein Garten- häuSchen, eine hübsche Schmuckwand für blühende Schlinggewäch e rc., ein neuer Weg, ein Wasserbecken, mit ober ohne Springbrunnen, ober eine neue Fläche köstlichen grünen Schmuckrasens: jetzt ist eS Zeit dazu! Die frohe Arberl in der noch frischen Märzlnsl am schönen VorsrühlingStage fließt munterer fort al6 später unb der Genuß deS Geschaffenen, baß den voll erschlossenen Lenz schon fertig begrüßt, ist ein höherer, weil länger andauernder!

Heinrich Frhr. von Schilling.

Schiff-nachrichten.

Hamburg, 28. Februar. Neueste Nachrichten über die Be­wegungen der Dampfer ber Hamburg - Amerikanischen Packetfahrt- Actten-Gesellschaft. DampferRhenania", von Neworleans nach Hamburg zurückkehrenb, ist am 27. Februar, 10 Uhr Morgens, Lizarb passtrt. PostdampferTeutonia" ist am 26. Februar von St. Thomas via Havre nach Hamburg abgegangen. Postdampfer Gellert", ist am 26. Februar, 5 Uhr 20 Min. Nachmittag«, von Newyork in Hamburg avgekommen. PostdampferScandia" von Hamburg nach Newyork unterwexW ist am 27. Februar, 4 Uhr Morgens, in Havre angekommen. PostdampserBorussia", von Hamburg nach Westindien bestimmt, ist am 26. Februar, 8 Uhr Abends, in Havre angekommen. P stdampserBohemia". von Baltimore nach Hamburg zurückkehrend,*ist am 27. Februar, 5</i Uhr Nachmittags, Dover passirt. PostdampserGrimm" ist am 27. Feb­ruar, 8 Uhr Morgen«, von Hamburg via Boston in Baltimore angekommen. PostdampserMoraoia" ist am 27. Februar, 10 Uhr Abends, von Hamburg via Havre in Newyork angekommen.

Bedeutende Belriebsersparniffe

maschinellen Anlage der Großindustrie, deS Kleingewerbes ober der Landroirthschaft durch Ausstellung einer Wolf'schen ßocomobtle als Betriebsmaschine erzielt- Die von der rühmlichst bekannten Maschinen­fabrik von R. Wolf in Magdevnrg-vuckau fett mehr als 80 Jahren als Specialttät gebauten halbstationären und fahrbarenLocomobtlen mit ausziehbaren Röhrenkesseln übertreffen an Sparsam­keit des Brennmaterialverbrauchs, Dauerhaftigkeit, unb Lei- stunasfähigkett jegliche Motoren anderen Ursprungs u- haben auf allen deutschen LoLomodil-Concurrevren den Sieg baoongdragen. [403

Feuilleton.

Zwei Feinde.

Von Theo Seelmann.

(6. Fortsetzung.)

Mechanisch that Georg, wie ihm geheißen war. Sie schritten an dem überraschten Wächter vorbei, in den Bor­raum de« Schlosses, wo die Gräfin einem Diener den Be- fehl gab, sofort baß beste Reitpferd ihres Stalles zu satteln und vorzuführen.

Wenige Minuten später schwang sich der junge Offizier in bm Sattel beß feurigen Renners, der vor dem Portal un­ruhig scharrte. Die Gräfin hatte Georg hinausbegleitet und streckte ihm zum Abschied die Hand hinauf.

Sie haben mir, Gräfin," sagte Georg innig,tausend­fältig vergolten, waß ich an Ihnen gethan habe. Ich hoffe zuversichtlich, wir sehen unß wieder l"

Dann gab er dem Pferde die Sporen und sprengte in die Dunkelheit der Nacht hinauß.

ni.

Napoleon Bonaparte hatte, wie erwartet, wieder die Waffen ergriffen. Aber der Sieg hatte seine Fahnen nicht begleitet und zum zweiten Male waren die Verbündeten in Frankreich eingedrungen. Nach der Schlacht von Belle- Alliance flutheten die verbündeten Heere über die französischen Fluren der Hauptstadt Paris zu, wohin sich Napoleon ge­flüchtet hatte.

Auf der Straße von Laon nach Soiffons trabte eine Pattouille von zehn Dragonern, die von einem jungen Offi­zier geführt wurde. Es war die äußerste Spitze des Blücher'schen Heeres, daß in kühnem Andrang die geschlagenen Armeen Bonapartes verfolgte.

Nun werdet Ihr bald Ruhe haben, Dragoner," wandte sich der Offizier an die Reiter und wies auf ein in der

Ferne liegendes hochgethürmtes Gebäude,dort, in dem Schlosse Alvillac, werden wir für heute Quartier nehmen. Darum noch einmal frisch die Zügel angezogen!"

Nach einem kurzen Ritt hielt die Patrouille vor dem Schlöffe, daß wie ausgestorben schien. Erst auf wiederholtes Pochen und lauten Anruf erschien ein alter Mann, der beim Anblick der feindlichen Truppe erschreckt zusammenfuhr.

Ihr seid, wenn ich nicht irre," redete der Offizier den Alten an,der Hofmeister der Gräfin d'Arvillac?"

Zu Befehl," antwortete der Gefragte überrascht.

Und ich bin," fuhr der Offizier heiter fort,der Kaufmann Burwig, der vor einem halben Jahre bei Euch als Spion gefangen wurde und erschossen werden sollte. Er­kennt Ihr mich wieder? Doch nun beantwortet mir diese Frage: wo ist Eure Herrin?"

B^i der Erwähnung seiner Gebieterin zuckte der Alte in tiefem Weh zusammen und begann mit bebenden L'ppen zu erzählen. Nach der Flacht Georgs waren in der F'ühe die Bauern mit den eingetroffenen Soldaten auf baß Schloß gekommen. Hier hatte sich die Gräfin dem Hausen entgegen« g:stellt und kurz erklärt, warum sie den Gefangenen aus der Hast entlaßen habe. Dann hatte sie sich in edlem Opser- muth den Soldaten freiwillig als Gefangene angeboten, um für die Folgen ihrer That vor den Richtern einzutreten. Diese Eröffnung hatte den Haufen zur wüthendsten Erregung angestachelt. Man hatte die Gräfin noch an demselben Morgen nach Laon geschleppt, wo sie wegen Verraths am Vaterlande vor Gericht gestellt wurde. Bei der Eigevhett beß Falles hatte man dem Kaiser selbst darüber Bericht ab« gestaltet und dieser hatte in seiner eisernen Strenge den Tod der Gräfin durch das Beil becretiit. Nur auf die dringenden Bitten der Gefangenen war baß Unheil in Erschießung um- gewandelt worden.

Und ist das Unheil bereits vollzogen?" unterbrach Georg v. Harwegk die Erzählung des Hofmeisters. Sein Gesicht war fahl und seine Stimme klang rauh, als er die Frage an den Alten richtete.

Nein, noch nicht," erwiderte der Gefragte tonlos. jAber in drei Stunden wird die Gräfin ihr Leben außgehaucht haben. Heute Nachmittag um vier Uhr wird sie in Soiffons den Tod erleiden."

In Soiffons?" brachte Georg v. Harwegk nur hervor. Nun denn, Dragoner," wandte er sich mit wilder Ent­schlossenheit an die Soldaten,wir müssen zu dieser Zeit in Soiffons sein und wäre es unser sicherer Tod. Wollen wir noch zur rechten Stunde eintreffen, so müssen wir reiten, daß die Pferde zusammenbrechen. Darum vorwärts! Marsch!"

Und wie die wilde Jagd stürmte die Pattouille von dannen*

In einer Zelle des Sladtgefängnisses von Soiffons saß in Gefangenkleidung vor dem morschen Tisch ein junges Weib und schauie voll tiefer Ergriffenheit auf eine einfache Bleistiftzeichnung auf einem weißen Blatt, die den Kopf eines jungen Mannes barstellte.

Mein letzter Blick," flüsterte die Gefangene,soll Dir gelten, der Du mein Herz erobert hast, als ich in Dir nach langen Jahren der Trennung meinen Lebensretter wieder erkannte. Du ahnst es nicht, maß Du mir geworden bist seit der Stunde, wo Du von meinem. Besitzthum flohest. Wie oft hat sich mir Deine Gestalt meinem Geiste vor­gezaubert und wie oft habe ich ben Griffel genommen und Deine geliebten Züge auf das Papier geworfen. Mit Deinem Bilde auf dem Herzen will ich dem Tode ruhig ent­gegensehen."

Sie faltete das Papier zusammen und barg es in ihrem Busen.

In die Zelle trat der ehrwürdige Geistliche, dem der Auftrag zu Theil geworden war, die Verurtheilte auf dem letzten Gange zu begleiten. Mit warmen, ernsten Worten sprach er ihr Trost zu und suchte sie in ihrem Muthe zu bestärken.

(Schluß folgt.)