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1894
SamStag de» 3. März'
Nr. 52 Zweites Blatt.
Der #t4<ner Anzeiger erscheint täglich, ■it Ausnahme de« MontagS
Die Gießener PamtkienStStter »erden dem Anzerger »Schenkt,ch dreimal drigeleßt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
WeNeljährr-er jLMenfmf*UpTCtei L Mark 90 PI» ■* Vringerloh».
Durch d,e Post de-.G» 8 Marl 50 Pfg.
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Amts- und Anzeigeblatt kür den Kreis Gießen.
Hratisbeifage: Hießener Jiamilienbkätter
^iUdon
«llr Unnoncen-Dureanx deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger- entgege».
Annahme wee Anzeigen zv der Nachmittags für den jalgenden Lag erscheinenden Nummer di« Varm. 10 Uhr.
Zwei Feinde
von Theo Seelmann.
(5. Fortsetzung.)
Im nächsten Augenblick öffnete sich die Thür und herein trat eine jugendliche Mädchengestalt. Die schwarzseidene Robe und die selbstbewußte Haltung ließen sofort die vornehme Dame erkennen.
„Ich bin," begann die Singetretene nach einem flüch. tigen Gruße, „die Besitzerin dieses Schlöffe-. Mein Hofmeister hat mir, wie Sie vielleicht schon wissen werden, die Auffindung Ihrer Berichte mitgetheilt, und ich will es Ihnen nicht verhehlen, daß ich e- gewesen bin, die die An» zeige an den Maire abgestattet und Ihre Verhaftung ver» anlaßt hat. Ich war dies meiner Verehrung gegen meinen Kaiser und der Liebe zu meinem Daterlande schuldig. Ihr Schicksal ist bereit- entschieden, denn schon ist eine Abordnung nach Soiffon- abgegangen, um ein Militärcommando herbei« zuholen. Der Gemeindevorstand hat Ihren Tod beschlossen und ich kann diesem Beschluß nur zufttmmen."
In dem Gesichte der Sprecherin prägte sich ein harter, kalter Zug aus, der von dem jugendlichen Liebreiz seltsam abstach.
„Aber ich bin,- fuhr sie in festem Tone fort, „mit der Art und Weise nicht einverstanden, wie man den Beschluß zur Ausführung bringen will. Man will Sie morgen früh vor die Gewehrläufe zerren, ohne Ihnen Gelegenheit zu geben, sich zu sammeln und von den Ihrigen in einem letzten Briefe Abschied zu nehmen. Man hat das Recht, einen Feind zu behandeln, wie e- einem Feinde zukommt, aber man darf eS nicht auf eine unedle Weise thun. Und unedel
ist es, wie man mit Ihnen verfahren will. Deßhalb bin ich hier erschienen, um einem Unrecht vorzubeugen."
Auf ein leises Klopsen an der Thür trat ein Diener ein, der aus einem Tablette Schreibgeräthschaften hereintrug. AlS der Bediente daS Zimmer wieder verlaffen hatte, wandte sich die Gräfin an den jungen Offizier, der, wie von einem Traume befangen, ihrer Auseinandersetzung zugehört hatte.
„Hier ist Papier, Schreibzeug und Siegellack," ver- setzte sie ernst. „Benutzen Sie es nach Ihrem Belieben. Ich gewährleiste es Ihnen, daß der Brief, den Sie schreiben werden, sicher in die Hände deS Adrcffalen gelangen wird. In einer halben Stunde werde ich das Schreiben durch einen Diener abholen taffen."
Mit einem leichten Kopfnicken raufch'e die Gräfin aus dem Zimmer.
Von Georgs Lippen rang sich ein schwerer Seufzer. Sein Gesicht war bleich und in seinen Augen lohte ein düstere- Feuer.
„Wenn e- denn mir einmal bestimmt ist, zu sterben," murmelte er, indem er sich zum Schreiben anschickte, „so will ich wenigstens ruhig und gefaßt, wie eS sich für einen Soldaten geziemt, in den Tod gehen."
In ruhigen, kräftigen Schriftzügen warf er einen kurzen Brief auf das Papier, in dem er von seinem Onkel Burwig, als seinem einzigen Anverwandten, Abschied nahm und ihm den Gang seiner Gesangennahme schilderte. Dann faltete er den Brief zusammen und löste von der Uhrkette den Skarabäusring. Er pflegte, seitdem er ihn besaß, ihn stets als Petschaft zu gebrauchen, und drückte ihn auch jetzt auf den flammenden Siegellack, mit dem er den Brief verschloß. Scharf und klar hob sich das Siegel des geheimniß- vollen Käfers von dem Papier ab.
Bald darauf erschien ein Diener, dem er den Brief zur Ablieferung an die Gräfin übergab.
Georg v Harwegk hatte sich auf einen Sessel meder- gelassen, um sich in ernster Sammlung für die kommenden Stunden vorzubereiten, als plötzlich die Thür von Neuem geöffnet wurde und die Gräfin in das Gemach eilte.
„Mein Herr," begann sie hastig, indem sie nur mülsiam ihre Aufregung verbarg, „entschuldigen Sie, wenn ich störe. Sie haben m,r durch den Diener den Bries überbringen lassen, der als Siegel einen Skarabäus trägt. Darf ich mir die Frage erlauben, ob Sie nur zufällig ein solches Petschaft verwenden oder ob Sie durch besondere Umstände in seinen Besitz gelangt sind?"
Georg schaute betroffen zu der jungen Dame aus.
„Da-Petschaft." versetzteererstaunt, „besteht au-eine« Ring, den ich von einer Dame erhielt, deren Lebensretter ich geworden war." r c m
„Denn heißen Sie nicht Burwig, sondern Georg von Harwegk."
Der junte Offizier sprang von feinem Sitze aus.
„Und Sie, Sie wären, meine Gnädige?"
„Ich bin," antwortete die Gefragte, „Clemence de'Heur- Ville. Nach dem Tode seines älteren Bruder- hat mem Vater das Majorat unserer Familie und damit den Namen d'Arvillac übernommen. Auch mein Vater lebt seit zwei Jahren nicht mehr und ich bin die Letzte unseres Geschleckt-. Und dieser letzte Sprößling eine- edlen Stamme-, fuhr die Gräfin warm fort, „wird sich seiner Ahnen würdig zeigen. Durch mein Betreiben sind Sie verhaftet worden, so Bat Ihnen der Tod droht, durch mich werden Sie, der mit das Leben erhielt, gerettet werden. Nehmen Sie Hut uni Mantel und folgen Sie mir."
(Fortsetzung folgt.)
> der PmMMsache des Karl Amendt in Gießen, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. Fuhr daselbst
Privatklägers, gegen den Paul Röhrte in Gießen, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. Gutfleisch daselbst,
Angeklagten, wegen Beleidigung,
Hal das Großh. Schöffengericht zu Gießen am 13. Februar 1894 für Recht erkannt:
Der Angeklagte, Kaufmann Paul Röhrle zu Gießen, wird wegen Beleidigung im Sinne des § 185 St.-G.-B. und Körperverletzung nach § 223 St.-G.B. in eine Geldstrafe von zusammen 30 Mk. in Worten dreißig Mark, eventuell 6 Tagen Ge- fängniß und in die Kosten, einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen nothwendigen Auslagen verurtheilt.
Zugleich wird dem beleidigten PnvatklägerdieBefugniß zugesprochen, den entscheidenden Theil dieses Ur« theils — soweit die Beleidigung betr. — binnen 14 Tagen nach Rechtskraft einmal auf Kosten des Ver- urtheilten im Gießener Anzeiger zu veröffentlichen.
Tie Richtigkeit der Abschrisr der Urthiilssormel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des UrtheilS bescheinigt. [1825
Gießen, den 1. März 1894.
L. 8. gez. Seitz
Hilfs-GerichtSschreiber des Großh. Amtsgerichts.
Die Richtigkeit der Abschrift beglaubigt
Gießen, den 1. März 1894 Dr. Fuhr, Rechts anwalt.
Gundersheimer Sanitätskäse. [34]
Holzversteigerung.
In dem Rieder-Bessingener Wald kommen zur Versteigerung Dienstag den 6. März l. I. 246 rm Buchen-Scheitholz,
30 „ „ Knüppel,
21 „ Eichen-Knüppel,
10 „ Aspe-Knüppel, 145 „ Buchen-Reisig, 170 „ Buchen- und Eichen-Durch- forstungsreisig,
85 rm Eichen-Reifig,
40 „ Fichten- und Espen-Reisig, 20 „ Fichten-Reisig geeig zu Streu
185 „ Buchen-Stöcke,
25 „ Eichen-Stöcke,
8 „ Nadel-Stöcke,
Donnerstag den 8. März l. I. 30 Stämme Eichen-Bauholz, 16 fm, 3 „ „ Schnittholz, 3,5 fm,
42 „ Buchen - Schnitt- und
Wagnerholz, 29 fm,
25 Stämme Fichten Bauholz, 14 fm, Hainbuchen, 3,5 fm, Derbstangen, Fichten, 14 fm, Bohnenstangen 1400 Stück, Grubenholz, Eichen, 28 fm,
„ Kiefern, 8 fm.
Der jedesmalige Anfang ist Vormittags 10 Uhr,' die Zusammenkunft beim Pflanzgarten. 1826
Nieder-Bessingen, 27. Febr. 1894. Gr. Bürgermeisterei Nieder-Bessingen. Horst.
Dienstag den 6. März,
Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die den Karl Oerma«« «helenten in Gießen gehörigen Jmmobllien:
Flur 1 Nr. 666 — 76 qm Hofraithe auf dem Kreuz,
Flur 1 Nr- 568 — 160 qm Hofraum daselbst
öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, 22. Februar 189^
Großh. OrtSgericht Gießen-
I. A: Vogt. 1542
Holzversteigerung
im Winneröder Walde-
Künftigen Montag, 5. März, sollen im Burgwald, Petersgrund und Eichkopfel versteigert werden:
23 rm Buchenscheitholz,
161 „ Buchenprügelholz,
18 „ Eichenprügelhol,
95 „ Kiefernprügelholz,
39 „ Buchenstockholz,
352 „ Buchenreisholz und
201 „ Kiefernreisholz.
ferner:
417 Fichten-Derb- und Reisstangen mit 8,09 fm Inhalt.
Zusammenkunft Vormittags 9 Uhr am Burgwald auf dem Wege nach Lindenstruth. [1748
Winnerod, den 23. Februar 1894. G. C. Zimmer'sche GutSverwaltung.
Versteigerung.
«amstag de« 3. Mär, M. Js versteigere ich gege« Baarzatzlnngr 1) »ach«. 2 Uhr, Marktplatz 20:
4 Pferde, 1 Rind, 1 Schwein, 1 ooll- ständ. Ladeneinrichtung, ca. 20 Betten (mit und ohne Sprungs -Mattatzen), SophaS, Klciderschränke, Tische, Stühle, Spiegel, 1 colb. und 1 filb Taschenuhr, sowie d-rgletchen Schmuck- fachen-
2) Nach«. V2S Uhr im Hofe »o« Vahah-fstraße 23:
1 vorder, «nd 1 Hinterpstug, 1 eiserne «gge, 1 Dickmarzmsthle, 1 xyrnchtfegemsthle «nd 1 Stroh- dank
Versteigerung ad 1 findet thetlweise, ad 2 aber bestimmt statt.
1816 Vor«, Gerichtsvollzieher.
I eilgebotenes.
Meßlatten und -Ä
jederzeit vorräthig. [715
Joh. Lenz,
Schreinerei und Holzhandlung
2unlz
ä M. 1,70, 1,SO, 1,90 und 2,00 das Pfund, unObertr- in Aroma und Kraft. Alleinverkauf f. Gieße» bei J. M. Schulhof.
Auswärtige Verkaufsstellen: In Steinbach bei
Hch. Kraemer L
iava- Kaffee
In Lollar bei A. Zimmermann. In Londorf bei Gg. Brann. Feinste chinesische Thees int Preise von Mk. 3.-, 3.60 und 4.— 164] per 7, kg in Packeten von 125 unb j50_gr;__^__
25 JÄHRIGER ERFOLG
Ld Z UJ o
Z - O «$. _J o Q_ Ld S 5:
O CD
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C/D o ZE m
Z 39
VERKAUF IN DEN APOTHEKEN UND DROGUEN-HANDLUNGEN.
The Imperial - Wine - Company
C Rühlmann & Co., Köln.
Erstes EpeeialgeschLft in Portwein, Sherry, Madeira. Malaga, Marsala, Vernioutb. Bordeaux, Tokayer etc.
Verkauf zu Originalpreisen und Niederlage i« Gieße« bei
1027 A. & G. Wallenfels.


