Nr. 283
Der Hteßeuer Auzeiger «rscheint täglich, mit Ausnahme br« Montags.
Die Gießener Irxmitiendkäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.
Erstes Blatt. Sonntag den 2. December
1894
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger.
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Feuilleton.
Wochenbriefe aus der Refideu).
(Originalbericht des „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 30. November. Großherzogs Geburtstag. — HochzeitSgescheuk der fünf größeren Städte au das Grobherzogliche Paar.
Einen viel stilleren Character, als die Festlichkeiten unseres Grobherzoglichen Hauses sonst tragen, zeigte die Feier des diesjährigen Geburtsfestes des hohen l Fürstenpaares. Schon der Tag, das Todtenseft der evangelischen Kirche, war nicht dazu angethan, freudigen ®e- »hlen allzu vielen Raum zu lasten. Dazu kam die Trauer um den verstorbenen Kaiser von Rußland, wegen der auch die festlichen Veranstaltungen der Truppen, die sonst an diesem Tage stattfinden, unterblieben- schließlich mag die Abwesenheit Sr. König!. Hoheit des GroßherzogS, die durch die Hochzeit am russischen Hose bedingt war, wohl auch einige Schuld an der Stille des Tages haben. Die einzelnen Schulen hielten am Samstag Morgen dem Feste entsprechende Acte. Krieger- und Militärvereine hatten am Abend des Tages Feierlichkeiten arrangtrt, die Behörden am Mittag ihre Bureaus geschlossen. Das althergebrachte Festessen der Darmstädter Bürger wurde am gleichen Tage im städtischen Saalbau unter großer Betheiligung — eö waren saft 300 Gedecke — abgehalten. Bet demselben hielt Seine Hxcellenz Herr Staatsminister Finger die Festrede, die in ein begeistert aufgenommenes dreimaliges Hoch auf Ihre Königlichen Hoheiten den Großherzog und die Großherzogin auSklang. Am Montag Morgen hatte die Stadt reichen Flaggenschmuck angelegt. Hessische, coburgische und deutsche Fahnen zierten fast sämmtliche Häuser in den Straßen. Im Großherzoglichen Neuen Palais lagen zwei Listen auf, eine für Se. Königl. Hoheit den Großherzog und eine für besten Hohe Gemahlin, in die sich die Bürger der Stadt einzetch- neten, um auf diese Weise ihre Glückwünsche darzubrtngen. Die Hofchargen wurden von Ihrer König!. Hoheit der Groß« Herzogin in besonderer Audienz einzeln zu dem gleichen Zwecke empfangen. Am Abend fand im Großh. Hoftheater Fest-
$ ' Rom, 30. November. Das Amtsblatt veröffentlicht Decrete', durch die die Organisation der Armee, die Eintheilung der Militärbezirke und die Bezahlung der Zuschüsse an Osfiziere und Soldaten abgeandert wird, ferner werden zwei Decrete über die Organisation der Central-KriegSverwaltung veröffentlicht. Unter den beschlossenen Reformen sind die hauptsächlichsten die Aufhebung mehrerer Generalsposten, die Umwandlung von sechs Feldbatterien in Gebirgsbatterien, Auflösung von fünf I Feftungs-Artillerie-Regimentern, Aufhebung von 14 Tern-
abgehalten werden. „ er.
Die weiteren Mittheilungen über bie Eröffnungssitzung erfolgen in dem Bureau des Reichstags, Leipztgerstraße 4, am 4. December in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und am 5. December von 8 Uhr Vormittags ab.
In diesem Bureau werden auch die Legitimationskarten für die Eröffnungssitzung auSgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen gemacht werden. , -
Wegen des beschränkten Raumes tm Rittersaale und I Festungs
des Mangels an Tribünen können Zuschauer zu dem Er- öffnungsacte nicht zugelasten werden.
Berlin, den 27. November 1894.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers, v. Boetttcher.
Au8 Asaß-Lothriugen, 29. November. Bekanntlich verweigerten die sozialistischen Kreistagsabgeordneten B u eb und Doppler-Mülhausen die Leistung des verfas ungsmaß g vorgeschriebenen Eides, weshalb sie ihres Mandats verlustig erklärt wurden. Die erforderliche Ersatzwahl sind et nun am 8. und 9. Dezember statt. Wie verlautet, werden Bueb unb Doppler abermals candidiren, schwerlich aber wieder gewählt werden._________ ___
Neueste Nachrichten.
Wolff» telegraphische» Eorrefpondem- Bureau-
Berlin, 30 November. In Gegenwart der Kaiserin und des Hofstaates, der Gräfin von Oriola vom Homaate der verstorbenen Kaiserin Augusta, deS HauSrninisters Wedel, des Ministers Delbrück u. A. fanD heute Nachmittag di- Seiet des Mährigen Bestehens deS Augusta-Hospitals Lt Festpredigt statt. Die Kaiserin stiftet- Summe behuss Gründung eines Fonds für in den Ruhe stand tretende Schwestern; der Grobherzog b°n Baden and ° eine gleiche Summe. — Der Cultusminister Bosse richtete an den Berliner Magistrat ein Schreiben, in dem er den Gemeindebehörden seine Anerkennung ausspricht für dr- be wiesen- Liberalität bei der Festsetzung der L-hr-rg-halt-r.
Kiel. 30. November. Die Prinzessin Louise von Glücksburg, Schwester des König» von D-nemark, Aebtissin des adeligen Convent» Itzehoe, ist heute Morgen
tortal-Artill-rie-Dir-ction-n, Errichtung 12 local" »t tHret« CommaudoS, bestehend aus je einem technischen Ossi,in Geschütz und sonstiges Material und aus zwei oder mehreren Brigaden Kästen, oder F-stungSartilleri-- f'™" ’
der FestungSartillerie um acht Compagnien und B-rminderu , der fünfzehn artilleristischen EtabllsiementS ausi zehn, Bildung eine« fünften Genieregiment» Mineure, Aufhebung Cad-ttenanftalt-n, Aushebung von fünf Militärgerichten Reformen sichern -in- Ersparnih von 7,500,000 grätig Die Decrete werden eingeleitet durch einen Berich Kriegsministers, der versichert, die Armee werde durch Reformen nur verstärkt- eS ergebe sich daraus e sackuna des Dienstes, eine Vermehrung der OsfizierSsteueu in^dei? Regimentern, -in- Verstärkung der SrieWi™ der Compagnien und besiere Krieg-Vorbereitung,.ferner eine i-stere Organisation der Milizen und rascheret Mobil firung.
Glasgow, 30.November. In der heutigen Dele gtrt -» Versammlung der schottischenBerg. -ut-wurd- bekannt gegeben, sämmtliche Grubenbesitzer hatten die Lohn ausbesierung um 6 Pence °bg-l-hnt, die Arbeiter seien tnd-b einem neuen Strike abgeneigt. Die Delegtrten beschloss , zu Gunsten der Forderung einer fünftägigen Arbeitszeit tu. bet Woche einzutreten und das Verlangen der Lohnerhöhung b l der e sten Gelegenheit zu wiederholen. Eine R-soln ion ward anaenommen" durch die der Seeretär angewiesen wird, die Grubenbesitzer aufzufordern, mit Arbeitervertretern d e Bildung eines Versöhnungsamtes zu besprechen.
E-ttinj-, 30. November. Nach hier eingelaufenen Mel- düngen zog die türkische Regierung beträchtliche Truppen' muffe° in Albanien zusammen. Man glaubt, es Handl- sich um Entwaffnung der Albanesen. ,ri_.
?°li°, 30. November. Der Zolldirector ® I trat feine Rückreise nach Shanghai an, nachdem die^jap^ nifche Regierung -« ab gelehnt hat, mit h $ handeln. '_____________
WB. Varzin, 1. December. DaS Befinden Bismarck» ist befriedigend. Schweninger reist heute ab.
Depefchm bei Bure« »Herold^
Berlin, 30. November. Der „Retchsanzeiger bestärkt, daß am 5. D-c-mber, Nachmittags um 1 Uhr, unter Be- theiiignng des Kaiserpaares, des Kronprinzen, der Prinzen
Vorstellung statt. Prächtig nahm sich der Zuschauerraum aus, ein Meer von Licht durchfluthete den weiten Raum, in dem die glänzenden Galauniformen und Orden der Herren und die reichen Toiletten und Geschmeide der Damen ein Bild verschwenderischer Pracht boten. Als Festoper gab man, tote schon kurz berichtet, Anton Rubinsteins „Der Dämon . Wenn ich offen sein soll, so muß ich Ihnen sagen,^eigentlich hatte ich mehr erwartet. Die Oper an sich ist nicht überall leicht verständlich und feffelt, im Ganzen betrachtet, wohl viel auch infolge der verschwommenen Characterzetchnung einzelner Figuren, den Hörer nicht dauernd. Auch der Aus- gang — Tamara wird selig, weil sie „geliebt und gelitten hat — ist genau genommen recht unbefriedigend. Einige ©eenen, besonders im zweiten Acte, sind von wunderbarer Klangschönheit und boten vor allem dem Vertreter der Titelrolle, Herrn Weber, Gelegenheit, sein prachtvolles Organ voll und ganz zu hervorragender Geltung zu bringen. Seine Partnerin, Fräulein Borchers, erntete für ihre „Tamara ebenfalls große Triumphe. Ueberhaupt kann die Aufführung, besonders da auch die kleineren Rollen sämmtlich mit den ersten Opernkräften besetzt waren, als wirklich musterhaft bezeichnet werden. Auch der Ausstattung und Jnscenirung war eine geradezu peinliche Sorgfalt zugewandt worden. Den neugemalten Couliffen des Herrn ©chwedler, ebenso wie den Tänzen und chorischen Arrangements, die Herr StemS mit dem Corps de ballet einstudirt hatte, gebührte die allergrößte Anerkennung. Der zur Feier deS Tages gedichtete scenische Prolog von Otto Roquette, welcher der Oper vorausging, fand ebenfalls eine sehr dankbare Aufnahme. Die Handlung desselben spielt in einer Darmstädter Wirths- stube. Ein Schullehrer aus dem Odenwalde befindet sich mit einigen jungen Bauern und Bäuerinnen aus seiner Heimath und aus dem Coburger Lande in dem mit den Bildern des hessischen FürftenpaareS geschmückten Locale und hält barm mit jenen, die im Begriffe stehen, zum Schlöffe zu gehen, um ihre Glückwünsche darzubringen, die letzte Hauptprobe ab. Das Ganze ist in leicht fließenden Versen geschrieben und eine überaus sinnige Huldigung an die hohen Geburtstag- Feiernden. Der Vorstellung wohnten Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin, bei deren Eintritt in, die Hofloge Herr
Beigeordneter Köhler ein dreimaliges Hoch auf unser all' verehrtes Fürstenpaar ausbrachte, und sämmtliche hier an "‘'‘"sag St?9te ä"ff“in °ll-r P°si°n'°n der Wilhelmine», straße erregt eben daS in den Schaufenstern der Silberwaaren- abrik von L. Vietor dahier ausgestellte H°^eitsgeschenk Lr £iinc oröhten hessischen Städte an das Großherzogltche kwÄ te drei mächtigen silbernen Terrinen kus getriebener Arbeit. Die größte darunter hat einen Längsdurchmeffer von beinahe einem Meter, die beiden kleineren von ca. einem halben Meter. Alle drei sind vollständig gleich anSgesührl, nut in b-rscheden-n Masten. Aus eiet breiten Fützen ruht ein bauchiger, mit zwei Henkeln v-tlebenet Mel, auf desien Aust-nf-ite die Wappen der Städtt und in der Mitte der Vorder- und Rückseite das Alliunc-wapp-n de» H-fsifch°n und C°burger Fürstenhauses inmitten reicher Verzierungen sichtbar sind. Ueber den beiden Alliancewappen ist eint gegossene Sllb-rkron- angebracht. Gekrönt wird da» Ganze von einem prunkvoll gehaltenen silbernen Deckel. Die beiden kleineren Terrtnen stehen in bis auf die Ränder und das in der Milte befindliche Alltane-' Wappen glatt gehaltenen Silb-rschal-n, di- grast- ruht ans einem massiven, reich mit silbernen Ornamenten geschmückten Eb-nholzsust, desien Vorderanficht ein Schild tragt mit der Aufschrift „Ihren Königlichen Hoheiten dem Grosth-rzo, Ernst Ludwig und der Grobherzogin Blctona M-ttta J« Allerhöchst Ihrem Hochzeitstage in tiefer Ehrerbietung gewidmet von den Städten Darmstadt, Mainz, Glesten, Offenbach, Worms, am 19. April 1894.» Da- wundervolle Kunstwerk ist in Roccocoform glätten, in feigem Siber unsgeführt und repräfentirt einen Werth von ca. 25,000 Mt. Bekanntlich ging die General-Jdee de- Werkes von Aller- böchfter Stelle aus, die G-fammteomposition rührt, wie bie
Darmst. Ztg.» erfährt, von der Firma L. Vietor dahier her, welche auch zugleich mit den Firmen I. Kn-witz, Jos. oj M Rgck-rt, W. Sau-rw-tn in Mainz, H. Zimmer in Giesten und I. Bohlander in WormS die Ausführung besorgte. ____
«nnahme von Anze'g'N zu ber Nachmittag« für bex fotgtnbrn Tag erschcmenbm Nummer bi« Vorm. 10 Uhr.
Sekunden: 1 Brosche, 1 Armband, 1 Mansch etten- fnopf, 1 Dolch, 1 Spazierstock, 1 Mütze, 1 ^ch- l Schleier, 2 Armstauchen und 1 Paar und 3 einzelne Handschuhe.
Gießen, den 1. December 1894.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
" i
Deutsches Reich.
Darmstadt. 30. November. Die Kaiserin Alexandra Feodorowna dankte telegraphisch dem 8Wen 3fen6urg= Büdingen und dem Justizrath Weber in Offenbach, Präsidenten der hessischen Ständekammern, für die Namens der letzteren xm Vermählungstage übermittelten Glückwünsche.
Darmstadt. 30. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind mit dem Gefolge gestern Nachmittag 5»/4 Uhr in erwünschtem Wohlsein von Petersburg hierher zuruckgekehrt. November. Mit Bezugnahme auf die in Nr. 41 des Reichs-Gesetzblatts verkündete Kaiserliche Der. ordnung vom 2. b. M., burch welche der Reichstag berufen st, am 5. December b. I. in Berlin zusammenzutreten, wirb hierdurch bekannt gemacht, baß Eröffnung des Reichstags an diesem Tage um 11V« Uhr Mittags im Nittersaale bes hiesigen Resibenzschloffes ftattfinben wirb.
Huvor wirb ein GotteSbienst unb zwar für die Mitglieder ber evangelischen Kirche in ber Dom'Jnterimskirche (Monbijou) um 10^ Uhr, für bie Mitglieber ber katholischen Kirche m der Sr. HedwigSkirche um 11 Uhr


