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Freitag den 2. Februar
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieszen.
Hratisöeikage: Hießener Aamilienökätler.
Amtlich»» Theil
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Annahme von Anzeigen zu ter Nachmittag» ftr den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 llhr.
viertttjLhrida >N**mretxyr*i 2 Rerf 90 Sßlfr ■* Vringerlohn. Duoch die Post be^m 9 Rar, 60 Pf».
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Nr. 27 Zweites Blatt
»Le Lnnoncen-Bureaux de» In- und AuSlande« nehm« Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger" rntgrge».
1 DermiWUi.
* Harmover, 27. Januar. In einer Wohnung des Hauses Friesenstraße 9 warfen Kinder, die eingeschlossen waren, eine brennende Petroleumlampe um. Es entstand dadurch ein Brand und dichter Qualm- drei Kinder fanden hierbei den Tod durch Ersticken, während das vierte (4 Jahre alte) Kind vielleicht noch dem Leben erhalten werden kann.
» Metz, 29. Januar. Wieder einmal ein Unglück durch unvorsichtiges Umgehen mit Schußwaffen. Gegen 4 Uhr gestern Nachmittag kam der Soldat Geistert vom 12. sächsischen Artillerie-Regiment zu dem ihm befreundeten Bruder des Metzgermeisters Klemm. Man betrachtete ein altes Gewehr und daraus auch einen Revolver, der sich in den Händen des Klemm entlud und den Soldaten Seiffert so unglücklich In den Unterleib traf, daß er eine halbe Stunde später verstarb. -Der unfreiwillige Mörder hat sich der Polizei sofort gestellt.
» Pisa, 29. Januar. In vergangener Nacht wurde in der Humbert Kaserne ein Corporal und zwei Soldaten ge- tvdtet, ein Soldat schwer verwundet. Man glaubt, daß der Mörder ein Soldat sei, der durch das Fenster flüchtete.
8. Antwerpen, 27. Januar. Don den Franzosen werden ganz außerordentliche Anstrengungen gemacht, um eine möglichst vollständige und glänzende Vertretung der französischen Industrie auf der Antwerpener Weltausstellung berbeiruführen. So hat sich unter Anderem jetzt in Bordeaux i ein „Special-Comitö für die Wein-Jndustrle" gebildet, besten
Der
' OUtzeuer Aozeiger «scheint täglich, ■rit Ausnahme de» Montag».
Dir Gieß««
»«den dem Aozeiger wöchentlich dreimal dnsckqr.
Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthum-; hier Verloofung gelegentlich des Vieh- Marktes zu Lauterbach.
Der Stadtvorstand zu Lauterbach beabsichtigt mit dem am 7. Juni l. Js. daselbst stattfindenden Prämien- und Vieh- markte eine Verloofung von Vieh, sowie landwirthschaftlichen- und Hausgeräthen.
Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver. loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 8000 Loose zu 60 Pfg. das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 65 % des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find. ,
Der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen ist gestattet.
Gießen, den 29. Januar 1894..
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießener Anzeiger
Kmeral-Mzeiger.
Bekanntmachung, betreffend Verloosungen aus Anlaß der Darmstädter Pferde- markte in 1894.
Auf Nachsuchen des Landespferdezuchtvereins — Section für die Darmstädter Pferdemärkte — hat Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz genehmigt, daß in den Monaten Mai und October laufenden Jahres je ein Fohlen- und Pferdemarkt zu Darmstadt abgehalten wird und mit diesen beiden Märkten Verloosungen vornehmlich von Pferden und Fohlen, von Pferdegeschirren, landwirth. schaftlichen Geräthschaften, sowie sonstigen Gegenständen, nach dem vorgelegten Verloosungsplane verbunden werden. Diesem Plane gemäß sind bei jeder der zwei Verloosungen höchstens 40000 Loose — das LooS zu 1 Mark — auszugeben und wenigstens 65% der Brutto-Einnahmen zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden. Der Vertrieb der fraglichen Loose ist für den Umfang des Großherzogthums gestattet.
Gießen, 29. Januar 1894.
Großhsrzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
hinausgerutscht, die letztere selbst war verschoben und zeigte, durch das ungeschickt angestrichene Lederzeug hervorgerufen, überall weiße Flecken, die Säbelschließe saß schief, Patronen- tasche und Helm ebenfalls und als ihn der sarkastisch lächelnde Rittmeister „Kehrt" machen ließ, mußte er sich auf die Unterlippe beißen, um nicht gerade herauszuwettern. Lungelmann hatte ihm nämlich die größte Ueberraschung bis zuletzt ausgespart: es waren ihm vorhin beim Absitzen die rückwärtigen Knöpfe an der Reithose gerissen und daher zeigte dieselbe einen nichts weniger als strammen Sitz. In Summa ein Anblick, der einen Escadronschef schon zum Schaudern bringen konnte, er that es auch: „Schauderhaft, höchst schauderhaft! war alles, was er im Augenblick hervorbrachte. Beredter war der Blick, mit dem er den Wachtmeister, welcher den Malpropretäts-Dellnquenten zu Pferde vor die Front begleitet hatte, ansah und der ungefähr fragte: „Ja, ich bitt Sie aber doch ums Himmelswillen, Wachtmeister, was fangen wir denn mit diesem Kerl da an?!"
Ruhig, rote der Fels im Meer, stand die Mutter der Escadron dem verzweifelnden Vater derselben gegenüber und der respektvolle, aber unfehlbare Ausdruck des Gesichts des Wachtmeisters ließ den Rittmeister sofort ersehen, daß er auch einen praktischen Rath in Bezug auf dieses zurück- gebliebene Kind der Escadron in petto habe, er nickte ihm also zu, daß er sprechen möge.
„Entschuldigen, Herr Rittmeister," kam es darauf ruckweise, gleichsam in Tempos, hinter dem dichten Schnurrbart des Wachtmeisters hervor, „der Lungelmann ist em Mensch, wie er mir noch nie vorgekommen ist- sein Berittunteroffizier, der schon einige Male wegen ihm bestraft wurde, ist seinetwegen in Verzweiflung, und doch muß er sagen, daß d r Lungelmann nicht faul, sondern nur ungeschickt st Yter machte er eine kleine Kunstpause, um dann mit erhobener Stimme fortzufahren „und deßhalb mochte ich gehorsamst Vorschlägen, daß Herr Rittmeister an Stelle des heute an Rulit . . — „Kolik," corrigirte milde der Escadronschef,
K^rrtteton. I
Lederknödeln.
Humoreske von Th. Müller-Plattensteiner.
(Nachdruck verboten.)
Die in N. detachlrte Escadron war auf dem sogenannten Schloßhofe zum AuSrücken ausgestellt- soeben war der Escadronschef gekommen und der älteste Offizier, Premierlieutenant Mander, machte gerade Meldung.
„Recht hübsch," meinte der Rittmeister, nachdem er den Premierlieutenant angehört hatte, „nun wird mir dieser Schmutzian Lungelmann den dritten Morgen wegen Mal- propretät gemeldet; fitzen Sie doch gefälligst ab, Sie unglüc^ seliges Menschenkind, und kommen Sie vor die Front, ich möchte mich heute einmal selbst überzeugen."
Lungelmann, dessen Pferd die Nebenleute mit Gewalt aus dem ©liebe Puffen mußten, denn „Hannlbal" schämte sich offenbar dieser Blosstellung, blieb beim Absitzen erst mit dem rechten Sporn, dann mit dem Schwungriemen am auf- geschnallten Mantel hängen, ehe er zur Erde kam, stolperte während des Bormarschirens über den falsch eingehakten -Label und stand endlich vor seinem Richter.
Lungelmann war nichts weniger als ein unordentlicher Mensch, aber auch nichts weniger als Soldat. Er war einer von den Muttersöhnchen, wie etliche alljährlich einrücken- verzärtelt von zu Hause, gewohnt, daß er bedient werde - er durfte den ganzen Tag und die halbe Nacht an sich, seiner Uniform und den Ausrüstungsstücken herumputzen, ohne ein nennenswerthes Resultat zu erzielen. Davon konnte sich in diesem Augenblicke die ganze Escadron so recht deutlich überzeugen, denn heute hatte er sich fast selbst übertroffen,^— er bot ein äußerst befremdliches Bild für an militärischen Glanz gewöhnte Augen. Die Cravatte war ihm infolge der Anstrengung beim Absitze« hoch über den Kragen der Uniform
Bekanntmachung, betreffend die Zulaffung von Mannheimer Pferdemarktloosen im Großherzogthum Hessen.
Die Directionen des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Mannheim und des badischen Rennvereins Mannheim werden aus Anlaß des Anfangs Mai l.A. in Mannheim abzuhaltenden Pferde- und RindviehmarNeS eine Verloofung von Pferden, Rindvieh und gewerblichen Gegenständen veranstalten, bei welcher 30000, eventuell bis zu 50000 Loose L 2 Mark ausgegeben und Gewinne im Gesammtwetthe von 39000 Mk., eventuell bis zu 65000 Mark verlasst werden sollen.
Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat den gedachten Unternehmern auf ihr Nachsuchen gestattet, die fraglichen Loose im Großherzogthum bis zum 2. Mai l. Js. einschließlich zu vertteiben.
Gieße», den 29. Januar 1894.
Grvßherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Ertrag Mark 3000000 4 800000 7 200000 9 600000 12000000 12000000
9000000 6300000 5280000 5040000 3500000 2200000 1800 000
780 000 1 112 000
750000 84362000
— erkrankten Koches den Lungelmann kochen ließen, in der Küche wäre er seiner Ehrlichkeit halber gut zu gebrauchen, er verschwände nicht mehr, wäre nicht so explonrt - - - „exponirt, wollen Sie sagen," - „und könnte nicht am Ende bei der bevorstehenden Jnspicirung die Escadron um ihre wohlverdiente Renommage ..." — „Renommö, Wacht-
war ein Ausweg. Wenn es auch nlchtftreng logisch war, daß man den Schmutzian zu dem Reinlichkeit heischenden Geschäfte eines Koches heranzog — so ein viel- geplagter, vielverantwortlicher Escadronschef muß sich eben manchmal helfen wie es geht."
„Gut," entgegnete er deßhalb nach kurzer Ueberlegung, „wir wollens mit ihm probiren, im Uebr gen behalte ich nur seine Bestrafung noch vor . . . abtreten.
Lungelmann machte Kehrt, wobei er sich in den Sporen verwickelte, fo d°tz er bald h^ges-ll-n wäre, und dann setzte er sich in Marsch, die Escadron aber brach aus Commando des Rittmeisters zu Dreien ab und ritt aus den Exerner- platz. Lungelmann zog seinen Hanntbal in den Stall s-it-l ° ihn ab und halsterte ihn an, um dann, nachdem er wieder einmal -in Stündchen an seinen Sachen „geputzt hatte, in die Kasern- zu schlürsen.
Kochen sollt- et, das hatte er w°T capltt, - »l« « aber kochen sollte, davon hatte ernicht die blafl- Ahnung, und das ging ihm gewaltig im Kopse herum Wäre nur der M-nage-Unt-rosfizier zu Hause gewesen, s° h^- -r ch um Rath sragen können, aber auch der hatte "usrücke müflen, und von den Stallwachen, di- zu Hause waren, hatte er nicht- zu erhoffen, denn di- hatten auch noch nicht aekocht Mechanisch zog er die Drillmontur an, in welcher er ° en vorigen Koch' immer gesehen hatte, und begab sich nach seinem Golgatha — der Küche.
(Fortsetzung folgt.)
| Zweck darin besteht, die französischen Winzer zur Berheiligung an der Ausstellung zu veranlaßen. Hochangesehene Franzosen, wie z. B. die Herren Ed. Glotin, Easteja, ©uirant, C. Monier, u. A. gehören diesem Eomilö an, welchem die Handelskammer von Bordeaux sofort 3000 und die Ackerbaugescllschast der Gironde 1000 Francs zugewendet hat. Dieses Borgehen verdiente insofern eine Nachahmung von Selten der deutschen Weinhändler, als es dieselben dazu anregen sollte, nunmehr gleichfalls recht zahlreich die Ausstellung zu beschicken und somit auch ihre Namen dort den Wein-Eonsumenten der verschiedenen Länder vor Augen zu führen. Daß die diesjährige Antwerpener Weltausstellung ein ganz andere» Unternehmen als diejenige des Jahres 1885 ist und daß sie daher auch ganz andere Wirkungen für die Aussteller im Gefolge haben wird, das geht schon daraus hervor, daß bereits zetzt die Miethe für die Plätze die Summe von einer Million Francs überschritte» hat, während sie im Januar deS Jahres 1885 nicht mehr als 185000 Francs betrug.
* eine Reichs Wohuungs-Steuer wird von einem Leser des „D. T. Anz." vorgeschlagen. Derselbe schreibt: Sm Vorschlag zur Güte wäre, anstatt Einführung mißbilliger neuer Steuern eine progressive ReichS-Wohnungs-Steuer z» cretren. Der Zweck, bester und reich .fttuirte Klaffen heranzuziehen, würde dadurch in einfacher, kaum kostspieliger Weise ausgeführt werden können. Nach meinen ungefähren Schatz- ungen dürften sich im ganzen Deutschen Reiche 3 /, b S 4 Millionen Wohnungen im Miethwerthe von 300 bis 20000 Mark befinden und müßte sich der Ertrag nach meinem
Modus stellen:
Steuer
Mark
Wohnungen
zu Mark
1000 000
3-
400
1
pCt.
—
3
800000
4—
600
iVt
i //
H
6
600000
6—
800
2
n
n
12
400000
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1000
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//
24
300000
1—
1200
4
n
//
40
200000
12-
1500
5
ii
//
60
100000
15—
1800
6
n
n
90
50000
18—
2200
7
u
//
126
30 000
22—
2800
8
n
//
176
20000
28—
3500
9
u
n
252
10000
35-
4000
10
H
//
350
5000
4—
5000
11
H
//
440
3 000
5—
6000
12
//
//
600
1000
6—
8000
13
//
//
780
1000
8—10000
14
//
//
1112
500
10—
20000
15
H
//
1500
3 520500 Wohnungen.
©teuerertrag


