Ausgabe 
1.4.1894 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 1. April

1894

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis (Sietem

Hratisöeitage: Hießmer Kamikienökätter.

Amtlicher Theil

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Mfenbrn leg erscheinenden «nmmer bil 8em. 10 Uh«.

8wrtrljäbngrr AiewnrmeeUnciM e 2 Mark 20 Pfg.* Bringerleh«.

Zu Kürst Bismareks Geburtstag.

Unter herzlicher Freude und lautem Jubel der dank­bare, BaterlandSsreunde begeht Fürst BiSmarck auf seinem idyllischen Landsitze Friedrichsruhe am ersten April seinen 79. Geburtstag. Vollendet hat der greise Held unter einem Leben harter Kämpfe und unermüdlicher Arbeit, aber auch weltberühmter Erfolge nun beinahe acht Jahrzehnte, und wenn auch die alte titanische Kraft nicht mehr voll und ganz dem ersten großen Kanzler des wiedererftandenen Reiches innewohnt, so ist er doch rüstig in das achtzigste Lebensjahr eingetreten. Unter den großen Paladinen des ewig unver-

für die Größe eines Landes avsgeübt wurde. L.uo.._, Bismarcks Wirken für die innere Entwickelung des Reiches bestehen infolge des Parteihaders und der verschiedenen Be- urtheilung der Dinge verschiedene Meinungen, aber dies wird doch Fürst Bismarck als Reichskanzler von allen Seiten zu­gestanden, daß seiner Politik im Innern, zumal während der schwierigen Ausbauzeit vom Jahre 1872 bis 1882 der große Zug und auch der große Erfolg nie gefehlt hat. Und wenn man bedenkt, daß des Fürsten nationale, deutsche Politik in der Reihe nach bald mit dieser, bald mit jener Partei in Hader liegen mußte, selbst seine ehemaligen preußischen spectellen Parteigenosien nicht ausgeschloffen, so kann man nur bewundern, daß Fürst BiSmarck beinahe dreißig Jahre an der Spitze der preußischen und später auch deutschen Regierung gestanden hat.

Bismarcks Thaten gehören dauernd der Weltgeschichte an, und waS sein geniales Wirken und Schaffen in dem Werdeproceffe der deutschen Einheit in den schicksalsschweren Jahren 1863 bis 1871 anbetrifft, so sind sowohl Bismarcks Bewunderer und Anhänger, als auch seine Politischen Gegner darüber einig, daß geschickter und erfolgreicher als unter

geblichen Heldenkaiscrs Wilhelm I. ist Fürst Bismarck der einzige, welcher noch unter uns weilt, er ist somit der Banner­träger des deutschen Ruhmes, denn neben dem Generalfeld­marschall Graf Moltke und dem hochverdienten Organisator des preußischen und später deutschen Heeres General Graf Roon ist eS, abgesehen von der Heldengestalt Kaiser Wilhelms I., doch vor allen Dingen Fürst Bismarck, der unübertroffene geniale Meister des diplomatischen Schachspieles und der eiserne Mitbegründer des Reiches gewesen, deffen Thaten den Ruhm des deutschen Namens in alle Lande trugen und aus dem zerrissenen und verachteten Deutschland in einer verhältniß- mäßig kurzen Spanne Zeit ein einiges, bei 'Freund und Feind hochgeachtetes Land machten.

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«|eigrn für brx .Siegen,r lediger- entyar».

Es ist darum auch keine Liebedienerei und kein Bhcan- tiniSmus, wenn dem alten Reichskanzler Ian seinem Geburts­tage hohe Ehren widerfahren, denn darin prägen sich der Dank und die Freude des Volkes über die großen nationalen Errungenschaften aus. Mit besonderer Freude gedenken die Deutschen diesmal auch deshalb deS GeburtSlageS des Fürsten BiSmarck, weil er sich mit unserem verehrten Kaiser Wilhelm II. versöhnt hat und kein Schatten mehr steht zwischen dem erlauchten Träger des Scepters und dem Träger des Ruhmes des Reiches.

8 Mark 50 PH.

Wfbartwn, Expedttt» und Druckerei:

Rr. 75 Zweites Blatt

Meßmer Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

humoristischen Zeitschrift nur bestens empfehlen Probenummern sind auf Verlangen bei beabsichttgem Abonnement »en der Geschäftsstelle der Meggendorser Blätter, München erhältlich.

.Tttgeltzor«» ««gemeine fltonumHHWNtt' hat am 1. October vorigen JahreS ihren zehnten Jahrgang begonnen. Die rothen Bände haben in diesem Zeitraum jede neue Nebenbuhlerschaft siegreich überwunden und selbst ältere Unternehmungen ähnlicher Art in den Hintergrund geschoben. Dieser Erfolg wird zumeist der Um­sicht und dem seinen Tact des Herausgebers verdankt, der unablässig bemüht ist, aus allen neuen Erscheinungen der deutschen und fremd­ländischen Literatur daS Beste und Eigmarttgste auszuwählen, wobei er alle Richtungen der modernen Literatur mit Ausnahme der krassesten Erzcugniffe deS Naturalismus gleichmäßig berücksichtigt. Die in den letzten Monaten erschienenen Bände der rothen Bibliothek bringen den ganz vorzüglichen Roman Unerwartet vonB.M.Eroker. Die französische Literatur ist durch einen Roman Geopfert von Georg Timmy und durch zwei Unheimliche Geschichten een Dick-May vertreten. Letztere find von Paul Lindau übersetzt, der aus der einen der beiden Novellen,Der Fall Aberd", dm Stoff zu seinem SchauspielDer Andere" entnommen hat. Eine Novell«, Ein Opfer, von Karl ErnU Franzos, die in der südlichen Buko­wina, also auf einem der Ltebltngsgebtete diese« Schriftsteller« spielt, vertritt die deutsche Literatur, und für die Freunde der nordischen, insbesondere die Schwärmer für die nebelhafte Jdsensttrnmung, ist mit einem zweibändigen Roman, Die Möwe von Zacharias Nielse», gesorgt worden.

CUtsatu* uub Knnft

Dis ,U)ittbdrfe* in »erlitt versteht es, ihren «roße» Leserkreis, der sich jetzt über ganz Deutschland und das Ausland ausdehnt, immer mehr an sich zu fesseln. Als Organ des Berliner Thterschutz-VeretnS enthält dieselbe in jeder Wummer ein Archiv der Thierschutzbeftrebungen und wirkt auf diese Weife veredelnd und bildend aus die Jugend und auf Erwachsene. Außer dem Hauptblatt erhaltm die Abonnenten jede Woche noch 7 Blätter grattS: 1. die Kantnchenzeitung,LdtewternattonalePflan,enzettung,3.dteN>turaltm- und Lehrmittelbörse. 4. dm landwtrthschastltchen und industrielle» Centralanzetger, 5. das illustrirte Unterhaltungsblatt, 6. alle 14 Tage die Allgemeinen Mttthetlungm für Hau«- und Landwtrthschatt xnb neuerdings jeden Monat noch einen Bogen (16 Seiten) eines Werke« aus dem Gebiet deS Thier- und Pflanzenreichs von fachkundiger Feder. So erscheint jetzt daS Bienenbuch, dem sich nach dessen Fertigstellung das Kaninchmbuch, das Buch der Hunde, Taubenbuch u. f. w. an- schlteßen werden. Und das Alles nur für 90 Pf. vierteljährlich frei in die Wohnung. Kein Wunder, daß sich die Thterbörfe in jeder deutschen Familie einbürgert. Man abonnttt auf die Thier - Börse nur bei der nächsten Postanstalt, wo man wohnt.

Der Gietmer Anzeiger erscheint täglich, Ü Ausnahme des Montags.

Du Gießener O«Mßtis»Sklltts« Verden dem Anzeiger ttSchrntlich drei mal de^lqt.

Gießen, den 28. März 1894. Betr.: Die vorlagsweise Zahlung von Marschgebührniffen an einberufene HeereSpflichtige.

Da« Großherzogliche Kreisamt Gießen «i die Grsffh. Vürgermtifterete« M «reifes.

Zum Zwecke einer leichteren Prüfung der Nachweisungen über die von den Gemeindekassen an einberufene HeereS­pflichtige vorschußweise gezahlten Marschgebührniffe ist ange­ordnet worden, daß in Spalte 6 de« für diese Nach­weisungen vorgeschriebenen Formular« außer dem Gestellungsort noch das Regiment, für welches der betreffende Mann einberufen worden und was aus dem Gestellungsbefehl bezw. Urlaubspaß ersichtlich ist, angegeben werden soll.

Wir beauftragen Sie, die Gemeinde - Einnehmer, unter abschriftlicher Mittheilung gegenwärtiger Verfügung hiervon in Kenntniß zu setzen und anzuweisen, für die Folge danach zu verfahren.

v. Gagern.__________

Gießen, den 27. März 1894. Betr Die Anstellung der Kreisstraßenwarle.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

O» Mt Grsfth. Bürgern elfter eie» des «ddtfes.

Sie wollen, soweit au« Ihren Gemeindekaffen Gehalte an Ctraßenwarte bezahlt worden, die Gemeinde - Einnehmer veranlassen, sofort mit der Kreiskasse abzurechnen, damit diese in den Besitz sämmtlicher Hauptquittungen gelangt.

Binnen 14 Tagen sehen wir Ihrem Bericht entgegen, daß diese Abrechnung stattgefunden hat.

v. Gagern.

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BiSmarckS^Leitung die diplomatische Kunst wohl noch niemals J bei Stuttgart) feinen Abschluß gefunden. WaS an diesen Blättern Bezüglich fort und fort zu loben war, bezieht sich auch wieder voll und gefftt auf diesen neuen Band ein stetiges und sicheres VorwärtSschreitml Diese Thatsache berührt die vielen Freunde deS Blattes aufS a»ge- j nehmfte, da immer wieder aus neue Ueberraschungm zu rechnen ist. Witz und Humor im Texte, sowie künstlerisch und technisch vollmdete farbige Illustrationen reichen sich hier die Hand und wir können den Lesern unseres Blattes ein Abonnement dieser

Feuilleton.

Wochkndrirst ans drr Mefibrnj.

(Originalbericht für dmGießener Anzeiger".)

Darmstadt, 30. März 1894.

vsteru. MufikvereinSCoueert. Einzugsfeier. Verschiedenes.

WaS die Charwoche versprochen, haben die Osterseiertage gehalten, indem sie uns ein ganz herrliches FrühlingSwetter zum Feste bescheerten, das die Residenzler in Scharen aus den staubigen Straßen der Stadt hinauölockte in die freie Natur, die im üppigsten Lenzesschmucke prangte. Kein AuS- slagSort in Darmstadts näherer und weiterer Umgebung, der nicht von vielen Hunderten fröhlicher Touristen besucht wurde. Schon in früher Morgenstunde pilgerten die Wanderlustigen in großer Zahl in die Bergstraße, wo sich auch die Bewohner der Nachbarstädte, vor Allem die Frankfurter, in ganzen Scharen Rendezvous gegeben hatten. In Eberstadt, Traisa u.s.w. hielt es wenigstens in den größeren Restaurationen schwer, überhaupt Speise und Trank zu bekommen. Die Wirthe in Darmstadt machten trübe, die außerhalb fröhliche Gesichter und die letzteren werden an das Oftergeschäft vom Jahre 1894 wohl noch lange mit innigem Behagen denken. Während, alter Sitte gemäß, am ersten Feiertag alle Lust- bentfetten untersagt waren, brachte der Ostermontag und auch nach der sogenanntedritte" Feiertag Concerte in großer Zahl-

Im Hoflheater wurde am Montag Verdis etwas ver­altete, aber dank ihrer scenischen Wunder immer noch zug­kräftige OperDie sizilianische Vesper" gegeben, am DienStag folgten zwei Novitäten, ein etnactiges LustspielchenEinge- schloffen" und der zwergfellerschütternde SchwankDer un- gläubige Thomas", der eine urkomische Persiflage auf die Rodethorheit deS spiritistischen Humbugs enthält. Die beiden

Stücke fanden gleich demSerpentinentanz", der seine Zug­kraft scheint's nie verlieren soll, den fröhlichen Beifall deS festlich gestimmten Publikums, das die vortreffliche Darstellung mit gebührender Heiterkeit aufnahm.

Vom Charsreitags-Concert des Musikvereins, daS in der Stadtkirche stattfand, kann ich Ihren Lesern leider nicht auf Grund eigener Anschauung, sondern nur nach verschiedenen Mittheilungen berichten. Das Programm brachte eine muster- hafte Aufführung der weihevollen Bach'schen Tonschöpfung Messe in H-moll" unter Hof - Capellmeister de Haans be­währter Leitung. Bon Solisten wirkten mit Frl. Dorothea Schmidt aus Hamburg (Sopran), Frl. M. Leucke aus Heidel­berg (Alt), sowie die Herren van Rooh aus Rotterdam (Bariton), und Dörter auö Mainz (Tenor). Sie fanden, gleich den Chören, allseitige Anerkennung in der Presse und im Publikum. Der instrumentale Theil wurde von unserer trefflichen Hofmusik bewältigt, während Herr Reallehrer Stumpf den Orgelpart übernommen hatte.

lieber die EinzngSseierlichkeiten nach der Vermählung unsere« geliebten Großherzogs mit Prinzessin Victoria Melita von Coburg liegen jetzt nähere Angaben vor. Danach wird das junge Paar unmittelbar nach der Trauung von Coburg abreisen und sich zu ganz kurzem Aufenthalt nach Jagdschloß Kranichstein begeben. Am folgenden Tage werden die Aller­höchsten Herrschaften durch den prachtvollen Park und über die Ringstraße nach der Stadt fahren, wo am Diaduct der Odenwaldbahn in der Frankfurter Straße die Feierlichkeiten beginnen werden. Die ganze Frankfurter Straße, die Pro­menade, Bahnhofsplatz, Rheinftraße und Wilhelminenstraße sollen in eine große via triumphalis verwandelt werden. Sämmtliche Schulen und Vereine werden Spalier bilden. Abends ist große Fest- und Gala-Vorstellung im Hoftheater, dann große Serenade der vereinigten Gesangvereine. Da auch auf Allerhöchsten Wunsch das Publikum an der Serenade theilnehmen soll, so wird dieselbe auf dem Marktplatze statt­finden und daS junge Paar wird ihr vom großen Balkon des

ResidenzschloffeS über der Hauptwache aus zuhören. Der folgende Tag bringt dann die große Galacour im Schlosse, ein Volksfest auf dem Exercierplatz und das bereits Im letzten Briefe erwähnte Wettrennen des hessischen ReitervereinS. Daß die ganze Stadt natürlich ein reiches Festgewand anziehen wird, um ihren Fürsten und Herrn beim Einzug festlich zu begrüßen, ist selbstverständlich. WaS von näheren Einzelheiten noch in die Oeffentlichkeit bringen wird, sollen Ihre Leser im nächsten Briefe erfahren. Jedenfalls wird sich der EinzugStag zu einem wahren Fest- und Ehrentage für Darmstadt ge­stalten und wohl für Jeden, dem vergönnt fein wird, ihn mitzufeiern, eine unvergeßliche Erinnerung bilden.

Für diesmal möchte ich Ihren Lesern noch mittheilen, daß Herr Oberst Spohr aus Gießen am morgigen Samstage, also dem Tage, wo diese Zeilen in die Hände Ihrer Leser gelangen, im hiesigen Naturheilverein einen Vortrag halten wird, der über die Vortheile der vegetarischen Lebensweise handeln soll. Der junge Verein will durch diesen Vortrag seiner Sache neue Freunde gewinnen und hat daher den großen Saal des SaalbaueS als Versammlungsort be­stimmt.

An der gleichen Stätte wird Tags darauf, am Nach­mittage, eine große Feier zu Ehren des Alt-ReichSkanzlerS, deS Fürsten BiSmarck, stattfinden, die der nationalliberale Verein veranstalten wird, um den Geburtstag des greifen Begründers von Deutschlands Größe und Einheit zu feiern. Hervorragende Künstler unserer Stadt haben ihre Betheiligung an dem Festact zugesagt und da der Beginn der Festlichkeit bereits auf die frühe Nachmittagsstunde anberaumt ist, so steht auch ein großer Andrang von auswärtigen Verehrern deS eisernen Kanzlers zu ermatten, lieber den Verlauf der Veranstaltung soll den Lesern desGießener Anzeigers" im nächsten Briefe berichtet werden, ebenso über die Feier deS 70. Geburtstages unseres berühmten Landsmannes, Prof. Ludwig Büchner, die gestern begangen wurde. Z.