Ausgabe 
1.4.1894 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 1. April

1884

Nr. 75 Erstes Blatt.

Der Gtzche»«r Anzeiger trfdpmt lägllch, wM luLnahme bei Montag«

Dir Gießener /«KltilUIht werben btei Lnzriger 7»öchm,lich breieel bettet

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

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Ker^ech««.

Aints- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

7-r ! Hratisßeikage: Kießener Aamikienölatter.

Alle Innoncm-Burranr bet In» «nb lullanbel nehm» l«jttgea für de« .Gießener Vagcigcri' entgegne.

Amtlicher Theil.

Wiefeck, am 30. März 1894. Betr.: Den Gang de» Dekanatsboten.

Tas Großherzoglichc cvangel. Dekanat Gießen

an die cvangel. Pfarrämter des Dekanats.

Ich theile Ihnen mit, daß der Dekanatsbote seinen iiundgang am 9. und I I. April wieder machen wird. Bericht und (Sollecte wollen Sie demselben mitgeben. ___________________Wahl.___________________ befunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Revolver, 1 Brosche, 3 Taschenmesser, 1 Ring, 1 Halskettchen mit An- hangfel, 1 Baumsäge, 1 Frauenhemd, 3 Taschentücher, 1 Halstuch, 1 Kindermütze und 1 Commersbuch.

Gießen, den 31. März 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius._________________

Neueste Nachrichten.

ffiolfffl telegraphische« Korrespondent- Bureau.

Berlin, 30. März. Daö Magistratscollegium beschloß, bezüglich der geplanten deutsch-nationalen Gewerbe« auSftellung sich vorerst mit dem Aeltesteu-Collegium der Berliner Kaufmannschaft, resp. dem Deutschen Handelstage in Verbindung zu setzen, um zu ermitteln, ob Handel und Industrie eine solche Ausstellung wünschen. Don dem Er- qebnife soll eS abhängig gemacht werden, ob die städtischen Behörden weitere Schritte bei der Regierung thun.

Wie», 30. März. Nach einem Telegramm derPresse" auS Abbazia brachte Seine Majestät Kaiser Wilhelm bei dem gestrigen Dtner einen Toast aus auf Se. Majestät Kaiser Franz Joseph, den er hier in diesem Eden Oester­reichs begrüße, wo es seiner Familie so wohl gefalle, und daS seinen Kindern zur Gesundheit und Kräftigung diene.

Wieo, 30. März. Kaiser Franz Joseph ist heute Vormittag 9 Uhr 40 Min. auS Abbazia hier wieder ein« getroffen.

Abbazia, 30. März. Kaiser Franz Joseph hat vor dem gestrigen Diner dem Kommandanten des Schulschiffes Moltke", Capitän zur See Koch, persönlich den Orden der Eisernen Krone zweiter Klasse überreicht.

Rom, 30. März. Die Sectionen deS Jnternattv' -.taten m edicinischen CongresseS waren heute zur Berathung über die vorliegenden Denkschriften versammelt. In der Section für innere Medtcin machte Professor Ziemssen- Mnd)en wichtige Mittheilungen über Bluttransfusion. In der ersten Nachmittags Plenarsitzung, der der größte Lheil der Congreßmitglieder und viele Damen beiwohnten, p rachen Birchow über Morgagni und daS anatomische Denken, vouchard Paris über Fieber, Babes-Bukarest über das Ver­halten der Staaten gegenüber den jetzigen Resultaten der bakteriologischen Untersuchungen. Die Redner ernteten sämmt- äch vielen Beifall. Bevor Birchow sprach, überreichte ihm der Vertreter ForliS, der Vaterstadt Morgagnis, eine Urkunde, wodurch Virchow zum Ehrenbürger von Forli ernannt wird. AlSdann gab Birchow einen Ueberblick über die Geschichte der Medicin von Hippokrates bis Morgagni, den er den Bahn­brecher der neuen Medicin in allen Zweigen nannte. Eine große Anzahl der am Eongresse theilnehmenden Aerzte be- 'uchte heute daS Grab Victor Emanuels. Bezüglich der Wahl des nächstjährigen CongreßorteS find die Meinungen g-theilr. Die einen stimmen für Petersburg, die anderen ?ftr Paris. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen.

Depeschen deS BureauHerold^.

verli», 30. März. Die preußische Regierung hegt die Absicht, dem Landtage einen Theil der geplanten Reor­ganisation der Staatsbahnverwaltung noch in )er laufenden Session in Form eines Gesetzentwurfs, betr. die Entlassung oder zur DiSpositionSftellung von Eisenbahn- beamten zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Die Organi- iaion soll am 1. April 1895 inS Leben treten. Schon jetzt oll für die entbehrlich werdenden Arbeitskräfte Sorge ge­tragen werden. Die neue Vorlage ist dazu bestimmt, damit die Zukunft der in Frage kommenden Beamten nach den bei den Landesbehörden üblichen Grundsätzen gesichert werden tarnt.

Berlin, 30. März. In der gestrigen Sitzung des SraatSmini st eriumS dürften auch Reichsangelegenheiten $ur Verhandlung gestanden haben, da außer dem Reichs­kanzler auch der Staatsfecretär Graf PosadowSky au der Stxung theilnahm, welche vier Stunden dauerte.

Berlin, 30. Marz. Die Socialdemokraten wollen

im Reichstage eine Interpellation wegen Unterdrückung derElsaß - Lothringischen Volkszeitung" in Mülhausen ein­bringen.

Wien, 30. März. In Hofkreisen verlautet, Kaiser- Wilhelm werde in den nächsten Tagen den Besuch des Kaisers Franz Joseph in Wien erwidern - Kaiser Wilhelm werde im Schönbrunner Schlosse absteigen.

Wien, 30. März. Die Gaswerke der englischen GaSgesellschaft werden ununterbrochen durch Wachleute be­wacht. Trotzdem die GaSvorräthe nur noch für die heutige Nacht auSreichen, braucht eine Störung in der Beleuchtung Wiens nicht befürchtet zu werden, wenn die frischen Arbeits­kräfte nicht durch die Ausständigen in ihrer Thätigkeit behin­dert werden.

Budapest, 30. März. Der Eisenbahnzug mit der Leiche Kossuths ist heute Morgen in Eakathum eingetroffen. In den meisten österreichischen Stationen hatten die Behörden das Betreten des Bahnsteiges verboten. Ein Kranz, den die ungarischen Kurgäste in GönS am Sarge niederlegen wollten, wurde polizeilich beschlagnahmt.

Budapest, 30. März. Kossuth hat ein politisches Testament hinterlassen, dessen Publizirung die Familie verweigert, weil es angeblich heftige Angriffe gegen die Dynastie enthalte.

Paris, 30. März. Der Polizei gelang die Verhaftung neun weiterer Mitglieder der kürzlich entdeckten inter­nationalen Gaunerbande, darunter sieben Deutsche.

Paris, 30. März. Unter den neuerdings in Paris Verhafteten soll sich auch ein deutscher Offizier auS Hamburg Namens Lederer befinden, der auch der Spionage verdächtig fei.

Brüssel, 30. März. In der gestrigen Generalversamm­lung der Organisationsmitglieder für die Brüsseler Welt­ausstellung wurde beschlossen, dieselbe im Jahre 1896 stattfinden zu lassen.

Belgrad, 30. März. Aus dem Lande werden poli­tische Morde hervorragender Fortschrittler durch Radicale gemeldet- so wurde in einer Stadt der Präsident des fort­schrittlichen Parteiausschusses erschossen.

Rom, 30. März. DieRisorma" beschäftigt sich in einem längeren Leitartikel mit der medicmischen Thätigkeit Professor Virchows, in dem sie die wissenschaftliche Be­deutung deS Gelehrten hervorhebt, feine Anhänglichkeit für Italien rühmt und Rom glücklich schätzt, ihn in seinen Mauern zu beherbergen.

Krakau, 30. März. Heute Vormittag begannen die KoSciuSzko - Feierlichkeiten. In der lateranischen Capelle der Kapuzinerkirche fand im Beisein sämmtlicher Mltglieder deS Kosciuszko - Vereins, vieler Studenten und einer großen Menschenmasse die Einmauerung einer Gedenk­tafel statt.

totale« «nb provinzielle».

Gieße», den 31. März.

** Denkmal für Großherzog Lodwig IV. In der Zweiten Ständekammer haben 34 Abgeordnete, welche an sich bereits eine starke Majorität im Haufe bilden, den Antrag einge­bracht, aus Anlaß der bevorstehenden Vermählung Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs, sowie auS Dankbarkeit für den Großherzog Ludwig IV. als Landesfürst und Heerführer, zu den Kosten deS dem verstorbenen Großherzog zu errichtenden Denkmals die Summe von hunderttausend Mark Sr. Königl. Hoh. dem Großherzog Ernst Ludwig zur Verfügung zu stellen.

* viSmarckadresse. Vierzehn Damen auS der Pfalz, Baden und H e f f e n trafen gestern um 12 V, Uhr in Friedrichs- ruh ein, wo sie Cryfander mit BiSmarck'schen Wagen am Bahnhof abholte. Nachdem der Fürst die Damen bewillkommt und die Damen RosenbououetS überreicht hatten, trug Fräulein Bücking (Frankenthal, Pfalz) ein Huldigungsgedicht vor, welches den Fürsten sichtlich ergriff. Freifrau von Heyl (WormS) credenzte dem Fürsten einen Ehrentrunk köstlicher Liebfrauen­milch und Frau Conful Koelle (Karlsruhe) überreichte eine Cassette mit über 100000 Unterschriften. Der Fürst dankte in längerer Rede, in welcher er hervorhob, es wäre einem preußischen Minister noch nicht passirt, daß eine Deputation nichtpreußischer Damen zu seiner Begrüßung eine so weite Reise nicht gescheut hätte- es sei dies ein Beweis, daß es ein einiges Deutschland gäbe. Dann erfolgte die Vorstellung der Damen und Frühsrück, an welchem noch die Fürstin, die Gräfin Wilhelm BiSmarck, Schwenniuger und Cryfander theilnahmen, Fräulein Kuby (Edenkoben, Pfalz) überreichte dem Fürsten bei Tisch unter Hersagung eines Gedichtes eine Flasche Pfalzgrasen-Gartenwein von Mancher in Neustadt, Pfalz.

Der Fürst brachte ein Hoch auf die Damen auö, worauf Frau Präsident Kiefer auS Freiburg beredt dankte. Nu» übergab der Fürst jeder Dame fein Bildniß mit eigenhändiger Unterschrift, wofür Frau Präsident WolfSkehl (Darmftabt) den Dank abstattete. Die Damen baten sodann den Fürsten, ihm die Pfeife anstecken zu dürfen, was er gestattete. Nach dem Frühstück fang Frau Conful Koelle einige Lieder, wo, auf dann die Damen unter Führung der Gräfin Wilhelm BiSmarck ohne den Fürsten eine halbstündige Promenade durch den Park machten. Beim Abschied erschien Fürst BiSmarck nebst Ge­mahlin am Portal und drückte sämrntlichen Damen die Hand. Die Damen auS Hessen sind: Freifrau von Heyl au6 WormS, Frau Präsident Lippold auS Mainz, Frau Fabrikant Adolph Zurbuch auS Gießen (an Stelle der erkrankten Frau Prof. Ducken), Frau L. WolfSkehl aus Darmstadt.

* Die Bestimmungen übet die Sepäckerleichtetuug bei der Zufauterie sind nunmehr bekannt gegeben. ES find fol­gende Abänderungen beabsichtigt, welche allerdings erst nach Prüfung der einzelnen Umformungen allgemein eingeführt werden sollen. Der Wasfenrock soll an Stelle deS Steh­kragens einen Umschlagkragen erhalten, der nicht am Halse» sondern oben an der Brust zugesaßt wird. Die Rockschößc werden hinten getheilt und ein wenig verkürzt. Statt der Binde wird ein Kragenstück in das Hemd geknöpft. DaS Kaliko­hemd wird durch ein Tricotgewede ersetzt. Die Stiesel erhalten leichteres Leder für die Schäfte und leichteren Be­schlag. Die Unterhosen werden so zugeschnitten, daß sie im Quartier als Oberhose getragen werden können. Der Helm wird kleinere Beschläge auS Aluminiumbronce erhallen. Die Tornister werden erleichtert, mit beweglichen Trag­riemen ohne Gestell hergestellt. Zeltzubehör und LebenSmittel- beutel, in welchem die eisernen Portionen Platz finden, werden unter der Tornisterklappe, befestigt, und unten seitlich deS Tornisters zwei leicht zugängliche Taschen für je 1 Patronen- packet angebracht. Dafür fällt die hintere Patronen­tasche fort, jedoch nehmen die vorderen Taschen je 3 (statt 2) Packete zu 15 Patronen auf. Die Blecheinsätze werden beseitigt. Die Leibriemen und Säbeltaschen werden V? &,DI- schmaler geschnitten als bisher. Das Kochgeschirr besteht aus geschwärztem Aluminium. Das Brodbeutelband soll, um den Druck auf der Vruft zu vermeiden, auf den Märschen im Brotbeutel getragen werden. Der Mantel wird im Rücken und in den Aermeln nicht gefüttert, der Schnitt enger, die Aerrnelaufschläge schmaler gemacht. Die Drill ich Hose fällt fort. Für den Winter ist Ersatz vorge­sehen. Die Handschuhe werden nur für kältere Jahres­zeiten ausgegeben. DaS Putzzeug ist um 200 Gramm zu verringern. Das Seitengewehr macht einem um 400 bis 500 Gramm leichteren Modelle Platz. Don der Taschen­munition werden 30 Patronen auf Wagen nachgeführt. Die mitzutragenden eisernen Gemüse-Conserven werden um 400 Gramm verringert. An Schanzzeug wird der Truppe soviel zugetheilt, daß jede Compagnie nur noch 50 Spaten, 10 Beilpicken und 5 Beile mitführt, die man den stärkeren Leuten mitgeben wird. Die gesammte Gepäck­erleichterung wird 13 bis 14 Pfund betragen. Die beab­sichtigten Aenderungen werden bei 10 Bataillonen vom Mat ab erprobt, und mtt dem Schluß der Herbstübungen auch die Proben abgeschlossen werden. In Bezug auf obige Be- stimmungen ist noch zu bemerken, daß die Infanterie in Oesterreich pro Mann 28,9, in Italien 26, in Frank­reich 28,5, in Rußland 29,5 Kg. trägt, so daß die neue deutsche Ausrüstung mit zusammen 26,1 Kg. eine der leichtesten sein wird. An Patronen nehmen die Infanteristen mit: in Oesterreich 100, Italien 96, Frankreich 120 und Rußland 84 Stück, sodaß der deutsche Soldat mit 90 Stück etwa in der Mitte steht.

W. Nordlicht.' Wir verließen heute Nacht gegen y43 Ufa (so spät? ? Anmerkung des Setzerlehrlings) die Kneipe und bemerkten gegen Norden bei einem intensiv rothen Himmel, wie wenn ein gewaltiges Feuer in der Nachbarschaft wäre. Unsere Absicht war, den städtischen Thurmwächter zu alarmiren, doch machten wir bald die Entdeckung, daß wir es nicht mit einem Feuerschein, sondern mit einem Nordlicht, welches sich nach Nord-Ost zu bewegte, zu thun hatten, gegen s/<3 Uhr war die prächtige Erscheinung verschwunden. (Von anderer Seite wird uns die Mittheilung bestätigt, nur daß die Erscheinung im Entstehen um etwa 12 Uhr den Horizont nach Norden im weißlichen Licht, etwa wie der Schein von elektrischem Licht, zeigte und zwar an einer Stelle, wo bereits um 10 Uhr vollständig dunkel war. Red.)

v Darmstadt, 30. März. Der LandeSgeologe Dr. Ch eltus zu Darmstadt hat aus eine Ende Februar an ihn ergangene Anfrage abgelehnt, einem Ruf als ordrntlicher