Ausgabe 
31.3.1893 Zweites Blatt
 
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Disposition der Truppentheile und der Ersatz- behörden entlasienen Mannschaften der Infanterie.

2. Appell Bormittags 10 Uhr 30 Min.: Offiziere, Sanrtäts- offiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, sowie Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie.

3. Appell Nachmittags 2 Uhr: Reservisten, sowie zur Dis­position der Truppcntheile und der Ersatzbehörden entlassene Mannschaften und sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots der Garde, Jäger, Cavallerie, Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffer­truppen , des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonals, Büchsenmacher- gehülfen, Oeconomie-Handwerker, Marine-Mann­schaften, sowie alle übrigen, der Reserve- und Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften.

4. Appell Nachmittags 3 Uhr: Sämmtliche Ersatzreservisten.

5. Appell Nachmittags 4 Uhr für die Bewohner von Allcn- dorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leih­gestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen: Reservisten, sowie zur Disposition der Truppen- theile und der Ersatz-Behörden entlassene Mann­schaften aller Waffen, Wehrleute I. Aufgebot- aller Waffen und Ersatzreservisten.

D. Zu Hungen

am 11. April 1893 am Friedhof für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langs­dorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.

1. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten: Reservisten, so­wie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Auf. gebots aller Waffen, sowie Ersatz-Reservisten.

E. Zu Lich

am 11. April 1893 am Bahnhof für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettings- Hausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder.Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.

1. Appell Nachmittags 3 Uhr: Reservisten, sowie zur Dis­position der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Nachmittags 4 Uhr: Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, sowie Ersatz-Reservisten.

Befteiungsgesuche sind längstens acht Tage vor'm Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptmeldeamt einzu­reichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt sein werden aber nur im dringendsten Nothfalle genehmigt.

Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an: Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher abzulegen.

Die Militärpapiere (Paß und Führungszeugniß) müssen zur Stelle sein.

Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.

Gießen, den 10. März 1893.

Caspary,

Oberstlieutenant z. D. und Commandeur des Landwehrbezirks

____________________________Gießen._______

Bekanntmachung,

betreffend Einlegung eines Arbeiter-Frühzuges auf der Strecke Großen-BusickGießen.

Die nach unserer Bekanntmachung vom 16. März vom 1. April an geplante Einlegung eines Arbeiterfrühzugs auf der Strecke Großen-BuseckGießen wird nach neuerer Be- stimmung erst vom IO. April an stattsinden.

Gießen, den 28. März 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.___________________

Gießen, den 28. März 1893.

Betr.: Wie oben.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die (tzroffh. Bürgermeistereien Alten-Bnseck, Annerod, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, Gieftcn, (tzroßen - Buferk, Harbach, Hattenrod, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Trohe und Wiescck.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie sofort orts­üblich publiciren lassen.

v. Gagern.

verinischtes.

* Tie Großstädte der Erde. Nach einer soeben erschienenen Statistik von Professor Dupan in Gotha giebt eS auf der ganzen Erde 270 Großstädte, d. h. Orte mit über 100000 Einwohnern. Urbcr eine Million baden 12 und zwar 1) London (4 415958), 2) Paris (2 712 598), 3) Newyork Brooklyn (2352150), 4) Berlin (1763543), 5) Eanton in China (1 600 000), 6) Wien (1 364 548), 7) Wutchang Hangjong-Hankon in China (1200000), 8) Tokio in Japan (1555 290), 9) Philadelphia (1 105 277), 10) Chicago (1099 850), 11) Siangtan und 12) Singan in China mit je 1000000. Städte über eine halbe bis eine Million zählt Supan 23, nämlich 13) St. Petersburg (954 400), 14) Tientsin in China (950000), 15) Konstanti­nopel (873 565), 16) Bombay (821763), 17) Kalkutta (810 686), 18) Hauptschou und 19) Tschingtu in China (je

800 000), 20) Rio de Janeiro (800 000, wohl stark über­trieben), 21) Moskau (798 742), 22) Glasgow (772,040), 23) Hamburg-Altona (734 625), 24) Manchester - Salford (703479), 25) Liverpool (697 901), 26) Futschou in China (636000), 27) Boston (598 669), 28) Birmingham (570 460 , 29) Buenos-AyreS (554 713) und endlich 3035) Peking und sechs andere chinesiche Städte mit etwa einer halben Million. Städte von 400500 000 sind eS 15, darunter Budapest (491 938), Brüssel (471789), Madrid (470283 , Neapel (463172), Warschau (443326), Lyon (429 295) und Amsterdam (406532). Bon 300 bis 400 000 zählt Supan 21 Städte, darunter endlich unter 57) Leipzig mit 357 147 Einwohnern als drittgrößte und 58) München mit 350594 als viertgrößte Stadt im Deutschen Reiche. Dahin gehört noch 60) Breslau (335186), 64) Dresden (322 633). Städte zwischen 200300000 Einwohnern giebt schon 50 auf der Erde, worunter sich nur zwei deutsche befinden (Elberfeld Barmen mit 242 043 und Köln mit 214 762). Unter den 141 Städten, dienur" 100200000 Ein­wohner haben, kommt Frankfurt a M. mit seinen 198436 Einwohnern, einschließlich BockenheimS, an 131. Stelle. Wie schon die runden Zahlen der chinesischen Städte zeigen, find diese Angaben nicht gleichwerthig, da die verschiedenen Staaten je nach dem Grad ihrer Cultur mehr oder weniger voll­kommene statistische Einrichtungen haben. Auch sind die Zählungen nicht gleichzeitig, doch stammen die meisten An­gaben aus dem Jahre 1890, wo nicht nur Deutschland, sondern auch die Bereinigten Staaten ihre letzte Zählung hatten. Die Zahlen der französischen wie der indischen Städte sind das vorläufige Ergebniß der Erhebungen auS dem Jahre 1891. Ueberall sind die eine wirthschaftlichc Interessengemeinschaft bildenden Wohnplätze, wie New Dort- Brocklyn, Berlin und Leipzig mit ihren Vororten, Elberfeld und Barmen als eine Siadt gerechnet. Was die geographische Vertheilung der Großstädte betrifft, so kommen von den zwölf Millionenstädten 4 auf Europa, 5 auf Asien und 3 auf Amerika. Von den 23 Städten von */z1 Million 8 auf Europa (darunter allein 4 auf Großbritannien und Irland), 12 auf Asien (davon 10 auf China) und 3 auf Amerika. Städte zwischen 4 und 500000 Einwohner hat Europa 7, Asien 6, Amerika 2, Städte von 3 bis 400000 giebt es in Europa 11, Asien 4, Amerika 4. Zum ersten Mal kommt hier auch Afrika und Australien mit je 1 Stadt vor. Von den 58 Städten von 2 bis 300000 Einwohnern hat Europa 20, Asien 23, Amerika 13, Ausstralien und Afrika je 1; die 141 Städte vertheilen sich auf Europa mit 66, Asien mit 55, Amerika mit 15 und Afrika mit 5. Von dieser kleinsten Art von Großstädten finden sich die meisten in Britisch-Jndien (24), dann in Großbritannien (16), im Deutschen Reich und in China (je 15), in Frankreich und in den Vereinigten Staaten (je 8) u. s. w. Von allen 270 Großstädten kommen auf Europa 116, Asien 105, Amerika 40, Afrika 7 und Australien 2. Von den einzelnen Ländern hat am meisten Großstädte überhaupt China (53), dann Großbritannien mit Irland und Britisch-Jndien (je 30); eS folgen die Vereinigten Staaten (26), das deutsche Reich (24), Frankreich und Rußland (je 12), Italien (10). Alle anderen Länder haben nur vereinzelt Großstädte im Supan'schen Sinne.

Landwirthschaftliche Winke und Rathschlage.

«uS cberhessen, Ende März. Achtzehnhundert drei und neunztger vsterbetrachtrrnge» eine- Oberhesfische« Landwirthe».

DaS erste Vierteljahr des 1893er Jahres neigt sich zu Ende, das Osterfest ist berangekommen; schon ist es lebendig in ftelb und Flur geworden, die Natur feiert ihr Auferstehung-fest.Dom Eise befreit stnd Strom und Bäche, durch deS Frühlings holden, belebenden Blick; Im Thale grünet Hoffnungsalück, so singt unser unvergleich­licher Göthe." Wer sänge solche Strophen nicht gerne mit! Und trotzdem und alledem will nicht recht Frühl'ng werden in den Herzen vieler Menschen. Nicht etwa weil die eigentliche Frühlingszeit ja erst im Mat kommt, sondern weil ein allgemeiner Druck auf allen wahr und patriotisch denkenden Männern lastet, dessen Beseitigung noch nicht vorauSgelehen werden kann.

Die Absicht: ein winzig Thetlchen dazu beizutragm, daß es besser werden möchte, hat unS die Feder in die Hand gegeben. Vielleicht finden wir hier und da ein Wort, einen Ton, welcher einem biederen hessischen Bauernhnzen nicht unharmonisch klingt.

Ein harter Winter liegt hinter uns. Jm December sah eS gar nicht schlimm aus. Die erste Decemberhälfte war mild, feucht und nebelig. Nach und nach wurde eS rauher. Das Christfest brachte Helles, frostiges Wetler, wie man es um jene Zett liebt. Arn Jahre-:- schluffe wurde eS noch kälter. Bald nach Neujahr stieg die Kälte bis 15®, an manchen Orten Deutschlands wurden sibirische Käl'e- grade beobachtet. Ueberall hörte man bittere Klagen über Frost und Mangel. Kegen Ende Januar wurde eS milder- Nun kam die Sorge wegen deS Eisganges und der dadurch oft entstehenden Ueberfchwcm- mungen an großen Flüssen und Strömen. Das Eis brach und die Gefahren verschwanden ganz. Wer hätte gedacht, daß alles so gut verlaufen würde! Niemand.

Ganz ähnlich ging es mit den Frostschäden. Ende Januar liefen von allen Seiten Berichte ein, daß Obst, Getreide, Klee, Wein- stöcke und andere zarte Gewächse schwer geschädigt seien. Zu Anfang März, al- eS in der Natur lebendig wurde, überzeugte man sich, daß die Schäden nur gering waren. Wir verdanken dies dem treff - lichen 1892er Sommer und dem langsam in den Winter hinein führenden Herbste. Alle Gewächse konnten stch im zweiten Semester 1892 so recht auS dem Fundamente heraus erholen und kräftigen, wodurch sie befähigt wurden, die starken Kältegrade m ertragen. Wäre ein nasse« Jahr mit frühzeitigem Herbste und wenig Sonnenschein vorou»- gegangen, hätten die Gewächse bet Weitem nicht die WiderstandS- sähigkett erlangt und große Frostschäden wären gewiß gewesen. Wie der Eisgang und die drohenden Ueberfchwemmungen viel gelinder auSfielen. als befürchtet wurde, so geschah es wenigstens bis jetzt auch mit dm Frostschäden. Hat der beinah ganz aber sehr mit Un recht, vergessene Jean Paul nicht recht, wenn er irgendwo sagt: »Drohende liebel sind mit entfernten Gewitterwolken zu vergleichen. Don Ferne sehen sie schwarz und fürchterlich au«; über unseren Häuptern erscheinen sie kaum grau."

Das wollen wir unS auch für die jetzige Zell und im Hinblick auf die schwierige Vage, in welcher sich das Vaterland befindet, gesagt sein lassen. Betrachtm wir unS die e Lage vom Standpunkte deS Landwirthe» etwa« näher.

Die ReichSregierung sagt: Wir brauchen fo viel tausend Mann jährlich mehr und diese kosten jährlich scviele Millionen. DaS Geld muh herbelßeschasst werden. Sir finden eS durchaus am Platze, daß diese Forderungen genau geprüft roerben und halten rt für

sehr flut, daß sich Männer findm, die (hfabrungen und Kenntnisse besitzen, welche sie befähigen, jeden einzelne!' Posten auf« genaueste zu prüfen. Ebenso richiig ist et, daß Verhältnisse und Zustände vorhanden sind, welch« einem Patrioten nicht gefallm. Str weisen auf die Soldatmmißbandlungm und die Straiprocehordnunfl hin.

Die allgemeine Weh'pflicht einzuiührm ist dringend erwünscht: wer die Wasim tnrm kann, soll eS auch thun. Die großen G ldousgaben unter dm Offizieren sogar bei vielen Einjähriger. welche die feinen Herren spielen und sich anftaunen laffen wollen. sind seh' überflüssig. Gerade vor drei Jahren, im Avril 1890, erichim der Erlaß deS Kaisers .egen die u-.nötoigm GeldauSgaben bei dem Mllitär. Es Hal aber bi« j.tzt nicht viel gefruchtet.

Wie schassen wir aber das Geld für die gewaltigen Ausgad. . herbeit so fragen wir unS oll im engeren Fre> n^eokreile. Mil der Brani twein- und Biersteuer ist nicht viel zu machen, wohl aber M der Börse. Daß man das Geld und daS Gelchäft ine SuStand treib'

wenn die Börfmmanivulationen stärker destmert w eben, ist nur ein Schreckschuß. Die Bör'e halten wir für ein no d vendtges lieb'l d. h. für eine Einrichtung, die man braucht, die aber auch o el Unglück stiftet. Eine Feuerspritze ist auch ein noihwe diges Hebel, noch met eine Kanone, es wäre viel besser, man hätte diese Maichinm nicht nöthig. Da sie aber nöthig sind, so sollen sie auch daS denkbar Beste leisten, was sie vennögm allo nicht dloS zum Staate und zum Bergnügm sollen sie da fein. Nun wird von einer anderen Seite gefast: Wern rollen denn diese MillionenouSgaben im deutschen Later - lande nützen < Antwort: Allen, dem ganzen deutschen Volke, den Armen wie den Reichen, den Letzteren aber viel mehr als den Erster« , denn die Reichen haben viel mehr zu verlieren, alS die Ärmer. Daraus eraiebt sich ganz von selbst, daß die Reichen auch mehr be*- tragen müssen, al» die Armen, denn wer den größten Nutzen ha', der soll auch den größeren.Butzen" haben. So sagt ein alte» Spt ichwort.

Andere sagen: wir brauchen kein Militär mehr, wir haben flenu v Das viele Geld ist zwecklos geopfert. Gerade so hieß es auch oct dreißig Jahren. Einsender diese» war damals ein auSgesprochenr Gegner jener Ansichten und Forderungen Heute fragen wir: Was wäre denn auS un» geworden, wenn alle jene Einrichtungen und Neuorganisationen unterblieben wären 8i vii pil m, para Mlun. Wenn du den Frieden willst, bereite dich zum Kriege vor, sagte ein alter Römer vor zweitausend Jahren und der Satz ist heute nod) wahr. Wenn untere deutschen Staaten und Stäätchen vor hundert Jahren zum Kriege vorbereitet gewesen wären, hätten wir uns d-e Franzosen vom Hälfe halten können. Welch entsetzliche» Elend brach'e der französische Krieg von 1792 bi» 1814 üb r unter Bäte,laut' ES flieht h-ute noch eine Anzahl von größeren und kleineren Orten in unserer Provinz, welche alljährlich in ihren GemeinbeooranlchlSgrii unter der Rubrik:Heitere Kriegsschulden" Zinsen für Eapiiolien ein stellen müssen, die vor hundert Jahren ausgenommen mürber, um die räuberischen Franzosen zu behlebigen. Rech ärger war ee im dreißigjährigen Kriege.

Stellt man sich den entsetzlichen Haß vor, welchen die Franzosri« seit 1870/71 auf un« geworfen haben, fo kann man sich ein Bild davon machen, wie gräßlich diese Menfchen Haufen würden, wenn sie nur auf wenige Wochen bei un« einbrechen würden. Wenn sie nur mit einigen Divisionen in ^beinhalten und Rheinhessen Fuß fassen könnten, wären diese Provinzen auf Jahrzehnte ruintrt. Feidmorfchall Moltke sagte: Wir werden unsere Erfolge in 1870,71 ein halbe» Jahr hundert vertbeidigen müssen! Da» hat sich bi» jetzt al» wahr erwreserr Wir wollen daher lieber höhere Geldopfer bringen und in jeder 8; ziehung unsere Schuldigkeit thun, al« uns später vorwerfen lasser Ihr habt geknausert und nun werden blühende Provinzen verwüste und Tausende von unschuldigen Menschen bluten unter den Streiche der bestialischen Afrikaner. Die Franzosen bewilligen alle», um ihr e Rache dereinst fühlen zu können, tat ist ein unedle» Motiv. Wir wollen Opfer bringen, um Hau«, H.rd, Weib und Kind zu schütz« da» ist ein edler Beweggrund. Daß unser Vaterland an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angekommen fei, ist nicht wahr.

Für Neuwahlen in den Reichstag ist man In unseren Kreisen nicht Da« Volk wird aufgeregt, die übelsten Elemente und Richtungen werden sich heroortbun; diese Letztere werden bei dem Wählen vor- tbeile haben, die ruhigen, verständigen Leute, die daS Vaterland wirklich lieben und zu Opfern bereit sind, roerben verlieren. Ein Reichstag, welcher in dieser Weife zu Stande kommt, leistet gar nichts. Und waS bann? Im Jahre 1870,71 ble großartige Erhebung und heute, nach 22 Jahren eine Nation in Mißstimmung, Gährung url Verwirrung. Ist eS ba nicht Pflicht jebeS braven Deutscher, alle- zu thun, um Friede und Einigkeit unter der "Nation herzustelle! .

Im Februar bildete sich einBund der Landwirthe", welcher von mancher Gelte scheel angesehen wird. Man hört und liest oon unersättlichen Agrariern' und ähnlichen Bezeichnungen in solchen Blättern, welche der Sache abdold sind. In wieweit diese Anfeindungeri für norddeutsche Großgrundbesitzer zutressen, vermögen wir nicht zu beurtheilen. Bet un» in Cberbeffen kann man nur lagen, daß ;rb«i Bauer der große wie der kleine sich tüchtig zu wehren hoi. wenn er ordentlich durchkommen will. Man findet Nachrichten von reich gewordenen Geschäftsleuten und Fabrikanfen, von Kaufleuten und Bankier», aber deß Landwirthe und Beamten r.ich geworden wären, ist ein sehr seltener Fall und kommt allenfalls dann vor, wenn eine Erbschaft gemacht wird Von den eigenen Ersparnissen und liebet schüssen pflegen Landwirthe und Beamten nicht reich zu werde,. Diese beiden BerusSkiassm stnd die haupttuchlichsten Stützen bei Staates, benn ein tüchtiger Bauern- und Beamtenstand halten den Staat krästig und gesund. Wir sind darum der Ansicht, baß man ben Bunb der Landwirthe fördern soll Die Landwirthe sind niemal» Krawaller gewesen und werden eS auch in ih-em Bunde nicht werden. So gut stch aber andere Beruf«klassen zusammenthun, ohne baß man sie deshalb anfeinbet, ebenso gut müssen e» bie Lanbwirthe thun können. Die agrarische, soc'aldemokraiische und antisemitische Bewegung, Io schreibt da»Deutsche Wochenblatt" legen Zeugniß dafür ab, daß eine tiefe Unzufriedenheit im deutschen Volke herrscht. Auch in der auswärtigen Politik stehen wir nicht mehr so angesehm da, wie wir e» 20 Jahre lang waren.

Da» find keine Aussichten, welche eine frohe Osterfeststimmrwtz aufkommen lassen. Dennoch wollen wir nicht verzagen, denn e< muß doch Frühling werden," singt der Dichter. H-rr Dr. E L. Otto oeröff ent liebte in den letzten Wochen einige piäch Aufsätze Geschichtsbilder au« dem Logel-berge." In Nr. 67, zweite» Blatt vom 19.'z de»Gießener Anzeiger" wi-d am Schlüsse etto« (dem Sinne nach) flefagt: Do» deutsche Volk ist ein kulturell auf- steifendes Volk; unglückliche Verhältnisse können un» äugelten, aber hemmen; t« kann fojat ein zeitweiser Rückschritt eintreten wie j B im d'eißigjährigen Kriege Dann aber begann wieder ein fegen« reiches Aufsteigen u. f. w Die Worte sind un» au» der Seele ge­schrieben. Wir hoben schon fchw'erigere Logen überstanden, als die jetzige, wir werden auch die gegenwärtige Ärisi» überstehen und in dieser Hoffnung rufen wir unteren Freunden, den Londwirthen ein herzliche»Glückiiche Osterfeiertage!" zu.

Verfälschte schwarze Seide.

Man verbrenne ein Müfierchen de» Stoffe», von dem man kaufen will, und die etwaige Berfälfchung tritt sofort zu Tage: Äechtt, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. Ver­fälschte Seide (die leicht sveckig wirb und bricht) brennt langfatn feit, namentlich glimmen die .Schußfäden" weiter (wenn sehr mtt Sarbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, bie ch im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt.

Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, Io ,-rstäubt Ne, die der verfälschten nicht. D«e Leidenfadeik ti. Henneberg, (Ä. u. St. Hoflieseranst Zürich versendet gern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke oorto- und zollfrei in» Hau». 1970