Ausgabe 
31.3.1893 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

(3072

b

ter und

nWumS.boSHom

*il 1893

MW

Ksuchern nur gute fy Gunst unb Zkilnii-' lolgnde Opern: chniond.

mmernian n.

Sonntagskind, ter und Bauer, stige Krieg.

AioneÜe Bonität ton Iwei glückliche t von A. Ononjtl Palisman.

: tur Sequemtilbkeit bei Sillet- ausgegtvm - allen vorfiellungin ir eine Serie Cpmsch erklärten werben oom llhr auwbtn.

um btfttnS tmprtbknb,

ZU vaiiu ; .

bule. Cu»"

ote »» 0^n.M'

Prüf°"8eD jD1,eni^r-u'

T«

^sorms

Itlieb ^ch dHM

»iE

in GreMvaibk

WNNWH

' m !

l W, M 4 I Lulkü-Mn, I TnonberBlenbOnftt J bi§ |um Udnften k SÄonWiden-

hier ein mit einer # 9W< unb m« j m »Ären K. iss finden WiMj die atnüjanlefitn 4 J^oritcSunfl«} I flott |

Mch bei jeder-tz Witternng< |

Wt. 77. Aweitk» »latt- Freitng btn 31. März

1 W3

Der Mnct A*|de«t nWj*int toglid), eb RuSnabmk bet Wontag*

IHt Gießener JleeUicelCititt «erben dem Mngetgcr Mtnt(id) dreimal '.tifldcgl

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Htertflläbrign A»oeneeceUpr<<Ä < 2 Mark 20 PIg. mb vrtngerlobn Durch die Post begtgt.

2 Mark 50 Plg «ebachon, Lxpebenaa unb Druckerei

S*m*rt*t 51

Amts- und Anzeigeblutt für den Tireis Gieszen.

«»»ahme eon »n,eigen |U der RachmtNai* ffc ben felgmbtn Tag -rscheinenben Nummer hl» Bora 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Aamikienökätter.

Ille Innoncen-BuTtati? de* In- und luilenbti nehm« la,eigen fit den .Gießener Ii|ti|tre entgege«.

Abonnements - Einladung!

Zum Bezug desGietzener Anzeiger" für das 2. Vierteljahr 1893 laden wir hiermit ergebens! ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich- 'ten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Lau­fenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz O b c r h e s s e n ansässige Berichterstatter, ist der Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des An­zeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen L a n d w i r t h s ch a f t wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- lvcrthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück­sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge­diegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar­tikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die ,,Gießener Familienblätter", welche dem An­zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, chre Bestellung bei der Post baldgefl. aufaeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom _ Tage der Bestellung bis 1. April den Anzeiger kostenfrei zu- gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postftei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements­betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger"

Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch).

Amtlicher Theil.

Gießen, am 13. März 1893.

Betr: Frühjahrs - Controlversammlungen im Kreise Gießen.

Das Großherzogliche Kreisami Gießen

Ate die (Brpfcb. V ärgerr» elfter eie« des »reifes.

Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen laffen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Bei den diesjährigen Frühjahrs-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen:

1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.

2) Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlassenen.

3) Wehrleute I. Aufgebots, die vom 1. October 1880 ab eingestellt worden.

4) Die Ersatz-Reservisten, geübte und nicht geübte.

Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Controlpflichtigen anzutreten haben:

A. Zu Lollar

am 7. April 1893 neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf^a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen- Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirch­berg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.

1. Appell Vormittags 8 Uhr 30 Minuten: Reservisten, so­wie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlaffenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 9 Uhr 15 Min.: Wehrleute I. Auf­gebots aller Waffen.

3. Appell Vormittags 10 Uhr: Ersatzreservisten.

B. Zu Grünberg

am 7. April 1893 am Bahnhof für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Keffelbach mit der Rabenau'fchen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bing­mühle, Georgenhammer, Strelles-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein»), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddrngshausen, Saasen mit Bollenbach, Veitsberg und Wirberg, Stangenrod, Stock­hausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainerhof Winnerod.

1. Appell Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlaffenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Nachmittags 1 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Auf­gebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten.

C. Zu Gießen

am 8. April 1893 im Oswald'fchen Garten für ^ie Be­wohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffen­berg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod. 1. Appell Vormittags 9 Uhr: Reservisten, sowie die zur

Feuilleton.

Zwei Königskinder.

Romantische Erzählung von Carl Falkenberg.

(2. Fortsetzung.)

In diesem Augenblicke führte die Wache den alten Rambo herein.

Bewache die Thür, daß uns Niemand behorcht!" befahl der Herrscher.

Die Wache neigte sich, der Befehl ward ausgeführt.

Während dieser Zeit stand Rambo, die Arme nach sara­zenischer Art auf der Brust gekreuzt, vor dem Kaiser und schaute ihn voll Liebe und Ehrfurcht an. Kaum aber hatte sich die Thür geschloffen, so eilte Friedrich auf den Alten zu.

Willkommen, Rambo, alter Freund! Welche Freude für mich, Dich nach so langen Jahren wiederzusehen!"

Er reichte dem Alten die Hand, die dieser jedoch nur zögernd nahm.

Du zürnst mir noch?"

Nein, kaiserlicher Herr, ich zürne Euch nicht mehr!"

Nunmehr nahm der Kaiser den Arm deS Alten und wandelte mit ihm im Gemache auf und ab.

ES war doch eine schöne Zeit, Rambo, als ich auf der Jagd verunglückt in Euer stilles Thal, in Dein HauS ge­tragen ward, wo Du, der erfahrene Arzt, mich bald dem Tode, der schon seine Hippe nach mir auSstreckte, entrißen. Ach, Noxita, ach, schöne Tage!"

Erinnert mich nicht an Roxita, Herr!"

Hast recht, Rambo- aber Gott hat mich schwer für neiee Fehler gestraft, wenn eS Sünde war, Roxita zu lieben."

Ohne den Segen des Priesters freilich!"

Wo denkst Du hin, Rambo? Als ich sie in dunkler Nacht mit mir fortnahm, da einigte unS das Band der Kirche. Du weißt, ich war damals Wittwer."

Dank, kaiserlicher Herr! Ach, daß ich es doch früher aewußt I"

Ganz Deine Schuld, Rambo," lächelte der Kaiser in s einer unwiderstehlichen Art,aber Dein Trotzkopf wollte

mich nicht hören. Nicht Roxitas trauriger Tod, noch daS Unglück unseres Kindes konnte Dich zu mir treiben, zu einer Zeit, wo ich treuer Herzen entbehrte! Denke Dir, unsere Tochter ist blind!"

Großer Gott!"

In ländlicher Zurückgezogenheit lebt sie nicht weit von hier bei Pächtersleuten."

Josiane?"

Du kennst sie?"

Seit heute. Der Papagei hat Euch verrathen, gnä­diger Herr; ruft er doch: Imperator Friedrich, Herrscher der Welt!"

Lose Künste eines Mönches, Rambo; doch, Freund, ich vergesse, daß Du siebzig Jahre alt sein mußt- setzen wir unS."

Beide ließen sich nieder.

Aber sie ist zu heilen, gnädiger Herr!"

Josiane?"

Ja, Herr!"

Hier sprang der Kaiser auf.Wenn Du das könntest, Rambo, ich wollte alles thun, was Du willst!"

Sie ist zu heilen, Herr- aber meine Hand ist schon zu alt und zitternd, jedoch mein Neffe Hamork, ein geschickterer Arzt noch als ich selbst, wird sie operiren, wenn Ihr Eure Einwilligung gebt."

Ja, er soll, Rambc, und dann werde sie Herzogin von Sueffa!"

Ohne die Stimme des Herzens, Kaiser und Herr?"

Das verhüte Gott, Rambo! Hat ihr Herz schon ent- schieden, bei Gott, dann schweigen meine Pläne. Sie soll glücklich sein."

Rambo nickte.

So ist's auch recht, kaiserlicher Herr und Gebieter!

Wann befehlt Ihr die Operation?"

Sogleich, Rambo!"

DaS geht nicht, kaiserlicher Herr und Gebieter! Die Dame muß darauf vorbereiter werden. Bor vierzehn Tagen wird es sicherlich nicht möglich sein. Jndeß muß Hamork Zugang zu der Dame haben."

Wohl! Hamork nennt er sich? Wunderbar! So hießen ja meistens die alten Khalifen."

Friedrich ergriff die Hornfeder, welche nebst einem Farbetöpfchen, dem Schreibmaterial damaliger Zeit, auf einem Tischchen stand und fertigte auf Pergament eine Legi­timation für den Arzt aus, die Rambo sogleich lächelnd in Empfang nahm.

Friedrich II., ein großer Beförderer und Verehrer der Wissenschaften, der arabisch, griechisch, italienisch, französisch, spanisch, deutsch und lateinisch mit gleicher Meisterschaft sprach, erkundigte sich nun mit Interesse nach den Studien und Experimenten des gelehrten Alten, die er schon von seinem unfreiwilligen Aufenthalte her bei dem geschätzten Arzte kannte.

Seht, kaiserlicher Herr," erwiderte hierauf Rambo, beim Suchen nach dem Stein der Weisen und bei meinen Studien in der Mathematik und Scheidelehre kam ich auf ein Crystall, dessen Oberfläche den Cubus der Zahl der Voll­kommenheit 12, also 1728 ausmachen. Dieser Crystall hat allerlei wunderbare Eigenschaften."

Dabei zog er einen in allen Farben spielenden Stein von wasserheller Klarheit hervor und reichte ihn dem Kaiser, der ihn aufmerksam betrachtete.

Rambo lächelte.

Friedrich hatte kaum den sonderbaren Crystall in die Hand genommen, so sühlte er auch schon eine große un- überwindliche Müdigkeit, er lehnte sich bequemer in feinen Sitz und schlief ein. Rambo aber zog komische Kreise und Linien um den Schlafenden und betrachtete ihn dann still und aufmerksam.

Da träumte dem Kaffer, er hätte auf seinem Haupte alle Kronen von Griechenland, Epirus, Calabrien, Apulien, Groß-Griechenland, Mittelitalien, der Lombardei, Sicilien, Sardinien, Spanien und Deutschland vereinigt: das Ziel seiner Wünsche war erreicht, der Gipfel seines Glückes durch das Gelingen gekrönt und er der mächtigste Fürst der Welt. Besiegt krümmte sich Papst Sylvester IV., sein rachsüchtigster Feind, zu seinen Füßen und flehte um Gnade. Ein stolzes Lächeln des Triumphes zog über das schöne Gesicht des träumenden Kaisers.

(Fortsetzung folgt.)