ftänbigungSver Handlungen in der MilitSrfrage verheißen aber nur einen Erfolg, wenn der regierungsseitig bis jetzt eingenommene Standpunkt: „Alles oder nichts !" endlich verlassen wird. Gerade die gegenwärtige parlamentarische Ferienzeit gibt eine sehr günstige Gelegenheit zu nochmaligen Unterhandlungen in der Militärsrage und darf man vielleicht erwarten, daß sie in dem angedeutelen Sinne von der Reichsregierung und von den Parteiführern auSgenützt werden wird. Wenn sich dann beide Theile vor Augen halten, welche unberechenbare Folgen ein im Falle des Scheiterns der Mili- tärvorlage unvermeidlicher schwerer innerer Konflikt nach sich ziehen müßte, so liegt eine Verständigung immer noch im Bereiche der Wahrscheinlichkeit, trotz des vorläufig so kritischen AuSsehenS der Militärangelegenheit.
Neueste Nachrichten»
WolffS telegraphische- Lorrefpondenz-Bureau.
Berlin, 29. März. AuS MySlowitz wird gemeldet: In OSwiecim traf plötzlich der Krakauer Obersteuerinspector mit 13 Eommifsaren und 40 GenSdarmen ein behusS einer Suche nach geschmuggelten Maaren. Beschlagnahmt wurden bei verschiedenen Kaufleuten für 40,000 Gulden Maaren. Zwei Kaufleute wurden verhaftet, mehrere entflohen. Zwei Geschäfte sind geschloffen worden.
Hamburg, 29. März. Auf daS Gesuch von SchiffSrhedern, einzelne Cholerafälle nicht zu melden, da der Schiffsverkehr durch die Sperrmaßregeln einzelner ausländischer Regierungen gehindert würde, ertheilte der Senat, dem „Hamburgischen Korrespondenten" zufolge, einen abschlägigen Bescheid, da bei der Nichtmeldung einzelner Cholerafälle das Vertrauen der auswärtigen Regierungen in die Zuverlässigkeit der hiesigen amtlichen Gesundheitsberichte erschüttert werden könnte.
München, 29. März. In Speyer findet am Ostermontag eine Versammlung bayerischer, badischer und hessischer Tabakpslanßer zwecks Stellungnahme zur Bauernbewegung und zur Interpellation Menzer statt.
Villach, 29. März. In der Ortschaft Bleiberg (Kärnthen) kam heute ein größeres Schadenfeuer zum Ausbruch- die Bewältigung deffelben ist noch nicht gelungen.
Paris, 29. März. Dem Vernehmen nach sprach Develle dem deutschen Botschafter sein Bedauern aus über die dem auSgewiesenen Correspondenten Brandes durch VolkS- haufen zugefügte Behandlung und sagte strengste Untersuchung deS Vorganges zu. (Siehe Näheres unter Depeschenbureau Herold).
Rom, 29. März. Berardi verweigert fortdauernd jede Auskunft, sowie die Aufnahme von Nahrung, er genoß nichts feit SamStag Abend; heute wird ihm künstlich Nahrung zugeführt, falls er auf feiner Weigerung beharrt.
Barcelona, 29. März. Gestern fanden Kundgebungen der Studenten statt, infolge deren es zu Exzessen kam, wobei neun Studenten schwer und sechzig leicht verwundet wurden.
Petersburg, 29. März. Die Einfuhr roher animalischer Producte auS Preußen ist vom Samstag an nur mittelst Eisenbahn und nur nach Orten, welche unmittelbar an der Eisenbahn liegen, gestattet- überdies müssen die Producte mit einem Zeugniß versehen sein, daß sie von gesunden Thieren herrühren.
Kopenhagen, 29. März. Der König erwiderte einer Deputation des dänischen FriedenöveretnS, welche den König bat, eine Erleichterung der Militärlasten herbeizuführen : Er theile den Wunsch, daß die Kriege verschwinden nnb die Entscheidung von Streitigkeiten durch Schiedsgerichte erfolgen möge, allein die Erfüllung dieses Wunsches begegne großen Schwierigkeiten- es wäre deßhalb fruchtlos, wenn er zur Förderung der Angelegenheit die Initiative ergriff- wenn jedoch eine große europäische Macht sich an die Spitze der Bewegung stellte, würde er, der König, und die Regierung Dänemarks sicherlich Nachfolgen.
Depeschen deS Bureau „Herold*.
Berlin, 29. März. Der „Börsenzeitung" zufolge verlautet, der Kaiser habe ernste Bedenken gegen die A u f l ö s u n g deS Reichstages. Man erwartet betr. der Militärvorlage, dieselbe werde schließlich nach Ablehnung in der zweiten Lesung zurückgezogen und in der nächsten Tagung durch eine neue Vorlage ersetzt werden mit einer mäßigeren Erhöhung der FrtedenSpräsenz, so daß man sich dem Bennigsen-Dor« schlage nähere. Erst wenn das Centrum auch hiergegen Opposition mache, erfolge die ReichStagSanflösung.
Berlin, 29. März. DaS unter der Oberleitung von Helldorffs erscheinende Conservative Wochenblatt erscheint ab 1. April nicht mehr.
Berlin, 29. März. Der „Post" zufolge hat der Reichskanzler heute den sächsischen Kriegsminister empsangen. Es wird angenommen, daß die Aussichten der Militärvorlage und die fernere Taktik der Bundesregierungen besprochen worden ist.
Berlin, 30. März. DaS Staatöministeriurn hielt gestern unter dem Vorsitze deS Grafen von Eulenburg eine Sitzung ab, woran sämmtliche Minister mit Ausnahme deS Grafen Caprivi theilnahmen. Der Gesetzentwurf über die Erweiterung des Staatsbahnnetzes wurde nach den Vorschlägen deS Ministers der öffentlichen Arbeiten berathen und, wie verlautet, auch vom gejammten Ministerium gut- geheißen. Die Genehmigung des Kaiser- soll unverzüglich eingeholt werden- die Vorlage im Landtage einzubringen.
München, 29. März. Dcr Prinzregent erwidert demnächst den Besuch deS GroßberzogS von Heffen in Darmstadt. Der Zeitpunkt ist noch nicht festgesetzt.
München, 29. März. ES verlautet hier, die zweite Lesung der Militärvorlage werde wegen der Abwesenheit deS Kaisers in Italien nicht vor Anfang Mai erfolgen.
Paris, 29. März. In ASniereS wurde bei feiner gestrigen Abreife der Correspondent deS „Berliner Tageblattes", Otto Brandes, von einem Theil der Be
völkerung auf 6 unflSthigste beschimpft. Frau Brandes, sowie deren Sinder wurden durch ©teinmürfe am Kops und Rücken getroffen. Fehlgehende Steine zertrümmerten die Fensterscheiben der benachbarten Häuser. BrandeS meldete den Vorgang dem deutschen Botschafter. — Otto Brande- reiste gestern Abend mit Frau und Kindern nach Berlin ab. Zahlreiche Journalisten und Deutsche begleiteten dieselben zum Bahnbos.
Kopenhagen, 29. März. Laut Ansage beim Hofe auS Petersburg trifft der Czar mit Familie wieder hier ein und nimmt längeren Aufenthalt.
totale» und provinzielle».
Gießen. 30. März 1893.
— Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen gestern u. A. den Professor Dr. Co sack von Gießen.
* * Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Landes Universität. Em bei der Zweiten Kammer eingelaufener Antrag der Abgeordneten Bergsträßer und Genossen geht dahin, die Kammer wolle beschließen, an Großherzogliche Regierung das Ersuchen zu richten, den vor einigen Jahren (mit dem Ableben deS Geh. Rath Prof. v. Ritgen) eingegangenen Lehrstuhl für Kunstwissenschaft an der LandeSuniversität Gießen wieder herzustellen und die dazu erforderlichen Mittel in daS nächste Staatsbudget aufzunehmen.
* * Militärdienstnachricht Haupt, Major, beauftragt mit den Functionen deS etatsmäßigen Stabsoffizier- deS Inf. RegtS. Nr. 131, unter Ernennung zum etat-mäßigen Stabsoffizier, zum Oberstlieutenant befördert.
* ♦ Vom 1. April ab findet die Mittel Enropäische Zeit, welche gegen die bisher in Gießen gebrauchte Ortszeit um 25 Minuten voraus ist, für den gesummten Post- und Telegraphendienft Anwendung. Don dem bezeichneten Zeitpunkte ab richten sich daher die Verkehrsanstalten in allen Beziehungen ausschließlich nach der Mittel-Europäischen Zeit, insbesondere erfolgt die Eröffnung und der Schluß der Post- und Telegraphenschalter zu den festgesetzten Stunden nach Mittel-Europäischer Zeit.
' ♦♦ FeiertagS-Reiseude machen wir auf den in vorliegender Nummer enthaltenen Fahrplan der auf Station Gießen ein» und ausfahrenden Züge aufmerksam. Der Plan enthält die Fahrzeiten nach mitteleuropäischer Zeit.
♦ * M. E. Z. und Feierabendzeit. Mit dem 1. April wird wohl auch die „Feierabendstunde" in den Wirth- schasten etwas hinauSgerückt werden müssen, wenn nicht die Wirthe und Gäste „zu kurz kommen" sollen. Wie man sieht, greift die Einführung der mitteleuropäischen Zeit in alle bürgerlichen Verhältnisse.
* ♦ Die Mitteleuropäische Zeil in Bezug auf die höheren Lehranstalten. Die Dtrectionen der Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen, sowie die Kuratorien der höheren Mädchenschulen sind ermächtigt worden, den Beginn und Schluß deS Unterrichts für die Zeit vom 1. April bis 1. October bis eine halbe Stunde später als seither (also z. B. statt 7 ober 8 Uhr auf 7 Uhr 30 ober 8 Uhr 30 unb entsprechend statt 11 Uhr oder 12 Uhr auf 11 Uhr 30 ober 12 Uhr 30) scstzttsetzen. Bei der genauen Festsetzung der Zeit innerhalb des gegebenen Rahmens sind die örtlichen Verhältnisse, namentlich die Ankunft und der Abgang der Eisenbahnzüge, zu berücksichtigen. In der Zeit vom 1. October bis 1. April — während des Winterhalbjahres — darf der Unterricht keinenfalls vor 8 Uhr 30 Minuten Vormittags nach Mittel- Europäischer Zeit beginnen.
* * Die Raucher Gießens wollen sich merken, daß die unterm 2. Januar d. I. für den Handel mit Tabak, Cigarren und zugehörigen Rauch-Utensilien zugelassene Vergünstigung des Verkaufs bis 7 Uhr an Sonn- unb Festtagen roteber zurückgenommen ist. Die Cigarrenläden werben von jetzt ab ebenfalls um 3 Uhr (Ortszeit) geschlossen.
♦ * Ein richtiges Gauuerstückchen verübte gestern dahier ein Mensch von etwa 30 Jahren. Er stellte sich als armer, arbeitsloser Dachdecker vor und bat, da er auf dem Dach einige Schäden entdeckt haben wollte, um Auftrag zur Reparatur. Dieser Auftrag wurde auch ertheilt, aber anstatt auf« Dach zu steigen, besah er sich die innere Einrichtung des Hauses unb, da ihm gerabe eine golbene Damenuhr zu Gesicht kam, so machte er sich nichts daraus, diese mitgehen zu heißen. Und für die prompte Ausführung dieser That ließ er sich auch noch für „Reparaturkosten" 85 Psg. zahlen. Bis jetzt ist ber Spitzbube noch nicht ergriffen.
♦ ♦ Verhaftet würbe gestern ein junger Mensch von hier wegen eines begangenen Diebstahls, ein auswärtiger Knecht wegen Zechprellerei unb ein fremder Handelsmann wegen fortgesetzter Ruhestörung.
Wir machen unsere Leser auf die im Annoncentheil unseres heutigen Blattes enthaltene Bekanntmachung ber Technischen Hochschule zu Darmstadt aufmerksam. Dieselbe geroäbrt eine vollständige wissenschaftliche unb künstlerische AuSbilbung für bie technischen Fächer. In bejonberen Fach- abtheilungen werden Architecten, Bau-Ingenieure, Kultur» Ingenieure, Maschinen - Ingenieure, Electro - Ingenieure, Chemiker unb Apotheker ausgebilbet- beSgl. in der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Schule Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften, sowie Geometer. Auch Fabrikanten, Kunst- unb Gewerbetreibenden ist bie Hochschule zur Erlangung ber erforderlichen Kenntnisse behülflich. DaS acadcmischc Studium an ber Technischen Hochschule berechtigt zur Zulassung zur SlaatSprüsung für Hochbau, Ingenieurwesen unb Maschinentechnik in sämmtlichen deutschen Staaten, welche solche Staatsprüfungen abhalten. Für die Reichsprüfung ber Apotheker ist der Besuch ber Technischen Hochschule bem- jenigen einer Universität gleichgestellt- auch ist der phar- maceutischen Prüfung-Commission zu Darmstadt durch Bundes«
rathS-Beichluß die Berechtigung zur Ertheilimg für da» ganze Reich gütiger Approbationen gegeben worden.
• • Warnung. Die Zeit ber Salbbrän be ist wieder gekommen und haben nach öffentlichen Blättern in den jüngsten Tagen eine ganze Anzahl solcher Brände stattgefunden. Dieselben entstehen meisten- durch Unachtsamkeit von Rauchern, welche ein brennendes Zündholz ober eine noch glimmende Kig arre weqwerfen Da schwere Strafen für die leichtsinnigen Urheber solcher Brände in Aussicht stehen, so fei hier dringend zur Vorsicht in fraglicher Beziehung gemahnt.
• • HähnerologischeS. Wie der Redaction der „Reuen Hess. BolkSbl." „auS guter Quelle" mitgetheilr wird, sollen d>e Hähne von Darmstadt und Umgegend mit bekannter Loyalität sich bereit erklärt haben, vorn 1. April an mit dem Krähen nach mitteleuropäischer Zeit (M. E. Z.) zu beginnen, diese- löbliche Vorhaben sei aber durch die Hennen vereitelt worden, die nicht ungerechtfertigter Weise um 25 Minuten älter gelten wollen. — Bei dem wenig entwickelten Solidari- tät-gefühl der Hähne, die sich bekanntlich oft in den Haaren resp. Federn liegen, ist wenig Aussicht vorhanden, daß auch die Gießener Hahnen, gleich ihren Darmstädter Kollegen, vom 1. April ab um 25 Minuten früher zu ^ktkerikten" anfangen werden. Eine Erklärung ber Gießener „Hinkel" liegt ebenfalls noch nicht vor- sie sind eben mit bem Legen ber Ostereier zu stark beschäftigt. Ob sie übrigens Morgen» 25 Minuten früher ober später anfangen zu gackern, danach kräht kein Hahn.
* ♦ Parlamentarisches. Der 27. Lonbtag wirb im Lause ber nächsten Monate zu Enbe gehen und scheidet bann die Hälfte ber Abgeordneten auS, in deren Wahltrctfen dann Neuwahlen stattzufinben haben. CS sind die-die Herren: Scherer, Mühlenbesitzer in Höchst i. Oben». - Breitner, ©ter» brauereibesitzer in Beerfelden - Erk, Mühlenbesitzer inNrdda- Dr. Frank, OberlandeSgerichtSrath in Darmstadt- Friedrich, Professor in Darmstadt - Dr. Gutfleisch, Recht-anwalt in Gießen - HaaS, KreiSrath in Offenbach - Heinzerling, OberlandeSgerichtSrath in Darmstadt - Herrmann, HauptsteueramtS- renbant in Bingen - Hirsch, Gutsbesitzer in Al-heim - Steingötter, Kaufmann in Langen- Christ, Bürgermeister in Wörrstabt - Michel, Bürgermeister in Neu-Bamberg, Möhn, Bürgermeister in Laubenheim - Graf Oriola, Gutsbesitzer in Büdesheim - Dr. Osann, Recht-anwalt in Darmstadt - Pfannstiel, Landwirth in Hainbach- Rackö, Kaufmann in Mainz- Römer, Gutsbesitzer in Alzey - Schade, Landwirth ;n Altenburg- Theobald, Forftinfpector in Jugenheim- Weith, Gutsbesitzer in Nieder-Wöllstadt - Wernher, Gutsbesitzer in Nierstein - Westernacher, Ober-Amtmann in Lindheim; Wolz, Bürgermeister in Seligenstadt. — In dcr Kammer bleiben noch für die nächsten drei Jahre die Abgeordneten Arnold, Gundrum, Hechler, Jöckel, Jöst, Dr. Vogt, Loutz, Lichtenstein, Metz (Darmstadt), Metz (Gießen), Mvllinger, Muth, Mühl- bcrgcT, Müller, Bergsträßer, Pennrich, Reinhart, Dr. Schröder, Sturmfels, Schönberger, Schönfeld, Ulrich, Wolsskehl, Dr. Weber, Zinßer.
* ♦ Die Anmeldungen zu der Geflügel- unb Bagelau» stelluug in Darmstadt, welche ber bortige Verein für Vogel- unb Geflügelzucht in bett Tagen vom 8. bis 10. April ad- halten will, gehen jetzt, wo ber Schluß des Anmelbetermins — 1. April — bevorfteht, in erfreulicher Zahl ein, wonach bie Ausstellung, soweit sich bieS zunächst beurteilen läßt, für den Kenner wie den Laien gleichviel Interessantes und Werthvolles zu bieten verspricht. Die Ausstellung findet in den zu Ausstellungszwecken besonders geeigneten Räumen der Turn» Halle am WoogSplatz statt, für Kanonen, in- und ausländische Sing- unb Ziervögel sinb befonbere Räume feparirt. — Den Preisrichtern, bekannten unb bewährten Kräften auf diesem Gebiete, stehen zu PrämiirungSzwecken zahlreiche Geld- imb Ehrenpreise zur Verfügung, bie theilS von Vereinsmitgliedern, weiter von den landwirthschaftlichen Bezirksvereinen zu Graß- Gerau, Dieburg, Gteßen rc. gestiftet worden sind, auch von Seiten Groß. Ministeriums steht die Bewilligung eines Ehrenpreises in Aussicht. — Mit der Ausstellung wird eine 8er« loofung von Geflügel :c. verbunden, zu welcher die Gewinne, darunter ein Hauptgewinn im Werthe von 100 Mark, soweit thunlich, auf der Ausstellung angekauft werden.
* *AlterthumS Funde. AuS Ober-Florstadt, 28.M ttz, wird uns geschrieben: Der bekannte AltertbumSsorscher Herr Kofler auS Darmstadt ist schon längere Zeit mit ungefähr 20 Arbeitern in unserer Gemarkung beschäftigt, um ein römische» Castell frei zu legen. Die Arbeiten sind jetzt foweit gediehen, daß dasselbe in feinen Einzelheiten vollständig zu erkennen ist. Dasselbe befindet sich unmittelbar am Orte unb hat die Ausdehnung eines großen Dorfes. Die Straße durch dasselbe, die Wohnräume für bie Mannschaften, bie Baberäume unb bie Pferbeställe sind vollständig zu erkennen. AuS den vorgefundenen LegionSsteinen hat Herr Kofler festgestellt, daß die 22. römische Legion hier gelegen hat. DaS Castell soll, nachdem bie Zeichnungen davon ausgenommen sind, wieder zugeworfen werden, da daS Land, auf dem eS sich befindet, bebaut werden soll. Wenn also Freunde deS Alterthum- baffelbe besichtigen wollen, so sollen sie damit nicht zögern.
* * Eine interessante Entscheidung bringt die letzte Nummer der „Amtlichen Nachrichten" deS RetchsverficherungSamts über die Frage, ob ein durch Unsall verletzter verpflichtet ist, sich einer im Interesse der Wiederherstellung dringend erforber» lichen Operation zu unterwerfen. Nach bem AuSspruche beS Gerichtshofes ist die Einwilligung de- verletzten hierzu unbedingt erforderlich. Zur Begründung wird bemerkt: „Die Ertheilung dieser Einwilligung zu der Operation ist ein freie» Recht beS Verletzten, auf welche- bie Gesetze weder der Be» russgenossenschast, noch sonst irgend Jemandem eine Einwirkung einräumen."
* Besuch der Weltanlflellnng in Shicaga. Der L'anb» tog«abgeorbnete Dr. Bogt (Butzbach) hat folgende Inter- p e 11 a t \ o n eingebracht: ./verschiedene deutsche Staaten haben zum Theil beträchtliche Mittel bewilligt, um Kleinindustriellen unb Gewerbetreibenden, sowie sonstigen technischen und ge-


