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30.9.1893 Zweites Blatt
 
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1893

Samstag den 30. September

239 Zweites Blatt

Amts- und Anzeigeblatt für den Ttveis Gietzen

] Hratisöeikage: Hießener Kamitienötätter

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ist jetzt zufriedenstellend und läßt auf Genesung hoffen.

Vermischtes

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Innabmt von Lnzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden tag erscheinenden Nummer bi» Vorm. 10 Uhr.

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Alle Lanoucen-Bureaux de» In- und Au»lande» nchmm Anzeigen für dmGießener Anzeiger" entgegm.

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Otchener Anzeiger «schemr täglich, ett Ausnahme de« Montag«.

Dir Gießener ffG»itten§lt1ter ««den dem Anzeiger »HchcMlich dreimal h «gelegt.

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eine sonnige Stelle, deckte seinen Mantel über ihn und suchte Mit Hilfe des Bergführers Franz

dann Hilfe in Kasern. ZingerlS und mehrerer Anderen wurde der Verunglückte nach Kasern gebracht, gut dritthalb Stunden weit. Sein Befinden

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Hannover, 22. September. Wer den Anzei gen­theil derTageSblätter liest, findet dort häufig Annoncen, in welchen Möbel, namentlich aber Pianinoswegen Fori- zuges",Umstände halber",wegen Todesfalls" oder aus irgend welchem anderen glaubhaft scheinenden Grunde zu billigem Preise angeboten werden. In welchem Maße bei solchenGelegenheilskäufen" Vorsicht geboten ist, lehrt aufs Neue ein Fall, der Veranlaffung zu einer Klage und Ver- urtheilung vor der hiesigen Strafkammer gab. In einer von der Clavierlehrerin Frl. Rompe erlaflenen Anzeige war bekannt gegeben worden, daß in deren Wohnung ein Pianino im Werthe von 800 Markum jeden Preis" zum Verkauf stehe. Es meldeten sich daraufhin verschiedene kauflustige Damen. Eine derselben zog als Sachverständigen Herrn Pianist Lutter zu und verzichtete, da dieser abrieth, auf Erwerbung des Instruments. Eine zweite Dame, Frau v. B., war weniger vorsichtig; freilich hatte man in der Wohnung der annoncirenden

eiertfllttrtgrr jL»e**rmnit9prei»l 2 Marl 20 Pfg. *tt Brmgerlobn. Durch btt Post bqsgce 2 Mark 50 Psg.

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Dame Alles vorbereitet, um das Vertrauen der Käuferin zu erschleichen. Man legte ihr eine von dem Buchhalter KruS Les Fabrikanten Reiher unterzeichnete und von dem Fabrikanten gut geheißene Quittung über den Kaufpreis von 800 Mark vor und pries die ausgezeichneten Eigenschaften des Instruments, gab auch als Grund des Verkaufs um jeden Preis an, daß die Besitzerin nach Paris reisen müffe und das Reisegeld noch nicht zusammen habe. Frau v. B. erstand das Pianino für 440 Mark, mußte aber schon nach 14 Tagen ein sehen, daß man sie betrogen hatte. Da sie mit dem erworbenen Instru­mente gar nicht zufrieden war, bat sie Herrn Pianoforte- händler Gertz, sich dasselbe einmal anzusehen, und erhielt die Auskunft, daß daffelbe minderwerthig sei. Auf erstattete Anzeige kam es zur Untersuchung, welche ergab, daß das fragliche Pianino von Frl. Rompe mit nur 340 Mark bezahlt, an Frau v. B. also unter Vorspiegelung falscher Thatsachen mit 100 Mark Nutzen verkauft worden war. Ferner stellte sich die intereffante Thatsache heraus, daß Fräulein R. den Clavierhandel sehr schwunghaft betrieben und im Ganzen schon für ungefähr 27000 Mk. Instrumente abgesetzt hatte. Den Nutzen, der für sie bei diesen Geschäften abgefallen, kann man sich nach dem im vorliegenden Falle angegebenen leicht be­rechnen. Das Gericht verurtheilte wegen Betrugs Frl. Rompe zu sechs Wochen Gefängniß, Fabrikant Reiher zu einer Geld­strafe von 1000 Mark und Buchhalter Krus zu einer solchen von 200 Mark. Der gewiß nicht vereinzelt flehende Be- trugSfall enthalt die ernste Mahnung an die Damen, bei ihren Käufen nur solide Firmen zu berücksichtigen, mindestens aber nicht ohne sachverständigen Rath zu Werke zu gehen.

Zweimal »-gestürzt. Am 8. September Mittags ver­ließ ein Münchener Tourist Hinterthur, um über Tuxe'r- joch nach Schmirn zu gelangen. In der Nähe des Joches überfällt ihn der berüchtigte Tuxerjochnebel. Der Fremde irrt vom Wege ab, geht weiter und stürzt zwischen Frauen­wand und Ferner hinunter. ES war schon Nacht, als er zur Besinnung kam. Eine schreckliche Lage. Beide Füße im Bach, dabet der rechte Fuß oberhalb deS Knöchels gebrochen. Rucksack, Hut, Brille waren fort. Und in dieser Lage mußte der Arme die ganze Nacht aushalten. Samstag früh, da seine wiederholten Hilferufe vergebens waren, sah er, daß nur ein Ausweg sei: zurück auf die Höhe. Mit den Knieeu und Händen arbeitete er sich trotz deS gebrochenen Gliedes, trotz wiederholter Rückfälle, bis Abends auf die Höhe. Da sah er drunten auf der Tuxer Seite etwas Weißes schimmern, er glaubte eine Hütte zu treffen, stützte mit dem gesunden Fuße den kranken und rutschte aus dem Mcken hinunter, aber es ging anders: er stürzte ein zweites Mal ab. Er kroch noch zu einer Felswand, um sich vor den eisigen Winden zu schützen, und so brachte er die zweite Nacht zu. Endlich, Sonntag früh 7 Uhr, kam Hilfe. Dem Schafhirten PtuS Eller von Schmirn fehlte ein Schaf- er ging auf die Suche und fand den Unglücklichen, der noch rufen und mit den Händen winken konnte. Der Hirte labte den Unglücklichen mit Milch und Brod, das er bei sich hatte, und trug ihn an

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tber 1893.

Sießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

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Hauptversammlung des landwirthschaft- lichen Vereins der Provinz Oberheffen.

V Gieße«, 27. September.

Die Hauptversammlung des landwirthschastltchen Btcetn8 der Provinz Oberhessen sand heute hier im kaaie desPrinz Carl" statt. Dieselbe war aus allen Theilen der sroRnz gut besucht; den Vorsitz führte Se. Erlaucht Graf Friedrich |ii SolmS - Laubach, als Vertreter der Großh. Staatsregierung war her, Geh.-Rath Jaup-Darmstadt erschienen. Gegenstände der Der- t-nt iung bUdeten ausschließlich einleitende Vorträge einiger Herren ö-iid-iotrthschaftSlehrer. Herr Landwirthschaftslehrer Andrae- Südtngen sprach über,, DieBekämpfung derKartoffelkrankheit." $ieje Krankheit sei, so führte Redner auS, in den 40er Jahren auf- gtftdtn, ihr Ursprung war unbekannt. Seit ihrem Auftreten sind Vielerlei Heilmethoden versucht wordm, aber geholfen haben sie nicht, well man eben die Ursache der Krankheit nicht kannte. Erst durch berühmte Pflanzenphysiologen, wie de Barry u. A. wurde Näheres Hier daS Wesen der Krankheit ermittelt. Die Ursache der Krankheit Wen Schmaroherpilz aus den Blättern sowohl wie an den Knollen.

im Herbste die Kartoffeln geerntet und nach ihrer Beschaffenheit sttttrt würden, so sei man unter den Landleutcn vielfach der Mei- lunx daß nur gesunde Kartoffeln in den Keller kämen. Unter Htlci Knollen befänden sich aber welche, die innerlich tnfieltt seien.

und zu erhalten feien, empfahl Herr Dr. v. Peter, auf die Einrich­tung solcher hinzuwirken, deren segensreiche Wirkungen würden nicht auSbleiben, es aber ermöglichen, daß der freie Bauer auf freier Scholle erhalten und dem Bauernstand ein größerer Ein­fluß wie bisher im deutschen Reiche gewahrt würde. An diese Ausführungen schloß sich eine Besprechung, in deren Verlauf sämmt- ltche Redner sich dahin äußerten, daß der Landwtrthschast eine Ver­tretung nach Art der Handelskammern zu sichern sei. Se. Erlaucht Graf Friedrich zu Solms-Laubach wies besonders auf die Etsenbahndeträthe hin, in denen die Landwtrthschast entweder gar nicht oder höchst ungenügend vertreten sei, dort führten Industrie und Finanz die Herrschaft. Es müffe etwas geschehen, sonst treibe Deutschland dem Industriestaat entgegm, wie England, wo der Boden quadratmeilenwets unbebaut liege und den Schafen überlaffm sei. Als Mittel zur Besserung der landwtrthschaftlichen Verhältntffe würden sich unter vielen auch die Landwirthsckaftskammern bewäbrm. Herr Lucke- Paltershausen (Mitglied des Starkenburger Pro­vinzialvereins) bezeichnet die Errichtung von LandwirthschaflSkammern als nothwendtg, da sie die einzigen gesetzlich anerkanntm Organisa­tionen seien; die bestehenden landwirthschaftlichm Vereine setm, wenn es sich um ihre Heranziehung bei Bearbeitung gesetzgeberischer Vor- lagm handle, vur geduldet. Herr Gras O r i o l a - Büdesheim bemerkt, daß die landwirthschastltchen Vereine betzubehalten seien; sie solltm sich aber nur mit praetischen Fragm beschäftigen, nicht mit volkswirthfchaftlichen und gefetzgebcrifchm, tn letzteren könnten die LandwirthschaflSkammern thätig sein. Die Hauptsache sei, daß die Landwtrthschast mehr Einfluß in unserem öffentlichen Leben erreiche, durch welche Organisation sei gleichgilttg; den Bund der Landwtrthe und seine Bestrebungen billige er voll und ganz. Herr Provinzial- Director Freiherr v. G a g e r n spricht sich dahin aus, daß alles erst erwogen werde, bevor irgend eine Neuorganisation geschaffen werde, bezw. ehe man die bestehenden landwtrthschaftlichen Veretnigungm als entbehrlich fallen lasse. Dm landwtrthschaftlichen Provinzial- verein könne eine LandwirthschaftSkammer nicht ersetzm; es empfehle sich, daß man vorerst im kleinen Kreise darüber berathe, was zu thun sei. Die Annahme, daß die landwirthschaftlichm Vereine nur ge­duldet würden, müsse er widerlegen, dmn die Vereine seim durch die Regierung anerkannt. Nach etnigm Gegmbemerkungen vorher­gegangener Redner wird auf Antrag des Herrn Grafen Ortola be- schlosien, eine Resolutton zu Gunstm der Errichtung von Landwirth- schaftskammern nicht zu fassen, sondern dm BeztrkSverewen anheim- zugebm, aus den Kreism ihrer Mitglieder Gutachten darüber etnzu- holen, was sie über die Zweckmäßigkeit von Landwirthschaftskammern denken. lieber den 3. Gegenstand der Tagesordnung:Welche Maßnahmen empfehlen sich, um b er Wiederkehr eines Nothstandes, wie des diesjährigen, für die Folge nach Möglichkeit vorzubeugen?" fprach Herr Landwirthschaftslehrer L e t t h t g e r - Alsfeld. Redner führte auS: Die anhaltmde Dürre des 1893er Sommers und der dadurch herbei- geführte Mangel an Futtermitteln hätten zu der Erkmntntß geführt, daß bet und eine bessere Ausnutzung des Wassers nöthtg sei. In anderen Thellm Deutschlands würden die fließenden Gewäffer zur Bewäfferung der Ländereien ausgenutzt, nur bei unS liefen sie fast zwecklos dahin. ES bedürfe daher zunächst der Anregung durch die landwirthschaftlichm Vereine, um dieser Erscheinung mehr Aufmerk­samkeit zuzuwenden; Besuch der Wtesmbaucurse, Vermehrung der Wiesenbaumeister fei vor Allem zu empfehlm. Obwohl man im Vogels­berg im Frühjahr weniger unter Wassermangel zu leiden gehabt, sei dort auch nichts gewachsen. Dies liege an dem Mangel an Melio­ration. Die Weidm müßten meltorirl werdm wie im Westerwald, die Ausgaben hierfür feien nicht bedeutend, die Arbeiten könnten die Gemetndm übernehmen, dadurch aber der Ertrag bis auf das Doppelte gesteigert werdm. Als weitere Maßnahme zur Minderung von Nothständm empfehle sich die Itefcultur; diejenigen Landwirthe, die diese intensivere Bewirthschaftungsart übten, seien nicht schlecht ge- fahrm; auch hier tonnten die Vereine mit Vortheil unter ihren Mitgliedern wirken. Eine besonders heilsame Lehre habe der durch die Trockenheit herbeigeführte Nothstand den Landwirthen durch den Anbau von Zwischenculturen gegeben. Die Zwischmcultur sollte allgemein durchgeführt werden, denn die Zwischmpflanzen geben in schlechten Jahren Futter-, in guten Jahren Düngemittel. Früher habe man gesagt: Dem Mähemann solle der Ackermann folgen, heute aber sollte es heißen: Dem Ackermann folge der Säemann; so lange die Sonne scheine, solle man pflanzm. Redner wies schließlich noch auf das Genossenschaftswesen tn der Landwirthfchaft hin; das- selbe habe sich überall als nützlich erwiesen unb solle daher immer mehr gepflegt unb ausgebaut werben. Mit bem Ausbruck bes Wunsches, daß auch für die Landwirthschaft befiere Zetten kommm möchten, schloß Herr Leithtger seinm Vortrag, unb ber Vorsttzmbe mit bem Ausbruck bes Dankes an bie Versammelten für bas an den Besprechungsgegmstänbm betätigte Interesse bie Hauptversammlung.

iättian diese Knollen in feuchte Keller, so werbe ber Pilz sofort aus Me gesunden übertragen, in trockenen Kellern aber bleibe bet Pilz tn li lmtcm Zustande unb trete erst im Frühjahr zu Tage; er wachse oil, 'obalb die Kartoffeln gesetzt würden. AIS Anzeichen der Krank­et gelten die Flecken auf den Blättern. Nach einer bestimmten Ätli werden die Sporen vom Winde fort und auf andere llaiyen übertragen; die nicht fortgewebten Sporm fallen ab und bunten mit bem Regen In bie Eibe, bezw. in die Knollen, auf diese Leise erkläre sich die Uebertrogang von den Blättern auf die tnoEen. Je leichter die Kartoffeln, je dünner die Schale, desto mehr Iden sie der Gefahr der Jnficirung ausgesetzt. Man solle nur ge- simdeS Saatgut verwenden, die zur Saat bestimmten Kartoffeln im herbste im Keller nicht aufhäufen, sondern auSgebreitet überwintern; bi4 Auslesen nach Verlauf de« Winters genüge nicht. Von den Ähw vergeblich angewandten Mitteln zur Bekämpfung ber Kartoffel- kankheil nannte Redner: Ralf, Petroleum, Schwefel; anderseits sei «mpvhlen worben, die Kartoffeln so weit auScinanbet zu setzen, baß He iiosallenben Sporen ber einen Pflanze nicht an bie Knollen ber «de, stehenden bringen könnten ober man solle bie Kartoffeln so hoch Räufeln, baß die aufgehLufelte Erde gewissermaßen als Filter gegen dnbr Ingenbe Sporen diene. Auch bie vielfach empfohlene Kupfervttriol- liiuiug habe ihre Wirkung verfehlt; zu bichte Concentrirung ber Lsung zerstöre bie Kartoffelkeime, zu schwache Lösung aber tödte ben tzllz nicht. Am besten bewährt habe sich bisher eine Mischung von kup K roitiiol mit Kalkmilch, bie man unter bem NamenBordeavx- hcktze" kenne, weil ein Professor in Borbeaux sie zuerst angewandt jdbe. Kalkmilch schwäche bie starke Kupfervitriollösung bebeutenb d. Man oerbünne 2 Kilo in Wasser aufgelösten Kupfervitriols fo lange mit Kalkmilch, bis die Brühe ein hineingelegtes Stück gelben hapberS braun färbt. Am geeignetsten ist gelöschter Kalk, da es Krams ankomme, daß keine festen Bestandtheile in bie Mischung ßmtn; bie Mischung selbst barf nicht lange stehen, sondern soll kurz Kr der Verwendung hergestellt werden. Das Aufträgen der Mischung iui ldie Pflanzen geschehe durch besonders dazu hergestellte und üufllch zu beziehende Spritzen. Man solle dreimal spritzen, das erste $al nach bem ersten Hacken, das zweite unb britte Mal mit je A Wochen Abstanb. Herr Anbrae bezeichnete als wiberstandSfähigste Jbrtoffelforten magnam bonum unb Eanada, weshalb btefe Sorten Itiin Anbau bevorzugt werben sollten. Ein weiteres Mittel gegen kültoffelkrankveit fei Kupfervitriolspeckstein, welcher auf bas mit 6öoien behaftete Kartoffelkraut mittelst Blasebalg gebracht würbe, hierbei ist zu beachten, daß diese mehlartige Kupfervitriollösung nicht maiittelbar vor oder nach Regen auf das Kraut geblasen wird, da rfit sonst infolge der Verdünnung wirkungslos bleibt. Was die Hsten betrifft, fo weichen sie tn beiden Anwendungsformen uuwe- tsevllich von einander ab, sind aber im VerhSltnitz zu dem Nutzen Wring. Man hat berechnet, daß bei einem Aufwand von 19 Mark nc Hectar der Mehrertrag an Kartoffeln sich auf rein 178 Mark ttiäuft. Die Anwendung der hier bezeichneten Mittel führten zu Unsrem ©rünblelben des Krautes unb bamit zu einem höheren «Arkegehait ber Knollen. Der zweite Gegenstanb ber Tages- ab.iung: Errichtung von LanbwirthschaftSkammern, nairbe von Herrn Lanbwirthschaftslehrer Dr. v. Peter- Friebberg abgeleitet. Rebner legte bar, daß zur Zeit ein voller Lebensstrom Mi mehr in der landwtrthschaftlichen Bevölkerung pulfire, der sie leidige, ben Einfluß auf unser öffentliches Leben zu gewinnen, welcher ifc ihrer Bedeutung nach gehöre. ES sei beShalb Zett, an einen Kubau ber Organisationen zu benfen, well ben beftehenben fo viele Svbwtrtbe fern biteben; Staat, landwttthschafttiche Betriebe, ja bie Eze Gesellschaft habe ein Interesse an einer starken landwirth-

frlidjen Organisation, Jnbustrte unb tianbel regten sich auch, um fttt Interessen zu wahren. Die sreiwilliaen Organisationen hätten löt vermocht, die Landwirthe aus ihrer Letargie zu wecken, edenso- »uig erfüllten andere Verbindungen ihren Zweck, weil sie zum Stil politischer Natur und von ihren Führern zu Zwecken ausge- ätzt würden, die mit ber Wahrung von wirtbschafttichen und Itialen Interessen nichts zu t&un hätten: auch der Bund ber Land- «itthe sei nicht geeignet, ben Interessen der Landwirthschaft ganz zu Ikien, er vereinige nicht alle Landwirthe, weil er von ben kleinen edgtraulfd) beobachtet unb als nur die Sonberintereffen ber großen «ehrend betrachtet würbe, ber Bunb sei auch zu groß, um sich mit SmIIfragen zu beschäftigen, mit Fragen, bie oft nur eine Provinz Myrten. Redner empfahl am Schluffe seiner Ausführungen, bie Isitoanblung ber Provinzialvereine in Lanbwirlhschaftbkammern «msireben, bie wie unsere HanbelSkammern zu organlftren seien; auf diese Welse erhielten bie »on ben Lanbwirthen selbst gewählten Äntietungen ben Einfluß, dessen sie besonders bei Erörterung wlch- itr voikswirthschaftlicher Fragen in der Gesetzgebung bisher noch tobest. An der Hanv der in der Zeitschrift für die landwttth- Wftlichen Vereine im Jahre 1886 von Herrn Lucke bearbeiteten Imndzüge, nach denen Landwirthschaftskammern inS Leben zu rufen

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- Jllustrirl» Walltgeschicht» fftt M Bott von I. G. Doat. VerlagvouE. Wiest, Leipzig. InwöchentttchenLieferungen a 10 Pfg. ju beziehen durch alle Buchhandlungen unb Colporteurc. Wieder liegt uns eine Anzahl Lieferungen dieses Werkes vor, die unser früheres Urtheil nur noch mehr bekräftigen. Wir glauben in dieser Weltgeschichte ben ersten Versuch begrüßen zu dürfen, nicht bloß eine Zusammenstellung ber geschichtlichen Begebenheiten, sondern vor allen Dingen auch eine philosophische Verarbeitung des geschicht­liche» Stoffes zu liefern. (Srfi das Verständniß des ursächlichen Zusammmhanges gibt bem Studium ber Geschichte seinen höchsten Reiz. Der Verfasser versteht eS vorzüglich, biese wichtigste, aber auch zugleich schwierigste Seite der Geschichtsforschung in einer durchaus gemeinverständlichen Sprache zu behandeln unb bei seiner fort® währenben Betonung ber wahren Volksintereffen kann sein Werk mit Wärme ben weitesten Kreisen empfohlen werben.

Der Verlag Tromitzsch & Sohn in Frankfurt a. d. Ober hat soeben ben Jahrgang von 1894 von »DeS Deutsche« L««-« »«««- Jahrbuchs von Heinrich Freiherrn von Schilling (Preis 1 Mk.) erscheinen lassen. DaS reich illustrttte unb bieSmal mit zwei bunten Aquarellen geschmückte Jahrbuch hat einen rein praetischen Zweck unb soll ben Landwirth unterrichten über bie neuen Erfahrungen unb.'Fortschritte, die bie Lanbwirthschaft von Jahr zu Jahr macht. Freiherr von Schilling leitet bie Redaetion und ist stets hemüht, unter Weglassung aller gelehrten Auseinandersetzunam, bas Vorgetragene sofort practtsch anwenbbar darzustellen. Der Inhalt deS Jahrbuchs ist ein sehr reichhaltiger; er oerbreitet sich in ein­gehendster Weise nicht nur über alle Gebiete der Landwirchschaft unb be8 Haushaltes, sonbern behanbelt auch bie wichtigsten Tages- ftagen auf bem großen socialen Gebiete.

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