Ausgabe 
30.8.1893 Erstes Blatt
 
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'Besuch d eS russischen Geschwaders in Brest start, wo der Czar demselben rierh, sich auszuhalren, behgfS An­fertigung eines Gemäldes über die EmpfangSscene.

Kopenhagen, 28. August. DieBolingske Tidende" meldet, der deutsche Kaiser reise nach den Manövern in Oester­reich-Ungarn über Mel nach Schweden, ohne Dänemark zu berühren.

Cocales und provinzieller.

Sieh«, 29. August 1893.

** Boa der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht: am 19. August den ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der LaudeSuniversität Dr. Richard Reitzenftein auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. October d. I. an aus dem Dienste zu entlassen.

* Sihuug Nttßß. Handelskammer vom 22. August 1893. Anwesend waren die Herren Koch, Scheel, Gail, Heichel­heim, Katz und Kraatz. ES ist ein erneutes Gesuch von Seiten einer Firma in Hungen NamenS der Unterzeichner der früheren Petition eingegangen, den A nschluß des ZugeS 10 der Oberhessischen Bahn an Zug 74 der Main-Weser-Bahn auch im Winterfa^rplan vorzusehen. Da diese Eingabe neue Motive, zugleich einen Vermittlungs-Borschlag enthielt, wird beschlossen, dieselbe bei Großh. Direction zu befürworten. Der Kammer liegt in höherem Auftrage ein zwischen Großh. Ministerium der Finanzen und hiesigem Obersteueramt einerseits und dem Betriebs­amt in Kassel andererseits gepflogener Schriftenwechsel zur Einsicht und Meinungsäußerung vor, welcher durch die Unzu­träglichkeit der Mitbenutzung des ohnehin be­schränkten zollamtlichen Abfertigungsraumes Seitens der hiesigen Güterexpedition hervorge­rufen worden ist. Dieser seither geduldete Zustand entspricht keineswegs den in dieser Hinsicht bestehenden strikten zoll­amtlichen Vorschriften. Die Kammer billigt daher die Stellungnahme der Großh. Steuerbehörde und giebt auch bei diesem Anlaß dem Mißfallen Ausdruck, daß die Preußische Staatsbahnverwaltung zur schweren Belästigung und Schädi- gung deS Handels seit Jahren es verabsäumt habe, die Einrichtungen an hiesigem Bahnhofe dem wachsenden Verkehre anzupassen. Aus dem Referat des Vor­sitzenden über die Sitzung des Eisenbahn-Bet- rathS in Darmstadt vom 10. August theilen wir Nachstehendes mit: Dem Entwürfe deS WinterfahrplanS zufolge war der bisherige Anschluß des ZugeS 100 der Main-Weser-Bahn (ab hier 501, Ankunft Frankfurt 65G Nach­mittags) durch beabsichtigte Früherlegung des LocalzugS 91 nach Darmstadt nicht gewahrt; dem Antrag Gießen entsprechend, soll der Anschluß beider Züge wieder hergestellt werden. Es ist sodann unsererseits ein eingehend begründeter Antrag bei der Direction der Main-Neckar-Bahn eingebracht worden, durch Späterlegung deS Localzugs 95 einen directen Anschluß für den Main-Weser-Schnellzug 72 (ab hier 728 Abends) zu vermitteln, da Letzterer z. Z. nur Schnellzug-Anschluß in Richtung Darmstadt findet, diejenigen Reisenden, deren Ziel eine kleinere Station ist, bis zum Zug 99 (ab Frankfurt 1126 Nachts) warten müssen. Zug 93 wird künftig auf sämmtlichen Stationen halten. Der Entwurf des Winter­fahrplans enthält im Uebrigen namhafte Verkehrserleichterungen, bringt auch für Alzey die längst erstrebten besseren Anschlüsse in Richtung MainzFrankfurt, WormS und Darmstadt. Vor Schluß der Sitzung des Eisenbahn-BeirathS schilderte unser Vertreter die Schädigungen, welche unserer Provinz durch die Umwandelung der Schnellzüge 75 und 76 in Durchgangszüge zugefügt worden seien. Herr Schiele erhob in gleicher Weise Beschwerde und fand überhaupt das Vorgehen der Preußischen Staatsbahn Seitens der Ver­sammlung eine scharfe Verurtheilung. Der Vertreter des Großherzoglichen Ministeriums sagte die Unterstützung höchster Staatsbehörde in dieser Angelegenheit zu. Nach dieser Berichterstattung verlieft der Vorsitzende ein Antwortschreiben der Königlichen Direction Hannover auf unsere s. Z. in gleicher Sache an sie ergangene Beschwerdeschrift. Entgegen der sonstigen Uebung höherer Behörden geht die Direction auf die Hauptpunkte unserer Beschwerde nicht ein, constatirt einfach, daß die Züge 7 5 und 7 6 v.Züge (DurchgangS- züge) seien, die Direction nach den höheren OrtS gegebenen tarifarischen Bestimmungen weder von der Erhebung der Platzgebühr abstehen könne, noch auch sie in der Lage sei, 1 bis 2 dreiachsige Wagen unserem Anträge gemäß diesen Zügen anzuhängen. Die Kammer beschließt, eine ausführlich begründete Beschwerde an Sc. Excellenz Herrn Minister Thielen zu richten und Abschrift derselben Großherzoglichem Ministerium zu überreichen. Hohe Staatsbehörde theilt der Handelskammer mit, daß der BundcSrath unterm 22. v. MtS. das Reichs - Eisenbahnamt ermächtigt habe: 1. den deutschen Eisenbahnen im bevorstehenden Winter während der Monate November, December, Januar und Februar versuchsweise die Beförderung ungesalzener frischer Häute unter folgenden Bedingungen zu gestatten: ..Einzelsendungen solcher Häute müssen in gut verschlossene, nicht schadhafte Säcke auf dichtem, starkem Gewebe verpackt und diese derart mit Karbolsäure angeseuchtei sein, daß der üble Geruch deS Inhalt- nicht wahrnehmbar wird." 2. Hin­sichtlich der Rücksendung der leeren Säcke zur Vermeidung von Geruchsbelästigungen geeignete Vorschriften zu erlassen. Die Special-Direction der Hessischen Ludwig--Eisenbahn übersandte un- eine Uebersicht von auf der Hessischen Ludwigs-Bahn gegenüber den allgemeinen deutschen Tarif- klassen bestehenden Ausnahmetarifen nach dem Stand vom 1. April 1893. Dieselben liegen Interessenten auf unterem vüreau zur Einsicht offen. Den früheren Mit- theilungen über Schwindelfirmen im Auslande tragen wir nach Heinrich Pegan, Triest.

** Feuerwehr. Heute Abend wird die für die Gießener Freiwillige Feuerwehr angeschasste neue mechanische Leiter

auf O-waldS Garren einer Probe und Besichtigung unter­zogen, wozu die EommandoS der Nachbarfeuerwehr« einge­laden find.

** Die Zeit deS Trech«fteig«» rückt näher und eS ist gut, die Kinder bei diesem sonst so unschuldigen Spiel darauf aufmerksam zu machen, daß fie die LeirungSdrähtr der Tele­graphen- und Fernsprechanlagen meiden. Die zur Sicherung der Reichs-Telegraphenanlagen getroffenen Bestimmungen deS § 318 des R. - Str. - G. lauten:Wer gegen eine zu öffent­lichen Zwecken dienende Telegraphenanstalt fahrlässiger Weise Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt ver­hindern oder stören, wird mit Gesangniß bis zu einem Jahre oder Geldstrafe bis zur 900 Mk. bestraft." Wer sich vor Schaden hüten will, möge diese Mahnung beachten und die Kinder dahin instruiren.

Die Section Gedern des Vogelsberger HöhewElnb» hat auf der sog. Schönau, einem in der Mitte der Orte Gedern, Ober - Seemen und WeningS gelegenen und eine prachtvolle Aussicht nach der Wetterau und dem Taunus bietenden Punkte, ein Tempelchen errichtet, das den Mit­gliedern der genannten und anderer benachbarter Orte den Mittelpunkt zu geselligen Vereinigungen bildet und das klubistische Streben fördern wird. Seine Weihe soll das Tempelchen am nächsten Sonntag gelegentlich der Sedanfeier erhalten und hofft man an diesem Tage dort viele Elubfteunde vereinigt zu sehen.

Salzsteuer im Großherzogthum Hessen. In dem Rech- nungSjahre 1892/93 betrug in Hessen die Einnahme an Salz st euer 1,061,422 Mk.; die Menge des producirten SalzeS belief sich auf 15,301,800 Rgr.; davon entfallen auf die Salzwerke LudwigShalle 12,557,400 Kgr., Bad Nauheim 1,688,700 Kgr. und TheodorShalle 815,400 Rgr.; der Rest entfällt auf Fabriken, welche Salz als Nebenproducte gewinnen.

** Viehzählung im Großherzogthum Hessen. Die vor- läufigen Ergebnisse der Viehzählung vom 1. December 1892 weisen im Vergleiche zu den endgültigen Ergebnissen der vorangegangenen Zählung vom 10. Januar 1883 bei den meisten Thiergattungen eine Zunahme auf. ES stieg die Zahl der Pferde von 47 546 auf 52449, die Zahl deS Rind­viehs von 290105 auf 320 670, die der Schweine von 162920 aus 245868, die der Ziegen von 93 646 auf 115 069. Abgeyommen dagegen hat die Schafzucht, 1883 wurden noch 101663 Schafe gezählt, 1892 nur noch 90 939. Unter den Gründen dieses Rückganges dürften die Ausfuhrerschwerungen für Mastschafe obenan stehen.

R. Wieftck, 28. August. Am vergangenen Samstag feierte die Firma Meyer u. Günther die Einweihung ihrer vergrößerten Fabrik. In dem festlich geschmückten Local des Wirths Karl Dorfeld wurde unter Musikklängen das Festmahl eingenommen, dann hielten Tanz, Gesang und Vorträge die Theilnehmer bis zur Morgenstunde in fröhlichster Stimmung beisammen. Hierbei konnte man das gute Ver- hältniß zwischen Arbeitern und Arbeitgebern beobachten, sodaß das Fest den Charakter eines wahren Familienfestes trug.

Lumda, 27. August. Im heutigen Nachmittagsgottes- dienste wurde durch Herrn Pfarrer Alheim zu Wirberg die Einweihung unserer neuen Orgel vollzogen. DaS von der rühmlichst bekannten Firma Gebrüder Bernhard zu Gambach gelieferte Instrument wurde von dem Sachver­ständigen, Herrn Lehrer und Organisten Mohr auS Grün­berg, eingehend geprüft und in allen seinen Theilen als ein wohlgelungenes Werk bezeichnet. Auch ein neues Schul­haus wird in unserer kleinen Gemeinde erbaut. Die Arbeiten an demselben schreiten rüstig vorwärts und hofft man, dasselbe noch in diesem Herbste unter Dach zu bringen. Die Einweihung dürfte dann im Laufe deS nächsten Sommers stattfinden. D. Ztg.

§ Bermuthshain, 26. August. Heute wurde in hiesiger Gemeinde die erste Obsternte versteigert. ES kamen allerdings nur einige Aepfel zum Ausgebot, wofür 80 Pfennige erlöst wurden. Die Gemeinde hat vor etwa 3 Jahren einen Gemeinde-Weideplatz in der Größe von etwa 3 Morgen zu einer Obstanlage angelegt. Gepflanzt wurden darauf etwa 150 Stück Aepfelbäume. In einigen Jahren hofft die Gemeinde auf einen reichlichen Ertrag.

W. Bom westlichen BogelSberge, 27. August. Die Wahlmänuerwählen für den hessischen Landtag stehen vor der Thüre, aber Niemand mit Ausnahme der Antisemiten und Socialdemokraten regt eine Hand. Wenn der letzte Termin erscheint und des Nachbars HauS brennt, kommen die Leute gelaufen, schlagen die Hände ttberm Kopf zusammen und entsetzen sich, daß der Brand auch in ihre Hofraithe hinüberzüngelt. Ist denn kein Dalberg da? möchte man rufen, wenn man diese Lethargie und Ofenbanksbehäbig­keit betrachtet, mit welcher diese wichtige Sache behandelt wird. Kommt unS da heute derReichsherold" Nr. 637 vom 26. l. M. zur Hand. Darin wird wieder gehetzt mit Pauken und Trompeten. Unter der SpitzmarkeWaS hat der seitherige hessische Landtag geleistet?" werden dreizehn Sünden aufgezählt, die dieser Landtag verübt hat. Solche Schimpfereien und gröbliche Verdrehungen gefall«, den Land­leuten viel besser, als ruhiges Belehren, womit nicht gesagt werden soll, daß nun auf der anderen Seite auch geschimpft und gehetzt werden soll. Was derReichsherold" sich wieder einmal leistet, ist zu viel und zu lang, als daß man eS hierher fetzen kann. Einige Proben werden aber wohl Raum finden können. Da ist derReich-Herold" zornig, daß x. Wolf-kehl Vicepräsident de- Landtag- ist und letzterer von x. Wolf-kehl commandin würde, was bekanntlich unwahr ist. Daß der einzige Antisemit Köhler wieder an­dern Landtage hinau-kam, kränkt denReich-Herold" schwer. DieNebenbähnchen" seien unnütz und hätten den Steuer­zahlern coloffale Schulden aufgehalft. Alle Welt weiß, daß da- Land die Nebenbahnen dringend verlangte und daß Vogels­

berg, Letrerau und Odenwald ihren Retchrhnm an Holz, Braunkohlen, Seemen, Obst u. dgl. nur mittelst der Neben­bahnen an die großen DerkehrSstraßen liefern können: jene Gegend« werden also nur durch die Nebenbahnen lebenS- und concurrruzfähig. Die Pfarrer, welche imReich-Herold" sonst übel wegkoumien, werden gegen die DiSciplinar« Vorschriften der Negierung in Schutz genommen. Gott schütze mich vor mein« Freunden, sagt mancher ehemals antisemitisch gestauter Pfarrer. Die Herren Geistlichen wollen von den Rohesten, Hetzerei« und Schimpfereien de-Reichsherolde-" schon lange nichts mehr wissen. Jetzt, da eS zum Wählen geht, wird den Pfarrern der Ban gestrichen. ^Spiegelderg, ich kenne Dir!" Daß die Petitionen de- mitteldeutsch« Bauernverein- vom Landtage unbeachtet blieben, kränkt d« Reich-Herold" ebenfalls. WaS sollte er auch damit an­sangen ! Die Ideen deS Bauernverein- find in die Praxi- übergegangm, als Herr vöckel noch in die Schule ging, und nun soll dessen Weisheit als BeglückungStropfen an die Land- wirrhe ezrra noch einmal verzapft werden. SS wird noch von einem Geschenk au» Slaar-kost« an die jüdischen Ge­meinden, von den portugiesischen Papier«, von dem jüdisch- socialdemokratischen GerichtSaccefsssten Katz«stein, von der Feuerbestattung, von dem Schunpsen ans die Antisemiten ge­sprochen. Der Raum verbietet jedoch, näher darauf einzu­gehen. Man lacht oft über den socialdemokratischen Zukunft-- staat und die socialdemokratischen Staat-männer. Sie sind aber gar nicht- gegen die Weisheit bei Böckelissimui. Alle Staatsmänner der Vergangenheit und Zukunft sind Stümper gegen Meister Böckel, und der antisemitische Zukunft-staat verhält sich zum modernen Staate wie da- Schlaraffenland zu Sibirien. Die Sache wäre zum Lachen, denn der ganze Plunder ist Nonsens. Gerade deßhalb wird er gerne geglaubt. Jedem gefällt feine Kappe, deßhalb gibt eS so viele--Böckelianer.

§ An- dem hoher« Vogelsberg. 27. August. Seit einiger Zeit hatten wir hier dieselbe trockene Witterung wie früher- in den letzten Tagen ist indess« ein wesentlicher Umschwung eingetreten, eS wechselt tagtäglich Regen mit Sonnenschein. DaS Mähen von Grummet, Hafer und Gerste hat bereits begonnen. Auf den meisten besseren Wiesen wird mehr Grummet geerntet wie Heu, so daß dem herrschend« Futtermangel in etwa- begegnet wird. Die Sommerfrucht ist sehr verschieden gewachsen, theilS grün, thcil- halbreif, theils reif, sodaß die Landwirthe nicht wissen, ob sie die Frucht abmachen sollen oder nicht. Der zweite Schnitt Klee steht sehr gut, sodaß viel Klee gedörrt werden kann. Der Versuch, Stoppelrüben, weißen Senfsamen u. s. w. zu Herbst­futter auf Kornstoppeln auSzusäen, wie in der Wetterau, ist hier nicht geglückt, da die zum WachSthum nöthige Zeit hier zu kurz ift; diese Saat stehl in unseren Feldern sehr dünn. Die Vorbereitungen zur AuSsaat deS Winterroggens sind bereits im Gange.

K. AlSfeld, 28. August. Die für die Kreise Alsfeld und Lauterbach projectirte ObstauSstellung des Ober­hessischen Obstbauvereins wird nach Beschluß der gestrigen Versammlung vom 7. bis 10. October in den Räumen de- Deutschen Kaiser" dahier stattfinden und damit zugleich eine Ausstellung von Gartengewächsen und sonstigen landwirth- schastlichen Produclen verbunden werden. Die ObstauSstellung trifft sich dieses Mal für hier insofern günstig, weil wir gerade in diesem Jahre einer sowohl in Menge wie auch in Güte günstigen Obsternte entgegen sehen.

AuS dem Grotzherzogthum Hessen, 28. August. Auch in diesem Jahre bieten die Jahresberichte der beiden Fadrikinspectoren Hessens manches erfteuliche Bild, das zeigt, wie hier und da Fabrikanten sich sehr wohl ihrer Christenpflicht bewußt sind und fteiwillig Einrichtungen treffen, die von reichstem Segen für ihre Arbeiter und darum in größerem Umfange nachahmenSwerth sind. Papierfabrikant Euler in BenSheim z. B. hat für 15 Familien Wohnung« gebaut. Für die Arbeiter der Actienziegelei bei Darmftadt wurde ein zweckmäßiges Wohnhaus erbaut. Fabrikant Andrö in Hirschhorn ließ ein Gebäude Herrichten für diejenigen Arbeiter, welche nur Sonnabend- nach Hause gehen. Fabrikant Hehl in WormS, welcher sehr zweckmäßig den Zahltag auf den Samstagvormittag verlegte, bezahlt jenen Arbeitern, für welche während der in seinem Betriebe häufig vorkomrnenb« Schwankungen zeitweilich keine Beschäftigung vorhanden ist, ein anständige-, nicht zurückzuerstattende-Wartegeld", wodurch sie vor dem Mißgeschick der Entlassung bewahrt bleiben, 1 Mk. bi- 2,50 Mk. täglich. 1891/92 hat er anWarte- gelb" 16000 Mark aufgewendet, ferner hat er eine wöchentliche Sprechstunde eingeführt, währ«d welcher seine Arbeiter einzeln ohne vorhergehende Anmeldung bei ihm ein» treten können. Diese Firma hat nach und nach für ihre Arbeiter begründet: eine Suppenanftalt, wo Milchkaffee für vier Pfennig, Suppe mit Fleisch für achtzehn Pfennig zu haben ift; eine große Anzahl Familienwohnungen je mit Gärtchen- fünf Badeanstalten, eine Spar-, Vorschuß-, Pension--, Wittwen- und Unterstützung-kaffe, wie auch eine freiwillige Krankenkasse, ßinbergart«, Näh- und Kochfchule u. s. w.

Burgbracht, 27. August. Bei der jüngst dahier statt- gehabten Bürgerrneift erwähl wurde, von elf Candidat«, der seitherige Bürgermeister JohS. Krieg H. wieder- gewählt.

A Wiinj. 28. August. Mit Rücksicht daraus, daß iw einem bei Rüde-Heim vor Anker liegend« Schiffe em Cholerasall constatirt worden ist, sind Seit«- der hiesig« Sanitätsbehörden die Controllmaßregeln auf dem Rhein noch verschärft und die Hafenpolizei insbesondere beauftragt worb«, darüber zu wachen, daß jede Erkrankung auf einem hwr ankommenden Schiffe fofort zur Anzeige gebracht wird. Die Conttollmaßregeln werden auch auf die Personeuschiffe aus­gedehnt. In einer gestern stattgehabten Conferenz der Socialdemokraten auf dem hiesigen Wahlkreis wurde der Stadtverordntte Dörr als Landtag-candidat für den bisher