Weise geäußert haben, was natürlich noch abzuwarten bleibt, so würden seine Worte eine hochersreuliche, in Wahrheit echt Patriotische Gesinnung bekunden.
Berlin, 26. Mai. Hier beschäftigt man sich mit den Aussichten der Socialdemokratie in Berlin und draußen im Lande, und da nach hierher die Nachrichten zusammen« laufen, so gewinnt mau wenigstens einen Einblick in die um- fasienden Vorbereitungen, ohne freilich gleich an deren Erfolg glauben zu müssen. Eine allgemeine Uebersicht dürfte auch den der socialdemokratischen Partei nicht Nahestehenden oder Zugehörigen inreresiant sein. Die Socialdemokraten haben in etwa 240 Reichstagswahlkreisen Candidaten aufgestellt; darunter befinden sich die Mitglieder deS vorigen Reichstags mit Ausnahme von Heine und Hickel, die angeblich auf eine Candidalur verzichteten. Von den socialdemokratischen Reichs- tagScandidaten gehören drei dem Adelftande an: v. Vollmar, der Cand. theol. v. Wächter und der Beamte der Tabak- arbeiter-Genossenschast v. Elm. Zehn Candidaten führen den Doctortitel. Dem Stand oder Gewerbe nach befinden sich unter den Candidaten: Je ein Rechtsanwalt, RechtSanwalt a. D., Predigtamtscandidat, Apotheker, Landwirth, Militär« Pensionär, Reporter. Ferner 2 Rentner, 7 Schriftsteller, 38 Redacteure von Parteiblättern, 26 verschiedene Parteibeamte (Mitglieder des Parleivorstandes, Buchhändler, Ex« pedienten, Correctoren usw.). Vier Candidaten sind Land« tagSabgeordnete, zwölf Stadtverordnete. Die übrigen Candidaten gehören fast ausschließlich dem Kaufmanns-, Fabrikanten« und selbstständigen Handwerkerstande, sowie dem GastwirthSgewerbe an. Ueber einen der Candidaten, der Gewerkschaftsführer ist, wurde vor Jahresfrist in seinem Gewerkschaftsblatt berichtet, daß er Gewerkschaftsgelder unterschlagen habe. — Obgleich ein Parteitagsbeschluß vorschreibt, daß Doppelcandidaturen möglichst vermieden werden sollen, sind doch zahlreiche Personen in mehreren Wahlkreisen vorgeschlagen worden, wie denn z. B. Bebel in elf Kreisen candidirt.
Esten a. d. Ruhr, 27. Mai. Gegen die Candidaten des Centrums und der Socialdemokraten wurde von den übrigen Parteien Geh. Commercienrath Krupp als Reichstags« candidat für den Wahlkreis Esten aufgestellt.
München, 27. Mai. Unter den Mannschaften der fünften Compagnie des Jnfanterie-Leib-Regiments herrscht der Scharlach.
München, 27. Mai. Im Festsaale des Kunstgewerbehauses fand gestern Abend die Begrüßung der 29. Tonkünstlerversammlung durch das Localcomitö statt. General-Jntendent von Perfall toastete auf dieselbe, welche Bürgermeister v. Borscht willkommen hieß, General-Jntendent von Bronsart'Weimar erwiderte mit einem Hoch auf München.
Bamberg, 27. Mai. Der Heßlein'sche Concurs fällt sehr ungünstig aus. Fast alle Depots sind verschwunden. Das fehlende Depot für die hiesige Stadt beträgt allein eine Million. Viele Wenigbemittelte verlieren Alles.
Würzburg, 27. Mat. Die Verhandlungen der Achtzehnten Versamm lung des deutschen Vereins für Gesundheispflege wurden heute Nachmittag geschlossen. Auf ein an den Prinzregenten Luitpold gesandtes Huldigungstelegramm war ein Danktelegramm des Prinzregenten eingelaufen. In den Ausschuß wurden Oberbürgermeister Adickes- Franksurt, Obermedicinalrath Kerschensteiner-München und Oberingenieur Meyer wiedergewählt und Obermedicinalrath Pistor-Berlin, Oberbauralh Baumeister-Karlsruhe und Professor Gafsky-Gteßen neugewählt.
An-land.
Montpellier, 27. Mai. Einige choleraartige Fälle sind im Dorfe Montarnaud constatirt. Es herrscht drückende Hitze.
Durban, 27. Mai. Meldung des Bureau Reuter. Der Postdampfer „Conway Castle" strandete 12 Meilen von Batomandri auf dem Vandeuil-Riff. Das Ähiff ist stark beschädigt und die Flottmachung höchst zweifelhaft. Die Fahr« gäste und die Post sind gelandet worden. Die Ladung ist bis jetzt nicht erheblich beschädigt und wird auf einen Schooner umgeladen. Die Mannschaft bleibt an Bord.
Belgrad, 27. Mai. Der König hat angeordnet, daß das 11. Regiment den Namen seiner Mutter führen solle.
ncticftc Nachrichten»
Wolffs telegraphische« Correspondenj-Bureau.
Paris, 28. Mai. Ungefähr 2000 Socialisten besuchten heute in gewöhnlicher Weise die Gräber der 1871 erschossenen Communards auf dem Friedhof Psre Lachaise. Dort wurden rothe Fahnen entfaltet und mehrere Reden gehalten unter Hochrufen aufAie Commune und die sociale Reform. Zwischen den Manifestanten kam eS zu einigen Conflicten, doch entleerte fich schließlich der Friedhof ohne weiteren Zwischenfall. Die Polizei hatte keine Veranlastung einzuschreiten.
Deprschm de« Bureau .Herold".
Paris, 29. Mai. Bei der gestrigen Manifestation auf dem Kirchhofe Pöre Lachaise brachte der Redacteur Lissa- garay von der „Grande bataille" einen großen Kranz, um ihn auf die Gräber der am 28. Mai 1871 erschossenen Revolutionäre niederzulegen. Daillaut erfaßte den Kranz, riß ihn in Stücke, worauf andere den Kranz, den der „Jntransigeant" gestiftet hatte, unter dem Ruse „Nieder mit Boulanger" ebenfalls vernichteten. Sonst wurde die Ruhe nicht gestört.
Kopenhagen, 29. Mai. Der Kronprinz-Regent erließ eine Verordnung wegen der Veranstaltung zu einer schnellen Mobilisirung der Kriegsmacht.
vrüffel, 29. Mai. Der „Bruxelles maritime" sagt, Antwerpen habe in Argentinien 300 Millionen verloren und bebauen, daß dieses Geld nicht zur Anschaffung einer Handelsflotte verwandt worden sei.
Darmstadt, 29. Mai. Der Großherzog von Baden trifft morgen (DienStag) früh zum Besuch deS Großherzogs hier ein.
Hamburg, 29. Mai. Ein seit acht Tagen an leichten Durchsällen leidender Comptoirbote ist unter choleraverdachtigeu Anzeichen gestorben. Bacteriologisch wurde gestern die Cholera als Todesursache festgestellt.
CocaU» utib provinzieller.
Sieden, 29. Mai 1893.
** Nach dem Jahresberichte des LctroiinspectorS Jost pro 1892/93 beträgt:
A.
B.
C.
das Octroieinkommen der Stadt Gießen
in 1891/92 in 1892/93
•/Ä» v4(*.
1. für Schlachtvieh 30663.20 31112.31
2. „ Fleisch und Wildpret 2984.57 3581.14
3. „ Brennmaterial 25983.43 26481.71
4. „ Mehlfrüchte, Backwaaren 26291.83 27266.93
5. „ Getränke 25078.52 25709.01
Im Ganzen 111001.55 114151.10
111001.55
Daher in 1892/93 mehr..... 3149.55
Die Rückvergütungen betragen
1. für Schlachtvieh und Fleisch 366.25 537.52
2. „ Brennmaterial 315.33 277.25
3. „ Backwaaren, Mehl,
Hafer rc. 12683.93 13348.64
4. „ Getränke 3013.64 3460.79
5. an das Militär 2181.72 2622.19
Zusammen 18860.87 20246.39
18860.87
Daher in 1892/93 mehr .... 1385.52
Abschluß.
Von dem Octroieinkommen 111001.55 114151.10
die Rückvergütung ab 18860.87 20246.39
bleibt Einkommen 92140.68 93904.71
92140.68 daher in 1892/93 mehr .... 1764.03
*♦ Das am Samstag den 27. Mai von dem Rheinischen Künstler Doppel Quartett gegebene Concert verlief in anregendster Weise. Das Publikum hatte sich zwar nicht übermäßig zahlreich eingefunden/ muß aber unbestritten als sehr sachverständig bezeichnet werden, denn ein namhafter Theil rekrutirte sich aus hiesigen Sängerkreisen. Und dieses Publikum stellte den Sängern einstimmig das Zeugniß cum laude aus. Das durchaus nicht kleine Programm, welches ursprüng« lich aus 16 Nummern bestand, verdoppelte sich im Laufe des Abends, aus dem scheinbar unerschöpflichen Liederborn, durch den wiederholten, theilweise sehr stürmischen Applaus, dem die Künstler bereitwilligst durch Wiederholungen und Zugaben entsprachen. Bei solchen Erfolgen, vor solchem Publikum hat die Kritik nicht das Recht, mit ihrer Allwiffenheit auf etwaige vorgekommene Unebenheiten hinzuweisen, gern beugt sie sich dem Unheil der Hörer und gesteht zu, sich mit diesen köstlich amüsirt zu haben. Bei der Fülle des Gebotenen konnte nicht alles gleichwerthig sein, von den heiteren Com« Positionen, in welches die Vereinigung unserer Meinung nach am besten zu Hause ist, gefiel uns das ganz meisterhaft gesungene „'S Eichkätzle" von Rößler (Einlage) am besten; daS Liedchen ist ein CabinetSstückchen von Zierlichkeit, Anmuth und Humor.
** Turnerisches. Die Turnfahrt des GaueS Hessen, welche gestern in Lollar stattfand, verlief auf daS Beste. Die Betheiligung der Turner des Gaues war eine außerordentlich gute, so daß fast alle Vereine vertreten waren. 106 Turner hatten sich zum Wettturnen gestellt und sind gute Leistungen zu verzeichnen. Einen Ehrenpreis (schon früher den ersten bekommen) errang Herm. Rausch, Wetzlar, mit 38Vg Punkten, den 1. Preis Jacob Diehl, Wetzlar, mit 37V2 P., den 2. Pr. Hch. Weller, M.-T.-V. Gießen, mit 36Va P-, den 3. Pr. Carl Schweighöfer, Usingen, mit 35 P., den 4. Pr. Hch. Erle, Usingen, mit 34 P., den 5. Pr. Herm. Haubach, T.'V. Gießen, und Hch. Pfeffer, Bad Nauheim, mit je 33*/, P., den 6. Pr. Chr. Weeg, T.-V. Gießen, und Joh. Siegfried, Wetzlar, mit je 33 P., den 7. Pr. Th. Müssing, T.-V. Marburg, mit 32^2 P-/ den 8. Pr. Carl Spam er, Schotten, mit 32 P., den 9. Pr. Wilh. Ziegler, T.-D. Gießen, und Louis Kracht, Wetzlar, mit je 311/a P., den 10. Pr. Fr. Christ, Wteseck, und Wilh. Dorsch II., Wölfersheim, mit je 31 P., den 11. Pr. Gerh. Groh, Wetzlar, Louis Reitz, Wetzlar, und Heinrich Schmidt, Wetzlar, mit je 29*/2 P., den 12. Pr. Wilh. Heues, Bad-Nauheim, Fr. Pfaff, Lollar, Gerh. Rohrbach, Lollar, und Gustav Orbig, T.-V. Gießen, mit je 29 P., den 13. Pr. Heinr. Schmidt jun., Grünberg, mit 28 Va V / den 14. Pr. Carl Sch omber, Wieseck, und Hart Trautmann, Wieseck, mit je 28 P., den 15. Pr. Arnold Enders, Laubach, und Emil Marx, T.-D. Gießen, mit je 271/a P., den 16. Pr. Th. Andreas, Usingen, und Albrecht Simon, Wetzlar, mit je 27 P., den 17. Pr. Martin Beith, T.«V. Gießen, Franz Senner, T.-V. Gießen, und Albr. Müller, Bad- Nauheim, mit je 261/2 P., den 18. Pr. Carl Schweitzer, Wetzlar, und Joh. Brunewo, Turugem. Marburg, mit je 26 P., den 19. Pr. Carl Rönnemüller, Turugem. Marburg, H. Braun, Laubach, Otto Wagner, M.-T.-V. Gießen, und Reinh. Weigel, Biedenkopf, mit je 25>/, P., den 20. Pr. H. Brauer, T.-V. Marburg, und Rud. Hahn, M.-T.-V. Gießen, mit je 25 P., den 21. Pr. Hugo Fatum, Wölfersheim, mit 241/« P- — Möchte auch dieses Fest dazu beitragen, unserer edlen Turnsache immer mehr Freunde zuzuführen. „Gut Heil!"
•* Rene Müajtll hessischen Gepräges. Am SamStag sind die ersten Münzen mit demvtldnißSr. König!.Hoh.
deS Großherzogs Ernst Ludwig bei der HauptstaatS- kaffe auSgegeben worden.
" ES ist jetzt wieder die Zeit der Kirfcheoervte gekommen. Da kann nicht eindringlich genug vor der weit verbreiteten Unsitte deS Verschluckens der Kerne gewarnt werden, denn eS ist eine Thatsache, daß alljährlich dieser Unsitte eine Anzahl bon Menschenleben zum Opfer fallt.
** Versichert Euere Ernte! ES ergiebt sich au8 der I Statistik, daß Ortschaften, ja ganze Bezirke, in welchen früher durch Jahre hindurch Hagelschläge ganz unbekannt waren oder doch nur geringe Schäden verursachten, durch wiederholte sehr harte Hagelschläge betroffen wurden. Da die Landwirthe in den vom Hagel wenig heimgesuchten Gegenden erfahrungsgemäß nicht versichern, sind viele derselben durch derartige unerwartete UnglückSfälle arg geschädigt worden und eS hat sich die Sparsamkeit, welche durch Nichtaufwendung der verhältnißmäßig geringen Prämien bethätigt wurde, als eine wirihschaftlich verhangnißvolle Maßregel für Diele erwiesen. Die Reue kam aber zu spät. Sorgt dafür, daß sie bei Euch nicht auch zu spät kommt,
** Die Stichwahlen sollen im Großherzogthum Hessen am siebenten Tage nach Ermittelung der Wahlresultate stattfinden.
** Der Getreidemarkt. Der geschäftliche Umsatz wurde in der abgelaufenen Berichtswoche durch da« Pfingstfest naturgemäß beeinträchtigt. An mehreren der hauptsächlichsten deutschen Getreideplätze zeigte sich allerdings speziell für Roggen Kauflust, dieselbe wurde indessen lediglich durch Die Rücksicht- nähme auf die herrschende Witterung veranlaßt, welche man als den Saaten ungünstig erachtet^ auch hielt sich die Kauflust für genannten Artikel in mäßigen Grenzen. Immerhin resultirte hieraus eine nicht unerhebliche Preissteigerung für Roggen, ebenso erzielten Weizen und Hafer eine leichte Besserung, jedoch bei geringfügigen Umlätzen. Bon den ausländischen Getreideplätzen fehlten die Anregungen diesmal fast gänzlich. Notirungen an der Berliner Produktenbörse: Weizen von 153 bis 165 Mk. per 1000 Kilogramm, Roggen von 142 bis 150 Mk., Hafer von 154 bis 167 Mk., Gerste von 120 bis 175 Mk.
-n- Lich, 29. Mai. Gestern Abend fand hier im Saale des Herrn Heiland eine zahlreich besuchte Wählerversamm« lung des freisinnigen Vereins für den 1. Hess. Wahlkreis statt. Der Candidat der freisinnigen Partei, Herr Landrichter Dove von Frankfurt a. M., war selbst anwesend und entwickelte in längerer Rede sein Programm. Er erklärte sich als entschiedener Gegner der von der Regierung eingebrachteu Militärvorlage sowie des Antrags Huene, weil derselbe dem Volke unerschwingliche Lasten aufbürde. Werde die Regierung mit einer anderen Vorlage an die Volksvertretung herantreten, so werde er nach gewissenhafter Prüfung dasjenige Mehr an Soldaten bewilligen, waS für die Erhaltung der Wehrfähigkeit des Vaterlandes nothwendtg sei. Er müsse jedoch diese Bewilligung an die Bedingung knüpfen, daß dieselbe In Einklang gebracht werde mit der wirthschaftlichen Lage Deutschlands, sowie daß dte Regierung berechtigte und dasselbe wirthschastlich entlastende Wünsche des Volkes genehmige, nämlich bewillige die gesetzliche dauernde Festlegung der zweijährigen Dienstzeit sowie die gleichzeitige Regelung der Deckungsfrage unter Nlchtbelastung der minderbemittelten Volksklaffen. Diese Wünsche seien erfüllbare und wenn die Regierung aus dem von ihr seither eingehaltenen Standpunkte verharren und allen berechtigten Wünschen deS Volkes ein kategorisches „Nein" entgegensetzen werde, so gebe sie damit zu erkennen, daß eS ihr um eine Verständigung mit der Volksvertretung und dem Volke nicht zu thun sei, und müsse die Regierung alsdann dte volle Verantwortlichkeit treffen." Diese von der Versammlung beifällig auf- genommenen Ausführungen suchte der anwesende Bertreter der socialdemokratischen Partei, Herr Katzenstein von Gießen, zu bemängeln und gleichzeitig mit den bekannten Schlagworten „internationale Verbrüderung", „allgemeine Abrüstung" und dergleichen mehr Propaganda für die socialistische Sache zu machen und die Abschaffung der stehenden Heere zu empfehlen. Diesen Ausführungen traten unter dem lebhaften Beifall der Versammlung die freisinnigen Redner Herren RechtSanwalt Grünewald und Rechtsanwalt Dr. Jung entgegen. ES wurde Herrn Katzenstein bemerkt, daß man ihm nicht folgen wolle in da« Reich der Utopien, daß die freisinnige Partei stelS nach politisch erreichbaren Zielen gestrebt habe und daß eS, wie es die frei* sinnige Partei stets für ihre Pflicht gehalten habe, zu fein eine Vorkämpferin für die Rechte und Freiheiten deS BolkeS, sie es ebenmäßig für ihre Pflicht halte, die Wehrfähigkeit deS Vaterlandes in vollem Maße aufrecht zu erhalten.
-a- Hangen, 28. Mai. Die auf heute hierher einberufene Versammlung der freisinnigen Partei war sehr gut, namentlich von den benachbarten Dörfern her, besucht. Sie wurde von Herrn RechtSanwalt Grünewald auS Gießen eröffnet und geleitet, der alsdann dem Candidaten der Partei, Herrn Landrichter Dove aus Frankfurt a. M., daS Wort ertheilte. Herr Dove entwickelte in längerer, beifällig aufgenommener Rede fein Programm und erklärte, wa« die Militärvorlage betrifft, daß er gegen den Antrag Hue« stimme, einer Verständigung mit der Regierung indessen nicht abgeneigt fein werde unter der Voraussetzung, daß gesetzliche Einführung der zweijährigen Dienstzeit stattfinde und daß die Kosten der HeereSvermeh- rung nicht auf die Schultern deS Mittelstandes, der arbeitenden Klaffen, gelegt würden. Würden diese Bedingungen nicht erfüllt, so werde er gegen die HeereS- vermehrung stimmen. Für die Erreichung noch weiterer Wünsche, die daS Militärstrafwesen, daS Beschwerderecht der Soldaten rc. betreffen, werde er sein bestes Dollen und Können einsetzen. — Der Heranziehung der Börsensteuer sei er nicht abgeneigt, die Bier- und Branntweinsteuervorlage verwerfe er. — Auf dem Boden der Grundsätze de« freisinnigen


