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Innahme von Anzrigen zu bei Nachmittag» für brn ssltzmbru Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Alle Lnnoncen-Bureaux de» In- und Lu-landeS nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
hier die in Aussicht genommene Werthgrenze von 50 Mark für das ftectoliter, bis zu der der Wein nur den Landes-
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1893
Nr. 255 Zweites Blatt. Sonntag den 29. Oktober
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Anrts- und Anzeigeblutt für den Äreis Gieren.
Feuilleton
Der ßtetz-ver ttx»r : tSalich, wtt NuZnahmr deS MonragS.
Dir Gießener 7»*tn<»ltil<er «iden dem Anzeiger a-e'chentt'ch dreimal ongelegt.
Regierung erklärt. v noch die feindselige Haltung der Mehrheit der Abgeordneten gegen die Ausnahmemaßregeln Taaffes in Böhmen bei. Es scheint kaum ein anderer Ausweg aus den Parteiwirren mög* lich, als die Auflösung des Parlamentes. — In den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird der Kampf um die Shermanbill in Kürze ein befriedigendes Ende finden.
zwecken gehalten wird. _ _ .
meistens der Exercierplatz, von da geht es dann in scharfem Galopp gewöhnlich über die Aecker und Felder hinter dem Odenwaldbahndamm her bis zum Jagdschloß Kranichstein, wo das Halali stattfindet. Der Sport ist namentlich in Offiziers - kreisen sehr beliebt und da ähnliche Veranstaltungen in Nachbarstädten nicht existieren, so stellen auch die Garnisonen von Mainz, Frankfurt u. s. w. immer ein größeres Kontingent Jäger, die entweder in Uniform oder dem schmucken Sportsanzug, rothem Reiterfrack und weißer Hose, mitgaloppiren. Daß es natürlich an Zuschauern auf dem Rendezvousplatze niemals fehlt, ist selbstverständlich, die Darmstädter wandern oft in großen Schaaren an den Samstag Nachmittagen nach dem schönen Kranichstein hinaus. Auch die allerhöchsten Herrschaften haben von jeher ihr Jnteresie an der eigenartigen Veranstaltung bekundet und pflegen gleichfalls sehr häufig als
Zuschauer einzutreffen.
An interessanten wiffenschaftlichen und künstlerischen Dar- Hettingen war die vergangene Woche nicht arm. Ganz besonderes Interesse beanspruchten die zwei Experimental- Vortragsabende eines Herrn Dähne aus Dresden, der in populärer Weise über einzelne größere Capitel aus der Physik sprach und seine Darlegungen durch Ausführung hochinteressanter Experimente veranschaulichte. An einem Vortragsabend wurde die Electrizität, an einem zweiten die Optik behandelt und der Redner verstand es dabei vorzüglich, die Aufmerksamkeit der zahlreichen Hörer für seine ganz eigenartigen und sehr instruktiven Darbietungen zu feffeln. Sollte Herr Dahne auch in Ihrer Stadt Einkehr halten, so sei ein Besuch seiner Vorträge Ihren Lesern hiermit bestens empfohlen.
Große Betheiligung und einen außerordentlichen künstlerischen Erfolg fand am Montag das erste Concert des Musikvereins. Das Programm war sehr sorgsam ausgewählt, als erste Nummer enthielt es Brahms „Nänie", deren gewaltige GröSe in der Wiedergabe zu machtvoller Wirkung gelangte. Dann folgte Schumanns „Requiem für Mignon", ein reizvolles Tonstück, dessen Schönheit ihren Zauber auf die Hörer in vollem Umfange ausübte. Den Schluß bildete
steuern unterworfen sein soll, für viel zu niedrig gegriffen. Dann aber scheut man in Süddeutschland auch die überaus lästige Controle des gesummten Weinbaues und Weinhandels, welche in dem Regierungsentwurfe vorgesehen ist. Es heißt deshalb, daß die Entscheidung über daS Weinsteuerproject so lange ausgesetzt werden soll, bis weitere Erwägungen darüber stattgefunden haben, ob nicht auch bei einer Erleichterung der in Aussicht genommenen Controlmaßregeln der finanzielle Erfolg der Vorlage gesichert scheinen möchte. Von Parteiführern hat sich der nationalliberale Reichstagsabgeordnete von Bennigsen neulich nicht ungünstig über die Regierungsvorschläge ausgesprochen. Inwieweit gewisse Aeußerungen des EentrumS- abgeordneten Dr. Lieber zu Gunsten der Tabak- und Weinsteuer gedeutet werden dürfen, kann augenblicklich mit Rücksicht auf die ungenauen Blättermeldungen über die betreffende Lieber'sche Rede noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. — Die Bemühungen der freifinnigen Volkspartei, eine wirksame und umfassende Organisation zu schaffen, dauern unter Eugen Richters Leitung fort. Ebenso mehren sich auch die Anschlüsse der freisinnigen Vereine im Lande an die Partei. Erst kürzlich hat sich auch der Reichsverein in Gotha einstimmig auf den Boden der Volkspartei gestellt Auf der anderen Seite hat der Mangel an Thätigkeir auf Seiten der freisinnigen Vereinigung dieser viele anfangs ihr wohlwollend gegenüberstehende Personen entfremdet. Selbst das „Berliner Tageblatt", seither der eifrigste Fürsprecher der Vereinigung, beklagt sich in einem Aufsehen erregenden Leitartikel über „die Mattigkeit, den Mangel an energischem Wollen und kräftigem Vollbringen" und das Fehlen klarer Ziele bei der Vereinigung.
In Oesterreich hat die Taafse'sche Wahlresorm- Borlage die größte Verwirrung hervorgerufen. Namens der drei großen Parteien: der Deutschliberalen, der Polen und der Konservativen haben sich von Plener, Jawarski und
von Hohenwart auf das entschiedenste gegen den Entwurf der Zur Verschärfung der Krise trägt dann
• Vor Kurzem waren 25 Jahre verflossen, seit zu München der Deutsche Gabelsberger Steaographeu Lund, der gegenwärtig 628 Vereine im Deutschen Reiche, Deutsch« Oesterreich und der Schweiz mit rund 20,000 stenographie- kundigen Mitgliedern umfaßt und an dessen Spitze seit 1890 Herr Domcapitular Alteneder in Passau, ein Mann von bedeutenden Kenntniffen und vielseitiger Erfahrung, steht, mit der recht bescheidenen Zahl von 48 Vereinen (3000 Mitglieder) ins Leben trat. Welch eine Fülle uneigennüfciger Arbeit und selbstloser Aufopferung im Dienste einer Sache, die der gefammten gebildeten Welt schon so unermeßlichen Nutzen gebracht hat, bedeutet dieser verhältnißmäßig kurze Zeitraum! Leicht hat ba8. Werk des Münchener Meisters seine glänzenden Erfolge nicht errungen. ES bedurfte und bedarf heute noch vieler Kämpfe, vieler Opfer an Zett, Geld und auch oft an Gesundheit seitens derjenigen Männer, die mit Recht in der Verbreitung der Stenographie eine hervorragende Kulturarbeit erblicken. Möge sich der'Bund bei den großen Aufgaben, die noch der Erfüllung harren, auch der Unterstützung und der tätigen Theilnahme derjenigen Kreise erfreuen, die bis jetzt sich dieser Sache gegenüber so vollständig gleichgiltig verhalten. DaS sind die herzlichsten Wünsche, die wir dem Deutschen Gabelsberger StenographenBunb zu seinem Jubiläum darbringen.__
Presse verlautet auf Engagement.
Eine recht erfreuliche Bestätigung unserer letzten Nachricht, betreffend den Besuch der Technischen Hochschule, ist für heute zu verzeichnen. Es sind vor allem eine sehr große Zahl von Ausländer tmmatriculirt worden, darunter befinden sich mehrere rumänische Offiziere, die hier im Auftrage chrer Regierung Electrotechnik studiren sollen und daher die Vorlesungen des Herrn Prof. Kittler, bekanntlich eine Autorität auf seinem Gebiete, hören werden. Z.
BtertfWrtger
2 M«rl 20 Psg. Brmgkrlohn.
Durch bit Post bq^ai
2 Mark 50 «U
Rttaction, unb Druckerei:
Steckbrief.
Der unten naher bezeichnete Rekrut Ludwig Weller, ^atob VI. Sohn, des Landwehrbezirks Gießen hat sich der Stfielung entzogen. Sämmtliche (Stoib und Militärbehörden «erben dienftergebenst ersucht, gefälligst auf denselben ein «adifcmie» Auge zu haben, ihn im Ergreifungsfalle zu arre- tuen und an die nächste Militärbehörde abliefern zu laffen.
Signalement: 1) Name: Ludwig Weller, Jakob VI. Sohn, 2) Geburtsort: Heuchelheim, 3) Kreis: Gießen, 4) Geboren: 16. Mai 1871, 5) Größe: 1 m 68 cm, 8) Religion: Evangelisch, 7) Stand oder Gewerbe: Dachdecker, 8) Besondere Kennzeichen: Keine.
Gießen, den 23. October 1893.
Caspary,
Oberftlieut. z. D. und Commandeur des Landwehrbezirks Gießen.
politifefrt Wochenschau
Gießen. 28. October 1893.
Auch der zweiten Konferenz deutscher Finanz- Minister, welche in dieser Woche in Berlin stattgefunden hat, ist es nicht gelungen, in Bezug auf die zur Berathuug gestellten Steuergesetzentwürfe volle Einigkeit zu erzielen. Vertreten waren Preußen, Sachsen, Württemberg, Baden und Hessen durch ihre Finanz-Minister- der bayerische Finanz- Minister Dr. Riedel war am Erscheinen verhindert und hatte einen Stellvertreter gesandt. Elsaß-Lothringen war durch den Unter staatsiecretär Schraut vertreten. Der Konferenz präsi- birte der Staatssecretär im Reichsschatzamt Graf von Posa- bv^ski-Wehner. Eine Einigung wurde nur in Betreff der Itcwpelsteuer und der Tabakfabrikatsteuer erreicht. Dagegen is: ein Einvernehmen hinsichtlich der Weinsteuer auch dieses Mal nicht zu Stande gekommen. Bei dieser stehen sich be- kaaittlich die Jntereffen Süd- und Norddeutschlands scharf gegenüber. In weit überwiegendem Maße würden bei ihrem entwickelten Weinbau Baden, Heffen, Württemberg, Bayrrn unb außerdem Hessen > Nassau und die Rheinlande von einer Acinsteuer getroffen werden. Hier ist naturgemäß der Wider- hmch gegen die Weinsteuer am heftigsten. Selbst die Re- lierungen der süddeutschen Staaten sind mit den Projekten
Neichsregierung nicht einverstanden. Zunächst hält man
ießener Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
Literatur und Kunst.
- Von dem „Universal-LexUo« der erscheint
soeben eine fünfte Auflage in zwölf Lieferungen. ES ist alphabetisch eingerichtet: jedem Hefte ist ein dreifacher Speisezettel für jeden Tag des Monats beigegeben, sodaß mit der zwölften Lieferung auch der Speisezettel für das ganze Jahr für höhere und geringe Ansprüche vorhanden sein wird. Ebenso findet man darin Rathfchiäge für besondere Gelegenheiten, wie Hochzeitsfrühstück, große Diners auf russische, englische und französische Art, Fasten Diners, Thte-dansante Büffet, Damenkaffee, Lunch, Herrenfrühstück und Souper, auch die Menus von Gala-Diners bei fürstlichen Hochzeiten und Festessen. Zum Schlüsse findet sich auch eine ausgezeichnete iUuftrirte Anleitung in der Tranchirkunst. Und nun die Recepte selber - 10 000 an der Zahl —, das beste, neueste, das feinste und das einfachste, und zwar nach der Sitte jedes Lande?, oft verschiedener Städte. Da find Speisen angegeben, wie die Russen, die Spanier, die Hollander, die Ungarn, die Italiener, die Türken, die Indier sie essen, wie die Israeliten sie kochen. Die Recepte sind klar, einfach, verständlich verfaßt, auf einheitliches Matz und Gewicht eingekeilt, alles daran ist practisch und ausführbar. Wir möchten jeder Hausfrau dieses umfassendste und belehrendste Kochbuch, welches aus der Ausstellung für das rothe Kreuz in 1892 mit der goldenen Medaille ausgezeichntt wurde, wünschen.
Wodjenbriefe ans der Residenz.
(Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 27. October 1893.
tzttbstverguiiguugen. — Vortrage. — Coucerte. — Allerlei.
Der scheidende Spätherbst hat uns zu guterletzt noch eint Reihe von ganz herrlichen Tagen bescheert. Seit Beginn der Woche dehnt sich alltäglich ein wundervoller, üef- blauer Himmel über der Stadt aus und ladet zu fröhlichen Jcnderfahrten in die prächtigen Waldungen von Darmstadts Ur geb ung, oder in die schönen Berge unseres Odenwaldes. Vc Bäume prangen größtentheils noch im schönsten Laub- ichnuck und gerade in der Bergstraße und im Odenwald salbst hat der kalte Spätherbst seinen zerstörenden Einfluß itod) sehr wenig gelten zu machen vermocht. Kein Wunder, des daher die wanderlustigen Residenzbewohner noch in großen Daaren in ihre heimischen Berge pilgern, um sich an der ni-vollen Natur und am bergsträßer „Heurigen", von dem Mi, sich viel gutes verspricht, zu erlaben. Wer am ver- omgtnen Sonntag einen der bekannteren Ausflugsorte wie Qribad), Jugenheim, Melibocus u. s. w. besuchte, konnte fit beinahe in die Sommerszeit zurückversetzt wähnen, denn «It Gasthäuser und Ruhepunkte waren von zahlreichen Duristen besetzt, ein lautes, fröhliches Getriebe herrschte iibtrnd. Sehr zu statten kommt das schöne Wetter auch dem Qiederbeginn eines hier viel gepflegten, eigenartigen Sports- »nznügens, der Parforcejagden. Es besteht hier schon seit »Illen Jahren eine größere Vereinigung von Sportsfreunden, dll alljährlich, sobald Felder und Wiesen abgemäht sind und Her Herbst beginnt, allerlei Jägerspiele veranstaltet. Bald •twirb eine Schnitzeljagd, bald eine Schleppjagd veranstaltet, >ttr es gilt einen loSgelaffenen Fuchs zu erjagen und der- z.llchm mehr. Die Vereinigung verfügt über eine werthvolle Weppmeute prächtiger Rassehunde, die eigens zu denSportS-
Der Ausgangspunkt der Jagden ist I eine recht gelungene Aufführung einiger schon früher hier ‘' gehörten Scenen auö Richard Wagners „Parsival . Es ist immer ein Wagniß, Wagner'sche Werke in den Eoncertsaal zu bringen, die Bühnenwirkung wird lange nicht erreicht, doch muß man zugeben, daß auch die Ausführung dieser Nummer durch die Mitglieder des Musikvereins einen schönen Erfolg errang. Vorzügliche Solokräfte liehen dem Eoncerte ihre Mitwirkung, so Frl. Anna Rau von hier, Herr Hof- opernsänger Stury und Herr Adolf Müller aus Frankfurt. An Eoncerten wird gegenwärtig überhaupt schier mehr als genug geboten. Am künftigen Montag soll das große Wohl- thatigkeitsfest zum Besten der hiesigen barmherzigen Schwestern stattfinden, auch hierbei werden bewährte Künstler mitwirken, außerdem hat Herr Otto Hohlfeld, einer der ersten Künstler unserer Hofmusik, ein Koncert angesagt, ebenso Ihre Lands- männin Frau Matz-Langsdorff und endlich wird der Richard Wagner-Verein seine Winterthätigkeit demnächst mit einem großen Eoncerte beginnen, für daS Kunstkräfte allerersten Ranges — wir nennen nur den Bayreuther Meistersänger Fritz Plank vom Karlsruher Hoftheater — gewonnen worden sind. Im Hoftheater folgte der äußerst gelungenen Don Ivan-Vorstellung vom Sonntag am Dienstag die erste Auf- führung einer neuen Operette, der „Vogelhändler", ohne jedoch den gewünschten Erfolg zu finden. Die Musik unb die Handlung sind äußerst dürftig und trivial. Ein Gast, Herr Brake, früher Mitglied des Stadttheaters zu Frankfurt, gastirte in der Premiere mit ziemlichem Erfolg, wie in der


