Ausgabe 
29.9.1893
 
Einzelbild herunterladen

etl' Ünterk, - eitic« in i1'

^biq en. B

U« z.

7

naiS?UD^

Neuen 53äc;

ik Znzch^

zirkel her

^Wmbfinn

tu .... getrennt mkV

le - UiM.

<w, daß am L. Crty

eide-Cnrsoi 4en bcgimt St

Zeit entgegen. togSooü [7: >gel, Neußal» !

M können das Mif zwgväh,o.Ha°! tähm, sowie das fr ich erlernen frisier Banker.

UtrSaig 30.

MU Mi Vtm«

Mchfir. 2, Ul. ierin hat noih Qeuftabt57.ni; ict Kuräi sucht. M I, Franksurterstr.K ne Spret um 8-i

*s

^dqmxbt

usbildung und ir Ertheilung M

gstrasse 61.

; Döring.

W

hflfe ich «ich W M®*V, e«W arb;t jutjm* M®*

.»"'S" ?KS* I-D ***

Nr. 229

Freitag den 29. September

1893

Der OEchtNer »nzeißer «scheint täglich, it Aufnahme des MontagS.

Gießener

werten betn Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.

Meßener Anzeiger

Kmeral-Wnzeiger.

Biertegichrtger A-onnementspreiA, 2 Mark 20 Psg. rat Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Marl ÖO Psg.

«edaction, Expedina» und Druckerei:

-chalftratzeKr.^ Fernsprecher 51.

Amts« und Anzeigeblatt f5r den Areis Gieszen.

Amtliche»» Theil.

Gießen, den 27. September 1893.

Betr.: Die Einführung der mitteleuropäischen Zeit, hier die Unterrichtszeit in der Volksschule während des Winterhalbjahres.

Die

Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Bezüglich der Bestimmung der Tageszeit für den Unter­richt int Winterhalbjahr empfehlen wir Ihnen, die Schule so lange Morgens um 8 Uhr beginnen zu lasten, als die Tages- lelle um diese Stunde solches gestattet.

Es sind dann wie bisher Vormittags 4, Nachmittags 2 Stunden zu ertheilen von 812 und 1 3 Uhr.

Wenn bei den länger werdenden Nächten in den eigentlichen Wintermonaten von November bis Februar der Anfang der Schule Vormittags 8 Uhr unthunlich wird, so empfehlen wir, den Unterricht von 8*/a12 Uhr, Nachmit­tags I31/2 Uhr zu verlegen.

Lasten besondere Gemeindeverhältniste oder der Gesund­heitszustand des Lehrers eine längere Pause nöthig erscheinen, beim kann der Nachmittagsunterricht, besonders in städtischen Verhältnissen, von 1 y2 4 oder 24x/2 Uhr ertheilt werden.

Nach dem Monat Februar wird es wieder von der früher .wtrdenden Tageshelle abhängen, wann der Unterricht um 8 Uhr Vormittags beginnen kann.

___________________v. Gagern.

Bekanntmachung.

die landwirchschastliche Winterschule in Alsfeld betr.

Die landwirthschaftliche Winterschule Alsfeld beginnt ihren 22. Winter-Cursus Montag den 30. October. Indern wir hiermit zum Besuch destelben einladen, bemerken iniT, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirthen dir-jenigen Fachkenntniste, welche heute zur rationellen Be- w'.rthschastung bäuerlicher Güter nothwendig sind, in 2 fünf­monatlichen Winter-Cursen zu vermitteln. Zur Erreichung dieses Zieles lehren an der Schule 2 Landwirthschaftslehrer und 5 Hilfslehrer, außerdem ist sie mit einer reichen Lehr­mittelsammlung zweckentsprechend ausgerüstet.

Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche das Unterrichtsziel der Volksschule erreicht haben; in den oberen Cursus nur solche, welche schon den unteren Cursus mit Erfolg besucht haben oder welche nach­weisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Cursus ver­mitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirthe können als Hospitanten ausgenommen werden.

Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müsten sich der Schulordnung unbe­dingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien und können Pensionen zu 30--40 Jt pro Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn Landwirthschaftslehrer Leit Higer, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für das Wintersemester 25 JL

Anmeldungen sind an den Aufsichtsrath oder an Herrn Landwirthschaftslehrer Leithiger zu richten, welcher auch bereit st, speciellere Anfragen zu beantworten.

Alsfeld, den 2. September 1893.

Der Aufsichtsrath der landwirthschaftl. Winterschuke Alsfeld: v. Gr 0 Im an.

Deutsches Reich.

1 - Berlin, 27. September. Auf den D ep esch en w ech se l

j zwischen dem Kaiser und seinem ehemaligen j ersten Berather fällt zwar durch die Veröffentlichung ; des Wortlautes dieser historisch gewordenen Telegramme kein 1 wesentlich neues Licht, aber die amtliche Bekanntgabe des \ Inhaltes derselben weift doch auf die Bedeutung des Aus- } rausches dieser Kundgebungen zwischen dem Monarchen und dem Altreichskanzler hin. Ob nun noch weitere Schritte ' folgen werden, um die schwere Verstimmung zwischen Kaiser und Ex-Kanzler vollständig zu bannen, bleibt zwar noch ' abzuwarten, aber die gegenseitige Wiederannäherung ist 1 durch das hochherzige Entgegenkommen des Kaisers nun doch angebahnt. Jedenfalls berechtigt der Ton beider jetzt ! also im Wortlaut zur allgemeinen Kennlniß gelangten Depeschen ' zu der Hoffnung, daß die Aussöhnung zwischen Kaiser Wilhelm ; und Fürst Bismarck nicht in ihrem ersten Stadium stehen ' bleiben werde.

i Der Manöver- und Jagdbesuch Kaiser Wilhelms in Ungarn ist am Montag zu Ende gegangen.

1 Hieran reihte sich ein eintägiger Besuch des Monarchen beim Kaiser Franz Joseph in Schloß Schönbrunn- der Aufenthalt des deutschen Kaisers daselbst trug jedoch lediglich einen privaten Character. Am Dienstag Nachmittag reiste Kaiser Wilhelm vom Nordbahnhofe in Wien aus nach herzlichster Verabschiedung vom österreichischen Kaiser weiter- am Spät­abend des Mittwoch wurde die Ankunft des Kaisers in Swinemünde erwartet, von wo aus der hohe Herr an Bord der AachtHohenzollern" sofort die Reise nach Gothenburg in Schweden anzutreten gedachte.

Die Arbeiten der Berliner Tabaksteuer­commission haben endlich ein vorläufiges Ergebniß ge­zeitigt. DieSüddeutsche Tabakszeitung" erfährt von angeblich zuständiger Seite Folgendes über die Grundzüge des neuen Tabaksteuerentwurfes: Er enthält eine Fakturasteuer von 40 pCt. auf Cigarren und von 100 pCt. auf Cigaretten,

Schneidetabak u. s. w., ferner Herabsetzung deS Tabakzolles auf 45 Mk., Aushebung der Jnlandsteuer, Nachversteuerung fertiger Rohtabake und Fabrikate, Mckvergütung von Zoll- und Steuerdiffererenzen, Aushebung betr Controle dtzr In- landlager und Einführung der Buchdontrole bei den Tabak­pflanzern, Händlern und Fabrikanten. Die von der Commission gehörten Sachverständigen sollen sich einhellig gegen diesen Entwurf eines Tabaksteuergesetzes ausgesprochen haben, deffen Aufrechterhaltung trotzdem von der Commission beschlossen worden ist. Voraussichtlich wird er jedoch im Bundesrath erheblichen Abänderungen unterzogen werden. Auffälliger Weise ist über die Grundzüge des Weinsteuergesetzes noch nichts Näheres bekannt, obwohl die Verhandlungen der betreffenden Commission schon vor einer Woche zum Abschlüsse gelangt sein sollen.

Entwurf eines Trunksuchtsgesetzes. Zu den Vorlagen, welche dem Reichstage in der nächsten Session zugehen werden, gehört auch, wie dieVoss. Zig." erfährt, der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Bekämpfung deS Mißbrauchs geistiger Getränke, und zwar in Folge jüngster Anregungen von verschiedenen Seiten, z. B. des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, der letzten Generalversammlung der rheinisch - westfälischen Gefängniß- gesellschast u. a. Der letzte Entwurf eines Trunksuchtgesetzes, der fast allgemein abfällig beurtheilt wurde, enthielt 1) be­schränkende Bestimmungen über die Ausübung der den Ver­trieb geistiger Getränke bezweckenden Gewerbe, 2) das Ver­bot für Gast- und Schankwirthe, geistige Getränke zum Genuß auf der Stelle borgweise zu verabreichen, mit der Bestimmung, daß Forderungen für solche Getränke weder eingeklagt, noch in sonstiger Weise geltend gemacht werden können, 3) den Vorschlag der Entmündigung gewohnheitsmäßiger Trinker nach den Vorschriften über die Entmündigung von Ver­schwendern (§§ 621 bis 627 der Civilprozeßordnung), jedoch mit der Maßgabe, daß eine Mitwirkung der Saatsanwalt­schaft in demselben Umfange stattfindet, wie sie für das Ver­fahren bei der Entmündigung wegen Geisteskrankheit in den §§ 595 Absatz 2, 597 Absatz 3, 602, 604, 607, 616, 619, 620 Absatz 2 der Civilprozeßordnung vorgeschrieben tst, 4) Unterbringung entmündigter Trinker in eine Trinkerheil­anstalt und 5) verschiedene Strafbestimmungen z. B. betreffend die ärgernißerregende Trunkenheit an einem öffentlichen Orte, wofür Geld- oder Haftstrafe, auch Unterbringung in eine Trinkerheilanstalt angedroht wurde.

Die Entdeckung des neuen Wiener Anarchisten- complottes hat die österreichischen Socialisten veranlaßt, in einer öffentlichen Kundgebung jede Verantwortung für das

Die Stein-Industrie am Rhein und Main.

Von Heinrich Becker zu Frankfurt am Main.

Nachdruck untersagt.

I. Wie sie in alter Zeit beschaffen war.

Bei meinen Wanderungen nach den Heimstätten der Bau- heine fand ich, daß der Nassauer Marmor schon in den ßeiten der Karolinger und der Hohenstaufen am Mittelrhein za Säulen und anderen Zierstücken von Bauwerken verwandt wurde. In den Zeiten des Zwischenreichs und darauffolgenden Bürger» und Bauernkriegen fielen die alten Burgen und Paläste und mit ihnen die Kunstwerke. Der Sinn der Men- scheu ließ keine Kunst aufkommen- der Marmor war für ein paar Jahrhunderte begraben. Jetzt vom 16. Jahrhundert an wirb die Marmorkunst wieder von Rom aus eingeführt, '-ber auch da erscheint sie nur im kleinen Ringe um das Land Haff au, im übrigen Deutschland war sie selten oder gar nicht vorhanden.

Untersuchungen, die ich inzwischen über Die anderen Bau- sieine Gr anit, Basalt und den Sand stein anstellte, haben tin ähnliches Ergebniß gezeigt. Es waren die gleichen Ursachen, ,6ie jeder Stein-Industrie sich hemmend entgegenstellten. Die nie war die Härte des Gesteins. Der Granit ist so hart, wie unser bester Gußstahl und härter wie die Werkzeuge des Mittelalters. Der Marmor, obgleich minder hart, widerstand doch noch den unvollkommenen Werkzeugen jener Zeit. Der Sandstein war leichter zu bearbeiten, wie jene- um ihn aber in größer Menge fortzubringen, fehlten die Straßen, auf denen die Lasten zu fahren waren. Nicht selten kommt eine nachbarliche Feinhschaft hinzu, um jeder Ausfuhr eine Sperre anzulegen. So kam es, daß jeder Stein fast nur auf feinen Fundort beschränkt war und selten über diesen hinaus- lant.

Das Lahnthal hatte mir gezeigt, daß kein Stein für eine | Burg, für eine Stadtmauer, selbst für eine Kirche weiter ge­holt wurde, als man ihn werfen konnte. Die Burg zu Runkel steht auf einem Schälstein, einem Gemisch von Quarz und Thonerde, das leichter wie jeder andere Baustein verwittert. Die Burg ist daraus gebaut, sie fallt in sich zu­sammen, sammt dem Felsen, auf dem sie steht. Man glaubt, die Spanier hätten sie im 30jährigen Krieg zerstört, bis vor zwei Jahren der Fürst von Wied genöthigt war, ein Stück von dem Burg-Felsen abzutragen, damit er das Städtchen nicht zertrümmere. Der Marmor stand auf Büchsenschußweite entfernt, offen da- man konnte ihn nicht bearbeiten, man mochte selbst auf die geringe Entfernung ihn nicht fahren.

Burg und Dom zu Limburg stehen auf einem Marrnor- felfen. Burg- und Domwände sind (im 12. und 13. Jahr­hundert) aus demselben Marmor erbaut; für die Portale, das Stab- und Maßwerk der Fenster, für die 800 Säulen im Innern reichte die Kunst nicht aus. Man holte aus dem wenige Stunden entfernten Wallmerod den Trachyt. Die Franziskaner Kirche in der Stadt baute man (im 14. Jahr­hundert) ganz aus dem geringwerthigen Schalstein. Mangel an Geschick und Sorglosigkeit im Bauen ließen für die Wände nicht einmal zu dem naheliegenden dauerhaften Marmor greifen.

Die Stadt Wetzlar liegt auf einem Schalstein, der Mar­mor daneben. Die Stadtmauer ist aus Marmor errichtet - der Dom (aus dem 13. Jahrhundert) auS glatt gemeißeltem, aber gänzlich verwittertem Schälstein. Erst zu den Thürmen am Westende nahm man (im 15. Jahrhundert) den bunten Sand­stein. Der mußte auf 1012 Stunden Weges an der oberen Lahn bei Marburg, geholt werden. Es bedurfte der Freund­schaft der benachbarten hessischen Fürsten, damit dieseKriegs- Contrebande, der Festung-Stein," passiren konnte.

Wundern unS diese Verhältuiffe in dem engen Lahnthal, dann staunen wir noch mehr über die gleiche Beengung in dem größeren Mainthal. Zu Frankfurt hat man bis vor Kurzem geglaubt, weil die große Sandstein-Pyramide des Domes emporragt und seit hundert Jahren fast jedes Haus aus Sandstein hergestellt wird, die ganze Stadt fei aus Sandstein gebaut. Sorgsame Untersuchungen haben er­geben, daß das ganze alte Frankfurt bis zum 15. Jahrhun­dert aus eitel Basalt errichtet wurde. Selbst der Dom und die anderen Kirchen sind bis auf die Zierstücke an Por­tal, Fenster, Thurm-Pyramiden au5 einem blasigen Dolerit gebaut, den man innerhalb der Grenzen der Stadt im Norden von Frankfurt ausbrach.

Ende deS 15. Jahrhunderts, als der Kurfürst Friedrich III. der Stadt den Sachsenhäuser Wartberg schenkte, fand man den Litorinellen-Kalk. Man baute dreihundert Jahre aus diesen geringwerthigen Steinen alle Häuser, Paläste und Kirchen. Die paar Zierstücke, die am Salhof, Taxis-Palais (Bundes-Palast) und Darmstädter Palais an Thor, Thür und Sims hervor­schauen, sind aus Spessarter Sandstein. Sie ragen mit ihrem rothen Farben so leuchtend hervor, daß Niemand hinter der Tünche der Mauer-Wände ein minder edles Gestein vermuthet.

Frankfurt stand an einem schiffbaren Strom- alle Geld- und Kunstmittel waren vorhanden: trotzdem hat man ein ganzes Jahrtausend mit den geringwerthigen Bausteinen sich geplagt. Hier spielt die politische Bewegung nicht die geringste Rolle. Dicht im Osten bei Offenbach und Seckbach saßen die Grafen von Isenburg und Hanau. Gegen die Isen­burger errichtete man den ersten Bau aus Sachsenhäuser Kalkstein, die Warte.Sie wolln mir rihe, Hasen und Vögel stein"