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Freitag de» 28. Juli
Zweites Blatt
893
Nr. 175
Amts- und Airzeigeblatt süv den Ureis Gieren
Hralisßeii'age: chießener Iamilienökätter.
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Die Gießener
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Der
Gletzener Anzeiger erfchnn« laglich, «it Ausnahme deS Montags.
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Gießener Anzeiger
Kenerak-Wnzeiger.
Auszug
aus der von Großh. Oberrechnungskammer revidirten Rechnung der Provinzialkaffe der Provinz Oberheffen pro 1891/92.
Summe der Einnahme 359,290.99
ÄusHa 5 e.
14. Besoldungen ' 2,416.66
15. Diäten und Gebühren 1,843.88
16. Botenlohn und Verkündigungskosten 103.23
17. Für Büreaugegenstände und Geräthschaften 476.10 18. Unterhaltung von Kreisstraßen 69,006.82
19. Neubau von Kreisstraßen 174,225.38
20a. Beitrag zu den Kosten des Verbandes für
Naturalverpflegungsstationen 110.—
21. Kosten des chemischen Untersuchungsamtes 3,703.97 22. Uneinbringliche Posten und Nachlässe 22.—
23. Auszuleihende Kapitalien 70,600.—
24. Agio-Verlust, Zinsvergütung rc. ________352.40
Summe der. Ausgabe 322,860.44
Abschluß.
Die gesammte Einnahme beträgt 359,290.99
Die gesammte Ausgabe beträgt 322,860.44
Verglichen bleibt Rest 36,430.55 und dieser besteht:
1. in baarem Vorrath 34,841.55 JL
2. in liquidirten Ausständen 1,589.— „
3. in Vorlagen —.— „
Gleiche Summe wie oben 36,430.55
Gießen, den 22. Februar 1893.
Der Rechner der Provinzialkaffe für Oberheffen. (gez.) Grüneberg, Rendant.
Revidirt, ohne daß sich für den vorstehenden Abschluß eine Aenderung ergeben hat.
Darmstadt, den 31. Mai 1893.
Großherzogliche Ober-Rechnungskammer, (gez.) Lorbacher.
(gez.) Malsy.
Einnahme.
1. Kaffenvorrath aus vorhergehenden Jahren
2. Ausstände aus vorhergehenden Jahren
3. Beiträge der Kreise
4. Kapitalzinsen
5. Prozeßrosten
6. Beitrag aus der Staatskasse
7. Einnahmen des chemischen Untersuchungsamtes
8. Ersatzposten
11. Agiogewinn
12. Zurückempfangene Kapitalien
Betrag.
50,957.47
1,000.-
210,000.—
4,163.60
727.85
28,120.—
1,614.25
754.40
262.—
61,691.42
In Gemäßheit des Art. 93 bezw. 43 der Kreis- und Provinzialordnung wird der vorstehende Auszug zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, den 25. Juli 1893.
Der Vorsitzende des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen.
I. V.
(gez.) Dr. Melior.
Auszug
aus der von Großh. Oberrechnungskammer abgeschlossenen Rechnung der Kreiskasse des Kreises Gießen für 1891/92.
Einnahme. JL
1. Beiträge der Gemeinden und Gemarkungen 146,508.—
3. Gebühren für Duplicate von Militärpapieren 12.—
4. Strafen 4,967.—
6. Capitalzinsen 351.57
7. Ersatzpoften 9,753.12
8. Proceßkosten 72.—
9. Bezüge des Kreisingenieurs und der Bezirksbauaufseher 2,450.70
10. Beitrag aus der Provinzialkasse zu den Unterhaltungskosten der Kreisstraßen 44,179.83
11. Beiträge zu den Kosten der Erbauung von Kreisstraßen 11,229.98
12. Aus Gras und anderen Naturalien 2.70
13. Beiträge des Kreisingenieurs und der Bezirksbauaufseher zu ihrer Wittwenkasse 291.—
18. Zurückzuempfangende Capitalien 171.43
19. Ausstände aus vorhergehenden Jahren 29.40
20. Kassevorrath aus vorhergehenden Jahren 31,387.28
Gesammtsumme der Einnahme 251,406.01
Ausgabe. JL
21. Capitalzinsen —.—
22. Besoldungen und Pensionen 13,922.78
23. Diäten und Gebühren 3,270.66
23a. Belohnung des Polizeiaufsichtspersonals 4,802.— 24. Botenlohn und Verkündigungskosten 110.88
25. Für Bureaubedürfnisse und Geräthschaften 1,480.31 26. Kreisunterstützungen 23,042.99
27. Unterhaltung von Kreisstraßen 91,531.58
28. Erbauung von Kreisstraßen 13,763.58
28a. Projectirung von Kreisstraßen —.—
29. Für den Lesezirkel der Lehrerconferenzen 236.80
30. Beitrag zur Provinzialkasse 60,566.89
31. Beitrag zu der Versicherungsanstalt der Hessen-
Nassauischen Baugewerksberufsgenossenschaft 8.84 32. Beitrag zum Wetterauer Obstbauverein 200.— 33. Vergütung an Feuerwehren für Hülfeleistung
bei Bränden 1,084.75
35. Uneinbringliche Posten und Nachlässe 1.75
37. Auszuleihende Capitalien 1,408.—
38. Zurückzuzahlende Capitalien 6,000.—
Gesammtsumme der Ausgabe 221,431.81
Abschluß. JC
Gesammtsamme der Einnahme 251,406.01
Gesammtsumme der Ausgabe 221,431.81
Verglichen bleibt Nest 29,974.20 und dieser besteht:
a. in baarem Vorrath 29,954.80
b. in Vorlagen —„
c. in liquidirten Ausständen 19.40 , „
Zusammen wie oben 29,974.20 JL
Gießen, den 30. November 1892.
Der Rechner der Kreiskasse.
(gez.) Grüneberg, Rendant.
Revidirt, ohne daß sich für den Abschluß eine Aenderung ergeben hat.
Darmstadt, den 31. Mai 1892.
Großherzogliche Oberrechnungskammer.
(gez.) Lorbacher.
(gez.) Malsy.
In Gemäßheit des Art. 43 der Kreisordnung wird der vorstehende Auszug zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, den 25. Juli 1893.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses des Kreises Gießen.
I. V.:
(gez.) Dr. Melior.
vermischtes.
* Sein äußerst werthvolles Pferd hat ein Pferdebesitzer in Nauen (Osthavelland), welcher ins Bad reisen wollte, bei einem Rittergutsbesitzer auf die Weide gegeben, wo dasselbe mit den Pferden des Besitzers in einer Hürde untergebracht wurde. Kaum aber war das fremde Pferd innerhalb der Hürde, als alle wie auf ein Commando über dasselbe herfielen und es mit Gebiß und Hufen dermaßen bearbeiteten, daß es binnen kurzer Zeit verendete. Den Zuschauern war es nicht möglich, das Thier zu retten, da das Herannahen an die erregten Thiere augenscheinlich mit Lebensgefahr verbunden war.
* Einfluß der Ferien auf den Eisenbahnverkehr. Welchen Einfluß die Ferien auf den Eisenbahnverkehr ausüben, wird durch folgende Daten belegt: Am Sonnabend, den 15. Juli, war am und auf dem Stettiner Bahnhof in Berlin — von welchem aus die Fahrt nach den vielbesuchten Ostseebädern angetreten wird — eine verhältnißmäßig große Polizeimacht aufgeboten, um den Verkehr zu regeln und etwaige Störungen zu verhindern. Dieselbe bestand aus einem Polizeihauptmann, drei Lieutenants, einem Wachtmeister, zwanzig Schutzmännern zu Fuß und fünf zu Pferde. Sonnabend Mittag zwischen 11 bis 12 Uhr mußten die Betriebscontroleure in Gegenwart von zwei Regierungsräthen die Bestände aus den Schalterund den Stationskassen entnehmen, weil dieselben von früh bis Mittag eine abnorme Höhe erreicht hatttn, welche mit den gestellten Cautionen der Kassen- und Schalterbeamten absolut außer jedem Verhältniß stand. Trotzdem betrugen die Kassenbestände am Sonnabend Abend bereits wieder ca. 80 000 Mk. Diese Summe war am Nachmittag für verkaufte Billets eingegangen. Rechnet man dazu die benutzten Rundreisebillets unö die Saisonkarten, die sämmtlich vorher gelöst und bezahlt zu werden pflegen, kann man sich einen annähernden Begriff davon machen, welche Aufwendungen
von Arbeitskraft und welche Einnahmen der erste Ferientag bedingt. •
* Ein stiller Pionier de8 Culturfortschrittes. Der Aufschwung, den die deutsche Maschinen-Fabrikation in den letzten Decennien genommen hat, erhellt am deutlichsten aus der Thatsache, daß es ihr mehr und mehr gelungen ist, die Concurrenz Englands siegreich aus dem Felde zu schlagen. Auch in dem großen friedlichen Wettstreit jenseits des Oceans, auf der Chicagoer Weltausstellung, wird es sich nach der Meinung berufenster Beurtheiler, wie z. B. des Professors A. Ri edler in der Zeitschrift des „Vereins deutscher Ingenieure", zweifellos zeigen, daß die deutsche Dampf- maschinen-Jndustrie auf einer von anderen Ländern unerreichten Höhe steht. „Die ausgestellten deutschen Dampfmaschinen", heißt es in dem Berichte des Prof. Riedler, „von F. Schichau und die Locomobilen von R. Wolf-Magdeburg-Buckau repräsentiren zwar nur einen kleinen Theil der deutschen Industrie, sind aber allen gleichartigen Maschinen der Ausstellung sowohl in Bauart als Ausführung überlegen!" Diese erfreulichen Resultate verdankt unsere Industrie nicht nur ihrer Solidität, Reellität und emsigen Rührigkeit, sondern vor Allem auch dem Umstande, daß sie es verstand, die großen technischen Fortschritte und Erfindungen sich nutzbar zu machen und ihre Fabrikate den jeweils fortschreitenden und veränderten modernen Bedürfnissen anzupassen. Das zeigt sich ganz besonders auch in der Fabrikation von Locomobilen, deren vielseitige und weitestverbreitete Anwendung auf den verschiedensten Gebieten gewerblicher und landwirthschaft- licher Thätigkeit vorzugsweise dem R. Wolf'schen Etablissement in Magdeburg-Buckau, dessen Spezialität bekanntlich der Bau von Locomobilen, zu verdanken ist. Aus ihrer ursprünglichen Bestimmung, Kraftquelle für zeitweiligen Betrieb zu sein, ist die Locomobile in ihrer durch Herrn Wolf vervollkommneten Construction zu einer Maschine emporgehoben worden, die in einen erfolgreichen Wettkampf mit den verschiedenartigsten Motoren für Kleinbetriebe und selbst den stationären Dampfanlagen eingetreten ist. Sie ist durch jenes Etablissement heute gewissermaßen zu einer Universalmaschine geworden, die mit Vorliebe nicht nur zum Betriebe von Ziegeleien, Cementfabriken, Mahl- und Schneidemühlen, Holzwaaren- fabriken, Maschinen-, Metallwaarenfabriken und den verschiedensten anderen gewerblichen Anlagen verwandt wird, sondern sich auch dort bewährt, wo ein besonders ruhiger, gleichmäßiger Gang der Betriebsmaschine unerläßlich ist, wie in Spinnereien, Webereien, electrischen Lichtanlagen rc. Dabei zeichnet sich die Wolf'sche Locomobile durch Einfachheit, Billigkeit und Anspruchslosigkeit aus. Die Einführung des ausziehbaren Röhrenkessels, dieses Vorzugs der Wolf'schen Maschine, ermöglicht eine so gründliche und bequeme Reinigung der Kessel vom Kesselstein, wie kein anderes Fabrikat- durch die Anordnung der Cylinder im Dampfdom wird der Spannungsverlust des Dampfes durch Abkühlung auf seinem Wege vom Kessel bis zur Maschine gänzlich vermieden, so daß durch diese beiden Umstände vereint der Brennstoffverbrauch sich ungemein günstig stellt. Bei einer Wolf'schen Compound-Locomobile von 100 Pferdestärken hat z. B. der Magdeburger Dampfkessel-Ueberwachungsverein einen Kohlenverbrauch von nur 0,925 kg pro Stunde und effective Pferdekraft constatirt, ein Resultat, das sich bei größeren Maschinen noch günstiger stellt, und noch nicht übertroffen ist. Trotzdem die Wolf'sche Fabrik sich auch mit der Herstellung anderer Maschinen, die sich gleichen Weltrufs erfreuen, beschäftigt und besonders in Tiefbohreinrichtungen, Dampfmaschinen, ausziehbaren Röhrenkesseln und Centrifugalpumpen Hervorragendes leistet, ist doch ihr Hauptzweig und ihre Spezialität die Herstellung von Locomobilen geblieben, worin sie heute den ersten Rang in der deutschen Maschinenfabrikation einnimmt. Wolf'sche Maschinen sind für die electrischen Anlagen u. A. im Königl. Schloß, im Abgeordnetenhaus, Reichstag, im Kunstgewerbemuseum, im Zoologischen Garten, im Wagner-Theater in Bayreuth, im Hamburger Postgebäude, in den Bahnhöfen von Berlin, Magdeburg, Rotterdam rc., im Sultanat von Sansibar, im kaiserlichen Palast zu Peking, bei der Stadtbeleuchtung von Valencia, im Tigre-Hotel zu BuenoS-Ayres rc. verwandt. Diese Thatsachen sprechen am deutlichsten für die Berechtigung der Annahme Prof. A. Riedlers, daß sich auch in Chicago die Ueberlegenheit der deutschen Dampfmaschinen-Jndustrie glänzend bewähren werde.
• Stettin, 24. Juli. Der Kaiser hat angeordnet, daß die Modelle der letzten drei auf der Werft des Vulcan für die Marine erbauten Schiffe nach dem königlichen Schlosse in Berlin überführt werden. Die Aufstellung erfolgt im Marmorsaal des Schlosses.


