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| Hratisöeikage: Hießener Kamitienblätter.
Die Bewegung für Jugend- und Volksspiele.
W. Jäger.
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die Ziele der Bestrebungen erkennen.
Erfreulich ist es auch, aus dem Bericht zu entnehmen, daß das preußische Cultusministerium, sowie die Landes- direcüonen von Rheinland, Westfalen, Sachsen und Schleswig. Holstein die Bestrebungen mit namhaften Beiträgen unterstützt und daß bislang auck 58 deutsche Städte dem Ausschuß auf 5 Jahre Beiträge von 5—300 Mk., je nach der Einwohnerzahl, bewilligt haben. Es steht zu erwarten, daß demnächst eine Reihe anderer Städte diesem Vorgänge folgen wird.
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Selten hat eine Bewegung einen so raschen und doch zugleich auch innerlich kräftigen Aufschwung genommen, als diejenige für Verbreitung der Jugend- und Volksspiele in Deutschland. Die Erklärung hierfür liegt vor Allem in unseren culturellen Verhältnissen, die vielfach gesundheits- widrig wirken und in natürlicher Reaction unS dringend nach Mitteln und Wegen suchen lassen, um die in der geistigen Arbeit, in kleinen und schlecht ventilirten Räumen, in sitzender Lebensweise, sowie auch durch Hast oder Genußsucht verloren gehende und sich aufreibende Lebenskraft wieder zu erfrischen- dann aber auch darin, daß das Bewegungsspiel von AlterS her verwandte Saiten im deutschen Gemülhe berührt. Weit zurück lassen sich bei dem Deutschen volkSthümliche Spiele verfolgen, von denen schon Tacitus zu berichten weiß. So sind Wettlauf, Steinwurf, Weitsprung, Gehr- und Lanzen- werfen, besonders auch Ringen und Ballspiele wohlbekannte körperliche Uebungen, die, je nach der Gunst der Zetten, mit wechselndem Eifer gepflegt wurden. GutsmuthS und Jahn brachten die Spiele im Anfänge dieses Jahrhunderts bei Jung und Alt zu neuem Ansehen, bis sie vor etwa drei oder vier Jahrzehnten im Drange der Zeit wieder mehr und mehr zurücktraten. Erst seit der Witte der achtziger Jahre ist dieser deutsche Characterzug allmählich von Neuem erwacht, doch zunächst in der Jugend, weit weniger noch im Volksleben.
Um diese, die Volkskraft hebende und das Gemüthsleben neu erfrischende Strömung in die rechten Bahnen zu leiten, sie zu weiterer Entwickelung zu führen und thunlichst für das gelammte Jugend- wie Volksleben nutzbar zu machen, bildete sich, in enger Verbindung mit der deutschen Turnerschaft, im Jahre 1891 ein Central-Ausschuß zur Förderung der Jugend- und Volksspiele in Deutschland.
Derselbe veröffentlicht gegenwärtig sein zweites Jahrbuch, dessen gesammter Inhalt von dem kräftigen Aufblühen dieser
segensreichen Volksbewegung Zeugniß ablegt.*) Die umfang- | reiche, zugleich in guter Ausstattung erschienene Schrift ent- hält in ihrem ersten Theile eine Reihe von Abhandlungen auS der Praxis der Jugend- und Volksspiele, die von den ersten Autoritäten auf diesem Gebiete verfaßt sind, so von Profeffor Dr. Angerstein, Dr. med. Schmidt, Professor Dr. Koch, Gymnasialdirector Dr. Eitner, Schuldirector Raydt, den Turninspectoren Hermann, Bötticher u. A. m. In diesen 24 Abhandlungen werden die Entwickelung und die Einrichtung der Jugendspiele in einer Anzahl größerer Orte, sowie mustergiltige Spielplätze beschrieben, und ebenso finden die Spiele au dem Lehrerseminar zu Oranienburg, die Volksspiele in Magdeburg und diejenigen deS weitbekannten Akademischen Turnvereins zu Berlin Besprechung.
Im zweiten Theile werden die Ergebnisse der Umfrage über das Jugend- und Volkssptel in den deutschen Städten im Jahre 1892 mit einer größeren Reihe von Tabellen und Einzelabhandlungen veröffentlicht. Dieselben sind mit Genehmigung deß Ministers des Innern in dem köntgl. preuß. statistischen Amte von Dr. v. Woikowsky-Biedau bearbeitet und geben ein überaus anschauliches Bild von der gegenwärtigen Ausdehnung und dem Betriebe der Spiele in Deutschland, soweit die betreffenden Schulen, Städte und Vereine der Aufforderung zur Einsendung von Berichten entsprochen haben. Sie laffen das kräftige Wachsthum dieser Bestrebungen deutlich und zum größten Theile .auch zahlenmäßig erkennen. Diese Statistik soll jährlich erneuert werden, um den weiteren Fortgang der Bewegung festzustellen und die naturgemäß lange noch übrig bleibenden Lücken deutlich erkennen zu laffen. .
Der dritte Theil endlich gibt die umfangreichen und interessanten Verhandlungen und Vorträge in den Sitzungen des CentralauSschuffes vom 21. und 22. Januar ds. Js. zu
*) lieber Jugend- und Volksspiele. Jahrbuch 1893, berausgegeben von E. v. Schenckendorff und Dr. med. F. A Schmidt. Hannover-Linden, Man, u. Lange, englisch brochtrt, 193 Seiten gr. 8. 2 JL
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Berlin theils im Wortlaut, theilS.im AuSzuge wieder. Wir heben daraus hervor : „Die Stellung des Central-AuSschuffeS zur deutschen Turnerschaft", den „Bericht Üfier j)te Wattake t deS Central-AuSschusses im Jahre 1892 üi^-WjMistz^rse für Lehrer und Lehrerinnen im Jahre 1893 von bem Vorsitzenden v. Schenckendorff-Görlitz", „die Stellung der 'Mi Turnerschaft zum Central-Ausschuß" von dem Geschäftsführer derselben, Dr. med. Götz Leipzig, Lindenau- „inwiefern nützen die Jugend, und Volksspiele der Armee" von den be den Berichterstattern, Geh. SanitätSrath Dr. Graf-Elberfeld und Dr. med. F. A. Schmidt, und die stenographisch hierüber aufgenommene Debatte, an welcher sich u. A. der General der Infanterie und General-Jnspecteur des Militär-Erziehungs- wesens v. Keßler, Generalmajor und Jnspecteur deS Wetten- corps v. Amann, Geh. Ober-Regierungsrath und Director- des königl. statistischen Amtes Blenck u. A. bethcittgten. Ju Weiterem folgen, ebenfalls im Wortlaut der Vorträge: „Die Bildung von Vereinen für Leibesübungen in freier Luft" von dem Geschäftsführer Director Raydt Lauenburg a. d. Elbe, „die Sonntagsruhe und die Volksspiele" von Stadtschulrach- Platen und „über die Einrichtung von Wettspielkämpfen durch den Ausschuß" von Professor Dr. Koch-Braunschweig.
Wie man sieht, ist dieser reiche Inhalt des Jahrbuchs, das wir den weitesten Kreisen bestens empfehlen, das Spiegelbild für die zunehmende und kräftig anwachsende Bewegung. Die in ihm entwickelten Ideen laffen deutlich den Weg und
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Muschenheim, 21. April 1893.
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Sender
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Deutsche V er lag#-Anstalt in Stuttgart.
In unserem Verlage erscheint .
„Aus fremden Zungen“.
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Kenerak-HUzeiger.
Bekanntmachnng
Der infolge der außergewöhnlich lang andauernden Trockenheit em- netretene sehr bedeutende Rückgang des Quellenergusses unserer Waffer- leituna zwingt die unterzeichnete Verwaltung, den Wasserzuflust zur Stadt für die nächste Zeit einzuschränken, um dadurch das Quellwasser vorzugsweise sür Genustzwecke zur Verfügung ^lttiter' Hinweis auf § 7 der „Bedingungen für dm Bezug von Wasser aus dem Wasserwerk" bringen wir danach zur öffentlichen Kenntmtz, dast bis aus Weiteres aus Vezug von Wasser aus der Quellwasserleitung voraussichtlich nur in den Stunden von
6 Nhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags airechnet werden kann. Diese Zeit der Abgabe werden mir, je nachdem es der Vorrath gestattet, ausdehnen, erforderlichen Falles aber auch abkurzen.
Da der Erguß unserer Quellen z. Z. noch in fortwährender Verminderung begriffen ist und deshalb eine weitere Einschränkung der Wafserabgabc in Aussicht steht, so empfehlen wir nn Interesse des Gemeinwohls allen Betheiligten den rücksichtsvollsten Gebrauch des Quellwassers, insbesondere jeder Verschwendung desselben vorzubeugen. *-4UUb
Gießen, den 26. April 1893.
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