1893
Rr. 74. Zweit«» Blatt. Dienstag de- 28 März
Der
Witwe **|dt<r erscheint täglich, ott UuSnahmr bei Montags.
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Gießener Anzeiger
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Aints- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieszen.
Hrattsbeikage: Hießener Kamitienökätter
besucht- frage
u
trotz Deiner Kofschmerzen so
fragen. Dein jungen Mann,
heiter lachend, auch ordentlich
war die Dame, die vor wenigen Mit diesem Rufe stürzte Fer- das Privatcomptoir von Herrn
lernen. Doch ich muß sonst wundern, daß Du
U»««h»e ick Anzeigen zu der Nachmitteg« für bca iatgenden Lag scheinenden Nummer bi! Bem. 10 OH
Alle Annoncen-Bureaur des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den .Gießener Anzeiger^ entgegen.
jetzt wieder hinunter, man könne sich lange plaudern kannst.
Helsen, weil ich mich geärgert habe, schmäht, die ich ihm ausgesucht." „Und wer wäre denn die?" „Du wirst sie schon noch kennen
„Liebster Schwager, wer Minuten das Haus verließ?" dlnand am nächsten Tage in Lindner.
zu sehen.
„Du armes, unglückliches Kind," rief sie als sie daS Zimmer betrat, „hast Du denn zu esien bekommen?"
„Schöne Frage, wenn man eine Kranke doch lieber, was mein armer Kopf macht."
„DaS weiß ich, brauche es also nicht zu
„Fräulein Walter! Ist es möglich?"
„Ich vermuthe, mein Herr, Sie irren sich. Ich heiße nicht Walter, sondern Bertha Lindner und bin die Schwester des Hausherrn."
„Ja, das kann ich eidlich erhärten, wenn es verlangt wird," sprach Herr Lindner, der soeben in das Zimmer trat, „übrigens kann ich ja die Vorstellung in aller Form besorgen: Herr Ferdinand Rößler, mein Schwager, — Fräulein Bertha Lindner, meine Schwester."
„3a, aber — Amalie," ries der ganz verwirrte junge Mann der Emtretenden zu, „wer ist diese Dame?"
„War denn mein Mann so nachlässig, Euch nicht einander vorzustellen?"
„Doch; und außerdem hatte ich eS schon selbst besorgt, aber Dein Bruder wünscht durchaus, daß ich Fräulein Walter sei, und den Gefallen kann ich ihm doch nicht thun."
„Fräulein, seien Sie nicht grausam, sagen Sie mir die Wahrheit, denn daß Sie die Dame sind, mit der ich die Ueberfahrt gemacht, das laße ich mir nicht ausreden."
„Aha, so liegt die Geschichte- das ist wieder einer von Berthas Teufelsstreichen. Na, nun beichte, was ist's mit dem Fräulein Walters?"
Und Bertha beichtete, wie sie aus Ferdinands Erzählung errathen, wer er sei, und ihm die Karte einer Freundin, die sie gerade bei sich gehabt, gegeben, um ihn zu necken.
„Und meine böse Schwester hat Ihnen dabei geholfen —
„Ja, das war die Strafe für Deinen Bries, in dem Du mir schriebst, daß Du nie auf meinen Plan eingehen könntest, einen gewißen Jemand —"
„Still, still, Amalie, verrathe das nicht."
„Und wenn sie es schon verrathen hätte?" sragte Bertha neckisch. „ .
„Dann müßten Sie mir vergeben, liebes Fräulein, denn Sie selbst trugen ja die Schuld."
In der heitersten Stimmung setzte man sich zum Frühstück und es währte nicht lange, da mußte Herr Lindner seiner Frau demüthig Abbitte thun, daß er kein Vertrauen zu ihrem Heirathsplan gehabt.
Denn Frau Amalie behielt recht: die beiden wurden ein Paar. _____
Feuilleton.
Sine Neiskdkksnntschsft.
Novelle von Fred. Vincent.
(Schluß.)
Am folgenden Tage kam Ferdinand, wie angekündigt. Man hatte mit dem Frühstück auf ihn gewartet und Herr und Frau Lindner setzten sich mit ihm zu^isch. Bertha jedoch erschien nicht, von ihrer Schwägerin mit Kopfschmerzen entschuldigt.
„Sonderbar," meinte ihr Mann, „daS Mädel hat doch sonst nie Kopsschmerzen."
„Aha," dachte Ferdinand, „sie will sich wohl interessant machen." Und er nahm sich vor, ihr völlig gleichgiltig entgegenzutreten, wenn er sie am Mittagstisch treffen sollte. Doch sie erschien auch dann nicht - die Kopsschmerzen seien schlimmer geworden, erklärte Frau Amalie. Sofort nach dem Esten ging sie hinauf in Berthas Zimmer, um nach der Patientin
Dieser sah den jungen Mann ganz erstaunt an. „Ja,
zu versetzen, und ich habe mich einverstanden erklärt, Dir zu ' ' daß er die Braut ver
arm» Kopf gibt sich die größte Mühe, den der drunten eben feierlich seine Cigarre raucht, in Aufregung
woher soll ich denn daS wiffen? Es wird Bertha gewesen sein, wenigstens war' sie vor ein paar Minuten hier, um mir Adieu zu sagen- sie ist heute zu einer Freundin eingeladen, bei der sie den ganzen Tag zubringen wird."
„Nein, nein, Deine Schwester meine ich nicht, eS war eine andere Dame, die eben das Haus verließ."
„Dann wüßte ich nicht, wer es gewesen sein könne. Außer meiner Frau und Bertha wohnt keine Dame im Hause. Besuch wird wohl zu so früher Stunde auch nicht gekommen sein, es müßte also gerade die Köchin gewesen sein, die zum Markt ging."
„Aber, Otto, ich sage Dir, es war -ine Dame, und wenn ich mich nicht ganz gewaltig irre, so war es Fräulein Walter."
„Aha, so steht es mit Dir- bist verliebt und siehst nun in jeder weiblichen Erscheinung den Gegenstand Deiner Liebe. Es war auf jeden Fall Bertha."
„Aber es stimmte alles so genau: Gang, Haltung, sogar der lange graue Mantel."
„Ja, ein grauer Regenmantel ist allerdings ein besonderes Kennzeichen. Bertha besitzt, so viel ich weiß, auch eines dieser höchst seltenen Kleidungsstücke. Aber warum fragst Du nicht meine Frau? Die könnte Dir gewiß beffere Auskunft geben."
„Ich wollte sie fragen, aber sie war gerade bei der Toilette. Ich will es aber jetzt noch einmal versuchen."
Doch seine Schwester konnte ihm keine genauere Auskunft geben als ihr Mann - auch sie kam zu dem Schluß, es müffe Bertha gewesen fein. So war denn Ferdinand wirklich begierig, das junge Mädchen zu sehen- doch als er am Abend aus dem Club zurückkam, wohin er den Schwagtr begleitet, da waren die Damen bereits zu Bette gegangen und er mußte sich deßhalb bis zum nächsten Morgen gedulden.
Als er das Frühstückszimmer betrat, waren Schwester und Schwager noch nicht anwesend, am Fenster aber, von dem dunklen Vorhang halb verdeckt, stand eine junge Dame, die ihm den Rücken drehte. Es mußte Bertha sein.
„Sie gestatten, daß ich mich Ihnen vorstelle, mein Fräulein, mein Name ist Rößler."
DaS junge Mädchen wandte sich nach ihm um, doch ehe sie ein Wort erwidern konnte, trat er rasch auf sie zu.
Verdingung
der Herstellung von 6 Brunnen (1,2 m und 2 m weit) ohne Materiallieferung auf den Bahnhöfen Niederwalgern, Stedebach, Lohra, Gladenbach und Weidenhausen der Eisenbahn - Neubaustrecke Niedermalgern- Weidenhausen im Ganzen oder nach den Bahnhöfen getrennt.
Termin:
Donnerstag, 6. April 1893, Vormittags 11 Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten in Gladenbach, wo Zeichnungen und Lagepläne eingesehen und woher die Verdingungsunterlagen gegen kostenfreie Einsendung von 50 Pfg. bezogen werden können.
Zuschlagssrist: 4 Wochen.
Gladenbach, den 18. März 1893. Der AbtheilungS-Baumeister:
Hentzen. ' 2656
Verdingung der Zimmerarbeiten nebst Materiallieferung zur Herstellung von 19 hölzernen Brücken und Brückenabdeckungen der Eisenbahn-Neubaustrecke Niederwalgern—Weidenhausen :
rund 14,6 cbm Eichenholz, 8,2 cbm Kiefernholz, 346 i-u Buchen- u. Kiefern- bohlenbelag und 290 kg Schweißeisen zu Schraubbolzen
eingrtheilt in zwei Loose.
Verdingungstermin.
Donnerstag den 6. April 1893,
Vormittags Veil Uhr.
Zeichnungen und Lagepläne liegen wUrend der Dirnstftunden im Amtszimmer des Unterzeichneten zu Einsicht aus. Verdingungsunterlagen können von dort gegen kostenfreie Einsendung von 80 Pfg. bezogen werden.
äaschlagsfrtfl: 4 Wochen, ladenbach, den 18. März 1893.
Der Abtheilurgs-Baumeister:
H c n tz e n. [2697
Bekanntmachung.
Betreffend Einlegung eines Arbeiter-Frühzuges auf der Strecke Großen- Buseck—Gießen.
Im Auftrage Großh. Kreisamts bringen wir die nachstehende Bekanntmachung dieser Behörde in obigem Betreff zur allgemeinen Kenntniß. Gießen, den 20. März 1893.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
2915 Gnauth.
Bekanntmachung.
Vom 1. April d. I. an wird auf der Strecke Gießen—Großen- Buseck der Oberhessischen Eisenbahnen au Werktagen ein Arbeiter- Frühzug verkehren, der nach 5 Uhr (Mitteleuropäischer Zeit) von Gießen nach Großen-Buseck leer fährt und von Großen-Buseck um 5 Uhr 50 Minuten (Mitteleuropäischer Zeit) nach Gießen wieder abgeht.
Die Bahnstrecke Gießen—Großen-Buseck wird mährend dieses Zug- Verkehres nach Maßgabe der Bahnordnung für deutsche Bahnen unter- geordneter Bedeutung betrieben, also ohne Bewachung der Bahn und ohue Schließen der Schranken an den BahN'Uebergängeu; dagegen wird bei Annäherung des Zuges an einem Wegübergang mit der auf der Lokomotive befindlichen Glocke zur Warnung für die Paffauten geläutet.
Alle Diejenigen, welche in den genannten Morgenstunden auf den von der Bahn überschrittenen Straßen und Wegen zu Fuß oder zu Wagen verkehren, werden daher aufgefordert, auf das Läute-Signal zu achten und die Bahn nicht zu überschreiten, so lange daffelbe ertönt.
Gießen, den 16. März 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.■
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Holzgelderhebung.
Künftigen Mittwoch den 29. März d. I. soll die erste auswärtige Erhebung von Freiherrlich von Rabenau'schen Holzgeldern stattftnden und zwar:
1. von Vormittags 9 bis Mittags 1 Uhr in der Wirthschaft von Herrn Karl Ranft in Beuern;
2. von Nachmittags 3 bis 4 Uhr in der Wirthschaft des Herrn Rühl in Großen-Buseck.
Londorf, am 24. März 1893.
Der Rentmeister: 2923] Schmidt.______
Mittwoch den 29. März, Nachmittags 21/» Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Karl Jughardt zweiter und Christian Jughardt dritter gemeinschaftlich gehörigen Grundstücke:
Flur 3 Nr. 163 — 2125 Meter Acker am
Fluthgrabcn am Fabricischen
Flur 3 Nr. 164 — 1062 Meter Acker daselbst,
Flur 3 Nr. 165 — 2125 Meter Acker daselbst,
Flur 3 Nr. 166 — 1062 Meier Acker daselbst,
Flur 4 Nr. 97 - 4231 Meter Acker, stößt auf den Wismarer Weg,
Flur 4 Nr. 98 - 4219 Meter Acker daselbst
freiwillig meistbietend versteigert werden Gießen. 18. März 1893.
Großh. Ortsgericht Gießen.
3. 21.: Bogt. 2641
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