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Madrid, 25. Februar. 3500 Arbeiter, welche die Arbeit niederlegten, 'demonstrirten zu Gunsten der Repu« blik. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her.

Madrid, 25. Februar. Während einer republikanischen Wahlversammlung im Theater von Saragossa wurde eine Bombe mit brennender Lunte unter die Anwesenden geworfen. Ein Arbeiter trat die Lunte aus, wodurch die Explosion verhindert wurde. Der Bombenwerfer wurde verhaftet.

Washington, 25. Februar. In dem neuen AuSliefe- rungSvertrag Amerikas mit Rußland figuriren Attentate auf den Ezaren oder die Familie des Czaren als gemeines, nicht als politisches Vergehen.

Endlich we>

Die Vorlage wird an die Budgetcommtssion verwiesen.

Wahrend der Verhandlung ist Ahlwardt, der Abgeordnete "Ewalde«Friedeberg, in da« HauS eingetreten. Derselbe hat zunächst eine längere Unterredung mit dem Abg. Stöcker (conf.) und dann eine solche mit dem Aba. v. Iaadzewokt

WolffS telegraphische» Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 26. Februar. Am heutigen Sonntag Vormittag begaben sich Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin vom Schlosie auS in einer vierspännigen Hofequipage unter Eskorte einer EScadrou von Garde Ulanen nach der neu* erbauten Gethsemanc-Kirche in der Stargardtrr Straße, um daselbst der feierlichen Einweihung des Gotteshauses bet- zuwohnen. Nach beendeter Feierlichkeit kehrten die Majestäten in derselben Weise nach dem Königlichen Schlosse zurück.

Deutscher Reichstag.

52. Sitzung. Samstag, 25. Februar 1893.

Elngegangm ein Schreiben deS Reichskanzler», in welchem die auf Antrag deS Reichstag» erfolgte Einstellung de» Strafverfahrens gegen dm Abg. Ahlwardt angezeigt wird.

Der vom Abg. Riutelen beantragte Gesetzmtwurf, wonach di, Verjährung eines StrafsalleS rühm solle, wenn der Straf­verfolgung gesetzliche Hindernisse (Immunität der Abgeordnetm) im Wege stehen. wird in dritter Berathung endgültig angenommen.

ES folgt die Berathung der Poftdampfer - Novelle. Die Vorlage will: Wegfall der Anschlußlinte im Mittelmeer und der dafür auSaesetztm Subvention von 400 000 Mk., dafür Anlaufen von Neapel gegen Beihülfe von 100000 Mk., Eingehen der Samoa- Linie und dafür Errichtung einer Linie Singapore-Neuguinea.

Staatssecretär Dr. v. Stephan. Die Mtttelmeer- wie die Samoaltnte haben dm Erwartungm nicht entsprochen. Die Bethülfe für daS Anlausm Neapels wird erforderlich durch die dadurch er­höhte Tonnmgebühr. Die neue Linie von Stngapore über die Sunda - Linie nach Neu - Guinea will der Norddeutsche Lloyd ohne Erhöhung der Subvention einrichten. In freisinnigen Blättern werde der einfache Wegfall deS Zuschusses für die Samoalinie ge­fordert; aber der Norddeutsche Lloyd habe auf 15 Jahre Anspruch auf diesen Zuschuß und könne aus seinen Schein bestehen

Abg. Dr. Bamberger (dfrs.): Die Vorlage beweise, wie Recht Ttejmigen hatten, die s. Z. die autzschweifendm Hoffnungen, die auf die Dampfersubvmtionen gesetzt wurden, nicht theilten. Jetzt würdm zwei der Linien als überflüssig ausgeaeben und die dafür gemachten Aufwendungen seien pro nihilo. Mit der Aufhebung der betdm Linien sei er etnverstandm, nicht aber mit dem Anlaufen von Neapel und der neuen Neuguinea Linie. Bet letzterer handele es sich um Unter­stützung eine» Privatunternehmens der Neuguinea - Gesellschaft. Einen Handel mit Neu-Guinea gebe eS noch nicht. Er würde einer Entschädigung deS Lloyd für die Abnutzung des SchiffesLübeck" zustimmen, wenn die Samoa-Linie und die 250 000 Mk. NeichS- ubvention einfach wegsielen. Bei der australischm Linie habe der Lloyd bisher Alles in Allem 16, daS Reich 24 Millionen an Sub­vention einaebüßt. Die Lloyddampfer hätten im vorigen Jahre im Verkehr mit Ostasien und Australtm etwa für 16 Millionen Mk. befördert, Hamburg dagegen ohne Subvention! 56 Millionen. Mit künstlichen Mitteln fördere man eben Handel, Industrie und Ackerbau. Mit der Subvention sei nur erreicht worden, daß mit deutschem Gelbe englische Auswanderer billig befördert worden seien. Dem Lloyd könnte es nur lieb sein, seine Verpflichtungen los zu werden. Man mache ihm doch den Vorschlag.

Staatssecretär Dr. v. Stephan könnte den Zahlen Bambergers andere geqenüberst.llen; aber die nackten Zahlm seien hier nicht daS Wesentliche. Durch die Suboentionsdampser seien wir vor Allem in unserem Verkehr mit dem AuSlande viel unabhängiger. Die Geschäftsgeheimnisse unserer Industrie und unseres Handel« seim gesicherter. Den Vorschlag, die Dampserverbinduugen eingehen zu lassen und dm Lloyd abzusinden, würde weder der Reichstag noch annehmen. würde sogar lieber oierzehntägige Linien einrichten. Andere Staaten verwendeten ganz andere Summen als wir; England habe bisher 600, Frankreich 450 Mllionen an Subvention gezahlt. Aus Neuguinea bewähre sich namentlich die Tabakcultur.

Abg. Graf HoenSbroech (Clr.) beantragt Verweisung der Vorlage an die Budgetcommtssion. Für die Beurtheilung der Dampiersubomtionen dürfe daS materielle Interesse nicht allein ent­scheidend sein.

Director der Colonialabtheilung Dr. Kayser erwidert auf eine Anfrage des Vorredners, daß mit der deutschen Herrschaft auf Neu- Guinea sowohl die katholische al» die evangelische Mission großen Aufschwung genommen habe. Gerade die Missionen erklärten 'eS aber für ein schreiendes Bedürfntß, daß endlich eine gesicherte Schiffs­verbindung mit dem Mutterlande hergestcllt werde. Die Neugutnea- Eompagnie könne die Last, die ihr aus dem Mangel einer solchen Verbindung erwachse, nicht mehr tragen.

Abg. Dr. Barth (bfr.): Frankreich habe mit den Dampfer­subventionen schlechte Erfahrungen gemacht. Die deutsche Rhederei habe sich ohne Subvention gehoben, während die fubomtionirten Linien schlechte Geschäfte machten. Auf die sog. indirecten Vortheile lege er roenig Werth. Die Rentabilität gebe bei solchen Unter- nehmungen dm Ausschlag. Wenn die Neuguinea-Compagnie auf Jör Unternehmen verzichten müßte, wenn sie nicht die subventionirte Dampferoerbindung bekomme, so wäre daS ganze Unternehmen nichts werth.

Abg. Scipio (null) befürwortet die Vorlage Im Interesse sür die Verbindung mit unseren Colonien möglichst gesicherte Verbältniffe gefchaffm werden. Tie Neuguinea- Compagnie habe schon sehr viel geleistet.

. ^g. Dr. Bamberger: Wenn untergeleistet" gezahlt ver­standen werde, ja, sonst nicht. Sei das Unternehmen so aussichtsvoll, tragm"- bC tSompi0nle die Kosten der Schiffsverbindung selbst

mit dem Ada. v. Iagdzewskt (Pole), den Wahlprüfungen erledigt.

..«-nm 81 Or-Möller (natl.), dessen Mandat die Commission für ungültig -u erklären beantragt, hat daffelbe inzwischen niedergelegt. m"0n.,V d" «bSg- Lucius (Rp.) und Scipio (natl.)

HJlüVuißÜ1/0 h ?cr Abgg. Dr. Schier (conf.) und

Nr ül l e n s i efen (natl.) beanstandet.

die Wahl de» Aba. v. Reden (natl.)

gegen <&?it^VcU)U6Un äU(0felt beö (efl Uimmm 89 für, 79

E,a, M3,uiii1SUn11 br Z6,matbl8' ,,dncre «-"--'n,

Depefchm de» SurexuHerold".

Berlin, 27. Februar. Die Deutsche Bank schlägt 8 Procent Dividende gegen 9 Procent im Vorjahre vor. Der Reingewinn pro 1892 beträgt 8,048,043 Mark gegen 9,376,626 Mk. im Vorjahre.

Belgrad, 26. Februar. Privanneldungen zufolge trifft Exkönig Milan noch vor den Wahlen am 5. März Hier­selbst ein.

Eharleroi, 27. Februar. Drei Bergleute stürzten gestern in einem Schacht auf das Dach de» Fahrstuhl- und blieben sämmtlich sofort tobt.

Stuttgart, 27. Februar. Der Orientzug Paris- Wien ist Vormittags zwischen Großsachsenheim und Bietig­heim völlig entgleist. Locomotive und Gepäckwagen sind un-gestürzt und versperren beide Geleise, der Maschinist wurde leicht verletzt. Die 18 Passagiere blieben unverletzt und wurden mit einem Hilfszuge 11*/, Uhr nach einstündiger Ver- spätung weiterbefördert.

Cocaks unb provinzieller.

Sieben, 27. Februar 1893.

** Theater Verein. (Unlieb verspätet-^ Die fünfte Vorstellung des Theater-DereinS, die letzte deS dritten Vereinsjahres, bot einen ganzen Erfolg hinsichtlich des Stückes wie der Darstellung. Zunächst daS StückGaleotto" von Echegarey, bearbeitet von Paul Lindau. Es muß ge­schrieben sein von einem scharf denkenden, logisch unerbittlichen Manne, den man vielleicht eher einen Gelehrten, als einen Dichter nennen könnte.Beim Ersten sind wir frei, beim Zweiten sind wir Knechte", so baut sich auS den Voraus­setzungen in strenger Folgerichtigkeit daS Drama auf. Mit überraschender Kühnheit legt im Vorspiel der Verfasser den Inhalt deS Werkes dar. Auf Vorstadttheater-Ueberrafchungen verzichtet er; jeder Zuschauer weiß, was kommen wird und muß, die Personen des Stückes wissen es auch und doch fesselt das Problem! Und welches Problem! Ein Drama ohne Helden, denn Held ist die Menge, das Lächeln deS Einen, die Frage des Anderen, der Blick des Dritten; ein Drama ohne Handlung, denn jede Person thllt nur, was sie auf dem gegebenen Boden in der gegebenen Lage nach ihrem Charakter nothwendig thun muß; ein Drama ohne Liebe; ein Drama, das da beginnt, wo der Vorhang zum letzten Act fällt. Und nicht nur kühn, auch sein ist daS Vorspiel an seine Stelle gestellt. Der junge Dichter Ernesto saßt den Plan zu einem Schauspiele und legt ihm halb bewußt, halb unbewußt die Situation unter, in der er sich befindet. Er fühlt es bereits, wie die Welt das reine Verhältniß zwischen ihm, zwischen seinem Wohlthäter, dem bejahrten Don Manuel, der ihn in sein Haus ausgenommen hat, und zwischen dessen junger Frau Donna Julia nicht begreift und deshalb ihre Motive unterlegt. Er ahnt eS, daß die zischelnden Zungen so lange die Wahrheit zur Lüge machen werden, bis aus der Lüge die Wahrheit geworden ist. Er will entfliehev, es ist zu spät und nun rollt das Rad der Ereignisse dem Ver­derben zu. Die Zeichnung der Charaktere wie der Situationen ist aufs Feinste durchgeführt. Wie unbefangen und harmlos erscheint Donna Julia in ihrem ersten Zusammensein mit Don Ernesto, und weich' dunkler Schleier breitet sich über ihr zweites Zusammentreffen. Wie innig ist baß Verhältniß der beiden Gatten zu einander im ersten Act, und wie er­greifend die Klage Don Manuels über die Wirkung des Tropfens Gift, der das Glück seiner Ehe zerstört hat, deS Mißtrauens, das er bekämpft und doch nicht überwinden kann. Einigermaßen störend wirkt nur die Parallelität der ©eenen im zweiten und im dritten Act, in denen der auf den Tod verwundete Gatte den beiden, wie er meint, Schul­digen gegenüber tritt. Unb nun bie Darstellung! Es war uns eine große Freude, Frl. Cramer unb Herrn Hacker, bie uns durch ihre Gastspiele bereits bekannt waren, in wür­digem Ensemble begrüßen zu können. Die Rollen der Julia wie deS Ernesto stellen hohe Anforderungen; beide Darsteller hatten sich in daS Werk verständnißinnig versenkt und lieferten Vorzügliches. Herrn Edwards Don Manuel war in der MaSkc etwas jung gegriffen; bie Sterbescene erinnerte an Sancho PansaS Wort:Für einen Schwervcrwunbeten redet der Mann sehr viel", hier wäre eine Nuance weniger viel­leicht mehr gewesen; die seelischen Kämpfe waren meisterhaft roiebergegeben. Nicht weniger hervorragend war der Don Slvero deS Herrn Wagner unb bie Donna Mercedes des Frl. Ethel; das kühle, correcte, den Forderungen der Welt gerechte Paar fand in ihnen eine ebenso treffliche Darstellung, wie der leichtlebige, warmfühlendc Miguel durch Herrn Mon> nard ausgezeichnet dargestellt wurde. Das Ensemble, biö ins Feinste durchgearbeitet, deutet auf eine künstlerisch hoch stehende Regie. Die Aufnahme deS Werkes durch daS Publikum war eine überaus anerkennende. Auf offener Bühne wurden die Darsteller gerufen; der Schluß deS zweiten ActeS wirkte erschütternd und überwältigend. Der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt. Gießens kunstsinniges Publikum muß in erster Linie Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog dankbar sein, auf dessen Initiative baß Gesammtgaftspiel seineß Hof* theaterß zurückzuführen ist; und einiger Dank dürfte wohl auch dem viel bekämpften Theater-Verein und dessen opfer- unb arbeitßfreubiger Leitung zugesprochen werben.

** Eoncertverein. Ein Ereigniß ersten RangcS in biefer Saison dürfte wohl daß gestrige Concert gewesen sein, in welchem unsere Landsmännin, bte König!. Hofopernsängerin Frau M a r i e W i 11 i ch zu Dresden bie Liebenswürdigkeit hatte, hier in ihrer Vaterstadt ihre herrliche Stimme zu Ohren deß außerordentlich zahlreich erschienenen Publikums zu bringen. Eine eingehendere Würdigung des ConcertabendS uns vorbehaltend, wollen wir heute nur den großartigen Erfolg deS ConcerteS conftatiren. Nach Erledigung der ersten Nummer des Programms, der Symphonie in H-moll von Fr. Schubert, wurde der gefeierten Künstlerin ein schwer silberner Lorbeerkranz, gestiftet von einigen Kunst­

freunden zur Erinnerung an ihr gestrige- Auftreten in ihrer Vaterstadt, überreicht. Der Kranz ruhte auf einem blau- grünen AtlaSkissen, worauf in einer sehr hübsch außgesührten Umrahmung oben link- da- hessische Wappen und recht- da- der Stadt Gießen angebracht war, während der untere Theil der Umrahmung die Ansicht von Gießen mit Hintergrund von Gleiberg und Vetzberg zeigt. Inmitten deS Kranze» bennbet sich bann die Widmung. Der Lorbeerkranz ist im Erker deS Herrn Ernst Balser auf der MäuSburg bi» beute Abend 8 Uhr zur Ansicht ausgestellt und entstammt der Werkstätte deS Herrn Goldarbeiter E. LvoS Hierselbst.

** Wir erhielten nachstehende Zuschrift: In dem Bericht über die Sitzung deS Lberhesfische» Geschichtsvereius vom 24. b. M. heißt eS:Der schwere Vorwurf, Friebrich habe seine Offiziere angewiesen, die Truppen möglichst inS Feuer zu führen, weil für Tobte unb Verwundete mehr bezahlt wurde, beruht auf einem gefälschten Bries." DaS ist nicht ganz richtig. Der genannte, au» Italien an den Eommandeur der hessischen Truppen in Amerika nach der Schlacht bei Trenton gerichtete Bries ist zwar angezweifelt worben, aber seine Unechtheit ist biß letzt noch nicht erwiesen worden. Dieser Sachverhalt wurde auch in der genannten Sitzung be- Oberhessischen Geschicht-verein- conftatirt und sand keinen Widerspruch.

** Die von Kameraden der Pflicht-Feuerwehr einbe­rufene Versammlung vergangenen Sam-tag Abend im Lenz'schen Felsenkeller" war in Ansehung der Tagesordnung: Eingabe einer Resolution, betr. Abhülfe der Vorkommnisse wie beim letzten Brande" recht gut besucht. In der nach Verlesung der Resolution sich anschließenden Debatte wurde feiten- mehrerer Redner für und gegen dieselbe Stellung genommen, die Vorkommnisse selbst nochmals alle ausgesührt, in Erinnerung an solche mitunter sehr erregt. Nachdem ,edoch der anwesende Obmann der Pflichtfeuerwehr, Herr L. P e t r i IL Namens deS Branddirektors (welcher, wie versichert wurde, dienstlich abgehalten war, der Versammlung beizuwohnen) dessen Entschuldigung und Bedauern über die Vorkommnisse vorge­bracht, wurde auf Grund dieser Erklärung bie Resolution zurückgezogen. Hierauf wurde Vereinigung der Kameraden zwecks kameradschaftlichen ZufammenhaltenS angeregt und beschlossen, jeden ersten Donnerstag im Monat eine gesellige Zusammenkunft abzuhalten. Die Versammlung wurde als­dann geschlossen. In gcmüthlicher Unterhaltung blieben die Kameraden noch einige Zeit beisammen.

* * Abgefißt. Heute Morgen wurde in der Kneipe deS CorpSTeutonia" eine Mensur p ol izeilich abgefaßt.

* * Verhaftet wurden gestern ein hiesiger beschäftigungs­loser Schreiber und ein Dienstmädchen, weil sie ver- dächtig sind, verschiedene Diebstähle auSgesührt zu haben.

* * Irrsinnig. Ein hiesiger Einwohner, der seit einigen Tagen irrsinnig ist, wurde in Verwahr genommen.

* * Trichinen Heute Vormittag wurden im Schlachthaus durch die Fl ei sch sch au bei einem Schweine Trichinen entdeckt.

A Mainz. 26. Februar. Heute fand hier eine Ver­trauensmänner-Versammlung der Socialbemo- f raten aus den Wahlkreisen Mainz-Oppenheim und Bingen- Alzey statt. Wie verlautet, soll unter Anderem auch bie Frage einer eventuellen Auflösung deS Reichstag» lebhaft erörtert worden fein unb man sich schon über einen Agitation»* plan für die Neuwahlen geeinigt haben. Den kommenden 1. April wird die neuerbaute Provinzial-Siechen- anstatt für Rheinhessen eröffnet. DaS auS Mitteln des ProvinzialfondS auf einer freien Anhöhe bei Heide-Heim- Eisenbahnstation auf der Strecke Mainz.Bingen erbaute Krankenhaus ist die größte unb bestemgerichtete Anstalt im weiten Umkreis. Dieselbe ist räumlich sehr ausgedehnt, ent­spricht allen sanitären Anforderungen der Neuzeit unb stehen ihr außerdem alle erforderlichen Hilf-mittel, sowie erfahrene Aerzte mit ausreichendem HülfSpersonal zur Verfügung.

Dermtfcbto.

tt Kassel, 26. Februar. In ewiges Dunkel ge­taucht! Eine ebenso tragische als mysteriöse LiebeSaffaire, die nun schon zwei Jahre unsere städtische wie ländliche Be­völkerung in lebhafter Weise beschäftigt, der Mädchen- mord in Nieder-Zwehren, hat jetzt einen unerwarteten Abschluß gefunden ein Ende, daS in mehr al» einer Beziehung zu bedauern ist, denn nun wird eS wohl niemals mehr gelingen, den tiefen Schleier zu lüften, der dieses ge- heimnißvolle nächtliche LiebeSdrama bisher verhüllte. Im November 1890 wurde nämlich ein junges IlljährigeS, btlb- hübscheS Mädchen, Elisabeth Siebert, bie Tochter an­gesehener Bauersleute, im Dunkel der Nacht, am heimath- lüften Bache umgebracht. Noch am selben Abend hatte sie mit ihrem Liebhaber, dem Schreiner Jos. Heinrich Hartung aus Kassel, ein Stelldichein. Derselbe hatte den weiten Weg von Kassel nicht gescheut und seinem Liebchen noch zu später Stunde einen Besuch abgestattet. Alles schlief schon im Dorfe, als er anlangte, er schlich anS Kammer- fünfter und weckte das Mädchen. Elisabeth schlich sich m Strümpfen au» der Schlafkammer, um die Eltern nicht zu wecken, sie wechselte noch ein paar Worte mit der Schwester, ging fort und am andern Morgen lag sie tobt im Bache. Hartung wurde von der Volksstimme als Mörder seiner Geliebten bezeichnet er hatte sich in Kassel eine reichere Braut erkoren und wollte sich der Geliebten, bie ein Pfand der Liebe von ihm trug, entledigen wurde vom Schwur­gericht zu zwölf Jahren Zuchthaus verunheilt. Jetzt tauchten plötzlich Gerüchte auf, der Mord fei nicht genügend aufge» färt, Hartung womögli cki unschuldig. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Levie, legte Revision ein, baß Reichsgericht hob auch daß Unheil auf, aber kam zu keiner zweiten Ver­handlung, die vielleicht ein freiiprechenbeß Verbiet er­geben denn Hartung wurde geistig umnachtet, er kam in bie Irrenanstalt unb ist jetzt für