1893
Mittwoch den 27. September
flr. 227 Zweites Blatt
Anits- unk 2lnjei$cblatt für den Kreis Rieften
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Bisher ist nur ermittelt
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Friedberg Gießen .
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Innal) mt von Anzeigen zu der Nachmittag» für den lilernfctn Lag erscheinenden Nummer bi» Sonn. 10 Uhr
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(Nachdruck verboten.) lieber ein Grab hingestreckt
Auf dem Friedhöfe wars. loqs rin junges Mädchen.
Vor demselben stand der mckmscher Greis.
flieht mich wie einen Pestkranken verbrochen!"
Endlich ermannte sie sich und
Durchschnitt für Starkenburg
Provinz Oberhessen.
-reis AtSseld........
„ Büdingen.......
ging weiter — von Hauste zurückgewiesen, sobald
Durchschnitt für Rheinhessen, vnchschnitt für das Grohherzogthum
„ Lauterbach.......
„ Schotten......
Durchschnitt für Oberhessen
Provinz Rheinhessen. Landw. Vereinsbezirk Alzey . . .
* Mehr als 15 000 Mark gestohlen wurden in Berlin aus der Wohnung der Zahnkünftlerin Anna Kessemeier, Alte Schönhauserstraße 50. Frau K. hatte eine Summe von 20 000 Mk. geerbt und vor Kurzem persönlich erhoben. Auf der Rückreise nach Berlin, und zwar auf der Fahrt von Detmold nach Hannover, lernte die Bestohlene mehrere Herren kennen, denen sie unvorsichtigerweise Zweck nnd Ziel ihrer Reise mittheilte. Im Laufe des Gespräches richtete sie an ihre Reisegefährten auch die Frage, wie sie die geerbte Summe am besten in zinstragenden Papieren anlegen könne. Die Gefragten erklärten sich bereit, ihr bei Ankauf von Werthpapieren behilflich zu sein und führten sie in Hannover zu einem Manne, bei dem Frau K. für 12800Mk. russische und schweizerische Werthpapiere kaufte. Bald nach ihrer Ankunft in Berlin wurden ihr diese Werthpapiere aus ihrer Wohnung gestohlen. Außerdem fielen den Dieben noch Silberund Schmucksachen in die Hände- unter den letzteren befinden sich u. A. ein goldener Damenring mit ä. jour gefaßtem Brillanten, um den sich weiße Wachöperlen gruppiren, sowie ein Paar goldene Ohrringe, mit Brillantstein und schwarzer Emaille eingefaßt. Ring und Ohrringe repräfcntircn allein einen Werth von 2000 Mk. Außerdem sind noch Damast- Bezüge, mit den Buchstaben „A. K.a gezeichnet, und 400 Stück künstliche Zähne re. gestohlen worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die gefälligen Reisegefährten, denen Frau K. in ihrer Offenherzigkeit wohl auch ihre Adresse mittheilte, mit dem Diebstahle in Verbindung stehen. Der Criminal- polizei wird die Ermittelung der Einbrecher dadurch sehr erschwert, daß Frau K. die Nummern der Werthpapiere nicht notirt hat, ja, nicht einmal weiß, ob sie dieselben in eintm Bankier- oder anderen Geschäft gekauft habe, wo dasselbe liegt,
Er pfiff den Hunden und trat zurück.
Die Thür flog zu.
Lore mußte sich an die Wand stützen, um nicht um-
bartlos, der andere ea. 40 Jahre alt, dieser trug einen starken dunklen Schnurrbart.
* Metz, 21. September. Der commandirende General des 16. Armeecorps, Graf Haeseler, hat seit gestern in sämmtlichen Kantinen int Bereiche seines Corps den Branntweinverkauf verboten. Die Maßregel soll sich aus Erfahrungen in dem letzten Manöver stützen.
* Leipzig, 24. September. Zur Messe werden in der dauernden Gewerbeausstellung am 1., 2. und 3. October neben zahlreichen Motoren die in großer Zahl ausgestellten Holzbearbeitungsmaschinen in Tätigkeit gezeigt. — Die Ausstellung weist einen ganz wesentlich veränderten Inhalt aus, weil seit 15. September eine neue AusstellungS- periode begonnen hat. Das Eintrittsgeld bleibt auch während der Messe wie bisher niedrig.
*te Gießener
Ulewltilfet dem Anzeiger ich dreimal
d «gelegt.
wer ihre Begleiter gewesen sind :c.
worden, daß ein unter den K.'schen Räumen wohnender Handelsmann am genannten Tage Abends in der oberen Wohnung Schritte gehört und auf dem Hausflur zwei fremde Männer gesehen hat, welche ihm freunbhd) einen „Guten Abend" baten. Der eine der Männer war etwa 20 Jahre alt und
Saatenstand Note 1 — sehr guter, 2 — guter, 3 — mittlerer, 4 — geringer, 5 — sehr geringer Stand.
Barlter Modr-.-vck zahlreiche Bethchy
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N den 10, h 'ldungen nehme
Vierteljähriger JtftMCÄtnbtrttoi 2 Mart 20 Pf«, ari» Bringerloh«. Durch die Post besage» 2 Mark 50
Nedaction, Exveditta» und Druckerei
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Fernkdrecher (•'
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Zwangsweise „abgeschoden".
Von Heinrich Penn.
Darmstadt. .
Dieburg . .
Erbach . . .
Groß-Gerau . Heppenheim . Offenbach . .
Provinz Starkenburg $trd8 Bensheim.....
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Nachrichten über den Saatenstand im Grotzherzogthum Heffen
um die Mitte des Monats September 1893.
^A'i nmengestellt bet der Großh. Oberen landwirthschaftltchm Behörde.
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zusinken.
„O mein Gott!" rief sie verzweiflungsvoll, „was habe ich Dir gethan, daß Du mich so furchtbar heimsuchst? Alle- " und ich habe doch nicht--
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zu Haus.
Wo man ihr öffnete, wurde . „ man sie erkannte, — von den Männern mit rohen Schimpfworten, von den Weibern mit Keifen und Belfern.
Sie stand beim letzten Hause des Dorfes, der Schulmeister wohnte dort. Er erschien am Fenster, als sie an- gepocht hatte. Er erkannte sie. "
Er war der Einzige, welcher sie nicht rauh anfuhr, son-
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Gießener Anzeiger
Keneral-Anzeiger.
Der
Adener Anzeiger
Irfcheint täglich, tl Ausnahme des Montag-.
Bemerkungen: Der Stand der Kartoffeln berechtigt im Allgemeinen zur Hoffnung auf eine gute Ernte. Am gleichmäßigsten ist dies In der Provinz Starkenburg der Fall, weniger dagegen in der Provinz Oberhesten, während ein ziemlich ungleicher Stand in der Provinz Rheinhessen zu constatiren ist. Klee und Luzerne, ebenso die Wiesen haben noch mittelmäßige bis gute Schnitte geliefert. Der Stand der Weinberge ist mit Ausnahme des Bezirks Bingen gut bis sehr gut. Außerordentlich wechselnd ist der Ernte-Ausfall bet Roggen; während der Ertrag an Körnern im Bezirk Wöllstein (Rheinhessen) zu 1200 kg angegeben wird, schätzt man ihn im Bezirk Alzey auf 3200 kg pro ha. Im Allgemeinen war die Roggenernte in der Provinz Rheinhessen besser als in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen.
Citeratur unö lütnft
- Die Kunst stch geschmackvoll r« kleide« besteht bekanntlich in der Beachtung aller ästhetischen Forderungen, die sich aus der Gestalt, der Haarfarbe, dem Teint rc. ergeben- Gerade unsere Zeit liebt eine Jndlvidualistrung der Toilette, die jeder Dame die Pflicht auferlegt, selbstständig über ihre Toilette zu entschetdm. Eine populäre Darstellung aller einschlägigen Fragen bietet eine Veröffentlichung in der bekannten illustrirten Zeitschrift ,Anr Gnle« etttttbe* (Deutsches VerlagShaus Bong & Eo., Berlin ". 57), die eine Anzahl von illustrtrten Aufsätzen umfaßt, deren Lectüre ieder Dame dringend anzurathen ist. Zahlreiche originelle Illustrationen unterstützen das Verständntß der Erörterungen, die, wie gesagt, alle auf die Toilette und den Putz einer Dame bezüglichen prägen klarstellen. Der Preis von „Zur Guten Stunde" — Heft 40 Psg. — ist ein so geringer, daß die Ausgabe reichlich etngebracht wird durch die Ersparniß an Geld und Aerger, die die Kenntniß der „Kunst sich geschmackvoll zu kleiden" gewährleistet.
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^Reiners.
Lore hatte das Tuch abgenommen, ihr Haar fluthete aufgelöst wie eine dunkle Welle über den Rücken, ihre Kleider waren durchnäßt vorn Regen, Frost schüttelte ihre Glieder.
So stand sie mit gebeugtem Haupte da und erwartete in dumpfem Hinbrüten ihr Schicksal.
Der Gemeindevorstand verabschiedete den Gerichtsdiener, richtete an die Heimgekehrte eine kurze Ermahnung, sich zu beffern, und überließ sie dann ihrem Schicksal.
Lore wankte aus dem Gemeindehause. Zu ihren Eltern konnte sie nicht, denn sie war eine Waise, Geschwister ober Verwandte hatte sie keine. So mußte sie zusehen, wie sie bei fremden Leuten ein Obdach fand.
Sie wandte sich nach dem Gasthause, aber der alte Schwätzer von Gemeindediener hatte nichts Eiligeres zu thun gehabt, als in das Wirthshaus zu laufen, wo er, hinter dem Weinkruge sitzend, die Nachricht verbreitete, die Huber-Lore sei wieder heimgekommen und zwar „abgeschoben".
Als das Mädchen später erschien und um ein Nachtlager bat, wies sie der Wirth barsch ab. Einige vom Wein erhitzte Gäste riefen ihr noch Schimpfworte nach.
Lore zitterte heftig, indem fie"weiterschrttt.
Sie klopfte beim nächsten Hause an, wo ihre Jugend- freundin als wohlhabende, verheirathete Frau wohnte. ES wurde geöffnet, als letztere jedoch die Freundin erkannte, bedauerte die Bäuerin mit Achselzucken, sie nicht behalten zu tönnen — sie dürfe eS wegen ihres Mannes nicht thun.
Lore ging weiter, die Thränen standen ihr in den Augen.
Das war das HcmS des reichen Fleischhauers, vor dem sie jetzt stand.
Nach einigem Zögern klopfte das Mädchen auch an diese Thür. ■
Mehrere Hunde schlugen an, bald darauf öffnete sich das Thor, daS feiste, weinglühende Gesicht des Hausherrn erschien in demselben. Eist'haar Bestien stürzten heraus und schnup- perten an dem Mädchen herum.
Die Arme bat um einen Platz irn Stalle, wo sie übernachten könne.
Der Fleischhauer verzog höhnisch den Mund.
„WaS?" schrie er, „babletben willst, damit Du stehlen kannst, — scheere Dich weiter, ich brauche keine Diebin V*
Bingen . . Flonheim .
Ingelheim . Mainz . . Nieder-Olm Oppenheim.
Osthofen Pfeddersheim Wöllstein . Wörrstadt . Worms . .
bern in schonenber Weise zu ihr sprach.
Aber auch er nahm sie nicht auf, er konnte es nicht thun, der anderen Leute im Doife wegen, von denen er' ja so abhängig war.
„Geh mit Gott!" hatte er zu ihr gesagt. Und sie ging, — aber nicht mit Gott, denn Verzweiflung hatte sich ihrer bemächtigt. .[au rrx.
Sie war eine Gezeichnete, gebrandmarkt für immer, die ehrlichen Leute wandten sich von ihr, sie war ja eine Diebin, — sie war „zwangsweise" heimgekommen! Man wies mit Fingern nach ihr und verschloß Thüren und Kasten vor der Unglücklichen.
Da stand sie, verstoßen von Allen, Niemand bot ihr bte rettende Hand, — wäre sie wirklich schlecht gewesen, aber voll Reue heimgekehrt, mit dem festen Vorsatze, sich zu beffern, so konnte sie's nicht thun, mußte schlecht bleiben, denn die sogenannten ehrlichen Leute stießen sie zurück, — sie blieb vervehmt fürs Leben.
Ihr Haupt war auf die Brust gesunken, — die Thranerr tu ihren Augen waren versiegt, .sie konnte nicht mehr weinen, benn ihr Schmerz war zu groß.
(Schluß folgt,)
Auf den Feldern aber lag finstere Nacht. Sie war schon himuigebrochen, als das Mädchen im Orte erschien. Es war dtvß Heimathsdorf der Dirne und sie kam dorthin aus der Stled: zurück.
Ader sie kam nicht allein, fröhlichen Gemüthes ein ltchizes Liedchen trällernd — wie sonst die Mädchen, welche auiBiirtd ihr Brod verdienen müffen, heimzukehren pflegen.
Sie saß auf einem Wagen, ihr Gesicht unter einem Tuche uoiBngend, ein Gensdarm ihr zur Seite.
Das Gefährt hielt vor dem Gemeindehause, dort mußte fbt-iom Wagen steigen und dem Begleiter in die Amtsstube fmlgui, wo derselbe die Dime dem Gemeindevorstande des Olttts übergab.
Der alte Gemeindediener aber, der auf einer Bank in beit Amtsstube lag, schlug die Hände über dem Kopf zusammen aicib rief: „JesuS, die Huber-Lore kommt nach Haus' mit de« GenSdarmenl"
Mit dem GenSdarmen!" Das war daS entsetzliche -Shit, bei welchem die Aermste wieder zusammenschrack und mhcstigeS Schluchzen auSbrach:
DaS sie begleitende .Gerichtsorgan übergab mehrere Papiere an den Gemeindevorstand, laut welchen Lore Huber tun ber Stadt wegen Diebstahls abgeftraft und in ihre Heimath .adgeschoben" wurde!'
Das volle Licht der Lampe, welche der Diener herein- gerecht hatte, fiel auf das Mädchen.
Dst Wangen waren bleich von Kummer, die Augen trüb öai Thräne», ein schmerzhaftes Zuck« des Mundes gab Zeug- M Don großem 8eib.--- ‘""T—. .
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