Mittwoch den 27. September
893
Erstes Blatt
Nr. 227
AintS- iiiifc Anzeigeblatt für den Ureis Gieren
chralisbeilage: chießener Jamikienbtätter.
Schmidt.
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Unnah m r von Anzeigen zu bei Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Sonn. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Burcaux de» In» und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
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1893.
Der ftefevtt Knzeiger «scheint täglich, ■tt Ausnahme de» Montag«.
Die Gießener ye*UU*6(4(fet »erden dem Anzeiger Lschentlich dreimal deigelegt.
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Wiesbaden. 25. September. Die Nachmittagssitzung des Verbandes deutscher Gewerkvereine wurde wegen vorgerückter Zett und unter dem Hinweis, daß sie nur informatorisch für den Vorstand sein soll, ohne die beab- ichtigte Eingabe an die Regierung beendet. Der Vorstand wird nochmals eine neue Arbeit über die Gewerbekammern mit Berücksichtigung aller heute berührten Punkte unfertigen und einer späteren außerordentlichen Versammlung vorlegen.
Dresden, 25. September. Gestern starb hier der Ober- »ostdirector a. D. Geheimer Postrath Zschüschner. Der verstorbene war 1870 bei Sedan als Chef der Feldpost im großen Hauptquartier thätig.
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Bekanntmachung, betreffend die landwirthschastliche Winterschule des laudwirth- söaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen zu Büdingen.
Winter-Cursus 1S93/94.
Der Unterricht der landwirthschaftlichen Winterschule zu Klingen beginnt in diesem Jahre Donnerstag den - November 1S93 und wird Ende März des kommenden Jahres geschloffen.
Die Anstalt, zunächst für die Befriedigung des Bildung«, brvirrfniffes des mittleren und kleinen Landwirths bestimmt, wir!» den Schülern neben der Fortbildung in den Realfächern du Grundlage für den rationellen Betrieb der Landwirtschaft übermitteln. Es erstreckt sich der Unterricht auf Ackerbaulehre, Viehzucht, Obstbaumzucht, landwirtschaftliche Betriebslehre, Kolkereiwesen, Schreiben, Rechnen, Mathematik, Deutsch, allgemeine Naturkunde, Verfaffungs- und Verwaltungslehre. Ler diesbezügliche Lehrplan ist nach dem von der Groß- hrrzoglichen Regierung für die landwirthschaftlichen Winter- sckulen festgestellten Unterrichtsplan entworfen und erstreckt sich «uf zwei Wintercurse. ES bestehen daher zwei zusammen- .(lebürmc Klaffen.
Zum Eintritt in die untere Klaffe sind die Absolmrung Jber Volksschule und einige Kenntniffe des practischen Betriebs .der Landmirthschast Vorbedingung. In die obere Klaffe ifönnen nur solche junge Leute ausgenommen werden, welche entweder bereits im Vorjahre die untere Klaffe einer land- ^irthschaftlichen Winterschule mit Erfolg besucht, oder sich doch -anderweitig die in derselben zu erwerbenden Kenntmffe ange- rignet haben. Rach jedesmaligem Schulschluß empfangen die Lchüler der unteren Klaffe ein Interims-, die der oberen Älaffe ein Abgangszeugniß.
Dann soll ebenso wie früher auch in dem Wmter-Cursus 1898/94 den in den vorderen Jahren aus der Anstalt ent« laifenen Schülern gestattet werden, unentgeltlich an dem Unterricht von speciell landwirthschaftlichen Fächern in der 1. Klaffe noch einmal Theil zu nehmen, so daß dieselben zur ^Weiterung resp. größeren Gründlichkeit ihrer landwirthschaft- -lihen Kenntnisse noch einen dritten Cnrsus absolviren.
Unterrichten werden außer den beiden Landwirthschafts- Ichrern Andrae und Hey, KreiSveterinärarzt Schmidt, Lehrer i. P. Freimann, Geometer I. Klaffe Balser, Lehrer Auch und Becker. Der Unterricht wird durch eine Sammlung werthvoller Lehrmittel unterstützt. Auch wird durch zahlreiche -lbcursionen nach nahegelegenen mitteten und größeren Guts- mrlhschaften und Hoftaithen, nach größeren Obstbaumschulen Md gewerblichen Etabliffements, durch Feldmeßübungen und Feldtaxationen, durch Besichtigung von zweckmäßigen Wiesen- anlagen und Drainagen, die practische Seite im Unterricht bis anders berücksichtigt werden.
Die Unterrichtsstunden sind so gelegt, daß Schuler aus solchen Ortschaften, welche nicht weit von Büdingen oder in der Nähe der Oberhessischen Eisenbahnen liegen, zu Fuß oder per Bahn täglich den Weg hin und zurück machen tonnen. Diejenigen Schüler aber, welche in Büdingen Woh- MNg und Kost nehmen wollen, können solche zu mäßigen Preisen erhalten. r. t L.
Vom Besuche der Fortbildungsschule sind bie Schuler 'der landwirthschaftlichen Winterschule entbunden.
Das Schulgeld beträgt für jeden der beiden Curse nur 12 Mark.
Anmeldungen sind schrifttich oder mündlich an die Mit- gtieber des Aufsichtsraths ober ben Dirigenten bet Anstalt,
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Amtliche-' Theil.
Gießen, ben 25. September 1893.
Hetr.: Die Herbstübungen im Jahre 1893; insbesonbere die Berechnung der Servis«, Fourage- und Vor- spailnvergütungen.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gietze« an die Oroßh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Nachdem bie rubr. Hebungen beenbet sinb, sehen wir der alsbalbigen Vorlage ber Ihnen von ben Truppen er« teilten Quartierdescheinigungen, Vorspann- unb etwaigen Fourage Quittungen entgegen.
Die Bescheinigungen über verabreichte Marschverpflegung find, sofern die Vergütung hierfür von dem Truppentheil zur Gevieindekaste gleich bezahlt worden ist, nicht hierher einzusenden, sondern dem Gemeinde-Einnehmer mit der nötigen Einnahme-Anweisung zu übergeben.
v. Gagetn.
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wird baldigst ll rc : gewandte, anftfö;. ins, die perfect inkt und mit fonft. hv) ift. Lrugnisieuü^ senden unter Mal' „Gießener Anzeige' vtrheir- Mm |fl* vt.
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Gtoßh. Landwirthschaflslehrer Andrae, zu richten. Auch I sind dieselben zu anderweitiger, bezüglicher AuSkunftSertherlung gern bereit. ,
Büdingen, den 7. September 1893.
Der Aussichtsrath:
Klietsch. Andrae. Knaf. Hahn. Mäset.
Deutsche» Reich.
Berlin, 25. September. Noch während im Reichstage das Schicksal der Militärvorlage schwebte, traten ziemlich bestimmte Gerüchte auf, denen zufolge die Reichsregierung überaus beträchtliche Neuforderungen für die Marine zu stellen gedächte. Jetzt heißt es nun in der Angelegenheit weiter, diese Neuforderungen würden zwar den Reichstag in seiner kommenden Session noch nicht beschäftigen, re würden aber in der nachfolgenden Zeit doch nicht aus- ileiben. Die Höhe der betreffenden Summe soll eine so große ein, daß selbst in konservativen und nationalliberalen Kreisen ernste Widersprüche gegen die Bewilligung solcher bedeutenden Ausgaben bestünden, namentlich in Hinblick darauf, daß schon die Beschaffung der Mittel für die Militärreform große Schwierigkeiten verursache. Jedenfalls müffen erst bestimmtere Angaben über den wirklichen Umfang der signalisirten Neuforderungen für die Marine abgewartet werden, ehe sich über die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit dieser abermaligen Ausgaben zu militärischen Zwecken urtheilen läßt.
— Herr Dr. Miquel ist nunmehr von seinem sommerlichen Urlaub wieder nach der Reichshauptstadt zurück- gekehrt ; es muß sich jetzt bald zeigen, inwiefern der gewichtige persönliche Einfluß des Leiters der preußischen Finanzen endlich ein lebhafteres Tempo in den Berliner St euere onfe- renzen veranlassen wird. Bis jetzt scheint eß noch immer nicht, als ob dieselben trotz ihrer schon wochenlangen Dauer zum baldigen Abschluß gelangen sollten, zum Mindesten will es in der Tabaksteuercommission noch gar nicht recht vorwärts gehen, obwohl inzwischen die Commission eine ganze Reihe von Sachverständigen vernommen hat. Die Schwierigkeiten, welche sich genannter Commission barbieten, sind aber auch ungemein große und es könnte den verschiedenen Herren Finanzministern nur angeratben werden, ein paar Mal bei ben Sitzungen der Tabaksteuercommission zu gaftiren. Sie dürften dann vielleicht einsehen, wie viel leichteres Spiel sie in Frankfurt a. M. mit ihrer Conferenz gehabt haben, als die jetzt in Berlin versammelten kleineren Finanz- und Steuergötter, die nun im Schweiße ihres Angesichts ausarbeiten sollen, was die maßgebenden Excellenzen seinerzeit in Frankfurt einfach beschlossen haben!
— Zu dem fraglichen Anschluß Schwedens an den Dreibund schreibt, wie aus Christianta berichtet wird, „Dagbla^et": „Ein Norweger im Auslande, der Verbindungen in diplomatischen Kreisen hat, versichert uns, daß in diesen wenig Zweifel darüber herrscht, daß zwischen Schweden und Deutschland eine förmliche Allianz abgeschloffen ist und daß Schweden die Einverleibung von Finnland wie von Norwegen zugesichert sein soll. Deutschland will ein „starkes" Scandinavien schaffen, verbündet mit dem „großen Vaterland". In diplomatischen Kreisen meine man, daß ein allgemeiner europäischer Krieg seit 50 Jahren nicht so nahe vor dem Ausbruche gestanden habe wie jetzt. Man halte sogar einen Winterfeldzng nicht für unwahrscheinlich." Das Blatt, das einen Anschluß Schwedens an den Dreibund für sehr gefährlich für Norwegen hält, fügt hinzu: „Ein Mitglied des Sverdrup'fchen Ministeriums hat auch feiner Zeit dem Redacteur dieses Blattes mitgetheilt, daß im Staatsrathe Andeutungen darüber gefallen seien, daß eine Verabredung zwischen den Höfen in Berlin und Stockholm getroffen ober baß man jedenfalls eine solche zu treffen im Begriff sei."
Wiesbaden, 25. September. Die Hauptversammlung des Verbandes deutscher Gewerbevereine wurde heute im Bürgersaale des Rathhauses durch den Borsitzenden Berghausen mit einer Begrüßung der Versammelten und der Vertreter ber verschiedenen Regierungen eröffnet. Erschienen sind: für Hessen-Darmstadt Reg -Rath Hesse, für Württemberg Oberreg.-Rath Schnicker, ferner Reg.- Rath Platz (Stuttgart), Prof. v. Stockbauer (Nürnberg), Prof. Beißwanger (Reutlingen), Reg.-Affeffor Kandel (Wiesbaden) 2C. Oberbürgermeister v. Jbel begrüßte Namens der Stadt und der städtischen Behörden bie Gäste, Baurath Winter im Namen bes Centralvereins für Nassau. Dlrector Romberg (Köln) verliest ben Jahresbericht. An ben Bericht Berghausens über bie zu errichtenden Gewerbekammern knüpft sich eine lange lebhafte Debatte über den Regierungsvorschlag in Betreff ber Fachgenofsenschaften unb Hanbwerkerkammern, die nach 1 Uhr vertagt wird.
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— In Wien ist die Entdeckung einer anarchistischen Verschwörerbande gelungen, welche anscheinend bezweckte, neue Schreckensthaten in Scene zu setzen, wie^solche schon in den Jahren 1884 und 1885 von den Wiener Anarchisten geplant waren. Zunächst wurden zwei schon längere Zett verdächtige Tischlergesellen, Franz HaSpel und Stephan Hahnel, verhaftet, in deren Wohnung die Polizei revolutionäre Ausrufe, zahlreiche anarchistische Flugschriften, sowie ein bedeutendes Quantum von gefährlichen Sprengstoffen, eine ungefüllte Bombe, eine verdächtige Kiste mit Leitungsdrähten und Materialien zum Bombenanfertigen vorfand. Aus einer aufgefundenen Correspondenz erhellte die Verbindung der Ver- Ijafteten mit zwölf anderen Arbeitern, die alsdann ebenfalls verhaftet wurden. Diese dergestalt entdeckte Wiener Anarchisten- gruppe soll ganz nach anarchistischer Weise organisirt sein unb mit der allgemeinen soctalistlschen Arbeiterbewegung in keinerlei Zusammenhang gestanden haben. Die Führer waren Haspel und Hahnel, sie rühmen sich, Schüler von Most zu sein unb unterhielten mit London Verbindungen. Zwei der Verhafteten, welche ihre Unschuld nachweisen konnten, sind inzwischen wieder entlassen worden, die anderen wurden dem Wiener Landgericht etngeüefert. Die Verbindung ber Verhafteten auch mit ben amerikanischen Anarchisten ist nach ben vorgefundenen Schriftstücken zweifellos,- die Bombenhülsen usw. sind sogar genau nach Mösts Vorschrift hergestellt.
— Der „kalte Wasserstrahl", der von Petersburg aus auf bie Köpfe ber ruffenbegeisterten Franzosen nledergezlfcht ist, äußert in Frankreich bereits verschlebene beruhigende Wirkungen. So sind die Reben bes Präsibenten Carnol unb bes Kriegsmini st ers Loizillon an der Paradetafel von Beauvais durchaus frei von jedem chauvinistischen Geiste, wenngleich sich in diesen Kundgebungen die Zuversichtlichkeit unb bas Vertrauen auf bie Zukunft der maßgebenden Pariser Kreise deutlich wiederspiegeln. Aber weder die Rede Carnots noch diejenige des Kriegsministers enthält irgend eine beunruhigende oder gar kriegerische Wendung, eine Mäßigung, die wohl mit auf das „Abwinken" Seitens Rußlands zu fetzen ist.
MohacS, 24. September. Heute Nachmittag wurde zu Ehren Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm am Ufer der Donau, beim Bokfoker Steg, ein Volksfest abgehalten, wobei die in Nationaltracht erschienenen Burschen unb Mädchen nationale Tänze aufführten. Se. Majestät hatte zuerst vom Verdeck der „Orient" aus dem Tanze zugesehen, begab sich jedoch später unter lebhaften Zurufen ber Anwesenden an Land unb beobachtete bie Tanzenden mit sichtlichem Gefallen aus ber Nähe. Auf Wunsch Sr. Majestät, welcher die Burschen unb Mäbchen reichlich bewlrthen unb beschenken ließ, wurden photographische Aufnahmen gemacht.
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Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 25. September. Finanzminister Dr. Miquel empfing am Samstag in Audienz die Herren Commerzienrath H. Gerlach und Consul Franz Ernst aus Memel als Vertreter der dortig/n Corporation der Kaufmannschaft. Die deutschen Holzhändler hatten bei Ausbruch des Zollkriege- mit Rußland bie großen Vorräthe ihrer jenseits der Grenze aufgekauften unb bort lagernden Maaren schleunigst nach Deutschland schaffen lasten und hofften natürlich, hierdurch der Zahlung der erhöhten Zölle zu entgehen. Eine inzwischen erlastene Verfügung des Finanzministers bestimmte jedoch auch für diese Hölzer die Anwendung des erhöhten Zolltarifs. Die genannten Deputlrten baten nun Herrn Minister Miquel um Zurücknahme der betreffenden Verfügung; dieser erklärte ihnen jedoch, daß er selbst nicht in der Lage sei, diesen Schritt zu thun, dagegen die Vornahme desselben in der nächsten Sitzung des Bundesrathes beantragen und befürworten wolle.
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