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Sonntag den 27. August
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Amts« und Anreiseblatt für den Areis Gietzen.
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Sollte bis dahin die Zusammenstellung noch nicht beendet sein, so ist uns jedenfalls anzuzeigen, daß Flurschaden zur Anmeldung gekommen sind.
I. V.-. Dr. Melior.
Alle Schichten der Bevölkerung, von den Spitzen der Militär« und Civilpersonen bis herab zum gewöhnlichen Arbeits« und Handwerksmann waren vertreten, alle vereint und begeistert durch die Erinnerung an jene große Zeit von 1870/71. Möge dieser Geist in unserem Volke wach bleiben, dann wird es um das Vaterland immer gut bestellt sein! .
Eine weitere festliche Veranstaltung, von der ich Ihnen heute berichten muß, ist das Verbandsfest mittelrheinischer evangelischer Arbeiter-Vereine, welches am verflossenen Sonntage dahier stattfand. Nachdem am Nachmittage in der bis auf den letzten Platz gefüllten Stadtkirche der kirchliche Act beendet war und die neue Fahne des hiesigen Vereins die Weihe erhalten hatte, bewegte sich ein stattlicher Festzug, in welchem neben dem Darmstädter evangelischen Handwerker-Verein diejenigen von Frankfurt, Wiesbaden, Hanau, Friedberg, Mannheim, Höchst a. M., Biebrich re. vertreten waren, nach dem „Rummelbräu", um dort in heiterer und ungezwungener Weise den Tag der Gründung zu begehen. Unter den herzlichen Glückwünschen zu dem schönen Feste, die hier zur Verlesung kamen, bemerkten wir neben denen Sr. Excellenz des Herrn Staatsministers Finger und Herrn Consistorial- rath Dr. Köslin rc. auch die des Herrn Pfarrer Schlosser von Gießen, der an den Bestrebungen des Vereines den regsten Antheil nimmt. In der That verdienen auch diese Vereine — Gießen hat ja auch einen solchen, jedoch noch nicht im Verbände der mittelrheinischen Vereine — jenen Antheil, sind sie doch, obwohl ihrem Charakter nach nicht politisch, sondern religiös-social, dazu berufen, einst ein starkes Bollwerk zu werden gegen ■ den revolutionären Geist, der vielfach unsere Arbeiterkreise heule beherrscht. Und daß diese Vereine ihre Aufgabe richtig erfaßt haben, das zeigt nicht am wenigsten der Umstand, daß, obwohl erst im Jahre 1892 die Grundlage zu dem ersten derselben gelegt wurde, sie heute schon an 80,000 Mitglieder zählen.
Ferner wollte ich Ihnen heute noch vom Sommertheater im städtischen Saalbau berichten, das am letzten Samstag seine Saison geschlossen hat. Jetzt, nachdem dies geschehen ist, wird es sich vielleicht lohnen, einen kurzen Rückblick zu halten auf die Aufführungen der Gesellschaft während des verflossenen Sommers. Eine hiesige, sehr bekannte Kunstkritikerin hat dies tn einem recht interessanten Aussatz gethan, dem ich die Hauptdaten im Folgenden entnehme.
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Nr. 20L Zweites Blatt
politische Wochenschau.
Gießen, den 26. August 1893.
Nachdem die Erörterungen über die neuen Steuervorlagen allmälig wenigstens vorläufig ein Ende gefunden haben, ist eine andere wichtige Angelegenheit der inneren
Gießen, den 18. August 1893.
Belr.l Die Herbstübungen der Großh. (25.) Division; hier die Abschätzung der Flurschäden.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 16. d. M. (Kreisblatt Nr. 193) und die Bestimmungen im Neichsgesetzblatt Nr. 35 von 1887 S. 446 zu § 14 .beauftragen wir Sie, die Grundbesitzer alsbald, nachdem die Hebungen innerhalb Ihrer Gemarkung beendet sind, durch ortsübliche Bekanntmachung zur Anmeldung ihrer Flurschaden aufzufordern. r _ „ .
Zu der von Ihnen zu fertigenden Zusammenstellung der anqemelbeten Schäden ist das vorgeschriebene Formular zu verwenden, welches als Beilage E zur Instruction in dem vorgenannten Reichsgesetzblatt S. 481 abgedruckt ist. Die daselbst gegebenen Anmerkungen Nr. 1—4 sind genau zu beachten.
Das Formular wird Ihnen auf Anstehen durch uns Übersandt werden. Sie wollen dasselbe, sobald Schadensanmeldungen bei Ihnen erfolgen, unter Angabe der ungefähren Zahl der beschädigten Grundstücke schleunigst von uns erbittern In dem Formular sind die erfolgenden Anmeldungen nach Flur und Nummer geordnet durch Ausfüllen der Spalten 1—5 mit Tinte einzutragen, während die Spalten 6—9 mit Bleistift auszusüllen sind. Die Spalte 6 a, Forderung des Beschädigten, ist nur auszufullen und zwar mit Tinte, wenn der Beschädigte thatsächlich einen bestimmten Anspruch erhebt. Bei Ausfüllung der Spalte 7 empfiehlt sich Angabe des Verlustes von Körnern, Heu, Kartoffeln rc. in Gentnern. Die Spalten 7 und 8 sind so auszufüllen, daß die Entschädigungsbeträge im Wege der Berechnung genau ermittelt werden können.
Unmittelbar nach eingetretener Beschädigung haben die Betheiligten Ihre Entscheidung darüber anzurufen, ob und inwieweit die Abrrntung der beschädigten Felder emzutreten
Früchte auf dem Felde ein höherer, als der durch die verursachte Schaden entstehen würde, namentlich also bei Früchten, welche dem Verderben ausgesetzt stnd. Wird bie Aberntung bemgemäß vor dem Eintreffen der Abschatzungscommission angeordnet, so Haden Sie sofort unter Zuziehung zweier, der Abschätzungen dieser Art kundigen, unparteiischen Personen den Stand der beschädigten und abzuerntenden Felder, das Quantum (Fuder u. s. w.) und die Qualität der übrig gebliebenen Früchte und deren etwaige weitere Verwendbarkeit (z. B. als Viehfutter) und den sich hiernach er- gebenden Umfang des Schadens festzustellen. Es ist hierüber ein kurzes Protokoll aufzunehmen und der Nachweisung bei- zuschließen, in welcher das Ergebniß der Abschätzung mit besonderer Erwähnung Ihrer Verfügung wegen des Aberntens in Spalte 10 einzutragen ist. Zur Abschätzung sind die Beschädigten zu laden.
Für ihre Thätigkeit in Flurschadenangelegenheiten beziehen die Großh. Bürgermeister keine Vergütung Die^heil- nahme bei der Abschätzung gehört zu Ihren Pflichtgeschaften.
Indem wir noch auf unser Ausschreiben vom 24. Marz d. I. (Kreisblatt Nr. 73) verweisen, wonach die bei Ihnen zur Anmeldung kommenden Schäden in dem Formular einzutragen sind, ohne daß Sie die Feldgeschworenen wie früher zur vorläufigen Abschätzung heranziehen, beauftragen wir Sie, die nach Maßgabe der vorstehenden Bestimmungen ausgefüllten Nachweisungen thunliM bald und spätestens bis zum 27. September d. I.
Siebener Anzeiger
Keneral-Htnzeiger.
Feuilleton.
Wochendrikse sus drr Residenz.
(Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 26. August 1893.
Gravelotte-Feier. — Berbandsfest der mittelrheiuischeu evangelischen Arbeitervereine. — Sommertheater.
Darmstadt ist von jeher als eine patriotisch gesinnte Stadt bekannt. Der Gründe zur immer neuen Auffrischung dieses Gesühles sind natürlich ungemein viele. Sicherlich jedoch hat einen hervorragenden Antheil daran unser hiesiger „Kriegerverein Darmstadt". Sein rühriges Streben geht von jeher nicht nur auf die Zusammenschließung der Kameraden, die vereint um Deutschlands Macht und Größe gestritten, sondern auch auf die Erziehung der jüngeren Generation zu einem vaterlandsliebenden Volke. Der Lösung dieser erhabenen Äusgabe weiß der Verein dadurch auf das Beste gerecht zu werden, daß er keinen unserer großen patriotischen Gedenktage aus dem letzten Kriege vorübergehen läßt, ohne daß er dabei an jene erinnert, die damals Blut und Leben für des Reiches Macht und Herrlichkeit hingegeben und auffordert, im entscheidenden Moments ihrem leuchtenden Beispiele zu folgen. So sah auch der diesjährige 18. August die Mitglieder des Kriegervereins Darmstadt in überaus zahlreicher Menge schon am frühen Morgen auf den Kirchhöfen bei unserer Stadt, um an den herrlich geschmückten Gräbern der fürs Vaterland gefallenen Helden durch einen feierlichen, aus treuer Kameradenliebe hervorgegangenen Act von Neuem auf die Verdienste Derer hinzuweifen, die nun schon fast ein Vierteljahrhundert in kühler Erde schlummern, während wir die Früchte jenes gewaltigen Werkes genießen, für das sie so tapfer gelitten und gestritten. Nachdem so der Morgen mehr dem Gefühle der Trauer um die in dem heißen Kampfe gefallenen Kameraden geweiht worden war, vereinigten sich die Mitglieder des Vereines am Abend in dem prächtigen Garten des „Schützenhofes", um hier in fröhlicher Geselligkeit der eminenten Bedeutung des siegreichen Tages von Gravelotte zu gedenken. Lieder und Toaste auf Kaiser, Großherzog und Reich fehlten dabei natürlich nicht. Im Uebrigen trug die ganze Feier einen so durch und durch kameradschaftlichen und gemüthlichen Charakter, wie selten wohl ein anderer Fest.
Das ganze Unternehmen des Directors Reiners muß als ein ungemein schwierige- bezeichnet werden und zwar aus verschiedenen Gründen. Erstens ist Darmstadt eine Stadt, die ein Hostheater besitzt, welches ob der Gediegenheit des darin Gebotenen einen hervorragenden Ruf wett und breit genießt. Hieraus folgt, daß daß hiesige Theaterpublikum nicht nur an die ausübenden Künstler, sondern auch an die., becoratitie Ausstattung der Stücke, vor Allem abxr auch an die auszuführenden Stücke selbst ganz bedeutende Anfordeimngen stellt. Daß die Reiners'fche Truppe nun qualitativ nicht daS bieten konnte, was das Hoftheater zu bieten im Stande ist, mußte jedem einigermaßen Eingeweihten von vornherein klar, sein. Deshalb verlegte sich Reiners von Anfang an auf die Wiedergabe solcher Stücke, welche vom Hoftheater aus irgend welchen Gründen nicht in das Repertoire ausgenommen worden sind. Andererseits mußte auch hierbei die größte Vorsicht gebraucht werden, daß nicht etwa durch Erzeugnisse der extrem modernen Literatur der Geschmack und die Wünsche des Publikums beleidigt würden, Die Directivn Reiners hat^. hierauf in richtiger Erkenntniß feer Dinge Rücksicht genommen und uns mit Werken von Holländer, Hauptmann, Schlaf, Hartleben rc. ganz verschont, das Hauptgewicht wurde auf Sudermann und Ibsen gelegt, doch sehen wir neben diesen auch Voß, Wildenbruch und Andere vertreten. Und so wurden dem Darmstädter Publikum eine ganze Reihe von Stücken geboten, wie ..Ehre", „Haubenlerche", „Heimath", „Nora", „Gespenster", „Volksfeind", ..Schuldig", „Alexandra" rc., die jeder Gebildete kennt, und über die überall discutiert wird, deren Aufführung hier in Darmstadt jedoch noch kaum gesehen wurde. Und mit diesen Stücken reüssierte Reiners auch einigermaßen. Mit den dazwischen eingestreuten Schwänken rc. hatte er weniger Glück, d. h. die Anziehungskraft war bei weitem nicht so groß, wie bei den zuerst erwähnten. In allerletzter Zeit wurden sodann besonders Dialectstücke niederdeutscher und besonders hessischer Mundart gepflegt, wir nennen Niebergalls „Datterich", „Der tolle Hund :c., dann vor Allem Reuter'sche Sachen. Auch diese Aufführungen brachten recht hübsche Kassenerfolge. Heber den künstlerischen Erfolg des Unternehmens ist das Unheil der Presse gespalten. Wir hatten zu wenig Gelegenheit, selbst den Vorstellungen beizuwohnen und können deshalb keine eigene Ansicht hierüber aussprechen, ohne ungerecht zu werden. Z-
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Letztere ist amuorbnen, insoweit beim Verbleiben ber I Reichspolitik in den Vordergrund getreten, die °
. mehrere in anzuo u t Truppen frage. Der preußische Handelsminister hat auf wiederholie»
,r ' i Andrängen des Reichstages hin nunmehr die Grundsätze bekannt gegeben, die nach dem Plane der Regierung für die Organisation des Handwerkerstandes in Anwendung kommen sollten. Im Wesentlichen handelt es sich demnach um die Organe, die das Handwerk erhalten soll: die Fachgenossen- schäften, die Handwerkerkammern und die GehilfenaUsschüsse. Die Fachgenossenschaften würden immer nur Handwerksmeister derselben Branche (desselben Faches) m einem bestimmten Bezirk umfassen, und jeder selbständige Handwerker Wäre verpflichtet, der seinem Berufe entsprechenden Fach- genossenschast seines Wohnortes oder Kreises (z. B. der Fach- genossenschast der Schneidermeister in Gießen) beizutreten. Die verschiedenen Fachgenossenschasten eines Bezirkes hatten sodann Vertreter zu wählen, aus welchen die Handwerker- kammern sich zusammcnsetzen würden. Diese warenl demnach die durch die Wahl der einzelnen Fachgenossenschaften zu Stande gekommene gemeinsame Vertretung der Handwerksmeister aller Branchen in den einzelnen Bezirken. Beiden Korporationen — den Fachgenossenschaften wie den Handwerkerkammern — würden im Großen und Ganzen die Ausgaben der gegenwärtig bestehenden Innungen zufallen: Lehrlings- wesen, Arbeitsnachweis, Fachschulen, Herbergsweseu und Aehn- liches. In allen Fragen, welche das Interesse der Arbeiter und sonstigen Gehülfen berühren, hätte daran endlich auch der Gehilsenaus schuß, der die Vertreter des Arbeiterstandes, soweit er im Handwerk beschäftigt ist, umfassen wurde, als gleichberechtigter Factor sich an den Berathungen und Beschlüffen zu beseitigen. DieJnnungen, welche augenblicklich die Form für die Organisation des Handwerks darftellen müßten den neuen Einrichtungen zu Liebe ein gutes Stuck ihrer Privilegien opfern: ihre Befugnisse sollen aus den Kreis ihrer Mitglieder beschränkt werden und ihre Verwaltung der Oberaufsicht der Handwerkerkammern bis zu einem gewissen Grade unterworfen sein. Es ist unter diesen Umstanden verständlich, daß auch diejenigen Parteien, welche sur eine Zwangsorganisation des Handwerks von jeher eingetreten stnv, sich mit den Vorschlägen der Reichsregierung nicht zu de- freunden vermögen. Das christlich - sociale „Volk' und die
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Amtlicher Tdeil


