Ausgabe 
27.6.1893 Zweites Blatt
 
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Nr. 148 Zweites Blatt. Dienstag den 27. Juni

1893

Der Gteßeser Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme d«S Montags.

Die Gießener

»erden dem Anzeiger »Vchentlich dreimal teigelegt.

Gießener Anzeiger

Generat-Mnzeiger.

vierteljähriger ASounemeulspret», 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schntstrah« Mr.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und Airzeigeblatt füv den ICvci» Gieren.

Nachrichten über den Saatenstand im Grotzherzogthum Heffen um die Mitte des Monats Juni 1893.

Zusammengestellt bet der Grobherzoglichen Oberen landwtrthschastlichen Behörde.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Iamikienbtätter.

Alle Annoncen-Bureaux des In» und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Ord.-Nr.

Provinzen und Erhebungsbezirke.

Saatenstand

Note 1 sehr guter, 2 guter, 3 mittlerer, 4 geringer, 5 sehr geringer Stand.

Win­ter-

Som­mer-

Win­ter-

Som­mer-

Win­ter-

Som­mer-

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Weizen

Spelz

Roggen

1

2

3 4

5 6

7

Provinz Starkenburg. j^reiS Bensheim.........

Darmstadt.........

Dieburg.........

Erbach..........

Groß-Gerau........

Heppenheim........

Offenbach.........

3

3

3

2

3

3

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3

3

3

3

2

3

2

2

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3

3

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3

3

2,5

2

3,5

3

3

2

4

2,5

3

3

3,5

2,5

3

3

3

3

3

25

5

5

4

4

5

5

4

5

4

4

3,5

5

4,5

Durchschnitt für Starkenburg

2,8

2

1 3

| 2,5

4

2,8

3,1

28

4,6

4,3

8

9

10

11

12

13

Provinz Oberhessen.

Kreis Alsfeld..........

Büdingen.........

Friedberg.........

Gießen..........

Lauterbach.........

Schotten...... . .

2,5

2

4

3,5

35

4

3

3

3,5

4

2

2

3

3

2

3

4

3

2,5

3

3,5

3

5

3

3

3

3,5

4

5

3

3

4

3

2,5

4

5

4

5

5

5

5

5

4

5

5

5

5

Durchschnitt für Oberhessen

3,2

3,4

-

2.5

4

3,3 j| 3,6 || 32

4,8

4,8

14

15

16

17

18

10

20

21

22

23

24

25

Provinz Rheinhessen.

Landw. Vereinsbezirk Alzey......

Bingen.....

Flonheim ....

Ingelheim ....

Mainz.....

Nieder-Olm . . .

Oppenheim....

n Osthofen ....

Pfeddersheim. . .

Wöllstein ....

Wörrstadt ....

WormS.....

4

4

4

2,5

4

4

3,5

2,5

3

5

4

3

3

3

2

3,5

3

2

2

3.5

2

2,5

2,5

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3

3

4

4

4 1

3,5

3

4

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2,5 !

3

3

3

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4

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2,5

4

3

3

4

5

5

3

3

3,5

5

3,5

3

5

5

3

5

5

5

4,5

5

5

5

4

4

5

5

5

5

5

4,5

5

5

5

5

4

5

5

5

2

3,5

1,5

2

1,5

1,5 1

1,5

2

1

2

2

Durchschnitt für Rheinhessen

3,6

3

3

2,7

- II 3 5

3,6

4

4,8

4,9 || 1,8

Durchschnitt für das Großherzogthum

3,2

2,8

3

l

2,6

- II 3,2 |

3,4

3,3 || 4,7 || 4,6

1,8

Bemerkungen: Die Dürre dauert fort, und unter ihrem Einfluß leiden mit Ausnahme des Weinstocks, der sich sehr gut entwickelt hat, alle Culturen Roth. Weist auch der Winterroggen im Allgemeinen einen mittleren bis guten Stand auf, so wird er doch in Bezug aus den Strohertrag nicht bcfriedigen. Dem Winterweizen hat die Dürre mehr geschadet, als dem Roggen; sein Stand ist im Allgemeinen unter mittel. Auch die Sommergetreidearten hätten zu befriedigender Entwickelung ausgiebiger Regen bedurft. Der Regen, welcher am 5. und 6. fiel, war bet Weitem nicht ausreichend, um den Culturen zu nützen; auch verdunstete die.Feuchtigkeit bet dem darauf­folgenden Nordostwinde sehr rasch wieder. Die Kartoffeln sind im Allgemeinen sehr lückenhast, in vielen Fällen gar nicht ausgegangen, und ihre Entwickelung läßt viel zu wünschen übrig. Am traurigsten aber ist der Stand der Kleefelder und Wiesen. Der Klee hat entweder gar keinen oder nur einen sehr spärlichen Schnitt gegeben und wächst nicht nach; neue Kleesaaten find nicht aufgegangen. Auf einen nennenLwerthen Heuerträg der Wiesen ist mit wenigen Ausnahmen nicht zu rechnen.

In Folge dieser mißlichen Verhältnisse ist der befürchtete Futter- und Streumangel bereits etngetreten, und in den weniger günstig situtrten Gegenden hat fich ein Nothstand entwickelt, der zu ben ernstesten Besorgnissen Anlaß gibt und die Htlse der Allgemeinheit nothwendig macht.

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* Bei staatlichen Submissionen kommt es leider noch häufig vor, daß einzig und allein auf die Preis fiellu n g geachtet wird. Daß dies kein richtiger Grundsatz ist, zeigt ein Vergleich zwischen den Verhältnissen eines der größten deutschen Eisenwerke und eines der entsprechenden leistungs­fähigsten Werke Belgiens. Während das erstere im Geschäfts­jahr 1891/92 einen Durchschnittslohn von 1148 Mk. 56 Pf. auf den Kopf der Arbeiter zahlte, betrug der von der Gesell­schaft John Eockerill in Seraing gezahlte Lohn nur 845 Mk. 40 Pf., also rund 35 Procent weniger. Wenn man also bei staatlichen Submissionen die deutschen Werke durchaus zu denselben Preisstellungen bewegen will, wie sie das Aus­land vornimmt, so werden die deutschen Werke auch zu einer Herabsetzung der Arbeitslöhne gezwungen werden. Ein großer Unterschied macht sich auch in den Aufwendungen für Wohl­fahrtszwecke bemerkbar. Das belgische Werk, das gesetzlich nichts für die Arbeiter aufzubringen hat, wendete an frei­willigen Pensionen und Unterstützungen im genannten Geschäfts­jahre 23 Mk. 49 Pf. für den Kopf der Arbeiter auf. Das deutsche zahlte ohne Anrechnung seiner Aufwendungen für Industrieschulen, Krankenhäuser und Arbeiterwohnungen im Jahre 1891 allein an gesetzlichen Versicherungsbeiträgen per Kopf 27 Mk. Hierzu kamen noch an freiwilligen Penfions- kassenbeiträgen und Unterstützungen soviel, daß sich die Ge- sammtleistung für Wohlfahrtszwecke auf 51 Mk. 34 Pf., oder um 17 Mk. 85 Pf. höher als bet dem belgischen Werke stellte. Alle diese Unterschiede sollten bei staatlichen Sub­missionen nicht außer Acht gelasien werden, sonst würden die deutschen Werke nicht in der Lage bleiben, die beständig steigenden Lasten der socialpolitischen Gesetzgebung zu tragen und daneben ihre Wohlfahrtseinrichtungen in der bisherigen Weise zu erhalten.

* Wahlcuriosa. In Gera erscheint ein Bürger an der Wahlurne, um seine Pflicht zu erfüllen. Der Wahlvorsteher hält den empfangenen Zettel wie prüfend zwischen den Fingern- da mahnt der offenbar äußerst weichherzige Wähler-Drücken ; Se nich so sehr-'s is ä Wärmche drm." Der socialdemo- kratische Candidat war Wurm. In einem Meißener Wahl- j locale stellte sich nachNachrichten für Grimma" auch ein , Dienstmädchen ein;'nen Gruß von meiner Madam', ihr Mann wäre zu faul zum Wählen, er solle aber mit seinem dicken Kopfe nicht durchkommen. Hier wäre der Zettel!" Nur schwer war die Küchenfee davon zu überzeugen, daß die Vermittelung von zarter Hand" in Wahlsachen abgelehnt werde.

* Eine Wekerle Anecdote. Der joviale ungarische Minister­präsident W e k e r l e gab in P e st kürzlich folgende Geschichte zum Besten: Als ich zum Ministerpräsidenten ernannt wurde und mit Sack und Pack in das Präsidialgebäude übersiedelte, besorgte der Pester Möbelspediteur T. (Tanszky) den Umzug. Ich fragte nach der Rechnung, aber lächelnd erwiderte Herr Tanszky :Das kann ja bleiben,^Exc. bis Sie wieder zurücksiedeln". Er scheint also wenig Vertrauen zum Bestand meines Cabinets gehabt zu haben. Ich schaue mir den witzigen Möbeltransporteur etwas genauer an, und da ist mir's, als ob ich das Gesicht schon gesehen hätte.Hören Sie, Herr T.", sagte ich,Sie kommen mir so bekannt vor."Gewiß Excellenz, wir kennen uns schon lange", erwiderte er.Zur Zeit, als Excellenz noch Jurist waren, stand ich als Dienstmann an dem Hause, das Sie bewohnten. Excellenz waren damals sehr zufrieden mit mir, denn ich brachte immer das meiste Geld nach Hause, wenn Excellenz nach dem Fasching Ihren Frack ins Pfandhaus tragen ließ". Nun erinnerte ich mich genau des damaligen Dienstmannes und sagte ihm:Nun, Herr T., Sie können mit Ihrem Schicksal zufrieden sein, Sie habens's ja ziemlich weit gebracht!"Excellenz aber auch", erwiderte mit tiefer

1 Verbeugung der Herr Spediteur.

* Mit in die Lüfte. In Reichenbach veranstaltete ein Luflschiffer eine Fahrt. Als der RufLos!" erklang, verwickelte sich einer der Leute, welche den Ballon beim Füllen gehalten, in eine Leine über dem Trapez und trat, den Kopf nach unten hängend, unfreiwillig die Luftreise mit an. Glücklicherweise hatte sich der Knoten so fest geschürzt, daß der unfreiwillige Luftschiffer, ein 18jähriger Bursche, die Reise glücklich vollenden konnte und unverletzt mit dem Ballon, der direct über die Stadt gegangen war, bei Schlösselpaillan landete.

Zum Zweck einer Wägung der Erde werden, wie Dr. Krigar-Menzel in der letzten Sitzung der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin berichtete, auf Kosten der Academie der Wissenschaften seit 1884 Versuche über die Schwere an­gestellt. Die Anziehung, welche ein Körper Seitens der Erde erfährt, soll mit demjenigen verglichen werden, welche ein fremder Körper, in diesem Falle ein Bleiklotz von nicht weniger als 8 Cubikmeter Größe, also beinahe 2000 Centner Gewicht, auf ihn ausübt. Von anderweitigen Versuchen, welche man bisher zu derselben Zwecke gemacht, unterscheidet sich die gegenwärtige Methode dadurch, daß sie die beiden Kräfte durch directe Wägung mit einander vergleicht. Das Labora­torium, in einer Kasematte zu Spandau gelegen, hat den Vortheil, möglichst erschütterungsfrei zu sein. Auch in anderer Beziehung werden die größten Anstrengungen gemacht, Störungen zu vermeiden- so wird der Zeiger der Waage von einem Nebenraume aus mittelst eines Fernrohrs abge­lesen, damit durch die Nähe des Beobachters keine störende Acnderung der Temperatur oder dergleichen entstehe; um ein Rosten der Apparate zu verhindern, hat man zwei große Bleipfannen von je einem Quadratmeter Oberfläche mit Schwefelsäure gefüllt, welche die Feuchtigkeit aus der Luft absaugt. Die Waage selbst hat bei einer beiderseitigen Be­lastung von einem Kilogramm eine Genauigkeit von einem Hundertstel Milligramm. Sie hat auf jeder Seite zwei Waag­schalen, von denen jedesmal die untere vermittelst eines etwas mehr als zwei Meier langen Drahtes an der oberen hängt. Legt man ein Kilogrammstück in diese untere Schale, so ist es dem Erdmittelpunkte näher und wird folglich stärker an­gezogen als wenn man es in die obere legt. Am deutlichsten tritt diese Differenz zu Tage, wenn man etwa zunächst die linke untere und die rechte obere, dann die linke obere und die rechte untere Waagschale benutzt. Die Waage wird sich zuerst nach links, sodann nach rechts neigen. Der Unterschied, t welchen die Herren Krigar-Menzel und Richarz gefunden haben, j beträgt etwa 6,5 Milligramm. Aus verschiedenen Gründen ! weicht der beobachtete Werth von dem theoretisch berechneten etwas ab. Demnächst soll nun der Bleiklotz zwischen den oberen und den unteren Schalen aufgebaut werden- er wird i dann durch seine Anziehung den oben erörterten Unterschied annähernd aufheben, so daß sich sein Einfluß unschwer wird bestimmen lassen.

Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von aanz hellbräunlicher Farbe. Ver­fälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen dieSchußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterlaßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Die Seidenfabrik G. Henneberg, . u. K. Hoflieferant) Zürich versendet aern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke oorto- und zollfrei ins Haus. 1970

«fff a Diejenigen, welchedte Schmückung von Grabstätte« beab- sichtigen, seien aus das Grabstein-Geschäft, verbun­den mit Bildhauerei, des Herrn Emil Kalbfleisch, Ltcherstraße 1, aufmerksam gemacht, welches wohl alS das größte dieser Branche am hiesigen Platze genannt werden kann. In ihrem Verkaufslocale, sowie in einem wetteren Lagerräume bringt gen. Firma nahezu 200 fertige Grab-Monumente, Grab kreuze, Grabsteine u. s. w. in allen Stetnarien zur Ausstellung, welche in ihrer Ausführung als künstlerisch zu bezeichnen sind, und durch die reichhaltige Auswahl kann sowohl den bescheidensten, als auch den weitgehendsten Anforderungen Rech­nung getragen werden. Auch in Grab- einfastungen befindet sich daselbst ein großes Lager. Wir können deshalb allen Interessenten eine Besichtigung dieser Au--

stelluna bestens empfehlen. Sehr schön ausgesührte Entwürfe liegen ebenfalls zur gefälligen Ansicht auf und werden etwaige Aufträge in kürzester Zeit ausgeführt bei billigster Preisberechnung. 2389