schiedenheiten der Volksgruppen hat, fordern wir: Einzel- behaudlung der Volkstheile im Sinne von Riehl und Schäffle.
Die Socialdemokratie sagt: Maschine und Capital sind unaufhaltsam in ihrem Siegeslauf. Das ist nur richtig von der Maschine, die eine segensreiche Gottesgabe ist. Das Wachsthum des Capital« aber kann und muß eingedämmt werdeu.
Ein Uebergang deS Handwerks in Industrie ist überall da unvermeidlich, wo der Maschinen« betrieb eintreten kann. Da eS sich aber um Menschen handelt, so ist dieser Uebergang so mild wie möglich zu machen. Dazu zu helfen, sowie dem Druck hes Großkapitals abzuwehren', ist Grundaufgabe eines wirklich christlich-socialen Programms.
Was ist darnach von den seitens der Handwerker gemachten Vorschlägen zu halten?
Die Jnnungsbewegung erwartet vom Befähigungsnachweis verringerte Concurrenz und mehr Leistungsfähigkeit, da ein größeres Schwergewicht hinter der Lehrlingsausbildung stehe. Daran ist etwas Wahres. Die Regierung geht jedoch darauf nicht ein, weil der Begriff „Handwerk" gesetzgeberisch nicht zu bestimmen und die Abgrenzung der Handwerke gegeneinander sehr schwierig ist. Es ergibt sich daraus, daß eine allgemeine Regelung überhaupt unmöglich ist. Wo ein Gewerbe genau abzugrenzen ist, bei einzelnen Gruppen, z. B. den Husschmieden, Barbieren, Schornsteinfegern, 'soll man den Befähigungsnachweis ein- sühren. Allein durch die Prüfung allein wird der Stand nicht gehoben. Dem Vordringen der Maschine gebietet der Befähigungsnachweis nicht Einhalt. Auch dem Wachsen der Unternehmungen nicht; dem Mangel an Credit vermag er nicht abzuhelfen.
Die Regierungsvorschläge, Fachgenoffenschaften zu gründen, zu denen alle gehören, welche weniger als 20 Köpfe beschäftigen, haben viel Gutes. Aber man sollte die alten Innungen zu Fachgenoffenschaften erweitern. Auch der Gedanke der Genossenschaften (Creditgenossenschaften, Rohstoff , Magazin-, Productivgenossenschaften) reicht nicht aus, um ein ganzes Volk zu organisiren. Doch können sie unter Umständen ebenfalls als Uebergangsformen gute Dienste leisten.
Freilich zeigt die Erfahrung, daß die Genoffenschaften nur bestehen können, wenn der Gemeingeist, die Selbstverleugnung, vorhanden ist. Die Frage ist im Grunde eine sittliche. Den Genossenschaftssinn wieder zu wecken, ist eine Ausgabe der inneren Mission.
Die Genoffenschaften sind auch nicht auf daS ganze Handwerk anwendbar, nicht z. B. auf das feinere Handwerk, daS dem LuxuS dient. Die Genossenschaft liefert nur billige DurchschnittSwaaren. Für größere Städte empfehlen sich communale Unternehmen. Sie ermöglichten den Uebergang aus der Hausindustrie in den Großbetrieb.
Was sonst noch al» Mittel gegen des Handwerks Roth vorgeschlagen worden ist: Die Einschränkung der schädlichen Concurrenz, die Verbesserung der Lehrlingserz'ehung, die Gesellenprüfung, die Einführung von kleinen Motoren — ist alles nicht im Stande, den großen Umschwung im Handwerk fernzuhalten. Die Klagen über schädliche Concurrenz durch den Staatsbetrieb sind nicht unbegründet. Da müßte geholfen werden! Eine christliche Sozialpolitik sollte sich deffen annehmen? Sie muß überhaupt practische Einzelarbeit treiben, nicht obenh'n im Allgemeinen arbeiten, wie der manchesterliche Liberalismus und die Socialdemokratie. Der Golt, der die Maschine gegeben hat, wird auch den Menschen die Kraft verleihen, die Form zu finden, in der sie friedlich miteinander leben können. Eine christlich sociale Arbeit muß aber practtsch anticapitalistisch werden. Dabei darf sie nicht vergessen, daß die Tüchtigkeit eines Standes im Grunde wieder abhängt von der Tüchtigkeit der einzelnen Person.
Als nothwendige Bedingung des Gedeihens der Organisationen und Genossenschaften hat sie die sittliche Seite, die hinter diesen steht, zu ortonen
Es lassen sich eben diese Fragen nicht behandeln abgetrennt vom christlichen Glauben.
Bogetfreunde, füttert nur Botz'sches Vogelfutter mit der Schwalbe, es ist das anerkannt beste und billigste. Nieder läge bei Emil Fischbach, Seltersweg 14. P oipecte umfonft [5251
Verehrung galt aber nicht nur dem tapferen Feldherrn und Soldaten, sie galt vielleicht in noch höherem Grade dem liebenswürdigen Menschen, der mit Jedermann in gleich freundlicher und leutseliger Weise zu verkehren wußte, dem gegenüber man sich nicht an die strengen Regeln einer steifen und förmlichen Etikette zu binden brauchte. Und daß diese Liebe und Verehrung dem Fürsten auch nach seiner Verheirathung, die unsere Hofbühne einer gefeierten Künstlerin beraubte, bewahrt geblieben ist, das haben die letzten Tage deutlich bewiesen. Eine Menge von Beileidstelegrammen und werthvollen Blumenspenden sind bald nach dem Eintreffen der Todesnachricht an die Wittwe des Fürsten nach Graz abgegangen, als äußere Zeichen einer echten Trauer und zur Bürgschaft dafür, daß das Andenken des Fürsten Alexander, dem es nicht einmal vergönnt war, sich als Privatmann seines ungetrübten Familienglückes lange zu freuen, im Herzen des hessischen Volkes und ganz besonders der Darmstädter nie verlöschen wird.
Nächst diesem für das hessische Fürstenhaus und das ganze Land so traurigen Ereigniß, bleibt uns heute noch von einem weit erfreulicheren zu berichten, an dem die ganze Residenz lebhaften Antheil nahm: von dem Besuche des Prinzregenten Luitpold von Bayern am hiesigen Hofe. Der derzeitige Verweser Bayerns ist, wie schon kurz gemeldet, am vergangenen Dienstag in Darmstadt eingetroffen. Der feierliche Empfang am Bahnhof und die Fahrt des hohen Gastes durch die Stadt zum Neuen Palais bot den schaulustigen Residenzbewohnern ein schönes Schauspiel. Die Bewohner der Rheinstraße, Wilhelminenstraße u. s. w. hatten ihre Häuser infolge einer Einladung der Bürgermeisterei mit Fahnen, Wappen und dergleichen prächtig geschmückt und in den Straßen, durch welche die Hofwagen fahren sollten, wogte schon lange vor der Stunde der Ankunft des fürstlichen Gastes eine große Menschenmenge. Am Bahnhof erwarteten der Großherzog und Prinz Wilhelm den bayrischen Regenten, der pünktlich um 2 Uhr mit Extrazug auf dem Main-Neckar- Bahnhofe eintraf und nach dem üblichen Abschreiten der von
den Hundertsünfzehnern gestellten Ehrencompagnie sofort mst dem Großherzog zum festlich geschmückten Residenzschloffe fuhr- Die Zuschauermenge auf den Straßen begrüßte die beiden hohen Herren mit lautem Hochrufen und grüßte ehrerbietigst. Im Schloß fand große Festtafel statt und daran schloß sich Abends der Besuch der Galavorstellung im Hoftheater. An Allerhöchster Stelle war über eine größere Anzahl von Plätzen verfügt worden, so daß für daS Publikum nicht alle Sitze zugänglich waren. Zur Aufführung gelangte daS mehrfach erwähnte indische Drama „Vasantasena", deffen poetische Schönheit im Verein mit der wundervollen Ausstattung wiederum die beifälligste Ausnahme erhielten. Schon am folgenden Tage verließ Se. Königliche Hoheit der Prinzregenr wiederum unsere Stadt- daß der hohe Herr gelegentlich seines Besuches dem Großherzog von Hessen das schon von dem verewigten Großherzog Ludwig IV. innegehabte fünfte bayerische Regiment verliehen hat, ist an anderer Stelle diese- Blattes ja schon erwähnt worden.
Sonst bleibt aus den Ereignissen der vergangenen Woche nicht sehr viel zu berichten. Der Montag brachte uns daS zweite große Concert des Musikvereins, dec Verdis Requiem zur Aufführung brachte und damit Dank der trefflichen Leistungen seines Chors unter Hofcapellmeisters de HaanS Leitung und dank der bewährten Künstlerschast der auswärtigen Solisten einen schönen Erfolg errang. In dieser Woche wird vor Allem die Geburtstagsfeier Sr. Königlichen Hoheit unseres allverehrten Großherzogs das meiste Jntereffe auf sich ziehen. Viele Vereine planen Festlichkeiten verschiedener Art, im Hoftheater kommt als Festvocstellung Wagners „Götterdämmerung" zur Aufführung und ebenso soll eine von den Schülern des Ludwig-Georg-Gymnasiums vorbereitete Aufführung des Trauerspiels „Herzog Ernst von Schwaben" von Ludwig Uhland zur Verherrlichung des Geburtstagßfestes unseres Landesherrn dienen. Heber den Verlauf deS Festtages werde ich Ihren Lesern im nächsten Residenzbriefe Näheres berichten. Z.
Nr. 279 Zweites Blatt.
Sonntag ven 26. November
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Des Handwerks Noth.
(Schluß.)
1869 kam die neue Gewerbeordnung deS Norddeutschen ZtindeS, gegen welche in Handwerkskreisen große Bitterkeit herrscht' sie sei an allem Unheil schuld. Obwohl Schablonen- werk, hat sie gerade Deutschlands Stellung auf dem Weltmarkt begründet, da sie den jetzigen Großbetrieb entfesselte. Dirran hat sich freilich viel Unglück geheftet. Aber Deutsch- lavL braucht, um sich nähren zu können, den Export von Industrieerzeugnissen, der nichr ohne Großbetrieb möglich ist. Damit müssen wir das fremde Getreide bezahlen. Die Fortschritte in der Erfindung von Maschinen, die social- demokratische Agitation fällt in diese Zeit. Letztere erschwerte die Stellung der kleinen Meister viel mehr als die der großen Unternehmer. Alle Bestimmungen unseres Kastenwesens, der Ardeiterschutzgesetzgebung lasten schwer auf dem Handwerk.
Dieser Krisis seit 1869 entspricht die Handwerks- betvegung seit 18 7 3: Wiedergewinnung der Verfassung zwischen 1849 und 1869, ZwangSinnung, Befähigungsnachweis, Beschränkung der schlechten Concurrenz, Regelung del LehrlingSwesens, Einschränkung der Sonntagsarbeit sind ihre Ziele. Jedoch sind diese Wünsche nicht die Wünsche de«» ganzen Handwerkerstandes. Das lähmt das Kruftgesllhl desselben. Die oberste und die unterste Schicht del Handwerks erwarten beide nichts von der Innung.
1890 gab eS 10,228 deutsche Innungen mit 321,000 M tgliedern. DaS sind etwa 10 pCt. aller Handwerker. Die Organisation gedeiht also nicht.
Giebt es ein Mittel für den ganzen Hand- ivcrkerstand?
WaS bieten die politischen Parteien demselben? Die Socialdemokratie spottet über die Handwerker- bciuegung. *
Die Conservativen (nebst Antisemiten und Centrum)
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finCb zwar für die Handwerkerbewegung und die Erhaltung M Mittelstandes, sie gehen aber dem Capital und der Maschine mit keinem Antrag zu Leibe. Daher die Mißstimmung der Handwerker gegen die Conservativen.
Die Liberalen sind die Väker der Gewerbeordnung Dom 1869, sic befassen sich begreiflicherweise nicht allzugerne mit: dem undankbaren Kinde.
IV. WaS ist zu thun?
Was ist zu thun? Im Gegensatz zur Socialdemo- truti e, die ihren Ursprung in der Fabrik durch Schablonengeist bekundet und keinen Sinn für die individuellen Ver-
Feuilleton.
Wochendriefe aus der Residenz.
(Originalbericht für dm „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 24. November 1893.
Eine Trauerkuade — Hoher Besuch — Allerlei.
Wiederum hat ein Trauerfall im hessischen Fürstenhause allgemeine und aufrichtige Theilnahrne im ganzen Lande und ganz besonders in der Residenz des Hessenlandes erregt. Noch sind nicht zwei Jahre dahingegangen, seit unser unvergeßlicher Großherzog Ludwig IV. vorn Tode plötzlich dahingerafft wurde, und schon von Neuem trauert das Heffenvolk m der Bahre eines edelen, allverehrten Fürsten. Schon die ersten Nachrichten über die Erkrankung deS Grafen Hartenau, Prinzen Alexanders von Battenberg, wurden hier mit größter vestürzung und allgemeiner Theilnahrne aufgenommen. Und litt dann die Schreckensbotschaft von dem Tode des edelen H-elden eintras, da herrschte eine wirklich herzliche und auf« lichtige Trauer. Nicht nur in der Presse, die ihren Lesern mit größter Gewissenhaftigkeit alle neuen Nachrichten über den Zustand deS Fürsten brachte, kam dies zum Ausdruck, lttberall wurden in gemeinsamen Gesprächen Erinnerungen an den Fürsten Alexander ausgetauscht, überall offenbarte sich ein von Herzen kommendes Mitleid mit dem Helden und seiner von dem Schicksalsschlage so schwer betroffenen Gattin. Fürst Alexander erfreute sich ja gerade in unserer Stadt, itu der er stets gern weilte, einer ganz außeordentlichen Popularität und Beliebtheit. Unvergeßlich wird Jedem, der es miterlebt, der Tag seiner Ankunst in der Heimath noch dem Staatsstreich, der ihn vom Throne gestoßen, bleiben. Mit brausendem Jubel wurde damals der Sieger von Slivnitza van seinen Landsleuten in der hessischen Heimath willkommen gsheißen und überall, wo er sich während der ersten Monate nach seiner Rückkehr in der Oeffentlichkeit zeigte, war er Gegenstand der begeisterten Huldigungen. All die Liebe und


