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1893
Mittwoch d« 26. April
Wt. 97
Amts« und Anzeigrblatt für den Kreis <Üi«izcn.
Bemerkungen
Bezeichnung der Kaffe
Kaiser Wil-
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Fettilleton
unter Ziffer 1.
unter Ziffer 2.
unter Ziffer 2.
Gensdarmerie durchzogen die Das Militär
Neueste Nachrichten»
Wolffs telegraphisches tzorresvondenz-Bureau.
Berlin, 24. April. Der „Reichsanzeiger" theilt mit, die gestrige Unterredung deS Kaisers mit dem Papste habe eine Stunde gedauert.
Ordn.- Nr.
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Allgemeine Arbeiter-Kranken- und Sterbekaffe zu Großm-Linden
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2 Mart 20 Mg. *■ Vriagerlohn.
Durch die Poft bez-D» 2 Kart 50 P^
Rebadian, tnxbWa« und Druckerei:
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S-reiprech« 6L
stellte die Ruhe wieder her. Arbeitertrupps Straffen, wurden aber auseinandergesprengt.
1 Kranken- und Sterbekaffe zu Heuchelheim
। Kranken- und Sterbekaffe zu Watzenborn-Steinberg
Kranken- und SterbekaffL^zu.
| Garbenteich
। Kaufmännische Kranken« und
I Begräbniffkaffe Gießen
1 Kranken- und Sterbekaffe zu
! Rödgen
i Kranken- und Sterbekaffe zu
Verzeichniß
der im Kreise Gießen zugelaffenen eingeschriebenen Hülfskaffen.
Anton war mit einem Male der Held einer, wie unter diesen Umständen erklärlich, etwas stürmischen Begrüßungs- und Dankesscene. Nur Hedwig hielt sich still abseits, sie hatte ja seiner Zeit ihrem Dank schon Ausdruck gegeben.
Endlich legten sich die Wogen der Erregung und Anton gewann Zeit, an seine Mission, die Ueberreichung des Armbandes an Hedwig, zu denken. Er trat auf das junge Mädchen zu und sprach, sich tief verbeugend:
„Mein gnädiges Fräulein, ich erscheine heute vor Ihnen als einBote des Schicksals, nicht nur, um dem Geburtstagskinde meine unterthänigsten Glückwünsche darzubringen, sondern auch, um" — hier brachte er das Armband zum Vorschein und ein Ruf der Ueberraschung ward rings laut — „dieses Kleinod wieder an seinen rechtmäßigen Platz zu bringen."
Damit ergriff er sanft Hedwigs Arm und legte um denselben den Silberreif. Dann blickte er verstohlen auf den Geheimerath, was dieser wohl zu der etwas eigenmächtigen Erweiterung seines Auftrages sagte; aber der nickte ihm stilllächelnd zu.
Nun wollten alle die Geschichte wissen, wie, wo, wann und unter welchen Umständen das Armband in die Hände deS Herrn Anton Feller gekommen. Aber der Papa wehrte ab: „Bei Tische, Kinder, bei Tische, sonst kommen wir heute Überhaupt nicht zum Essen, und ich, ich muß gestehen, ich habL einen rechtschaffenen Hunger."
Es war ein fröhliches Mahl, das nun folgte. AntonS Leidensgeschichte des heutigen Tages gab ergiebigen Stoff zur Unterhaltung und namentlich der alte Herr Geheimerath war in aufgeräumtester Stimmung. Mit seiner Tischnachbarin Hedwig sprach Anton direct sehr wenig und doch hatten beide als dann nach langer Sitzung die Tafel aufgehoben wurde, das Gefühl, als hätten nur sie beide miteinander gesprochen,
An-land.
— In Belgien herrscht im Allgemeinen wieder Ruhe. Nur hier und da zittert die in den belgischen Arbeitermaffen kaum erst wieder gedämpfte Erregung durch kleinere Ausschreitungen in einzelnen Gegenden, wo noch gestrikt wird, nach, doch sind diese Nachklänge des jüngsten großen Arbeiterausstandes in Belgien von keiner Bedeutung mehr. Einstweilen hat sich also die belgische Arbeiterschaft mit dem politischen Zugeständniß, welches sie durch den jüngsten Strike von der Kammer erpreßte, dem Mehrstimmensystem, zufriedengegeben. Ob diese Stimmung unter den belgischen Arbeitern lange anhalten wird, das ist freilich eine andere Frage.
vrr kritische Tag.
Eine Examensgeschtchte von Edgar Reinhold.
(Schluß.)
Als dann draußen, vor dem Portal des Polizeipräsidiums, Anton wartete, daß sein liebenswürdiger Wohlthäter ihn verabschiede, wandte der Geheimerath sich plötzlich zu ihm :
„Nehmen Sie ohne Umstände eine Einladung an, die Ihnen ohne Umstände geboten wird, und speisen Sie bei mir zu Mittag. Auf Silber wird Ihnen nun zwar nicht servirt werden, aber Sie kennen ja den Grund, weßhalb nicht. Wir haben eine kleine Familientafel heute, da meiner Tochter Hedwigs Geburtstag ist, derselben, die das Armband verloren hat. Das mögen Sie ihr dann selbst überreichen, das wird einen freundlichen Eindruck auf sie machen. Die Kleine ist etwas abergläubisch und hat heute früh — warum werden Sie denn mit einem Male roth? Die Hitze? Ja so! Also Sie kommen mit?" — —
Eine etwas gedrückte Stimmung herrschte unter den Gliedern der geheimräthlichen Familie Lange, die in dem Speisezimmer -versammelt waren und der Ankunft deS pater familias warteten. Hedwig, das Geburtstagskind, das heute in das zwanzigste Lebensjahr getreten, ein lieblicher Blondkopf mit treuherzigen blauen Augen, sonst voll heiterer Fröhlichkeit und schelmischer Neckerei, ließ heute das Köpfchen hängen; der erste Tag im neuen Lebensjahre hatte zu düstere Vorzeichen gebracht. Mama Geheimeräthin saß mit der älteren Tochter Helene, der Gattin des Hauptmanns v. Wald, auf dem Sopha und sandte dem entschwundenen Silber ein stimmungsvolles Klagelied nach. Hauptmann von Wald, der
Deutsches Reich.
Berlin, 24. April. Herr Ahlwardt hat endlich seine berühmten „Acten" auf den Tisch des Reichstages nieder- gelegt. Trotz der proclamirten vorläufigen Geheimhaltung in der Affaire weiß die „Freis. Ztg." bereits zu berichten, daß das Ahlwardt'sche Actenmaterial aus Nummern der Gehlsen'schen „Eisenbahn-Zeitung" und der „Reichsglocke" ans den siebziger Jahren, sowie auS ganz untergeordneten Blättern und Schriften mit Rechnungen, Briefcopien usw. bestünde; dies Alles betreffe die Verhältnisse der rumänischen Eisenbahn-Gesellschaft und der Berliner Disconto-Gesellschaft in den siebziger Jahren. Offenbar würde der eventuellen Reichstagscommission zur Prüfung der Ahlwardt'schen Docu- mente hierdurch eine sehr undankbare und unangenehme Aufgabe erwachsen.
Berlin, 24. April. Die Socialdemokraten haben schon jetzt für die event. neuen ReickStagswahlen etwa 120 Candidaten aufgestellt.
Gießen, den 24. April 1893.
Betr.: Verminderung der Raben, rabenartigen Vögel und Eichhörnchen.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzeu
** die Grstzh. Bfttamndfktrtc* des «reifes.
Soweit Sie unserer Verfügung vom 6. Marz d. I. — Kreisblatt N. 57 — noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an baldige Erledigung.
v. G a g e r n.
Die Mitglieder sind von dem Beitritt zur Gemeinde- Krankenversicherung nicht befreit.
Die Mitglieder sind hiervon befreit.
wie unter Ziffer 2.
wie unter Ziffer 2.
Alle Rtmiecen-BurtaHF H In- «nd InK anbei nehm* lejtigee fttt den ,®ie|entr »n»titz«r" entgtgte.
Schwiegersohn, hatte es längst aufgegeben, durch krampfhafte Witze die Stimmung zu verbeffern und lehnte in einer Fensternische. Auch er war etwas verstimmt, denn er hatte Hunger. Er hatte bestimmt darauf gerechnet, daß um zwei Uhr gegessen würde, und nun war es bereits halb drei. Diese UnpÜnkt- lichkeit des sonst von ihm hochgeschätzten Schwiegervaters ärgerte den Hauptmann sehr. Nur Willy, der fünfjährige Sprößling des Wald'schen Ehepaares, war munter und tummelte sich vergnügt in der Stube umher.
Da hörte man Plötzlich, daß vor dem Hause ein Wagen hielt, der Hauptmann sah durchs Fenster und rief: „Da kommt Papa mit einem Herrn in Frack und Cylinder l"
„Nicht möglich! Papa wird doch heute keinen Fremden herbringen!"
Alles eilte ans Fenster, aber es war nichts mehr zu sehen, als der langsam abrollende Wagen; die Herren waren bereits ins HauS getreten.
Da öffnete sich die Thür und herein trat mit seinem Begleiter der Geheimerath, aus dessen Gesicht die schmunzelnde Vorfreude einer zu bereitenden Ueberraschung lagerte. Die Ueberraschung sollte zunächst ihm selbst zutheil werden.
Hedwig hatte den Fremden kaum erblickt, als sie über und über erglühte, einen leichten Schrei ausstieb und heimlich ihrer Schwester zuflüsterte: „Helene, siehst Du nicht?"
Und auch Frau Helene sah. Rasch trat sie auf den ganz faffungslos dastehenden Amon zu und ergriff seine Hand.
„Welche unverhoffte Freude, Sie wiederzusehen. Da- mals, als Sie meinen Heben Buben vor einem schrecklichen Schicksal bewahrten, war ich im Augenblick zu erschüttert, um Ihnen danken zu können. Wie freue ich mich, daß ich das nun doch noch kann. — Papa, Mama, lieber Mann, das ist ja der edle Retter unseres Willy," wandte sie sich dann an die Uebrigen.
ist in den Kasernen consignirt.
Rom, 24. April. Ihre Majestäten der
Helm und der König Humbert, sowie die hier anwesenden italienischen und fremben Fürstlichkeiten verließen heute Vormittag 8l/4 Uhr zu Pferde, von einem zahlreichen und glänzenden Stabe gefolgt, den Quirinal, um sich zur Truppenschau nach der Piazza d'Armi auf den Prati di Castello zu begeben. Die Fürstlichkeiten nahmen ihren Weg durch das Zentrum der Stadt. Auf allen dorthin führenden Straßen stand eine Kopf an Kopf gedrängte Menschenmenge, die un- geachtet des bewölkten Himmels herbeigeströmt war, und bereitete den Majestäten begeisterte Ovationen, die sich ununterbrochen immer von Neuem bis zur Piazza d'Armi fortsetzten. Ihre Majestäten die Kaiserin Augusta Victoria, die Königin Margherita und die Königin-Wittwe Maria Pia, ferner die Großfürstin Wladimir, sowie die Prinzessinnen des italienischen Königshauses folgten gegen 8^ Uhr in elf Wagen, von der Bevölkerung ebenfalls mit begeisterten Zurufen begrüßt. Die Bevölkerung ist in so großer Zahb
hatten.
Graz, 24. April. Streikende Maurer, etwa 1200, versuchten nichtstrikende von der Arbeit abzuhalten und von den Gerüsten zu vertreiben. Die Wache schritt ein; drei Wachleute wurden mit Steinen verwundet.
I Wieseck __________ I ____________________
Bekanntmachung.
betreffend Maul- und Klauenseuche zu Hermannftcin.
Zu Hermannstein, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche auLgebrochen und Stallsperre angeordnet worden.
Gießen, den 22. April 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Der •talcatr «scheint täglich, t* WUnahmt bd Montags
We Meßmer BeeUl<*IMUet *«Sm brm Anzeiger »Schmtltch dreimal '.tigtltgl
Meßmer Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
Berlin, 24. April. Der „Reichsanzeiger" sagt in einem Artikel über die Romreise des Kaiserpaares, dieses sei mit der Ausnahme in Rom in hohem Maße zufrieden. Die freundschaftlichen Gefühle und Gesinnungen des italienischen Königspaares theile die ganze Bevölkerung, welche keine Ge- leaenheit vorübergehen läßt, um dem Kaiserpaare ihre Hul- digung darzubringen, die bei dem lebhaften feurigen Temperament des Südens oft in einer für den Nordländer ungewohnten Weise zum Ausdruck komme.
Berlin, 24. April. Gegenüber der Kritik, welche em Artikel der „Hamburger Nachrichten", überschrieben: „DaS d i e s j ä h r i g e M u st e r u n g s g e s ck ä f t", an der diesjährigen Musterung übte, widerlegt der „Reichsanzeiger' durch eine eingehende Beleuchtung der vorgebrachten Thatsachen die Behauptung, daß die Minderwerthigkeit des zur Durchführung der Militärvorlage erforderlichen Mehr an Diensttauglichen nachgewiesen fei. Die von dem Verfasser deS Artikels an- geführten Fehler haben auch bisher die Einstellung zum Waffen- dienst nicht ausgefchloffen, die Einstellungen entsprechen auch durchweg sowohl der Rekrutirungsordnung von 1875, als der Heerordnung von 1888, insbesondere aber der Instruction von 1858, aus Grund welcher die Armeen ausgehoben wurden, die drei Kriege siegreich führten und in deren letztem, an Anstrengungen reichem, einen in der Kriegsgeschichte bis dahin nie erlebten günstigen sanitären Zustande aufzuweifen
2tmtlid?er Theil.
Bekanntmachung,
betreffend eingeschriebene Hülfskaffen.
Das nachstehende Verzeichniß der im Kreise Gießen zugelaffenen eingeschriebenen Hülfskaffen wird mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nur die Mitglieder derjenigen Kaffen von der Verpflichtung, der Gemelnbekranken- Versicherung ober einer nach Maßgabe des Krankenversicherungsgesetzes errichteten Krankenkaffe anzugehören befreit finb, denen auf ihren Antrag Seitens Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz nach § 75a des Gesetzes die Bescheinigung ertheilt ist, daß sie, vorbehaltlich der Höhe des Krankengeldes, den Anforderungen des § 75 des Gesetzes genügen.
Gießen, den 22. April 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
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