1893
Mittwoch oen 25. October
Ht. 251 Erstes Blatt
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Amts- und Anzeigeblntt für den Ureis Giefzen
Hratisbeilage: Gießener Kamisienölätter.
Amtlicher Theil
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den Wißenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Der GKHrmr Anzeiger «scheint täglich, ’BÜ Ausnahme de« Montags
Die Gießener
rnlm dem Anzeiger »Ichentlich dreimal drigelegt.
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der Capelle zu Langen.
Der Cursus dauert ohne Unterbrechung fünf Für Wohnung und Mobiliarbenutzung zahlen: Mädchen auS dem Kreis Offenbach .... Mädchen aus anderen Kreisen der Provinz
Starkenburg...........
Unter der Oberleitung des unterzeichneten Großh. KreiS- raths sind an der Anstalt thättg:
Als Dirigent: Großh. Landwirthschaftslehrer Weitzel-
Als Haushaltungsvorsteherin: Fräulein Charlotte Mels- Heimer ;
Als Jnduftrielehrerin: Fräulein Maria Wenck, sowie die erforderliche Anzahl Hülfslehrer.
Alle Anmeldungen, welche baldigst erbeten werden, sowie Anfragen sind an den Dirigenten, Landwirthschaftslehrer Weitzel in Langen, zu richten, welcher zu jeder Auskunft gerne bereit ist.
Offenbach, den 2. October 1893.
Der Großh. Kreisrath des Kreises Offenbach.
HaaS.
Haushaltungs-Schule zu Langen.
Die Haushaltungs-Schule zu Langen eröffnet am Dienstag, den 2. Januar 1894, ninrrn neuen fünfmonatlichen Cursus.
Ausgenommen werden Mädchen aus dem Bürger- und Samernstand, welche mindestens 15 Jahre alt, körperlich und gtiskig zu einer erfolgversprechenden Theilnahme am Unterrichte und den praktischen Hebungen befähigt, sowie im Besitzt eines guten Leumundes sind.
Der Zweck und die Aufgabe der Anstalt besteht in der Heranbildung von Mädchen aus dem Burger- und Bauernstände künftigen tüchtigen Hausfrauen durch Unterricht der Schüler- inmen in der Führung eines einfachen bürgerlichen Haushalts, insbesondere durch praktische Arbeiten im Kochen, Backen, Waschen, Bügeln, Putzen, im Weißzeugnähen, Flicken, Stricken, in der Anfertigung von Kleidungsstücken, in der Zubereitung vom Butter und Käse, in der Aufbewahrung, im Einmachen und. Dörren von Früchten und anderen Lebensmitteln rc., im Vbßt- und Gartenbau, sowie in der Geflügelhaltung.
Damit verbunden ist behufs Befestigung und Erweiterung der Schulkenntnisse für das practische Leben ein Unterricht in der deutfchen Sprache, namentlich im Aufsatz, im Rechnen, in der Buchführung, sowie eine Unterweisung in der Gesundheit«- •mV Krankenpflege.
Die Haushaltungs-Schülerinnen bilden mit der Haus- omitter und der Jnduftrielehrerin einen gemeinschaftlichen Haus- .tzila und werden durch angemessene Beaufsichtigung an Rein- sich leit, Pünktlichkeit und Ordnung gewöhnt. Durch Sing- mcerricht und gemeinsame Lehrstunden während der Abend- aib-eit wird eine gemächliche Anregung zu geben gesucht.
Die Kost ist einfach und kräftig, die Hausordnung nimmt ebenso auf den Unterrichtszweck der Schule, wie auf das lörperliche und geistige Gedeihen der Schülerinnen Rücksicht.
In Krarikheitssällen erfolgt die ärztliche Behandlung un- •iiteeltiid). , u
Die evangelischen Schülerinnen besuchen den sonntäglichen «Zeltesdienst in der Stadtkirche und die katholischen denjenigen
„Trotz sehr bestimmter Dementis taucht die Behauptung ungewöhnlich großer Marinesorderungen immer von Neuem in der Presse auf. Wir glauben demgegenüber auf Grund zuverlässiger Nachrichten versichern zu' dürfen, daß Seme Majestät der Kaiser auS eigenster Entschließung im Hinblick auf die Lage der Reichsfinanzen den nächsten Marineetat in dem von uns bereits berichteten Umfange beschränkt hat. Auch die Befürchtung der Uebernahme besonders hoher Verpflichtungen für die Zukunft ist unbegründet."
Kastel, 22. October. Im „Hotel du Nord" Hierselbst and heute eine gutbefuchte Versammlung der Tabaks und Cigarrenfabrikanten der Provinz Hessen- Nass au statt, welcher auch der conservative Reichstags-. abgeordnete Professor Hüpcden und Vertreter der Kasseler Handelskammer anwohnten. Den Vorsitz führte Herr Tabak- und Cigarren-Fabrikant Fr. H. Thorbecke. Auf Grund eines eingehenden Referates des Herrn Schloßmacher (Frankfurt a. M.) wurde eine Resolution gegen die projectirte Tabak-Fabrikatsteuer wie überhaupt gegen jede Mehrbelastung des Tabaks einstimmig zum Beschluß erhoben. Herr Reichstags- abgeordneter Hüpeden erklärte, anknüpfend an die ausführliche Darlegung der socialpolitischen Folgen einer Gesetz- roerbung des in Aussicht stehenden Entwurfes seitens des Referenten, er werde, wenn er bei näherer Prüfung die Ueberzeugung gewinne, daß die prophezeiten Arbeiter- entlaffungen unausbleiblich seien, gegen den Gesetzentwurf stimmen. Diese Erklärung kann die Gegner deS Entwurfes nur befriedigen, denn da die Regierung selbst in ihren Berechnungen 30 pCt. ConsumrÜckgang ansetzt, so ist wohl aus eine Einschränkung der Fabrikation um denselben Betrag sicher zu rechnen und dies macht mindestens 50 000 Arbeitskräfte in der Tabakindustrie, welche deren bekanntlich 161000 ä 300 Arbeitstage beschäftigt, überflüssig. Die Resolution der hier in Rede stehenden Interessenten - Versammlung hat folgenden Wortlaut: „Die am 22. October 1893 in Kassel versammelten Tabak- und Cigarrenfabrikanten der Provinz Hessen - Nassau und umliegenden Bezirke erklären die beabsichtigte Facturenwerthsteuer, wie überhaupt eine Fabrikatsteuer auf Tabak und jede andere Mehrbelastung desselben für undurchführbar ohne schwere Schädigung der Tabakindustrie und zwar aller Zweige derselben, namentlich auch der Rauchtabakfabrikation. Die geplante Steuermaßnahme würde eine starke Mehrbelastung des Consums und damit erfahrungsgemäß großen Minderverbrauch an Tabakfabrikaten zur Folge haben und dieser, im Vereine mit sonstigen durch die Neuerung unausbleiblich veranlaßten Störungen der Fabrikation eine starke Einschränkung derselben und zwar in allen Branchen der Tabakindustrie herbeiführen. Dies wäre aber unvermeidlich verknüpft mit dem Ruin zahlreicher kleinerer und weniger capitalkräftiger Unternehmen, mit Arbeitermasfenentlassungen, nicht nur in den Tabak- und Cigarrenfabriken, sondern auch in den vielen Hülfsgewerben der Tabakindustrie und dadurch bedingter Brodlosigkeit vieler Tausenden von Familien. Die Versammlung spricht die Erwartung aus, daß die Königl. Preußische Regierung im Bundesrath ihren Einfluß dahin geltend macht, daß von der geplanten Tabak-Fabrikatsteuer wie überhaupt jeder Mehrbelastung des Tabaks Abstand genommen, vielmehr die Auf- btingung der erforderlichen Mehreinnahmen des Reichs durch eine stärkere Heranziehung der wohlhabenderen Bevölkerungs- kreife herbeigeführt werde."
Ausland.
Paris, 23. October. Eine Deputation russischer Journa- listen hat am Grabe Gambettas einen Blumenkranz niedergelegt, welcher die Inschrift trägt: „Die russische Presse an ©ambetta. Kronstadt, Toulon, Paris."
— In Paris hat am Sonntag die feierliche Beisetzung der Leiche des Marschalls Mac Mahon im Jnvalidendome in Gegenwart der russischen Offiziere statt- gefunden. Die eigentliche Trauerfeier fand indessen vor ter Ueberführung des in der Madeleine-Kirche aufgebahrten Sarges nach dem Jnvalidendome statt. Hierbei hielten der Ministerpräsident Dupuy und der Kriegsminister Loizillon die offiziellen Reden zu Ehren des berühmten Todten und muß man anerkennen , daß beide rednerische Kundgebungen von einem würdigen Tone durchweht und von feinem politischen Tacte getragen waren. Daß sowohl Dupuy als auch Loizillon die französisch-russische Freundschaft mit in ihre Betrachtungen hineinverwebten, war angesichts der Anwesenheit der russischen Gäste selbstverständlich, doch vermieden hierbei beide Redner bedenkliche politische Anspielungen. Mit besonderem Geschick sprach der Kriegsminister, der den Marschall Mac Mahon
kosten bezw. den Preisen der Lebensmittel berechnet.
Im Handarbeitsunterricht, auf welchen ebenmäßig besonders Gewicht gelegt wird, verarbeiten die Mädchen ihr tiznnes Material, welches sie mitbringen ober im Schulorte hülfen können.
Weitere Kosten entstehen nicht und ist insbesondere der Unverricht unentgeltlich.
Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Ausländer nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Viert rkflhng er jL6e**tmfxUprtU » 2 Mark 20 Pfg. a* Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pf»
Redaktion, ttfxbiti«« und Druckerei:
Lehrer-Conferenz
des Conferenz-Bezirks Grünberg Mittwoch den 1. November, Vormittags 10 Uhr in Grüuberg.
Lieder: 46, 59, 190.
Gießen, den 23. October 1893.
Büchner, Schulrath.,
Mk.
Mk.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Oclober. Seit Montag sind die deutschen Finanzmini st er abermals zu einer Conferenz versammelt und zwar diesmal in Berlin, wo die Herren in den Räumen des Reichsschatzamtes tagen. Es handelt sich bei dieser neuen Auflage der Frankfurter Finanzminister-Conferenz zunächst um die projectirte Reichsweinsteuer, welche, wenigstens in der vorgeschlagenen Form, auch in den Kreisen verschiedener Bundesregierungen auf erhebliche Bedenken gestoßen fein soll. Es geht daher die Rede von einer Umgestaltung dieses Steuer- entwurfs, welche bezwecken würde, die Interessen der Weinbau treibenden Bevölkerung besser zu schützen. Ob die Berliner Finanzminister-Conferenz daneben noch durch andere Steuer- projecte in Anspruch genommen werden wird, steht zwar noch dahin, unwahrscheinlich ist es aber nicht, daß bei den Berliner Berathungen auch die verschiedenen Stempelsteuerentwürfe, die angeblich geplant sind, zur Sprache kommen.
— Die Gerüchte über neuerliche Reibungen und Differenzen zwischen den Spitzen der leitenden Kreise Preußens und des Reiches wollen nicht verstummen. Es hieß sogar schon, der preußische Ministerpräsident Gras Eulenburg habe seine Entlassung eingereicht, welches Gerücht sich aller- dings rasch als unbegründet herausgestellt hat. Nunmehr verlautet, Gras Eulenburg habe mit seiner Demission einstweilen nur gedroht, eine acute Krisis bestehe zur Zeit noch nicht Es scheint demnach doch, als ob hinter den Berliner RegiernngScoulissen etwas Besonderes vorginge.
— Die mit Ausnahme des 7. städtischen Wahlkreises, wo bekanntlich eine engere Wahl stattzufinden hat, vollständig vorliegenden Ergebnisse der sächsischen Landtagswahlen I bestätigen die allgemein bestandene Annahme, daß die Con- servativen in der sächsischen Volksvertretung auch fernerhin im Besitze der absoluten Mehrheit verbleiben würden. Denn die conservative Partei zählt in der neuen Kammer 42 Mitglieder, gegen 39 Abgeordnete aller übrigen Parteischattirungen, selbst wenn die Stichwahl in Meißen zu Ungunsten des con- servativen Candidaten Rüder ausfallen sollte, würden die Conservativen noch immer über eine absolute Mehrheit von zwei Stimmen verfügen. Immerhin läßt sich nicht verkennen, daß die Wahlen den parlamentarischen Schwerpunkt einigermaßen nach links verschoben haben, denn die Nationalliberalen, wie die Socialdemokraten treten in der neuen Kammer verstärkt auf. Außerdem erscheinen jetzt zum ersten Male die Antisemiten durch zwei Abgeordnete selbstständig in der Kammer, sie könnten also unter Umständen in die Lage kommen, das „Zünglein an der Waage" zu bilden. Indessen steht zu erwarten, daß, wie schon bisher, so auch künftig in der sächsischen Kammer die Conservativen mit den gemäßigten Liberalen meistens zusammengehen werden, denn mit der Be- I tonung des bloßen schroffen FractionsstandpunkteS kommt für I das allgemeine Wohl doch nichts Ersprießliches heraus.
— Cholera st and. Das Kaiserliche Gesundheitsamt I macht folgende Cholerafälle bekannt: In Tilsit erkrankten am 21. October weitere vier, am 22. October drei Per- fönen; davon starben vier. In Schmalleningken, Kreis I Ragnit, wurde bei einem Flößer Cholera nachgewiefen, des- I gleichen in Danzig bei einem Schiffer. Aus Stettin I wurden am 21. October, Abends,' 6 Erkrankungen mit zwei I Sterbefällen gemeldet, am 22. October 2 Neuerkrankungen, I indeß kein Sterbefall. In Frauendorf, Kreis Randow, I erk^nkten in der Zeit vom 15. bis 21. October 4 Personen, I davon ist eine gestorben. In Zerpenschleuse, Kreis I Niederbarnim, 3 neue Erkrankungen. Die Zahl der aus Havelberg bis einschließlich 21. October angezeigten Er- krankten betrug im Ganzen 19, davon 9 mit tödtlichem Ausgange.
— Zu den Gerüchten über neue Marineforderungen schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." officios:
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Deutsche
Gießener Anzeiger
Keneral-Unzeiger.
Mädchen von außerhalb der Provinz. .
Der Preis für die Verpflegung wird nach den Selbst-
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Bekanntmachung.
In Folge eines besonderen Falles sehen wir uns veranlaßt, ausdrücklich darauf hinzuweifen, daß nach dem für iie Provinzial-Hauptstadt nach wie vor zu Recht bestehenden Doanlreglement vom 8. Mai 1856 die Feierabendstunde, an Mlcher die Wirthfchaften geschlossen werden müssen, auf 11 vlhr Abends festgesetzt, also geboten im Sinne deS nach- tzehsnden § 365*) des NeichsstrafgefetzeS ist.
Gießen, den 21. October 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
•) H 3(J5. Wer in einer Schankstube oder an einem öffentlichen LerZnügungsort über die gebotene Polizeistunde hinaus verweilt, unge- a^trt der Wirth, sein Vertreter oder ein Polizeibeamter ihn zum Fort- geben aufgefordert hat, wird mit Geldstrafe bis zu fünfzehn Mark tefbaft.
Der Wirth, welcher daS Verweilen seiner Gäste über die gebotene Votyeiftunbe hinaus duldet, wird mit Geldstrafe bis zu sechszig Mar -cbei mit Haft bis zu vierzehn Tagen bestraft.
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