Ausgabe 
25.3.1893 Zweites Blatt
 
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1883

Samstag den 25 März

Ur. 72. Zweites Blatt

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gerichtsbezirken Grünberg und Homberg gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen

Samstag den 1. April d. I., Bormittags 9 Uhr, in dem Rathhause zu Grünberg;

der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amts­gerichtsbezirken Lich und Butzbach gelegenen Ge­meinden des Kreises Gießen

Freitag den 5. Mai d. I., Nachmittags 1/2$ Uhr, in dem Rathhause zu Lich;

der Orts- und Staatsbürger aus den in dem Amts­gerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden

Dienstag den 9. Mai d. I., Vormittags 11 Uhr, * in dem Regierungsgebäude (auf dem Brand) zu Gießen;

der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amts­gerichtsbezirken Hungen, Laubach und Nidda ge­legenen Gemeinden des Kreises Gießen

Freitag den 12. Mai d. I., Nachmittags 3/<2 Uhr,

vermachtes.

* Stargardt wird Weltstadt! Allerdings erst, so schreibt dasKl. Journal", wenn die neue Zeit hereingebrochen sein wird, der wir uns jetzt täglich nähern: die mitteleuropäische Zeit. Vom 1. April an wird der ganze Continent darauf achten müssen, was in Stargardt die Glocke geschlagen, sie wird tonangebend für die gesammte Zeiteintheilung Europas werden. Alle Augen und alle Uhren werden fortan auf die kleine Stadt in Pommern gerichtet sein ist das nicht urkomisch? Noch vor wenigen Wochen war Stargardt ein wenig gekannter und wenig genannter Ort, in welchem absolut nichts vorging, außer den Uhren. Aber gleich Bethlehem, dem kleinsten Städtchen Judas, ist es plötzlich zu ungeahnter Herrlichkeit und Bedeutung gelangt. Dieses Glück hat die neue Weltstadt in Pommern weder ihren renommierten Oelraffinerien, noch ihren geschmackvollen Gänsebrüsten, sondern einzig und allein ihrer Lage zu danken. Noch heute, nach vielen Jahrhunderten, muß aner­kannt werden, daß die Gründung von Stargardt eine der gelungensten Terrain-Speculationen war, welche je gemacht wurden. In weiser Voraussicht der Dinge, die da kommen könnten, haben die damaligen Unternehmer die Stadt Stargardt so angelegt, daß der 15. Längengrad östlich von Greenwich durch dieselbe gehen mußte. Ahnten sie das colossale Zeit­geschäft, das ihre Nachkommen einst machen würden? Oder sahen sie schon vorher, daß vom 1. April 1893 ab in ganz Deutschland die sogen, mitteleuropäische Zeit gelten wird? Es ist dies diejenige Zeit, die nach der bisherigen Rechnung auf dem Meridian von Stargardt in Pommern (dem 15. Längengrad, von Greenwich aus gezählt) stattfindet. Somit wird die pommersche Weltstadt von dem Hauptmeridian unserer neuen Zeitrechnung durchschnitten. Nur diesem glück­lichen Zufall hat sie die Bedeutung zu danken, zu welcher sie in neuester Zeit gelangt ist.

* Nizza, 20. März. Nach so vielen Selbstmorden, die durch die Spielhölle in Monte-Carlo verursacht worden sind, ist ausnahmsweise auch wieder einmal über einen außerordentlichen Glücksfall zu berichten, der sich in der jüngsten Zeit dort zutrug. Dieser Tage gewann nämlich ein junger Russe, ein gewisser Iwanow Iwanowski aus Moskau, im Spiel in weniger als zwei Stunden 200,000 Francs, sodaß der Croupier den Spieltisch mit dem bekannten, schwarzen Tuch bedecken mußte ein Zeichen,

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Dm frohen studentischen Festlichkeiten, die sich um die Feier des SttftungSseftes einer Verbindung grupptren. ist der neue, tm letzten Hefte der »Modernen Ättnft" (Berlin W 57, Verlag von Rtch. Bong) veröffentlichte Aufsatz überUnsere deutschen Waffen­studenten" von Robert Hessen gewidmet. Wir begleiten die schmucken Studenten und diealten Herren" in den Ballsaal und auf die Ballkneipe und noch manches andere farbenfrohe Bild läßt Der Künstler derModernen Kunst", A. Blunck, vor unseren Augen ersteben. Dasselbe Heft enthält noch allerhand lustige Auffähe, so die spaßhafte Betrachtung überJeuologie" von R. von Seydlttz, sowie die Beschreibung derBerliner Künftlerklause" von O. Sontag, deren Hauptbesucher, die Schauspieler in einem Porträtgruppenbilde, uns vorgesührt werden. Der Preis eines Heftes ist nur 60 Pfg.

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2 Mark 20 Pfg. d6 Brtngtrlobn.

Durch die Post dezog« 2 Mark 50 Pi»

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daß die Bank gesprengt sei. Schade nur, daß es solcher vom Glück begünstigten Spieler nur wenige giebt, während fast an jedem Tage von dem völligen Ruin so vieler Un­glücklichen zu melden wäre.

Heber einen Plan zur Ermordung Bismarcks während seines Aufenthalts in Versailles anläßlich der Belagerung von Paris macht der frühere Gouverneur des Schlosses von St. Cloud, Sebastian Commiffaire, im 2. Bande seiner bei Garlet L NesiuS in Paris erschienenen Denkwürdigkeiten folgende Mittheilungen:Einige ehrbare (?) Bürger von Versailles, die dem Vaterlande ergebener, als klug überlegend waren, schmiedeten den Plan, Herrn von Bismarck, den sie als Seele der deutschen Politik betrachteten, zu ermorden. Diese Verschwörung hätte ohne Schwierigkeit ihr Ziel er­reichen können, denn es war leichr, in die Nähe des preußischen Ministers zu gelangen, der oft allein in unbe­decktem Wagen spazieren fuhr. In dem Haufe, welches er bewohnte, wurde er- nur von einem halben Dutzend Gensdarmen bewacht, und überdies wußte man, daß er häufig allein einer französischen Familie Besuche abstattete. Man weihte mich in diese Verschwörung ein, indem man mich aufforderte, an derselben theilzunehmen. Ich hegte jedoch Abneigung gegen den politischen Mord und glaube, daß er der Parret, die sich seiner bedient, mehr schadet als nützt. Ich that deshalb in der Unterredung mein Möglichstes, um Diejenigen, welche mir diesen Plan mugetheilt hatten, zu veranlassen, ihn aufzugeben." Commiffaire drückt, wie bet dieser Gelegenheit mit erwähnt sei, in seinem Worte sehr entschieden die Ansicht aus, daß das Schloß von St. Cloud nicht von den Preußen, sondern durch französische Kugeln in Brand gesteckt worden sei.

Eint Rcisrdeksnntschsft.

Novelle von Fred- Vincent.

(1. Fortsetzung.)

Nun gehen Sie wohl wieder zu ihm?"

Ja, zuerst wenigstens. Ich kehrte vor drei Jahren nach Deutschland zurück, um mich zu dem Lehrerinnenexamen dorzubereiten; das habe ich jetzt glücklich hinter mir und will mir nun in England eine Stelle als Erzieherin suchen. Bis ich diese gesunden, bleibe ich bei meinem Bruder. Doch jetzt bin ich müde. Gute Nacht, mein Herr, recht freundlichen Dank für Ihre Bemühungen."

Und ehe ihr Begleiter sie zurückhalten konnte, war sie die Treppe hinabgeeilt, die nach der Damencajüte führte.

Er aber ging noch einige Zeit sinnend auf dem unterdeß ziemlich leer gewordenen Deck hin und her.

Ein reizendes Mädchen," flüsterte er vor sich hin. Wenn Diejenige, die meine Schwester mir zugedacht hat, mir auch so gut gefällt, dann kann ich ihr ja vielleicht ihren Lieblingswunsch erfüllen! Ich habe mir eine Dame, die eine Stelle als Erzieherin sucht, immer ganz anders gedacht. Etwas steif und pedantisch, ihre Gelehrsamkeit gerne zum Besten gebend, und eine Brille aus der Nase. Auch malte ich mir stets eine etwas ältlichejunge Dame" aus. Freilich ist das ein Unsinn, denn Lehrerinnen müffen doch auch ein- mal jung sein! Und diese berühmte Schwägerin meiner Schwester, die ich nie gesehen, soll ja auch erst zwanzig Jahre alt fein. So ungefähr im selben Alter wie meine kleine Reisebekanntschaft. Nun, hoffen wir, daß sie auch sonst Aehn- lichkeir mit ihr haben möge, denn meine arme Schwester wäre sehr enttäuscht, wenn ich an der Vielgepriesenen kein Gefallen fände! Doch ich glaube, ich bin der einzige Mensch an Bord, der sich noch hier oben herumtreibt. Also gehen wir auch in unsere Coje!" . ,r ,,

Unterdessen hatte sich die junge Dame in ihre Cabme begeben, wo schon drei ihrer Reisegefährtinnen schliefen, und

Gießen, den 22. März 1893.

Betr.: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfaffungseides. Das Grobherzogliche Kreisamt Gietzen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Die Ableistung des Huldigungs. und Verfaffungseides der neu angenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Groß- herzoglich Hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheirathet haben, soll, wie nachstehend angegeben,

bald lag auch sie in süßem Schlummer, ohne auch nur die geringste Anwandlung der gefürchteten Seekrankheit gespürt zu haben.

Es mochte ungefähr 4 Uhr Morgens sein, als die Stewardeß an der Thür erschien, um den Damen zu melden, daß man in ungefähr einer Stunde landen würde. Rasch war unsere Bekannte vom vorigen Abend auf und beeilte sich, ihre Toilette zu machen, worauf sie sich auss Deck begab.

Guten Morgen, Fräulein," tönte es ihr entgegen, und sie sah ihren Ritter von gestern vor sich.Nun?" fuhr er fort,wie stehts mit der Seekrankheit?"

O, ich danke, ich habe so gut geschlafen wie zu Hause im Bett- ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß man so gänzlich ungestraft den Canal pasfiren kann."

Ja, ja, derPrinz Hendrick" ist ein ausgezeichnetes Schiff und ein wenig mögen wohl auch meine guten Rath, schlüge dazu beigetragen haben, daß Sie sich so wohl und munter fühlen."

Das mag sein, beim es ist das erste Mal, daß die gefürchtete Krankheit mich so ganz verschont hat."

Und nun verspüren Sie wohl Hunger? Gestatten Sie, daß ich das Frühstück an Ihrer Seite einnehme?"

Gewiß, mein Herr. Warum sollten wir unsere gute Kameradschaft von gestern nicht fortsetzen?"

Sie hatten ihr heiteres Mal kaum beendet, als das Signal zum Landen ertönte.

Ah, da sind wir in Queenborough! Wir werden doch wohl noch bis London zusammenbleiben, mein Fräulein?"

Ja, ich fahre vorerst dorthin. Doch werde ich mich nur so lange dort aufhalten, bis ein Zug nach meinem Be­stimmungsorte abgeht."

Ach, Sie reisen noch weiter?"

Ja, mein Bruder wohnt in"

Der Name des Ortes blieb ihrem Begleiter unverständ­lich, denn in dem Gewühl der nach oben drängenden Paffagiere war er auf einen Augenblick von ihr getrennt worden.

Eben legte das Schiff an der Landungsbrücke an und alles eilte dem Ausgange zu, denn Jeder wünschte einer der ersten bei der Zollrevision zu sein, um sich dann einen guten

in dem Rathhause zu Hungen.

Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war.

Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.

v. (Sagern.

Platz im Zuge zu sichern, der bereitstand, die Ankommenden nach London zu führen.

Bald faßen auch ansere Reifenden in einem Coups erster Klasse und dampften der englischen Metropole zu.

Nach welcher Station lautet Ihr Billet, Fräulein?"

Victoria. Denn von dort aus kann ich gleich weiter­fahren."

Ach, wie schade. Ich steige am Holborn Viaduct aus, kann Ihnen also nicht behilflich sein, Ihr neues Billet zu lösen und Ihr Gepäck in den anderen Zug besorgen zu laffen. Sie wiffen doch, daß man in England sich um sein Gepäck selbst bekümmern muß?"

Gewiß. Sie vergessen, daß ich nicht zum ersten Male hier bin. Ich bin auch eine so erfahrene Reisende, daß ich ganz gut ohne Ihre Hilfe fertig werden kann, wenn es auch angenehmer ist, männlichen Schutz zu haben, wie ich vom Dampfer her weiß."

Ja, wenn mich nicht ein Freund an der Station ab­holen wollte, würde ich gerne mit Ihnen fahren, doch"

O bitte, ich könnte das ja gar nicht annehmen. Und da Sie erwartet werden, ist es überhaupt unmöglich. Haben Sie viele Freunde in London?"

Nein. Ich habe Verwandte in England, doch nicht in der Hauptstadt. In London habe ich nur diesen einen Freund, der dort verheirathet ist und ein literarisches Unternehmen gegründet hat, das sehr günstig ausgefallen."

Ah, und diesen Freund besuchen Sie jetzt?"

Angeregt von dieser Frage, erzählte der junge Mann, wie der Freund ihn zu sich berufen, um die kaufmännische Leitung der Anstalt zu übernehmen, wie er jetzt sich die Sache ansehen, bann aber, ehe er sich in Lonbon festsetze, noch einen Ausflug zu feiner Schwester machen wolle, bereu Mann eine Baumwollspinnerei in einem kleinen Landstädtchen habe.

Mit wachsendem Interesse hatte seine Begleiterin dieser Erzählung zugehört, und als er zu Ende, spielte ein leises Lächeln um ihre Lippen, das jedoch sofort wieder verschwand, als sie seine Blicke auf sich gerichtet sah.

(Fortsetzung folgt.)

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