Weg am 19. ein anderes französisches Corps zu Pferde, wieder ein anderes hatte längere Zeit bei der Iudeneich gestanden. Die stets in Angst und Sorge schwebenden Bewohner von Queckborn konnten kaum einmal zu Ruhe kommen. In der Nacht zum 15. September wurden sie Morgens um 3 Uhr durch Feuerlärm vom Schlafe aufgeweckt. Im unbewohnten Hause des Heinrich Herzberger V. am Mühlwege war plötzlich ein Feuer ausgebrochen. An den vorhergehenden Tagen und Nächten hatten dort viele französische Dragoner gekocht. Sie hatten glühende Kohlen und Asche auf dem Herde liegen lassen und um denselben ausgestreut, was dann den Ausbruch des Feuers veranlaßte. Doch wurde durch das rasche Zugreifen der Bewohner ein größerer Brand verhütet. Auf einen Samstag, den 25. September, kam unter Kommando des Lieutenant Coillot ein Detachement französischer Stabsjäger', 27 Mann, hier an, um im hiesigen Orte und in der Umgegend zu foura- gieren. Was man zusammenbrachte, mußte nach Allendorf gefahren werden. Vom 28. September bis zum 1. October mußten die Leute sogar aus dem Amt Ulrichstein Fourage holen. Nach dreitägiger Abwesenheit trifft Lieutenant Coillot mit Lieutenant Schuster von Neuem mit einem starken Detachement hier ein, „ließ bei 120 Geschirre aus hiesigen; Dorf mit Stroh und geklöppeltem und ungedroschenem Korn beladen und solches weiter transportieren". Erst den 2. October marschierten sie weiter. In diesem Monat wurden noch einige Fouragierungen vorgenommen, so am 12., 13., 17., 18. und 22. von französischen Carabiniers, blauen Dragonern und Dragonern du Roi. Neue Durchzüge und Einquartierungen erfolgen im November. Vom 12. bis 16. cantonieren hier zwei Bataillone Grenadiers Royaux, „als das eine vom Regiment Camille, unterm Kommando des Major Trouhot, welcher nebst Major Dubout im Pfarrhause sich einquartierte, und das andere vom Regiment Espinasse, dessen Kommandant in des Landreuthers Haus logierte". Die letzte Einquartierung ist verzeichnet auf den 16. November; an diesem Tage befand sich hier das Dragoner-Regiment des Grafen von Autichamp, der mit seinem Bruder uud acht Bedienten, die besonders für die 12 Pferde ihres Kommandanten zu sorgen hatten, im Pfarrhause logierte. Lauter hatte ebenso oft Einquartierung, zuletzt am 16. die Languedoc-Dragoner. Der Krieg fand sein Ende durch den zu Hubertsburg geschlossenen Frieden.
Unbeschreiblich ist das Elend, die Armuth und Noth, welche durch die unaufhörlichen Fouragirungen, Plünderungen und Verwüstungen herbeigeführt worden war. Was halfen alle von Herzog Ferdinand ausgestellten Salve-Gardebriefe! Was half es, daß er befahl, die Kommandeurs der Corps rc. mit Arrest zu bestrafen, welche solchen Unfug toleriren würden! Dennoch wurden von deutscher Seite sowohl wie von französischer die abscheulichsten und unerhörtesten Erpressungen und Gewaltthaten verübt. Davon legen noch die Kirchen- und Gemeinderechnungen aus jener Zeit ein lautes Zeugniß ab, besonders die Belege zu den Lauterer Gemeinderechnungen von 1758—1763. In diesen sind über 650 Gulden bloß für Kriegszwecke verausgabt (s. u.) „Man erlangte zwar", schreibt Pfarrer Stück in Ettingshausen, „einen Salve-Garde und ein Decret nach dem andern, daß Ettingshausen sollte verschont bleiben hinfüro, aber man fjatte französischer Seits keine Attention dafür". Dasselbe gilt von Queckborn und Lauter. Hier bemerkt Pfarrer Buff: „Was das Dorf vor Elend durch Foura- gieren. Marodieren und Plündern ausgestanden hat, ist kaum mit einer Feder zu beschreiben. Der barmherzige Gott wende alles fernere Unglück von den fast allesamt in die äußerste Armuth gerathenen Leuten in Gnaden ab, daß wir doch nur ruhig in den leeren Hütten bleiben können". Von der entsetzlichen Noth und Theuerung, welche damals herrschte, kann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß 1762 in Kassel kostete: ein Viertel Korn 60 bis 100 Thaler, Weizen 64 Thaler, Hafer 24 Thaler, ein Pfund Rindfleisch 1 Thaler, 1 Pfund Butter 1 Thaler 16 Alb., eine Metze Erbsen 4 Thlr., Linsen 4 Thlr., Roggenmehl 16 Thlr., eine Gans 5 Thlr., ein Huhn 5 Thlr, eine Steige Eier 4 Thlr. 16 Alb.
Was, fragen wir zum Schluffe, war die Ursache dieses unbeschreiblichen, grenzenlosen Jammers und Elends, von welchem herrliche, gesegnete Länder unseres lieben großen Vaterlandes im Osten und Westen heimgesucht worden sind? Denn Hinterpommern und ein Theil von Brandenburg waren zu völligen Einöden gemacht worden, wüst lagen die Landstrecken um die Oder, Weser, Diemel und Fulda. In sieben hessischen Dörfern fand ein nach dem Kriege durchreitender Offizier nur noch einen Bewohner. Preußen und Engländer waren gegen 240000, Feinde über eine halbe
Million gefallen. Der entsetzliche siebenjährige Krieg hatte weite und ehedem gut bevölkerte Striche unseres großen Vaterlandes entvölkert und reich gesegnete fruchtbare Länder in traurige Wüsteneien verwandelt. Was hat den siebenjährigen Krieg, in welchem Deutschland so überaus schwer gelitten hat, veranlaßt, und was hat ihn so unheilvoll und verderblich gemacht? War es nicht die unheilvolle Uneinigkeit der deutschen Volksstämme untereinander, die schon vorher und auch noch nachher unserem Vaterlande so unendlich viel geschadet hat, war es nicht die traurige Eifersucht derselben untereinander, welche die Schmach nicht fühlte, den Bruderstamm zu demüthigen und zu Boden zu werfen, statt in herzlicher Vereinigung mit ihm sich stark zu erweisen gegen jedweden Feind? War es nicht der mangelnde Patriotismus, der den alten Erbfeind ins Land rief? Und dieser folgte nur gar zu willig, wenn ihm Gelegenheit geboten wurde, Deutschland mit Füßen zu treten, arm und ohnmächtig zu machen, er sah seine Helle Freude daran, wenn Deutsche als seine Bundesgenossen ihm halfen, ihr eigen Vaterland zu verwüsten und zu verheeren. War es nicht die brennende Frage: Wer soll die Führerschaft Deutschlands haben, das katholische Oesterreich oder das evangelische Preußen? Diese hochwichtige Frage, welche auch damals die Kriegsfackel entzündete, und die brennende in Städte und Dörfer hineinschleuderte, diese Frage hat nun das Schwert in 1866 gelöst und entschieden; und wie im siebenjährigen Kriege die Heldcnthaten Friedrichs des Großen und die gewonnenen Schlachten Ferdinands ein fröhliches Echo fanden in den Herzen aller echten Deutschen, so im Jahre 1866 die Heldcnthaten Wilhelms des Siegreichen. Durch ihn wuroen die meisten deutschen Stämme zu einer mächtigen achtunggebietenden Einheit unter seinem Oberkriegsherrnstab verbunden, einer Einheit, die in 1870 und 1871 im Lande des Erbfeindes die glänzendste Probe bestanden hat und die uns eingedenk dessen, womit unsere Nachbarn im Osten und Westen uns drohen, stets muß geloben und daran festhalten lassen: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Noth uns trennen noch Gefahr".
Auszug
ans den Gcmeindcrechnungen von Lauter.
st. Alb. Pf.
Für die Husaren- Wachl an Fleisch geliefert .... 3 22 —
Zchrungskosten für Franzosen........ 4 5 —
Förster Nieß für Einquartierung....... 9 15 -
Für Kricgsfahrten an Max Jost in Stangenrod . . 4 7 —
Für Einquartierung von einem Kapitänlieutenant . 1 15 —
Zur Lieferung für die alliirte Besatzung auf Ulrichstein 22 12 5
Der franz. Sauvegarde..........68 19 —
Derselben ‘ 6 25 4
Für ein an den General abgegebenes Lamm ... 1 15 —
Für Heu....... 7 — —
Für Waarc an die Sauvegarde....... 1 2 —
Französischer Holzfuhrlohn.........25 — —
Für eine von den Soldaten genommene Kuh ... 3 15 —
Einem französischen Krankenwärter...... 4 2 —
Für Verschonen mit Vorspann........11 — —
Einem Sauvegarde von den Alliirten..... 3 — —
An Luckner-Husaren........... 5 15 —
Einem Sauvegarde-Husaren......... 7 5 —
Dem Johs. Rock, damit er feinen Vorspannochsen wieder holt............. 3 10 —
Einer Feldwache bei der Neumühl....... 9 25 —
An zwei Blechkappen (Volontairs de Flandre) ... 11 — —
An Ausgaben in 60 und 61 wegen der Kricgstroublen 306 — —
Für Erpressung.............11 — —
Dem Eisenhammerwirth für den Sauvegarde ... 6 24 —
Erpreßt ............... 8 7 —
Für Sauvegarde-Zehrung......... 46 20 —
Für den Sauvegarde-Brief aus Krofdorf .... 1 11 2
Dem Johs. Rock für den Sauvegarde und feine Frau rc. 6 8 —
Beleg 105.
Drei große Thaler, sind des morgens früh ein Commando von
14 Husaren von den Alliirten gekommen vor mein Haus, haben dar Frühstück gefordert, habe ihnen sogleich den Branntwein und ein Leib Brodl gegeben. Wie sie solche gefrühstückt, da forderten sie zu dem Frühstück auf Person einen kleinen Thaler; das hörte ihnen bei ein Frühstück; so sagte, solches jetzt unter nicht da. Da zogen sie ihre Seibel heraus und darauf mich auf die Brust, der eine am Hals gehabt, ob ich sogleich wollte geben; ich wäre auch ein Franzosen-Spitzbub. Wann solche dawären, da hätten wir vor solche. Da sollte ich dar Leben lasten, so erpreßten mich ein Thaler. Da sagten solche, das wäre vor ihre Offiziere; so mußte ich ihnen noch zwei geben und sagten, wenn sie wiederkommen, daß solches gleich barrad wär, sonst wollten sie anders verfahren. Johann Heinrich Rock.
«heviot od. Buxktn für einen ganzen Anzug z« Mk. 5.78 Velour od. »ammgarn für e. ganzen Anzug zu Mk. 7.75 je 3 Meter 30 >m berechnet für den ganzen Anzug versenden dtrect an Jedermann [6696
Erstes Deutsches Tuohversandtgeschäft Oettinger * Co., Frankfurt a. M., Fabrik-Dipöt.
Muster franco ins Haus. Nicht pastendeS wird zurückgenommen.
1893
Freilag den 24. November
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger
F«rnlprech»r bl.
Amts- und Anzeigeblutt für den Tkveis Gietzen.
Hratisöeikage: Hießener Aamilienökätter
Feuilleton
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tstcheint der General Prinz Conds in Alten-Buseck, während jit General Castries in Ettingshausen lagert. Sie drän-
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. 277 Zweites Klatt
Alle Annoncen'vureaur deS In- und ÄuSlanoe« nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" mtflcqen.
Die Gießener feettteeltitfer Serben dem Anzeiger Uchemlcch dreimal da^legt.
Der ßltchrrur Aazeiger «scheint täglich, «tt Ausnahme bei Montags
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lihlc. Da kommt es noch einmal zum letzten heißen Kampfe, in welchem die Alliirten das Schlachtfeld behaupteten. Viele smizösische Truppen zu Pferd und zu Fuß zogen schon am - kor- und Nachmittage des 11. September durch Queckborn lach Grünberg. Am Abend des 11. trafen daselbst ein 3 französische Dragoner-Regimenter, als : Orleans, Lan- juefooc und Autichamp unter dem Kommando des Marquis mb Comte de Barrin als Brigadiers, welcher nebst seinem 8ib«t de Champ im Pfarrhause Quartier nahm. Diese sich en den 12. mit anbrechendem Tage wieder fort nach terra französischen Lager zu. Erst wenige Stunden hatte ■ sich die genannte Brigade entfernt, da treffen schon wieder französische Husaren ein, die rücksichtslos an diesem Tage, einem Sonntage, hausten. Das Soubisische Freicorps, von Hmbach kommend, marschiert am 13. an Queckborn und &u:ter vorbei nach Freienseen; ihm folgte auf demselben
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lüRatmt von Anzeigen zu der Nachmittags für den toi,eben tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
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sillen dabei ihre gute Stellung hinter der Öhm fest, ins diesem Weg allmählich weiterrückend, gelangen sie den 21. September zu der unweit Amöneburg gelegenen Brücker-
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Vieneljähnger Xlewnementsytet^t 2 Mark 20 Psg. uti Bringerlohn. Durch die Poft bejeffli 2 Mark 50 Plg.
Rebadion, Expedit«,, und Druckerei:
tut die Alliirten von Grünberg weg, sodaß das Erbprinz- che Corps schon den 11. in Ätzenhain anlangt, während dr die Deutschen bedrängenden Generale Conds und Castries
Ailthcilungcn aus dem siebenjährigen Krieg, besonders aus den Kirchenbüchern von Queckborn und Ettingshausen von Pf. F. in Q.
(Schluß.)
So lange die Franzosen anfangs August bei Grünberg ftunben, befand sich zu Lauter ein Ingenieur-Corps und bin Lazareth der Gensd'armes. Der Oberst der Ingenieurs, Ur. Domcrville, hatte in Förster Nießcns Haus sein Quar- liei; „bei welcher Gelegenheit auch die Lauterer durch Lieferungen, Fouragierungen, und bei den Märschen der Mitten und der Postieruug sehr viel gelitten haben und fast um alles gekommen sind. Das noch im Feld stehende ioni wurde stark fouragieret, daher die Leute den Sonntag bm Rest des Kornes heimtrugen oder fuhren". Gegen Bubi August kommt es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen den Alliirten und den Franzosen bei Nauheim, feie letzteren, an Zahl weit überlegen, drängen die Deutschen zurück, der Herzog selbst wird bei der Johanniskirche ver- tounbet. Dieser den Franzosen günstige Ausgang des RanipfeS veranlaßt Conds, nach Gießen vorzurücken. Durch bicjcS Vorrücken sehen sich auch die Alliirten genöthigt, ihre Manchrichtung wieder nach Grünberg zu nehmen. Schon bkii 8. September rückte die große alliirte Armee unter lomuimnbo des Herzogs Ferdinand, nnd die kleinere unter Dem Kommando des Generals von Hardenberg wieder bei giunberg ein. Nach Queckborn kommt das Hauptquartier ber kleinen Armee. General von Hardenberg logirt im Pfairhause, doch schon den 9., fast zu Mittag, reist er mit liier Bagage in's Lager. Pfarrer Buff schreibt: „Ich Haiti zwar einige Tage nebst der Generalswacht eine kau've-Garde; doch wurde vieles in der Scheuer und Hof fouragieret, und mußte auch sonsten mancherlei Verdruß misslichen. In dem Dorf und um dasselbe stunden ver- Wcvene Piqnets von Infanterie und Cavallerie; den 8. kommandierte im Dorf Hauptmann Mallesby vom hessischen Leibregiment, den 10. Hauptmann Jäger, auch von den Hessen. Den 10. marschierten durch das Dorf nach der gubciicid) und Münster zu verschiedene hessische und han- Merschc Grenadier-Bataillons, welche eodem des Morgens von daher nach Grünberg gegangen waren".
Diese Einzelmärsche hingen zusammen mit der Haupt- lic'Uosition. Vor Grünberg, dieses im Rücken habend, und ui b«r Front vor sich Wirberg und Göbelnrod, stand als Umntgarde vom 9.—11. Hardenbergs Corps. Zwischen -Luc-ckborn und Münster breitete sich die Arrisre-Garde aus. Sic Hauptarmee sicht Stangenrod hinter dem rechten und Sauter hinter dem linken Flügel und Grünberg in der 3iitte der Front. Die Piquets stehen von den Laubacher Böfjen über Harbach, Wirberg, Rainhardshain bis Großem da. Zur Unterstützung erhalten diese noch folgende Uf ber Höhe von Lauter aufgestellte Truppen : 2 Bataillone Hannöverische Garde, 1 Bataillon Hardenberg, 1 Bataillon IM und 8 Schwadronen Veltheim-Dragoner unter General


