Ausgabe 
24.8.1893 Erstes Blatt
 
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Fl ätz 9 auf der untersten Sohle höchstwahrscheinlich in Folge Abgabe eines Sprengschusses entstanden, durch den anscheinend eine Kluft, die schlagende Welter führte, angeschossen worden var. Die Menge der zur Explosion gelangten Schlagwetter mu§ eine sehr große gewesen sein, wie die Zerstörungen er­weisen. Bis jetzt hat man noch nicht zum Herde der Ex­plosion gelangen können, man weiß also nicht genau , von welchem Orte sie ihren Ausgang genommen hat. Mit den Rettungsarbeiten wurde sofort begonnen, die Rettungscolonnen drangen todesmuthig in den mit giftigen Gasen angefüllten Strecken vor, doch konnten nur wenige Arbeiter lebend herausgeschasft werden. Manchen Verletzten war das Fleisch derart verbrannt, daß es in Fetzen herabhing- man rieb sie mit Oel ein, um ihnen Linderung zu verschaffen. Den Schacht belagerten Tausende von Angehörigen der Belegschaft, um das Schicksal ihrer Angehörigen zu erfahren. Man wußte erst nicht, wie groß die Zahl der Verunglückten sei,- man sprach von 100 und mehr. Anfangs nahmen die Sachver- ständigen an, die Bergung der Leichen würde nicht vor einigen Tagen beendet sein, bei der gewaltigen Anstrengung der Rettungsmannschaften wurde es jedoch möglich, noch des Abends den letzten der Vermißten als Leiche zu bergen. Es waren 51 (nicht 52, wie gestern angenommen wurde) zu Tode gekommen, in den Krankenhäusern befanden sich zu­sammen 18 Verletzte. Von diesen sind bis heute 3 gestorben, so daß sich die Zahl der Opfer der Catastrophe bis jetzt auf 54 beläuft. Es spielten sich bei der Recognoscirung der verbrannten und verstümmelten Leichen entsetzliche, tief er­greifende Scenen ab. Dreimal sind je zwei Brüder, einmal sogar Zwillinge zu Tode gekommen, unter den Schwerverletzten befindet sich ein Vater mit seinem Sohne.

* Dortmund, 22. August. Heute Nachmittag wurden die Leichen der bei der Explosion schlagender Wetter auf Zeche Kaiserstuhl" verunglückten Bergleute feierlich beerdigt. Die Regterung, das Oberbergamt, die Behörden, vwie särnrntliche Zechen des Ruhrbezirks waren vertreten, die Belegschaften der Zechen aus der Umgegend waren voll­zählig erschienen. Aus 20 Leichenwagen wurden die Särge nach dem Friedhöfe gefahren. Die ganze Stadt hatte Trauer angelegt.

Mr. 9ulba, 22. August. Bischossconferenz. Die Bischöfe Preußens sind zu ihrer Conferenz gegenwärtig in den Mauern der altehrwürdigen Bonisatiusstadt versammelt. 3m Laufe des gestrigen und heutigen Tages trafen ein: Cardinal Krementz, Erzbischof von Köln, Cardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau, Dr. v. Stablewsky, Erzbischof von Gnesen und Posen, sowie ferner die Bischöfe Dr. Korum von Trier, Dr. Nöting von Osnabrück, Dr. Thiel von Ermland, Dr. Haffner von Mainz, Dr. Redner von Culm, Dr. Weyland von Fulda, Dr. Dingelstädt von Münster, Dr. Eimer von Paderborn. Auch der Armeebischof Dr. Aßmann von Berlin ist zugegen. Dagegen sind die Bischöfe von Limburg, Hildes­heim und Freiburg durch Kranksein am Erscheinen verhindert. Die Conferenz dauert drei Tage, die Berathungen sind nicht öffentlich und die Berathungsgegenstände sind nicht bekannt.

* Berlin, 21. August. Aus der Dahme bei dem Ver- gnügungSort Grünau wurde ein kleines Boot von einem Dampfer überrannt, wobei drei Personen ihren Tod sanden. Der Asrikareisende Eugen Wolf ist in Berlin eingetroffen und im Hotel Kaiserhof abgestiegen.

Oppeln, 22. August. Ein W a l l f a h r t s z u g ist unweit Piekar von einem schweren Unglück betroffen worden. Durch Processionsmusik scheu gewordene Pferde rannten in den entgegenkommenden ProcessionSzug hinein. Zwei Frauen wurden sofort getödtet, zahlreiche Personen sind verwundet.

» Bremen, 22. August. DaS deutsche SchiffHelmuth Merutz von Schieldt", welches nach Valparaiso unterwegs war, ist auf boher See durch Feuer total zerstört worden. Ein Theil der Mannschaft ist gerettet, über daS Schicksal der übrigen ist nichts bekannt.

* Heitersheim (Baden), 22. August. Heute Abend wurde der israelitische Handelsmann Heim von Müllheim von dem Jagdaufseher Leible bei Griesheim erschossen. Letzterer wurde durch Gensdarmen verfolgt und im Rheinwalde, weil er Widerstand leistete, ebenfalls erschaffen.

Lager Lechfeld, 21. August. Heute Vormittag 9 Uhr i crepirte bei den Schießübungen des 2. Fuß - Artillerie- Regiments im Lechfeldlager eine 9 Centimeter-Granate beim Laden. Ein Mann der Bedienungsmannschaft ist tobt, einer schwer, einer leicht verwundet.

* Zunsbruck, 22. August. Ein Tourist mit Namens Haencl aus Dresden stürzte vorgestern bei einer ohne Führer unternommenen Parthie auf den Schrankogl (Oetz- thal) ab. Er wurde tobt ausgesunden.

* Aus der Gewerbe Ausstellung in Erfurt sind ein Paar Damenschuhe ausgestellt, welche nur 31 Stiche k (20'/r Zentimeter) lang sind und für den Fuß einer Erfurter erwachsenen Dame gefertigt wurden. Die Frau eines Thüringer Rittergutsbesitzers, die die Schuhe in dem Aus­stellungsraum anprobirte, fand, daß sie ihr noch zu bequem waren, ihr also gepaßt hatten, wenn die Schuhe nur 30 Stiche lang gewesen wären. Bei der Chicagoer Concurrenz um den kleinsten Damenfuß mußte die dortige Siegerin einen Schuh haben, welcher noch immer 32 x/2 Stiche lang war.

Vom 1. bis 8. September er. findet in Hannover, in den Räumen desOdeonS", die Erste Deutsche Honig- und Wachs Ausstellung und verwandter Gewerbe statt. Die Anmeldungen sind so zahlreich eingegangen, daß der im Anfänge in Aussicht genommene Raum sich nicht umfangreich genug erwies, so daß der Besitzer desOdeons" sich ver­anlaßt sah, sämmtliche Räumlichkeiten incl. des sehr großen Gartens dem Vorstände der Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Durch den bedeutenden Zuwachs an Raum konnte die Ausstellung ausgedehnt werden, und der Vorstand be­schloß, auch Nahrungsmittel aller Art zuzulaffen, soweit der Kaum reicht, und noch Anmeldungen entgegenzunehmen.

Den Vorsitz führt Herr v. Gualtieri, daS Bureau befindet sich imOdeon".

* Wohl gespeist zu haben. In einer Restauration zu Stendal sand kürzlich der Trompeter Seeger aus Altona in einemwarmen Würstchen", das er von einemfliegenden" Wnrsthändler für zehn Reichspfennige erworben, ein mensch­liches Fingerglied. Aus erstattete Anzeige gegen den be­treffenden Wursthändler stellte sich heraus, daß diesem TagS vorher beim Unfertigen der Würstchen das Theilglied eines Fingers abgequetscht worden war. Er selbst stellte die Arbeit sofort ein und gab einem Gesellen Auftrag, nach dem Fingerglied zu suchen. Dieser will aber nichts imGe­hackten" gefunden haben. Das Stendaler Schöffengericht verurtheilte jetzt den Wursthändler wegen groben Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu vierzehn Tagen Gesängniß.

* London, 21. August. Laut einer Meldung aus New- ort ist der Dreimaster Helen Blum beim Robbenfang an der SerninowSki - Gruppe mit 25 Mann im Schneesturm untergegangen.

* Zur klimatischen Function des Waldes. Man schreibt derFrkf. Ztg.": Dem aufmerksamen Naturbeobachter dürften m diesem heißen Sommer die günstigen Wirkungen der Waldesnähe auf die umliegenden Ländereien und deren Vegetation nicht entgangen fein. Während inmitten der Fluren, namentlich an Sommerwänden und auf der Ebene Klee und Sommerfrucht, auch auf besseren Böden, einen kläglichen Ein­druck machten, erfreuten sich diese Erzeugnisse in der Nähe des Waldes eines wesentlich befferen Aussehens. Diese gün­stige Einwirkung des Waldes wird in der Hauptsache durch folgende Erscheinungen herbeigeführt: Der Wald, auch schon ein schmaler Waldstreifen, verminderte die stark auShagernde Wirkung der monatelang anhaltenden, heißen, trockenen Ost- luft und zwar auf der Luvseite durch Stauung des Luftzugs, wodurch Windstille erzeugt und das völlige Austrocknen des Bodens und zu starke Transpiration der Pflanzen vermieden wurden, auf der Leeseite durch gänzliches Abhalten der Ost- lüft, wodurch die gleiche Wirkung erzielt worden ist. Ferner wird aber durch die, in Folge des benachbarten Waldes ver­ursachte Windstille naturgemäß auch die nächtliche Aus­strahlung begünstigt, die relative Feuchtigkeit erhöht und die Thaubildung befördert. Die relative Luftfeuchtigkeit erreicht aber, wie ombrometrisch nachgewiesen, in der unmittelbaren Nähe des Waldes, insbesondere während Heller klarer Nächte, wie sie dieser Sommer zahlreich brachte, einen hohen Grad, dem eine günstige Einwirkung auch auf die weitere Umgebung nicht abzusprechen ist. Ganz besonders auffällig war diese Einwirkung in der Feldumgebung der dem Winde zugäng­lichen Waldthäler. Während endlich in kalten, nassen Som­mern die waldanliegenden, landwirthschaftlichen Grundstücke und ihre Vegetation durch die, je nach Höhe und Dichtigkeit des Waldbestandes starke und breite Beschattung entschieden

üppig empor; infolge dessen sind die Stengel sehr weich und leben der Sonnengluth einen geringen Widerstand entgegen. Manche Land- wirthe ließen üch dadurch, daß GraS und Klee eine ansehnliche Höhe erreichten, aneifern, das Futter ,u mähen und dürr zu machen, hoffend, es würde durch weitere Feuchtigkeit und Wärme getrieben, ein nochmaliger Schnitt emporsprießen. Die Hoffnung ist eine irrige. Wir sind schon zu weit in der Jahreszeit oorgerückt. DaS Futter, in enter Linie das Grummel, ist noch nicht genug auSgereist, und fäüt daher beim Dörren stark zusammen; eS giebt also keine Massen, woraus folgt, daß das Frühmähen schädlich ist. Letzteres schadet aber auch den Wiesen, denn sie brennen jetzt unter den sengenden Sonnenstrahlen von Neuem aus. Wer daS Futter noch stehen läßt, schützt die Grasnarbe und gewinnt an Zuwachs lieber die Lpüt- kartoffeln läßt sich berichten, daß die inlensipe Hitze und Trockenheit zu zeitig eingetreten ist. Durch das seuchtwarme Wetter zu Anfang August schossen die Spätsorten zu stark ins Kraut, welches vielfach meterhoch geworden ist. Die Blldung der Knollen blieb zurück und geht erst j-tzt vor sich. Der Monat August ist entscheidend für die Spätkartoffel. Einsender machte viele Proben in verschiedenen Boden­lagen. Die Kartoffeln haben noch meistentheUS erst Knöllchm von der Größe eines Klickers wit schneeweißer Farbe. Ein Beweis dafür, daß die Entwickelung erst beginnt. Die tropische Hitze bringt bereits wieder Risse in den Boden. Wir müßten Regen haben, wenn etwas Erkleckliches wachsen sollte. In der vergangenen Nacht (vom 19. zum 20.) blitzte und bornierte es nach Süden hin, der Niederschlag blieb jedoch aus, ähnlich wie in der ersten Julidekade. Im UruchtaeschLsle zeigt blos der Hafer einiges Leben. Man hat 20 bis 22 Mark für den Doppelcentner geboten. Der Preis ist exorbitant. Wir glauben nicht, daß er sich auf dieser Höhe halten wird. Das AuSdreschen der Halmfrüchte ist an vielen £rten schon beendigt. Manche Landwirthe lassen die Früchte dieses Jabr Nicht durch die Maschine dreschen, sondern besorge« daS im Winter mit ihren Familienangehörigen selbst. Sie thun sehr wohl daran, denn sie können die freie Winterszeit sehr wvbl mit der Drescharbeit ausfüllen. Den Bewohnern der Gebirgsgegenden ist der Handdrusch für den Winter 1893/94 sehr zu empfehlen, falls sie keine Neben- verdienste, etwa bei Holzhauereien, zu erzielen vermögen. Derartige Nebenverdienste könnten durch den Bau der ^Nebenbahnen in Over­helfen reichlich geboten werden. Wir sind überzeugt, daß unsere fürforgenbe Staatsregierung alles tbun wird, um den Leuten Ver­dienst zu schaffen. Im Obstgeschüste regt eS sich jetzt Unsere Aepfelweinsabrikanten stellen Fässer, Keller und Kelter zurecht, um einlegen zu können, was das Zeug hält. Es kann dieses Jahr auf einen ganz vorzüglichen und nebenbei billigenAsthttmer gerechnet werden. Aus dem Niddathale wird die Ansicht laut: Der Dvppel- centner WirthschaftSvbst würde um 3 bis 4 Mark erhältlich Jein. Bis es also drauf und dran geht, bann lautet die Musik anders. Mit den neuen Kartoffeln ging es gerade so. Im mittleren Horlosf- thale werden sie heute noch zu 8 bis 10 Mark pro Metercentner verkauft. Theurer sind sie in den großen Städten nicht. Die Vieh» preise sind seit Mitte der abgelaufenen Woche im Sinken, was btt der wieder einfetzenden Dürre sehr begreiflich ist. Hier einen Rath zu geben, ist unmöglich, weil man die Witterung nicht Vorhersagen kann. Wir bemerken nur: Durchhungern würden wir die Thiere mast, aber den-Kops verlieren würden wir auch nicht. Die SpLtgeMÜs^, besonders Bohnen, (eiben burch übergroße Hitze. Auch zeigen sich hie unb ba bie Raupen bes Kohlweißlings, welche an Weißkraut, Wirsing unb den verwanbten Kohlarten empfindlichen Schaden an- richten. Man lese rechtzeitig ab. Schließlich muß als große Merk­würdigkeit constatirt werden, daß im kritischen Jahre 1893 die Trauben schon in der zweiten Augustdekade auch bei uns in Oberheffen reis und eßbar wurden, eine Erscheinung, die nur in den Jahren 1811, 1834, 1846, 1857 unb 1865 im laufenden 19. Jahrhundert vorge­kommen ist.

leiben, trägt diese in heißen, trockenen Jahren zur Erhaltung der Bodenfeuchtigkeit wesentlich bei. Der Werth der klima­tischen Functionen des Waldes in Jahren wie das laufende, dürfte also für feine nähere Umgebung von hohem Werthe fein, während seine klimatische Fernwirkung, welche durch Vermittelung der Winde hauptsächlich vorn Kronendache aus- geht, wenig belangreich ist. In dieser Beziehung sind Ge- birgs- oder Meeresnähe ungleich wirkungsvoller.

* Funde aus der Eiszeit. In Offenburg läßt die Eisenbahnverwaltung gegenwärtig vom Bahnhof aus zum Floßcanal der Kinzig Röhren legen, um den Wasserbedarf für die Locomotiven aus der Kinzig zu decken. Die Stadt sitzt auf einer Lößschichte, die mehrere Meter tief den Lehm überdeckt. Die Grabarbeit durch diese Lößschichte beim Bahnhof führte, wie man der Straßburger Post berichtete, bis jetzt drei Mammuthköpfe zutage in l/2 bis 2 Meter Tiefe. Sie sitzen in durchaus ungestörter ursprünglicher Lößschichtung, sind also nicht dahin zusammengeflößt. Die Thiere sind j wahrscheinlich nach Abfluß der Rheinwasser der zweiten Eisperiode im weichen Schlamme stecken geblieben. Der Löß gleicht dort einem gelben Mehl ohne Quarzsandbeimengung. Die Jnspection hat besondere Vorsicht für Erhaltung solcher Funde bei der ferneren Abgrabung angeordnet.

Neue Bezeichnung. Im Gurgarten in Nymphenburg (bei München) führen jetzt die Speisekarten den TitelMagen- f ahrplan."

* Seine Auffassung. Fritzchen (in der Zeitung lesend): Dampfdreschmaschine Du, Papa, das muß aber weh tbun!"

Schift-nachrichten.

(Mitattbeilt durch den Agenten des Norddeutschen Lloydes, Herrn Earl Loos in Gießen.)

Bremen, 22. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Ems, Capt. W. Rttmkasten, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, wttcher em 12. August von Bremen und am 13. August von Southampton abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 22. August. sPer transaUantischen Telegraph.) Der Postdampser Weimar, Capt. A. Mtter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. August von Bremen abgegangen war, ist gestern 6 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

verkehr, Land, unö volkrwirthichast.

Ku« oberhessen, 20. August.

DaS Jahr 1893 hat uns schon manche RLthsel aufgegeben, von benen noch einige der Lösung harren. Zu Anfang des Monats August, als eS etwa drei Wochen lang vom 11. 3ult an recht feucht geworden, so daß die Nässe recht empfindlichen Schaden am Halmgetreide anrichtete, hoffte m<m: nun ist die gewaltige 17wöchige Dürre überwunden und der Nachsommer malt an siet, Gras und Futterstoffen sonstiger Art wieder gu^ was der Vorsommer verdarb. Heute scheint es anders geworden. Die dritte Augustwoche hat uns gezttgt, daß die Hitze und Trockenheit mit verstärkter Heftigkeit zurückkehrte und von Neuem Üeht der Landwirth sorgenvoll nach dem wolkenlosen Firmamente. Die W^e^aOs tritt wieder in den Vordergrund. Klee und GraS stehen nämlich fei Anfana der abfltlaufenen Woche ziemlich still. Auf trocknen Witten und Kleeäckern ist bereits ein deutlicher Rückgang bemerkbar. Die Punzen trieben nämlich, wie dieZeitungm desL)efteren berichteten, sehr rasch und

Das Dorkommen von Diehseuchen in Hessen

während des Monats Juli 1893.

Mll-oranv wuroe sestgestellt in Rothenberg, Kreis Erbach, am 8. und 27., in Viernheim, Kreis Hrppenhttm, am 9. bei je einem crepirten Rinde, in Nieder-Mockstadt, Kreis Büdingen, am 6. bei zwei crepirten Rindern, in Usenborn, Kreis Büdingen, am 16., in Friedberg am 22. unb in Bechtolsheim unb Bobenhttm, KreiS Oppenheim, am 1. bezw. 17. Juli bei je einem crepirten Rinbe.

Rauschbranb wurde sestgestellt in Kaulstoß, Kreis Schotten, am 20. Juli bei zwei crepirten Rindern.

Rotz. In Herrnsheim, Kreis Worms, ftehm zwei Pferde wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung.

Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Lampertheim, Kreis Bensheim, in Heppenheim und Kirschhaufm, Kreis Heppen­heim, in Grünberg, Kreis Gießen, in Hutzdorf, KreiS Lauterbach, und in Wonsheim, Kreis Alzey.

Die Seuche herrscht fort in Allendorf a. d. Lda. unb Oben- hausen, Kreis Gießen.

Die Seuche würbe im Monat Juli sestgestellt unb war am Schluffe deffelben wieder erloschen in Heuchelheim, Kreis Budmaen.

Die Seuche wurde im Monat Juli sestgestellt und herrschte am Schluffe desselben noch fort in Darmstadt und in Heimersheim, Kreis Alzen.

Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Alten-Buseck, Kreis Gießen, in Lißberg und Himbach, Kreis Büdingen, in Bad-Nauheim, Kreis Friedberg, und in Wallenrod, Kr. Lauterbach.

Wöchentliche Ueberficht der TodeSMr in Gießen.

33. Woche. Vom 13. August biS 19. August 1893. Einwohnerzahl: angenommen zu 21100 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 49,28»/«bezw. 27,10 nach Ausschi, der OrtSfremdm.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene^

im ebenSjahr:

vom

2.-15. Jahr:

Diphtheritis

4 (2)

4 (2)

Abdominaltypbus

1

1

Lungentuberkulose

Entzündliche Erkrank­

ungen der Ath-

1

1

mungs-Organe Acute und chronische

1

1

Erkrankung d. HerzenS 1

1

Darmcatarrh

2

2

Kinderatrophie

1

1

Neubildungen

Sonstige bekannte

2 (1)

2 (1)

Krankheitm

3 (2)

2 (2)

1

Gewaltsamen Todes

4 (4)

4 (4)

-

Summa:

20 (9)

12 (7)

4

4 (2)

A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Witterungsaussichten

Wetterhäuschen, Südanlaqe.

22. August^Mitt. 12 Ubt. August, Vlorg. v Uhr

GewitterbUdung, feucht.

Barometer:

Tbermomtter:

Hygrometerstand: GewitterbUdung.

Mittlerer Barometerstand btt 0» R. = 744,7 mm.

+ 14» R. + 21°R

min 747 mm, max. 750 mm min. 747 mm, max. 750 mm

--- ----- + 9»R. , + 14»B.

Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemeffen am 23. August, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Woffer 18»/,, Lust 20 Grad. Rübsamen'sche Badeanstalt.