Donnerstag den 24. August
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Erstes Blatt
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Amts- und Anzeigeblatt für den Tiveis Gietzen
Kratisbeilage: Gießener Jamilienölätter
von Äurt, 28 Nichtbayern, 68 Kapitulanten.
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Die Gießener
werb,r brm Alljeiger . »oct'ir:td) dreimal beigeleyl.
die Blutfcenen in AigueS-Mortes und versprach die Absetzung deS dortigen Bürgermeisters, betonte aber, daß die Italiener die Angreifer gewesen seien. Auch in einer im „Temps" veröffentlichten offiziösen Nore werden die Vorfälle in Aigues- MorteL in einer den französischen Standpunkt möglichst beschönigenden Weise dargestellt, welche Note am Schluffe die Hoffnung aus eine befriedigende Beilegung der Affaire aus« drückt. — Bet den antifranzösischen Demonstrationen in Genua, Mailand und Rom sind auch anarchistische Züge ber- vorgetreten; in Rom errichteten die Anarchisten sogar schon Barrikaden, die indeß vom Militär bald beseitigt wurden.
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Meiner Anzeiger
General-Anzeiger.
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- Am So«Mg har tu der Schweiz eine allgemeine j Dolksfftimmung über die Frage stattgefunden, ob den Juden in de Eidgenossenschaft künftig das Schächten der Schlchtthiere noch gestattet sein solle oder nicht. In geheim Abstimmung (Referendum) haben nun die Schweizer Bürgt sich mit 188,000 gegen 116,000 Stimmen gegen das stielle Schächten erklärt, daffelbe wird also auf schweizerischer Boden in Zukunft verboten sein. Da das Schächten auch i anderen Ländern zahlreiche Gegner besitzt, so dürften dteselfi in ihren Bestrebungen durch das Ergebniß der schweirischen Volksabstimmung nur ermulhigt werden.
- Die am Sonntag in Frankreich vorgenommenen i Neubhlen zur Deputirtenkammer bedeuten einen neuenglänzenden Sieg des republikanischen Gedankens in diesenLande über die mehr und mehr verfallenden Bestreb- ! ungewer französischen Monarchisten. Bis Montag Nach- mittaavaren 566 von im Ganzen 581 Wahlen bekannt, wovoö12 auf die Republikaner der verschiedenen Schattir- ungeröO auf Soeialisten und socialistisch angehauchie Radi- cale, I auf „Ralliirte", nämlich Monarchisten, die sich halb I und Hb zur Republik bekehrt haben, und 56 auf Monarchisten I beideüichtungen entfielen, während sich 155 als Stichwahlen I chararisiren. Wenn man erwägt, daß in der vorigen Kamn Bonapartisten und Royalisten zusammen 164 Mann I stark iren, während sie bis jetzt im ersten Wahlgange kaum I ein Dtel dieser Zahl aufzubringeu vermochten, jo erhellt hierai genugsam die schwere Niederlage der monarchistischen I Partei. Vielleicht wird nunmehr in der neuen Kammer die fange vergeblich erstrebte gemäßigt republikanische Mehr- I heit iglich sein, vorausgesetzt, daß auch die Stichwahlen überugend zu Gunsten der gemäßigten Republikaner ausfallen Sämtntliche republikanischen Pariser Blätter stellen den folg der Republikaner fest, die monarchistische Preffe äußeisich im Allgemeinen sehr kleinlaut. — Am Sonntag ist dSession der Generalräthe eröffnet worden.
Der an sich schon ernst genug aussehende jüngste italiech-fravzofische Zwischenfall m Gestalt der blutigen Vor- gängwn Aigues-Mortes gestaltet sich durch die anli- frav fisch en Demonstrationen m Italien nur noch rwickelter. Dieselben erscheinen als ein begreiflicher Prot des erregten italienischen Volkes gegen die unerhörte Verggltigung italienischer Arbeiter in dem genannten süd- fran^chen Städtchen, bedauerlicher Weise arteten sie aber vielst aus, wie das Steinbombardement gegen die fran. zösisciBotschafr in Rom, die Herunterreißung des Schildes vom anzösischen Consulatsgebäude in Messina und noch andeVorgänge beweisen. Das Verhalten der italienischen Reainq gegenüber diesen Ausschreitungen ist jedoch das denkt correcteste. Eine Anzahl der Theilnehmer an den- selbeind sofort zu Geld- oder Gefängnißstrafen verurthetlt word außerdem hat der italienische Botschafter Reßmann in P8 dem Ministerpräsidenten Dupuy offiziell sein Bebaue über diese Vorgänge ausgesprochen und volle Genug- thuuffür Frankreich verheißen. Dupuy seinerseits bebau-tte
sie kommen. rr. r , .
Berlin, 21. August. ErlaßdesrusstschenFinanz- I Ministers an den Zallressort und die Grenzwache. „Die in der letzten Zeit erlassenen «^^8^ über die Erhebung erhöhter Zölle von ausländischen Waaren, die über einige Bezirke unserer Grenze eingesührt werden, I wird ohne Zweisel das Bestreben erhöhen, diese Waaren so- wohl über die Zollbehörden, als auch an ihnen- vorb« 'im I Geheimen einzuschmuggeln. Um den bedeutenden Verlus I welcher durch die Contrebande den Kronseinnahmen zugefug werden könnte, zu verhüten, müssen die Zollinstitutionen und d7e Grenzwache sich mit füllung ihrer Obliegenheiten verhalten. — Indem ich nicht Lron iroeifle daß sowohl die Grenzwache als auch die Zoll- I b Mrben auch unter den jetzigen AusnahmeverhAtnisien o^e Ergebenheit gegen ihre Dienstpfltcht und Energie bei i ®r< füttung threr Obliegenheiten zeigen werdeth !° lege ich zu gleich 9bem Wunsche eine besonbere Wtchttgkett bet, daß bie »rhdhten Zollichutzmaßregeln ans keinen Fall etne nicht bind) aentuiT Ersüllung ber neuen Geietzesbestimmungen er,°r. b rte üb rflnlsige Schraffhett nach sich ziehen. denn
unaerechtlert t? and leibenschaftiiche Hanbiungen. Ich spreche he Uebrnu6ung au-, baß die Zollmstitntianen und die Gremwache sich mit baller Ausmerksamkeit, Behm amkett und I mit Tact »u den gerechtfertigten Interessen und der ^CTfon- i ii*feit aller mit ihnen in Berührung Kommenden verhalten werden "und nach Mdgiichkeit allen Mäßen z. Wißberftanh mffen und Zwischenfällen, welche nicht durch offenbare und absichtliche Verletzung der Zollbestimmungen hervorgerufen smd aus dem Wege gehen, indem sie zugleich bei jeder Gelegenheit im Verkehr mit den ausländischen Grenzbehorden, sowohl des Zolles als auch der Admintstratlon, volle Zuvor- l^mpnbett feiacn. — Durch eine derartig gehaltene, von MaßhalUing^und Tact ersüllte, aber genaue Erfüllung ihrer Pflictuen werden die Grenzwache und die Zoltinstttutionen auf der Höhe ihrer Aufgabe zetgen und zugleich ein Rech au meine besondere Erkenntlichkeit erwerben.
Berlin, 22. August. Die jüngsten Bulletins über das Befinden des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg, ttntba lallen trotz ihres lapidaren Styles erkennen, daß ^e Besor Ä, welche man in weiten Volksweisen um den in ganz Deutschland so populären Fürstzen hegt, lsider nur ru aerechtsertigt sind. Der hohe Kranke befindet sich tn einem Zustande andauernder Bewußtlosigkeit und zunehmender Schwäche, der das Schlimmste befürchten latzt und man denn auch in der Umgebung des Herzogs auf den Antritt einer Katastrophe vorbereitet. Am Sonntag Vormittag s in Schloß Reinhardsbrunn ein Ministerrath unter dem Vorsitze des Herzogs von Edinburg behufs Erwägung der imFalle des Ablebens des Herzogs Ernst zu "
stattgefunden haben. Es heißt, man habe nach legerer Er örterung von dem Plane der Errichtung einer Regentschaft Abstand genommen, vielmehr würde nach dem Ableben es Herzogs Ernst der Herzog von Edsnburg aus die Th.onsolge in Coburg Gotha zu Gunsten seines Sohnes/, des Prinzen Alfred, verzichten, aber bis zu dessen VöflMigkeilt bie We* gierung leiten. Inwieweit diese Gerichte begründet sind, läßt sich zur Zeit noch nicht beurtheilen. (S. Depeschen).
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— Fürst Bismarck verläßt Ktssingen in Begleitung seiner Gemahlin am 28. August wieder, um sich bittet nach | Barzin zu begeben. Der geplant gewesene Besuch des Altreichskanzlers gelegentlich seiner Rückreise von Kissingen in Leipzig findet nicht statt. Fürst Bismarck selber hat dem von ihm empfangenen früheren Reichstagsabgeordneten der Stadt Leipzig, Eisengießereibesitzer Gustav Götze, gegenüber erklärt, er müsse aus Gesundheitsrücksichten auf seinen Besuch in Leipz« vorläufig verzichten. DaS Befinden des Fürsten ist nach dem Gebrauche der Kissinger Kur in diesem Jahre leider nfct so zufriedenstellend wie in früheren Zeiten.
Beilin, 21. August. Ein Actenstück aus dem bayerischen Kriegsmini st erium veröffentlicht die social- demokrqische „Münchener Post". Es kann ihr nur auf | unregelmäßigem Wege und unter Mißbrauch dienstlicher Der- i । hältnisfi zugegangen sein. Der Titel des Actenstückes lautet: | I „Dienstetrieb in der Armee, Mißhandlung und vorschrists- widrigeBehandlung Untergebener." Nach einer umständlichen tabellaischen Uebersicht sind im Jahre 1892: 84 einschlägige Anzeiga — gegen das Vorjahr 10 weniger — erstattet worderi 7 gegen Offiziere, 77 gegen Unteroffiziere - bestraft wurdet 7 Offiziere und 62 Unteroffiziere (und zwar dis- ciplinä! in 32, gerichtlich in 38 Fällen), sreigesprochen 9 Unttoffiziere, gegen 5 Unteroffiziere wurde das Verfahren eingestlt. Die größte Anzahl der Anzeigen trifft auf die Cavallfie, 35; davon 8 auf das 1. Schwere Rciter-Regimenl. Von hi 77 angezeigten Unteroffizieren waren 40 Bayern
Ilcucfte Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correipondenz - Bureau. .
Rom, 22. August. Einer Meldung der „Agenzia Stesani" zusolge beauftragte Brin den Botschafter Reßmann, der französischen Regierung zu erklären, daß die italienische Regierung, infolge der von der französischen Regierung freiwillig beschloffenen Amtsenthebung des Maire von AigueS-Mortes, in Würdigung der von dem französischen Cabinet getroffenen freundschaftlichen Anordnungen, und indem sie volles Vertrauen setze in bie- erfolgreiche, unparteiische Tätigkeit der franzö- fischen Behörden hinsichtlich der Bestrafung der Schuldigen, sich glücklich schätze, den gegenwärtigen Zwischenfall in zufriedenstellender Weise geschlossen ansehen zu können.
Rom, 22. August. In Milazzo (auf Sicilien) durchzogen gestern Abend M ani s e st an te n mit Musik die Straßen und veranstalteten eine Demonstration vor dem französischen Viceconsulat. In Genua haben sich heute Vormittag die Angriffe auf das Eigenthum der Omnibusgesellschaft wiederholt. ..
Turin, 22. August. Heute Abend wiederholten sich d:e, Kundgebungen wegen der Vorfälle in Aigues-Mortes. Eine zahlreiche Menschenmenge durchzog die Straßen, e8 kamen aber keine Ruhestörungen vor.
Paris 22. August. Die Wah lrefultate sind jetzt bis auf 3 bekannt und zwar sind 315 Republikaner und I Radicale, 30 focialistische Radicale bezw. Socialisten, 13 Ralliirte, 56 Conservative gewählt. 164 Stichwahlen sind erforderlich. Die Republikaner gewannen 63 Sitze.
Paris, 22. August. Dupuy empfing heute Nachmittag den Besuch des Präsecten des Departements Gard, welcher das Abschiedsgesuch de-ö Maires von Aigues- Mortes überreichte. Der nächste Ministerrath wird diese Angelegenheit erörtern.
London, 22. August. Die Couserenz der Bergarbeiter- Vereinigung Großbritanniens wurde hier eröffnet. 44 Delegirte, welche 232,400 Bergarbeiter vertreten, sind anwesend. Die Debatten finden bei verschlossenen Thüren statt. Nach einer Mittheilung der Conserenzleitung sind die Delegirten aus Durham von der Conferenz ausgeschlossen, obwohl sie erklärten, daß Stimmzettel über die Strikefrage heute in Durham vertheilt seien. Die Conferenz nahm eine Resolution an, wonach die Bergarbeiter in Durham aus der Bergarbeitervereinigung ausgeschloffen wurden. Aus Nort- humberland sind keine Delegirten anwesend. Die Conferenz vertagte sich auf morgen.
Petersburg, 22. August. Dem Vernehmen nach wird morgen die Herabsetzung der feit August bestehenden Eisenbahntari fe um 40 pCt. für Getreide, Mehl und Grütze für alle russischen Eisenbahnen nach den österreichischen und rumänischen Grenztransilpunkten publicirt. Die Tarifermäßigung tritt sofort in Straft. Die österreichischen Bahnen ermäßigen bedeutend die Tarife nach ber Schweiz unb Italien und heben bie Taxen für ein Ausladen unb ben Transport auf ben Verbinbungsktnien auf. Weitere Herabsetzungen ber Tarife stehen bevor.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 22. August. Der vvm vorigen Reichstag nicht mehr erledigte Gesetzentwurf über das Auswanderungswesen soll in veränderter Gestalt dem jetzigen Reichstage wieder vorgelegt werden. Namentlich sollen die von der polizeilichen Erschwerung handelnden Bestimmungen abgeändert werden.
Berlin, 22. August. Die „Nordd. Allg. Ztg.^ ichreibt, in den deutschen Zeitungen seien neuerdings Gerüchte über Heirathsabsichten von Mitgliedern des königlich ep Hauses verbreitet. Es sei bedauerlich, daß diese absolut aus ber Luft gegriffene Nachricht auch in größeren Blättern Ausnahme gefunden habe.
Berlin, 22. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Uebersicht über die Bestände an Zucker in den Zuckerfabriken und der amtlichen Niederlagen des deutjchen Zollgebiets am 31. Juli 1893.
Amtlicher Theil.
Nr. 31 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 18. d. M.,
(Nr. 2125.) Verordnung, betreffend die Erhebung eines Zollzuschlage» für aus Finnland kommende Waaren. Vom 17. August 1893.
(Nr. 2126.) Bekanntmachung, betreffend Ergänzung und Berichtigung der dem internationalen Uebereinkom- | tuen über den Eisenbahnfrachtverkehr beigefügten Liste. Vom 11. August 1893.
Gießen, den 23. August 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Melior.
Deutscher Reich.
Berlin, 21. August. lieber Sold atenmißhand- lungen soll Prinz Heinrich kürzlich folgenden Ausspruch gethan haben: . v
In manchen Unteroffizieren steckt ein Gift, das verdirbt uns die Mannschaften. Doch ich werde es austreiben. Meine Macht reicht weit." . _ .
Es liegt kein Anlaß vor, daran zu zweifeln, baß Prinz Heinrich sich in diesem Sinne geäußert hat. Es ist ja bekannt, baß bie Mißhanblungen ber Solbaten um so scharfer beurtheilt werden, je höher die Stelle ist, zu deren Kenntnlß
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