Ausgabe 
23.11.1893 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

° 18931;

Uhr, im Cafe Efe

tellnng

87.

anz.

lember imEmh»v

;ei Herrn Louis fyi

November, Ab«

er Vorstand-

tftn B fift Htu ......

nt am 24. Aoiembei

A Rltttr, A Ruemei irnwd, I. Mik«, k Mr ,Kk\M, k 1<

l u. v. a.

n sich vorzüglich zu

ehenken.;

Jhr bis Abends 8 Uhr. r aus Düsseldorf.

P W Abends: Mchschreibung. pirttaj, 6toe

nen!

Der Voritiid.

wen

soucert. =

M. Mrt *

(«flflntr) tc.

_ *hdt6» 5Q «(. bMb.»E

r. [V'

SSSe

-SS?

lJ3L_tr6tt£L-

te Sh*

(?m W«*

Verwalte

£* Siu#

p I

Fec°ratiotitti i

| i

®m«fet 1858 i

kr^bel,'

-M S

^6f 6 J*

Nr. 276 Zweites Blatt. Donnerstag den 23. November

Der >*ieieet rr1*fint täglich, ut luinabmt bt* Montag*.

Dl» Girßnikr pomtriewl reifer ert>cn b<m Mnjtign tMtmlid) dreimal b*|tlegt.

Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

1893

8terttlji|rtfltr

2 Mark 90 Wg. *M Sringnlo$u

Durch die Post bcgogai

2 Mark 50 M«.

Rtbattion, SrprbSNo» und Druckern:

-chukßretze Ar.?.

Kerrgprecher 51.

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

Rnnodm» von Anzeigen zu der Nachmittag* tüt den '»IgrnbF tag erlkbrinenden Nummer hi* Borm 10 Udr

Kratisßeikaqe: Äießener Jamikienbtätter.

Aste Lnnoncen-Bureaur de* In. und thi*!onbe* nehm« Anzeigen für denGießener Snzeiger" entgegen.

Feuilleton.

kiittheilungen aus dem siebenjährigen Krieg, besonders aus den Kirchenbüchern von Queckborn und Ettingshausen

von Pf. F. in El. (Fortsetzung.)

So sehen wir den 16. Januar eine Schwadron des könig­lich französischen Cürassicr-Regimentes v. Conde in Queck- 6mi einquartiert; die andere Schwadron lag in Lauter, jm Pfarrhause hatten drei Offiziere Quartier genommen, nimilich ein Major von Meinuil, so dermalen das Regiment commaudieret, ein Capitän von Boisfranc und ein Cornet, des Majors Bruder. Sie haben, wie gerühmt wird, eine gute Mannszucht gehalten. Schon im Februar sammeln Die Alliirten ihre Streitkräfte, um die Franzosen aus ihren Stillungen zu verdrängen. Den 22. Februar erscheint der krbprinz bereits in der Gegend von Schlitz-Salzschlirf, ilim folgend rückt Ferdinand am 26. mit der Hauptarmee in Alsfelb und Umgebung ein. Er bemächtigt sich bald 1'icDcr Marburgs und stellt nun von da bis Grünberg eine lange Kette von einzelnen Abtheilungen auf. Auch Grimberg, Laubach und Hungen werden bald wieder von ihm besetzt. Zwei Bataillone hessische detachirte Grenadiere ulcken den 13. März unter dem Commando des Oberst ton Donop, der im Pfarrhause drei Nächte logirte, in Cn erfborn ein. Zu diesen kam den 14. und 15. März nod) eine Schwadron preußischer schwarzer Husaren, welche aber in der Nacht vom 15. bis 16. März sich anderswo iefaiibcn. Broglio hatte seine Armee von Wetzlar aus übe r Butzbach nach Hungen aufgestellt. Fischer ist als Aorposten bei Grüningen postirt. Auf den 15. März als den Sonntag Palmarum sollte nach Hochfürstlichcr gnädigster Äcivrdnung der große Buß- und Bettag gefeiert werden. Psairrer Buff hält in Queckborn um 10 Uhr Gottesdienst und predigt über den ersten der vorgeschriebenen Texte: Ier. 14, 1923. Nachmittags versucht er auch in seinem Filiale Lauter Kirche zu halten.Doch", schreibt er,ich foitnte nicht in die Kirche gehen wegen übermäßiger starker fliuitonnierung von zwei braunschweigischen Kavallerie- Wtgimcntern und einem hessischen Grenadier-Bataillon". MLc0 ist in voller Bewegung. Allarmirt rücken sic aus miß den zwischen Münster und Queckborn liegenden Mün­sterer Berg, welchen am 13. und 14. die zwei Queckborner Bataillone besetzt hatten. Diese begeben sich am 15. auf den von Queckborn ans in der Richtung Grünberg liegen­den Höllersberg, wahrscheinlich um einem etwaigen Ueber- lfallc der Franzosen vorznbeugen. Der Beginn der Char- ivochc sollte ein Vorspiel dessen sein, was die Gemeinden in ihr zu erwarten hatten. Pfarrer Buff schreibt:Daß Hott erbarm! wie wird die stille Woche gefeiert! Der gnädige Gott stehe uns in unserem Elende bei; lasse keinen bitteren Hunger entstehen und wende alle ferneren Plagen feine von uns ab". In der Frühe des 16. rücken die zwei Queckborner Grenadier-Bataillone wieder auf den Höllersberg. Bon Lauter aus scheint man es unterlassen zu haben, auch den Münsterer Berg wieder zu besetzen. : Kaum haben die Franzosen dieses ausgemacht, so schreiten ! sie und) sofort zur Besetzung desselben. Die Hessen auf i dem Höllersberg erblicken schon um 9 Uhr den ihnen gegen­über befindlichen Feind und eröffnen sofort eine heftige Kanonade. Zischend und pfeifend sausen die Kugeln von Norden und von Süden her über den Ort hin und ängsti­gen die sich versteckenden Bewohner. Manche Stückkugeln fliegen ins Dorf, vorzeitig einschlagend. Eine schlägt durch das Hansdach des Balthaser Scheid, zertrümmert den Boden unb fällt in ber Oberstube nieber. (Diese Kugel ist noch vorhanbcn.) Zum Glück war Niernanb in der Stube. Eine andere reißt in Andreas Jägers Garten am Burggarten tric Spitze eines Baumes ab. So dauert die Kanonade eine geraume Zeit. Da stürmen die hitzigen Franzosen von dem Münsterer Berg herab und brechen in den Ort ein. Doch vor und in demselben werden sic mit den preu­ßischen Husaren handgemein; man feuert auf einander und ein heißer Kampf entwickelt sich vom Ort ans bis zum Höllersberg, über welchen die Husaren sich znrückziehcn, den hessischen Grenadieren folgend. Ein preußischer schwar- zir Husar wird auf diesem Rückzug tobtgeschosscn unb auf b'tm Queckborner Friedhof feierlich beerbigt. Die Franzosen b-csetzen nun Queckborn und bie umliegenden Berge, auch ti'en von den Hessen verlassenen Höllersberg. Eine starke sn-anzösische Einquartierung löst im Ort bie seitherige alliirte lub, nämlich zwei Dragoner-Regimenter, als: Orleans unb Mramaus, außerdem Husaren und Jäger und viele Frei­

willige zu Fuß. Im Pfarrhause logirte der Commandant dieses ganzen Corps Mr. de la Bontettiers, welcher der älteste Capitän vom Regiment v. Orleans war, nebst zwei anderen Capitäns besagten Regiments. In Lauter lieferten an demselben Tage französische Freiwillige ein starkes Scharmützel mit deutschen Jägern. Auch dieses endigte mit dem Rückzüge der Deutschen, worauf zwei französische Dragoner-Regimenter Cantonnirung daselbst erhielten.Das Elend in beiden Dörfern ist nicht zu beschreiben. Stroh und Futter, Gerste, Haber, das mehreste Korn u. s. w. haben die Soldaten gefuttert; viele Kälber, Schafe, auch verschiedenes groß Vieh gegessen; wenige Hühner sind übrig geblieben". Die erwähnten kleineren Gefechte hingen zu­sammen mit dem Generalangriffe, welchen der französische General v. Stainville am 16. März gegen den bis Grünberg und Wirberg vorgedrungenen Erbprinzen von Braunschweig ausführcn ließ. Stainville warf sich mit großer Heftigkeit und Macht auf die feindliche Linie Atzenhain-Stangenrod- Grünberg und schlug die Alliirten hinaus, wobei diese 19 Fahnen, 10 Regimentsgeschütze und etliche 1000 Mann verloren. Beinahe wäre es ihm gelungen, den nach Burg- Gemünden retirirenden Erbprinzen abzufangen, wenn nicht Suchtet diesen gerettet hätte. Luckner, von dem ihn ver- I folgenden französischen General Diesbach hart bedrängt, mußte aus Laubach weichen und machte, sich z^rückziehend, durch seine Aufstellung bei Nieder-Ohmen dem Erbprinzen die Bahn frei. Von der Lahn her rücken nun die Franzosen in großen Massen auf den Kriegsschauplatz. Am 18. März, Mittwoch vor Ostern, trifft das französische Dragoner-Regiment v. Ferronaye in Queckborn ein, dessen Commandant, der Graf v. Ferronaye, mit seinem Bruder im Pfarrhause Quartier nimmt. Er hatte nicht weniger als 10 Domestiken bei sich und ungefähr 20 Pferde und Maulthiere, die in der Scheuer und in der Stallung unter­gebracht wurden. Die ganze Hofhaltung zieht den Grün­donnerstag wieder ab. Vorübergehend erscheint in Lauter noch einmal am Charsreitag eine Einquartierung von alliirten Truppen. Nachdem der Erbprinz zuletzt noch eine Auf­stellung genommen hatte von Ober-Ohmen bis Kleinfelda mit dem Hauptquartier Zeilbach, vollzieht sich der Rückzug immer mehr in nördlicher Richtung, und die kriegerischen Ereignisse rücken für uns in weitere Ferne. Die französi­schen Nachschübe durch unsere Gegend dauern indessen fort. An den Osterfesttagen haben Queckborn und Lauter starke französische Einquartierung. In Lauter treffen am ersten Qsterfesttage französische Kanoniere ein unb am Nachmittag noch 4 Kürassier-Regimenter. Auch nach Queckborn kommen 4 französische Cavallerie-Regimenter, nämlich Royal Allemanb, Nassau, Württemberg unb Fitz-James. Im Pfarrhaus logirte ber biese Truppen commanbirenbe General Mr. le Baron b'Obcnheim, so nebst vielen Herrn Osficiers unb Solbaten lutherisch waren, von welchen baher ben zweiten unb brüten Ostertag unser Gottcsbienst fleißig besuchet wurde. Besonders waren den dritten der commanbirenbe Herr General, ber Prinz von Ufingen, zwei Grafen von Bunan, ein Graf von Grehweilcr rc. in unserer Kirche. Ein Prinz von Holstein-Beck, Gras von Rosen rc. logirten in unserem Dorf. Den 25. März marschierten biese 4 Re­gimenter nach Hungen. In Lauter ist bas ganze Osterfest über, weil bie französische Cavallerie erst den dritten Nach­mittag wieder weggezogen, kein Gottesdienst gehalten worden".

Nach einer kleinen Pause beginnen im Juni die Kriegs­operationen aufs Neue. Die französische Rheinarmee unter Soubise und die Mainarmee unter Broglio vereinigen sich zu einer Stärke von 190 Bataillonen und 160 Schwadronen. Vom 14.20. Juni passirt die mittelste Colonne der Armee Broglios durch Grünberg unb bie Umgegenb. Queckborn ist diese ganze Woche mit Vorspann und Courierpferben sehr geplaget worben, währenb Lauter ben 28. Juni burch einen in Weickartshain niebergegangenen starken Wolken­bruch schwer getroffen wurde. Das Wasser staub baselbst so hoch,als es bei Menschengebenken noch niemals ge- stanben". Die Franzosen gelangten inbessen bis nach Hannover, in das sie schon einigemale währenb bieses Krieges vorgebrungen waren. Sic werden aber bei Vellinghausen gehörig geschlagen. Hier unb ba finben noch weitere kleine Gefechte statt, bis sich zum Schlüsse Broglio unb Soubise in ihre Winterquartiere zurückzieheu, welche jener am Rhein, dieser bei Frankfurt a. M. bezieht.Den 13. November 1761 bekam hiesiges Dorf ein Nachtquartier von 1^ Hun­dert französischen Artillerie-Pferden, davon die Artillerie, so aus dem Hessenland gekommen, die Nacht bei Grünberg stehen geblieben und den 14. weiter auf Bellersheim ge­gangen. Die Haber wurde von Wetterfeld, wohin sie zwölf Tage vorher von Gießen gefahren worden, hierher gebracht.

1" 11 1 ' 'M

Das Heu aber mußten die hiesigen Einwohner geben". Broglio fiel am französischen Hof in Ungnade unb so erscheinen im letzten Kriegsjahr (1762), in das wir nun hineintreten, die Marschälle b'Estrses und Sonbise an der Spitze der Mainarmee, Prinz Conds an der der Rhein- armee, die wichtigsten Plätze in Hessen besetzt haltend. Ihre Gesammtstärke betrug 161860, bie ber Deutschen 102393. Die ersten Nieberlagen im genannten Jahre erlitten jene bei Wilhelmsthal unb Lutterberg. Erst im Juni unb Juli zieht bie Mainarmee von Frankfurt-Hanau herauf nach Norben, währenb Prinz Conbs vom Rhein her über Herborn - Glabenbach sich nähert.Mitte Juni galt bie Meste Korn in hiesiger Gegenb 3 Gulbcn, unb die Meste Gerste 2 Gulben 10 Albus unb war boch nicht zu bekom­men ; für bie Meste Haber würbe 1 Gulben 5 Alb. gcfor- bert. Das Kochwerk war gar rar, zumal ba es zwischen Ostern unb Pfingsten fast gar nicht geregnet hatte". Prinz Conbs steht ben 7. August schon bei Grünberg. Seine Armee zeigt eine stattliche, nach Norben gerichtete Front. Sie erstreckt sich vom Grünberger Stabtwalb über Lehn­heim, Stangenrob, bie Warthe bis zum Göbelnröber Breiteloh. Die Schanzen bei Beltershain, auf beiben Seiten ber Göbelnröber Chaussee gelegen (heute noch sichtbar), finb uiu biese Zeit von ben Franzosen errichtet worben. Die Sommerfrucht im Queckbörner Walbfelbe wirb schon den 9. August abfouragirct. Am 11. quartierten sich hier ein 172 Bäcker mit 12 Commissärs, bie, von Gießen ge­kommen, ben 16. roieber bahin zurückgingen. Gegen Abend des 11. August trifft noch hier ein ber Artillerie-Oberst Marquis be Thiboutot, welcher in Stefan Linkmanns Haus schlief, währenb er im Herrschaftlichen Hans seinen Speisesaal unb im Pfarrhaus feine Küche hatte. Zu seiner Bcbienung gehörten ein Hausmeister, etliche Läufer, zwei Köche unb sechs Pferbeknechte, sowie auch alle Zeit bei ihm ein Ingenieur Mr. b'Eritier, aus Versailles gebürtig, sich befanb. Die Fouragirungen hören auch um biese Zeit nicht auf.Viele einzelne Fouragirer finb noch im Felbe gewesen, woburch an ber Sommerfrucht, Erbsen, Kraut, Kartoffeln großer Schaden geschehen. Die Infanterie, be­sonders ein Regiment Kanoniers vom Regiment des Herrn von Thiboutot fouragirten am 15. August unter einer Escorte Kartoffeln, Möhren rc. in den Gärten und auf dem Felde. Erst den 22. zieht der Herr Marquis mit seiner Bedienung und Equipage wieder ab. Conbs's ganze Armee steht den 21. noch auf der Höhe von Stangenrod. Der Plan der Alliirten war nun, sie dort anzugreifen. Die Hauptarmee ber Alliirten sollte, burch Lehnheim marschierend), sich ber Höhe über Lauter (Tannenküppel) bemächtigen, um hernach ben Feinb in Flanke unb Rücken zu fassen. Jnbes sollten bie bei Stangenrob stehenben Truppen den Feind wohl amüsieren". Doch Conds, die Absichten seiner Gegner merkend, zieht sich vor den andringenden Alliirten nach Gießen zurück. Ihm folgt zur Seite der Erbprinz von Braunschweig, die Franzosen beobachtend. Er hat am 23. sein Lager bei Grünberg.Von ben Solbaten, säuber­lich hessischen Fußvölkern, ist vieler Schaben geschehen am Gemüse, Obst rc. Die Cavallerie unb bie Offiziersknechte fouragierten bas Heu aus ben Scheuern, babei denn viele Excesse in Wegnehmung von Brot, Mehl unb allerhanb Victualien, ingleichen von vielen Kleibern in vielen Häusern vorkamen. Eine Kolonne mit zahlreichem Geschütz, außer­dem noch andre Truppen ziehen am 24. durch Queckborn, reißen die unreifen Zwetschen herunter und thun großen Schaden an Kraut unb Flachs". Der früher schon erwähnte Luckner hatte anfangs seine Stellung bei Harbach, darnach bei Lieh. Am 25. August sieht ber Erbprinz bie Franzosen um Grüningen. In ber Meinung, er habe nur bie Arrisre- garbe vor sich, läßt er zum Angriff vorgehen, doch bald entwickelt sich die ganze französische Armee vor seinen Blicken, was ihn veranlaßt, sich zurückzuziehen, sodaß er ben 26. schon roieber im Grünberger Lager anfommt. Eine Kolonne marschiert roieber burch Queckborn unb nimmt mit, was sie auf bem Wege unb im Ort an Holz, Heu unb Stroh oorfinbet,ba bann sogar bes ungedroschcueu Korns unb ber geklöppelten Sichlinge nicht geschonct wurde. Es regnete just den ganzen Tag gar stark, sodaß die Soldaten bis an die Kniee im Wasser gehen mußten". Conds hatte sich allmählich bis nach Nauheim zurückgezogen, wo sich der General von Stainville, von Windeckeu anrüchend, mit ihm vereinigte. Daher wenden sich and) bie Alliirten mehr in ber Richtung Nauheim. Sic ziehen von Grünberg ab über Hungen. Eine Kolonne nimmt ihren Marsch durch Queckborn. Weil aber die alliirte Bäckerei noch in Grün- berg zurückblieb, so hat Queckborn noch vieles ausgestanben.

(Schluß folgt.)