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Nr. 300 Zweites Blatt. Donnerstag veu 21 December
1893
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Die Gießener
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Feuilleton.
Gsspsro.
@ine r omantische Weihnachtsgeschichte. (Literarisches Eigenthum
von Hugo Andres u. Co., Frankfurt a d. Oder.)
Wir saßen am Lagerfeuer. Es war eine wilde Woche gewesen, Kein Tag war in dieser zweiten Decemberhälfte vorbeigegangen, ohne daß wir mit dem Secessionisten-Gesindel Mauserei gehabt hätten — „angekratzt" war ein jeder von unS, und glücklich pries sich, wessen Gesicht verschont geblieben war.
Es war ein wunderlicher Mischmasch von Männern, der sich in dem tanzenden Flackerlichre dem Anblick bot. Ver- wetterte Gestalten, von wilden Bärten gerahmte Gesichter^ — dazu die vielfach phantastische Kleidung, das Durcheinander von allerhand Waffen — kurz, ein Bild, wie es bunter und malerischer der Pinsel eines Callot in nächtliches Dunkel zu tauchen vermöchte.
Em Mann besonders wars, mit frischem lebendigem Gesicht, aber einem Schädel voller Haare so weiß wie der frischest gefallene Schnee, wie die stärkst gebleichte schlesische Leinwand, der die Aufmerksamkeit jedweden Beschauers dieser Scene sofort gefesselt haben würde. Er saß still da — ganz in sich versunken — spielte am Hahne seiner Flinte, drehte am Ende eines Seiles herum, das er plötzlich an zündele, um es dann auszulöschen und wieder daran herum- zudreben . . .
Es war heute Weihnachtsabend! Aus einem nahen Meiler schallte Glockengeläute herüber. Wen es wohl rufen sollte? War doch die Gegend weithin von Menschen leer, denn der Kriegsteufel, der nun seit Wochen schon hier tobte, hatte sie förmlich rasirt.
Aber scharf und deutlich klang die hehre Stimme der Glocken zu uns herüber- wir saßen und lauschten und eine festliche Stimmung zog ein in unsere Herzen.
Weihnachtsabend! Westen Herz, und wäre es das Verhärteste, gedächte an ihm nicht der Lieben daheim, wenn er fern von ihnen weilt, und seines verwichenen Lebens? Westen Herz thäte an ihm sich nicht auf und würde mittheilsam? So gings auch unS hier im Lager. Kaum waren die Glocken verklungen, als auch die Zungen sich lösten und bald alles im munteren Geplauder beisammen saß.
BloS der Mann mit dem Weißkopfe saß drüben noch immer abseits. Aber das Seil, an dem er gedreht hatte, lag nicht mehr zwischen seinen Fingern, sondern er hatte ein Buch auS seiner Tasche gezogen, aus welchem er erst leise, dann lauter und lauter, ein WeihnachtSlied sang.
Es ergriff uns alle wunderbar; und kaum daß die ejften Strophen verklungen waren, so gabs auch keine einzige Kehle mehr in unserem Kreise, die stumm gewesen wäre, und mächtig erschallte das schöne Lied über die weite Flur bin.
„Heda, Kamerad 1" rief einer vom Feuer herüber, — „was haltet Ihr Euch so allein dort drüben? Rückt zu uns heran! Ihr habt dem Abend durch Euer Singen erst die Wethe gegeben."
„Laßt dem Manne Ruhe," sagte ein anderer. „Der Weihnachrstag ist für ihn ein Tag, wie ihn wohl keiner von Euch erlebt haben mag."
„Ihr kennt ihn und seine Vergangenheit?"
„Jawohl, — und hätte einer von Euch einen solchen Christabend verlebt, dann würde er sicherlich auch nicht lustig und aufgeräumt in Eurem Kreise sitzen "
„Erzählt doch, was Ihr von ihm wißt, Kamerad! Wir sitzen hier um bas Feuer und wenn ich uns so ansehe, dann ift'S mir ganz, als fühlt ich mich zurü^versetzt an unseren heimischen Herd, wo sich zur Weihnachtszeit alles des Abends zusammen hinsetzt um sich nach alter englischer Sitte am flackernden Feuer Sagen und Ueberlieserungen und Gespenstergeschichten und Erzählungen von allerhand Abenteuern zur See und zu Laude mitzutheilen."
In diesem Augenblicke trat der Kamerad, der uns durch seinen Gesang so festlich gestimmt hatte, zu unserem Kreise heran. Ein ernster, aber freundlicher Ausdruck lag auf seinem Gesichte. Es war, als siünde auf ihm zu lesen, daß ihm die Glocken das Herz erschlossen hatten, — daß er, wenn er gebeten würde, erzählen würde, was zu vernehmen alle Kameraden so begierig waren.
Ich trug ihm das Anliegen vor. Zuerst wars, als wollte er abwehrend die Hand aufheben. Da aber standen alle die Männer, die um das Feuer herumsaßen, einmüthig wie auf Commando und scharten sich um ihn, ihm die Hänte zu drücken, und manches Wort der Theilnahme wurde laut, wenn auch aus rauhem Munde.
Und der Kamerad mit dem dichten Haarbusch vom reinsten Schneeweiß begann, nachdem er sein Liederbuch zugeklappt und aus der qualmenden Pfeife noch ein paar kräftige Züge gethan, also zu erzählen:
„Ich bin Franzose von Geburt, mein Name ist Fran-ois Thierry. Mit meiner früheren Geschichte will ich Sie nicht ermüden, genug, daß ich ein politisches Verbrechen beging und dafür auf die Galeeren gesandt ward und daß ich deßwegen noch bis zum heutigen Tage im Exil lebe. Die Brandmarkung war zu meiner Zeit noch nicht aufgehoben- wenn ich wollte, könnte ich Ihnen die feurigen Buchstaben auf meiner Schulter zeigen.
Ich ward in Paris verhaftet, vor Gericht gebracht und verurtheilt. Ich trat aus dem Gerichtshose und meine Ver- urtheilung klang in meinen Ohren. Das Gerassel der Räder des Gefängnißwagens wiederholte es mir auf dem ganzen Wege von Paris bis Bicetre an jenem Abend und den ganzen folgenden Tag, und an dem folgenden und dem folgenden Tage, längs der ermüdenden Straße von Bicetre nach Toulon. Wenn ich an jene Zeit zurückdenke, meine ich, daß ich durch die unerwartete Härte meines Urtheils betäubt gewesen lein muß, denn ich erinnere mich an nichts von der Reise, noch von den Plätzen, wo wir anhielten, an nichts als die ewige Wiederholung von „travaux forces — tra- vaux forces — travaux forces a perpetuite“ *) immer und immer wieder. Spät am Nachmittage des dritten Tages hielt der Gesängnißwagen an, die Thür ward geöffnet und ich ward über einen gepflasterten Hof, durch einen gepflasterten Corridor in eine sehr große gepflasterte Halle, die von oben schwach beleuchtet war, geführt. Hier ward ich bau einem militärischen Oberausseber vernommen und mein Name ward in em gerichtliches Hauptbuch eingetragen, das, gleich einem Buch in Fesseln, in Eisen gebunden und zugeklammen war.
„Nummer Zweihundertundsieben," sagte der Oberaufseher. „Grün."
Sie führten mich in das anstoßende Zimmer, durchsuchten mich, entkleideten M'ch und tauchten mich in ein kaltes Bad. Als ich aus dem Bade kam, zog ich die Kleidung der Galeeren- sclaven an — ein grobes Hemd von Segeltuch, Hosen von gelbbrauner Sarsche, eine rothe Biouse von Sarlche und große, mit Eisen beschlagene Schuhe. Zuletzt von allem eine grüne wollene Kappe. Auf jedes Hosenbein, auf die Brust und den Rücken der Bloufe waren die verhängnißvollen Buchstaben „T. F.“ gedruckt. In ein kupfernes Schild vorne an der Kappe waren die Zahlen „207" emgegraben. Von diesem Augenblicke an verlor ich meine Individualität, ich war nicht mehr Francois Thierry, ich war Nummer Zwei- hundertundsieden. Der Oberaufseher stand dabei und sah zu.
„Komm geschwind," sagte er, seinen langen Schnurrbart zwischen Daumen und Zeigefinger zwirbelnd, „cs wird spät und Du mußt vor dem Abendessen verheirathet sein."
„Bertzeirathet?" wiederholte ich.
Der Oberaufseher lackte und steckte eine Cigarre an und sein Lachen sand ein Echo bei den Aufsehern und Gefangenwärtern.
Einen zweiten gepflasterten Corridor hinunter durch einen zweiten Hof in eine düstere Halle, das wahre Gegenstück zu der früheren, aber angesüllt mit schmutzigen Gestalten, geräuschvoll durch das Klirren von Feffeln und an jedem Ende durch eine runde Öffnung durchbrochen, in welcher sich der grimmige Mund einer Kanone zeigte.
„Führe Nummer Zweihundertundsechs herbei," sagte der Oberaufseher, „und rufe den Priester."
„Nummer Zweihundertundsechs kam aus einer hinteren Ecke der Halle, eine schwere Kette schleppend, und mit ihm kam ein Grobschmied mit nackten Armen und lederner Schürze.
„Leg Dich nieder," tagte der Grobsckmied mit beleidigendem Stampfen des Fußes.
Ich legte mich nieder. Ein schwerer eiserner, an eine achtzehitgliederige Kelte cmgehefreter Ring ward um meinen Fußknöchel gelegt und mit einem einzigen Hammerschlag fest- genietet. Ein zweiter Ring nahm die losen Enden meiner Kette und die Kette meines Genossen auf und ward auf gleiche Weise gesichert. Das Echo jedes Schlages hallte durch das gewölbte Doch wie ein hohles Lachen.
(Fortsetzung folgt.)
*) Zwangsarbeit — auf Lebenszeit.
Cocales uttfc provinzieller.
8. Bingenheim. Mitte December. Interessante Grabinschriften. In Nr. 252 (erstes Blatt) des „Gießener Anzeiger" brachten Sie die Grabschriften der beiden Schultheißen Endel zu Bingenheim. Wir laffen heute
diejenige des Schultheißen Hans Jörg Schäffer folgen, schicken aber zuerst Einiges voraus: Der Grabstein ist 1,30 Meter hoch und 0,85 Meter breit. In der Mitte des Steines, der mit seinem unteren Theile einen Fuß tief im Erdboden stak, befindet sich ein Wappen, das von zwei Zweigen, die durch ein Band zusammengehalten werden, umgeben ist. Das Wappen besteht aus einem herzförmigen Schilde, worin ein von links nack rechts schreitendes Schaf, über deffen Rücken ein dreiblätteriges Kleeblatt emporwächst. Tincwren sind nickt angegeben, es sei denn, daß das Fehlen der Schraffirung auf Silber gedeutet werden könnte. Den Schild krönt ein geschlossener Helm, der als Helmzier ein von rechts nach links schreitendes Schaf zeigt. (Es wäre wünschenS- werth, zu wissen, ob es sich hier bloß um ein Phantasiewappen handelt.) — Die Grabschrist beginnt an der oberen linken Ecke des Steines und läuft in zwei Zeilen um den ganzen Stein herum- sie lautet: Herr Joh. Görg Schöffer ist geboren den 3. Juni anno 1595 (ein Schreibfehler, muß heißen 1598) gewesenen Schultheißen zu Ranstadt (13 Jahre Keller und Amptmann zu Ortenberg) Sohn- 31 Jahre Schultheiß - Obermärkermeister, Zoll- und Landbereiter 35 Jahre. Erzielt 21 Kinder - in erstere Ehe mit Frau Marie Elisabeth Endelin 7 Kinder- 1650 mit Frau Anna Katharina Wachtothin erzielte er acht Söhne und sechs Töchter. Gestorben 1679 den 12. November, seines Alters 81 Jahre, 6 Monate, 19 Tag." Unter dem Wappen befindet sich folgendes Reimlein:
„Das Herr Schultheiß möchte blühen Euer Name für und für Will ich diesen Vers anziehen: Hier an dieses Grabes Thür Herr Scköffers Fleisch und Bein Lieget unter diesem Stein."
Es folgt darauf: ein Todtenkops mit zwei gekreuzten Todtenbeinen, darüber das Stundenglas und die lateinische Sentenz:
Mors lugrum vita Christus
(Der Too ist Trauer Das Leben ist Christus.) Schultheiß Schäffer war bis kurz vor seinem Tode amtlich thätig, denn unterm 9. September 1679 trug er in sein Tagebuch, das uns vorliegt, folgenden Fall ein : Hans Dapper, der Heckenbauer und sein Weib waren wegen Diebstahls zu ewigen Zeiten des Landes verwiesen worden. Die Diebe wurden damals hart bestraft. Unterm 25. October 1669 berichtet Schäffer über eine Landesverweisung: „Dem Delinquenten wurde „der Gallgen vf die Stirn gebrannt, beydte Ohren abgeschnitten, von der Lindten biß vs Nassauisch gebieth vf Reichelsheimer Brücken mit Rudten außgeftrtchen, daselbsten der Uhrphehden vorgelesen, dem Meister (Henker) mit drei Fingern Vs daß Schwerdt legen mllsen vndt der Urpheden nachgesprochen treulich zu halten, alß dann übergestoffen vf Nassauische Crentz, Jrn Rückweg der Schultheiß alhier, Mit dem Meister nach Gericht gezogen, der Meister beydte Ohren ans gericht genagelt, Sambt der Rudten, womit der arme. Sündter ausgestrtchen, alles zur Nachricht. Gott behlltt Jeder redtlich leuth Kinder vor solch Fall, Nach Verrichtung Urthel vmdt Uhrpfhede Ich Widder zur Cantzley geistert." Der Heckenbauer Hans Dapper und fein Weib sind jedoch glimpflicher durchgekommen und zwar deshalb, weil sie durchbrannten. Schultheiß Schöffer berichtet folgendes köstliche Stücklein darüber in seinem Tagebuch. Der Landgraf Wilhelm Christoph fuhr im September 1679 in der Morgenfrühe auf die Hirschbrunst. Der Schloßpsärtner vergaß das Thor zu schließen. Die Dapperin zog den Rock des Schließers an, setzte dessen Hut auf und kam glücklich auS dem Schlosse, desgleichen ihr Mann. Beide eilten noch ihrer Wohnung, wo ihre Kinder noch schliefen; hier warf das Weib die Verkleidung ab, suchte (noch Schäffers Auszeichnung) daß „Hasen Panier" und gelangte glücklich über die Nassauische Grenze an der Reichelsheimer Brücke, welche höchstens 20 Minuten von Bingenheim entfernt ist — und war gerettet. Bei der damaligen Kleinstaaterei konnte ein guter Läufer in (bicm einzigen Tage zwanzig Herren Länder durchqueren, das E<n- fangen von Dieben, Vagabunden ünd anderem Gesindel ivar daher eine positive Unmöglichkeit.
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