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21.11.1893 Zweites Blatt
 
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Dir Gietzruer -«»ittenAktller »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal dechelegl.

Zweites Blatt. Dienstag den 21. November 1893

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

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2 Mark 20 Psg. edt Lringerlohn.

Durch dir Poft txz»G« 2 Mark 50 «H-

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Zlnrts- und Anzeigeblatt für den Areir Giefsen

HratisKeilage: chießener Ilamikienölcitter.

ohne daß jedoch dessen Segnungen ihnen ganz und voll zu I wurden schon im Jahre 1757 arg mitgenommen, während

Feuilleton.

Friedrich bei Leutheu einen glänzenden Sieg erfocht.

I»»ahmk voll Anzrigrn zu der Nachmittags für den ie(|tnlen Tag erscheinenden Nummer bis Lorm. 10 Uhr.

Alle AnnonceN'Burcaux des In» und Auslandes nehmen Anzeigen für dmGießener Anzeiger" mtgegm.

Auch das Jahr 1758 ist in unseren Urkunden nur ganz kurz erwähnt. Die Stärke der Franzosen betrug in ihm 114440 gegen 50159 Deutsche. Die Franzosen breiteten sich während des genannten Jahres über Hannover, Braunschweig und Hessen aus. Mit dem Beginne des Juli zog das Corps von Soubise von Hanau aus in nördlicher Richtung durch Hessen. Da das Landvolk durch allerlei Fuhrleistungen sich manche Verdienste zugewiesen sah, so hatte man anfangs diese Durchzüge nicht ungern. Als sie später mit Gewalt zu Fuhrdiensten gezwungen und mit schweren Contributionen belegt wurden, verloren sie schnell das Wohlgefallen am Kriegswesen. Soubise drang bis nach Hannover vor, von wo er später in die Winterquartiere nach Hanau zurückkehrte. Der zu seinem Corps gehörende Oberst Fischer (dieser, ein geborener Würtemberger, Sohn eines Hofraths, stand erst in österreichischen, dann in fran­zösischen Diensten. Er hatte ein Freicorps aller Waffen­gattungen bis zu 6000 Mann errichtet. Fischer siel schon vor Beendigung des Krieges in einem Duell bei Cassel mit einem französischen Offizier, der über sein Corps gespottet hatte, vor der Stadt Hannover stehend, verlangte von ihr zur sofortigen Lieserutth 300 gesattelte Pferde und eine Million Thaler. Doch wurde er abgewiesen und mußte, ohne etwas erhalten zu haben, abziehen. In Hessen erpreßte man 6573778 Gulden. Seine Winterquartiere bezog Fischer in Lich und Umgegend und hat da gehörig gebrandschatzt. In Friedberg, Gießen und Marburg lagen starke französi­sche Besatzungen.

Gleich zu Anfang des Jahres 1759 trat auch der Papst öffentlich auf die Seite der Feinde Friedrichs. Dem österreichischen General Daun verlieh er einen geweihten Hut und Degen dafür, daß dieser den Preußenkönig bei Hochkirch 1758 überfallen hatte. Im Oberkommando über die französische Mainarmee löst der Herzog von Broglie den bei Hof in Ungnade gefallenen Soubise ab, welcher 1761 den Oberbefehl über die Armee am Niederrhein erhält. Die Kriegsstärke der Franzosen betrug 126000 Mann; die der Deutschen, zu welchen englische Corps gestoßen waren, 74976. Gegen Broglie wandte sich nun zunächst die Armee des Herzogs Ferdinand, welcher des Erbprinzen von Braunschweig Karl Wilhelm Ferdinand Armee als Avant­garde diente. Die in Hessen zerstreuten französischen Ab- theilungen ziehen sich bei der Annäherung des Erbprinzen nach Süden zurück, und der französische Ärmeechef sammelt sie bei Bergen in der Nähe des Maines. Dieses, rundum wohl verschanzt, gewährte den Franzosen eine sehr geschützte, vortreffliche Stellung. Trotzdem läßt der Herzog von Braunschweig sie am 13. April angreifen, aber, wie voraus­zusehen war, ohne Erfolg und nicht ohne schmerzliche Ver­luste. Die Alliirten verloren 2357 Mann; die Hessen allein 1159. Der Verlust der Franzosen betrug über 4000 Mann.

(Fortsetzung folgt.)

Theil geworden wären. Das eben war nicht möglich, weil der damalige Friede dem ganz glich, in welchem wir seit dem 1870er Krieg, seit der Wiedergewinnung von Elsaß- Lothringen, seit der Wiederaufrichtung des deutschen Kaiser­reichs leben. Damals war es, wie heute, nur ein Friede, den die feindlichen Parteien zu den umfassendsten Rüstungen benutzten, um bei passender Gelegenheit einen entscheidenden Hauptschlag führen zu können, ein Friede, den nur das Gleichgewicht der Staaten aufrecht erhielt. Sobald sich der Besiegte in der Lage glaubte, dieses Gleichgewicht zu seinen Gunsten verschieben zu können, zeigte er sich bereit, den zündenden Funken ins Pulverfaß zu werfen. Und eine solche Verschiebung herbeizuführen, zeigte sich Oesterreichs Herrscherin in der damaligen Zeit ebenso eifrig und thätig, wie wir das bei dem Besiegten von 1870 und 1871 in unseren Tagen sehen. Nicht nur durch die umfassendsten Rüstungen, sondern hauptsächlich auch durch Bündnisse sucht der letztere jetzt, und suchte Maria Theresia damals dieses Ziel zu erreichen. Und da tritt uns nun die in der Ge­schichte wie im Privatleben oft vorkommende Erscheinung entgegen, daß nämlich das gleiche Interesse und der gemein­same Haß frühere Feinde verbindet und einander zu Freunden und Helfern macht. Isis zu verwundern, daß das mächtig aufstrebende, mit Kriegsruhm reich geschmückte, von weisen, kraftvollen Herrschern regierte, von der pro­testantischen Welt als der Hort des Protestantismus be­trachtete und hochverehrte Preußen allenthalben viel Neider und Feinde fand? Diese alle suchte das rachedurstige Oesterreich damals um sich zu sammeln, und auf seine Einladung fanden sich ein: Rußland, Frankreich, Schweden, Sachsen, Polen, ja selbst des damaligen altersschwachen deutschen Reiches Truppen wurden beordert, gegen Preußen zu marschiren, um sich womöglich unblutige und billige kriegerische Lorbeeren zu pflücken. So viel Feinde, mußten die nicht im Stande sein, Preußen wieder klein zu hauen? Darauf rechneten seine Feinde um so gewisser, da ihm nur das meerbeherrschende England, dessen stolze Flotte aber bei dem weitumfassenden Landkriege weniger Bedeutung haben konnte, und weiter die unbedeutenderen Landmächte Hannover, Braunschweig und Kurhessen, über welches letzte Landgraf Wilhelm VIII. regierte, zur Seite standen. Ganz in aller Stille betrieben Preußens Feinde ihre Rüstungen. Doch ehe diese noch beendigt waren, eröffnete Friedrich, der im Geheimen sich von den Plänen seiner Feinde Kennt- niß zu verschaffen gewußt hatte, plötzlich den Feldzug mit 197 000 Mann gegen 431000.

Im Jahre 1756 besiegte Friedrich die Oesterreicher bei Lobositz und erobert Sachsen, muß aber 1757 von Prag unverrichteter Sache abziehen und sogar, vom österreichischen Feldmarschall Daun bei Kolin geschlagen, Böhmen räumen. Die von Westen her anrückenden Franzosen sammt der Reichsarmee jagt er bei Roßbach in eilige Flucht. Vor dieser Niederlage hatten die Franzosen bereits den Bundes­genossen Friedrichs, den Herzog von Cumberland, den Sohn des Königs Georg II. von Großbritannien, bei Hastenbeck in Hannover besiegt. An die Stelle des Besiegten trat der Herzog Ferdinand von Braunschweig, ein umsichtiger, energischer Feldherr. Er hebt sofort die für die Alliirten schmachvolle und nachtheilige Convention vom Kloster Zeven, nach welcher die Hessen und Braunschweiger nach Hause gehen sollten, auf und übernimmt die Oberleitung auf dem westlichen Kriegsschauplätze, während Friedrich der Große die Oberleitung auf dem östlichen behält. Von da an erscheinen zwei große Kriegsschauplätze; im Osten: Schlesien, Sachsen, Böhmen, Pommern; im Westen: Hannover, Braunschweig, Hessen. Der Betrachtung des letzteren haben wir uns besonders zuzuwenden.

Unter Ferdinands Befehl stehen die englischen Hilfs­truppen, die Hannoveraner, Braunschweiger und Hessen und kleinere preußische Abheilungen, ungefähr 45000 Mann. Diesen stehen gegenüber die Franzosen, welche allein, ohne die Süddeutschen, 105 000 Mann stark waren, befehligt von verschiedenen Marschällen, Anfangs d'Estrees, dann Richelieu, nach diesem d^ Contades, über die Rheinarmee und der Prinz von Soubise über die Mainarmee. Von vornherein war es das Bestreben und Ziel der Franzosen, durch die unverschämtesten Erpressungen, Plünderungen und Ver­wüstungen das uneinige Deutschland möglichst arm und schwach zu machen. Richelieu zeigte sich darin als Meister. Er pflegte zu sagen: Cetait le droit du general. In Paris ließ er sich einen prachtvollen Palast erbauen, den das Volk spottweise le Pavillon dHannovre nannte. Das Vorbild Richelieus ahmten seine Nachfolger mit mehr oder weniger Rücksichtslosigkeit nach. Braunschweig und Hannover

* Quitt? Herr Kandis, ein reich gewordener Colonial- waaren-, Wein-, Tabak- und Cigarren - Händler, hat an den Restaurateur Panschmann eine Forderung von 70 Mk., die er aber trotz eifrigen Mahnens nicht beitreiben kann. Schließlich kommt er auf den Gedanken: Wollens absaufen! Mit ein paar Freunden geht er mit Panschmann in dieSüße Hei- math" und läßt Sect anfahren, eine Flasche nach der andern. Als er merkte, daß die 70 Mk. voll sind, ruft er:Du, Panschmarm!"Ja wohl!"Wie viel hab' ich?" Siebzig Mark!"So viel bist Du mir ja schuldig!" Ja wohl!"Dann sind wir also quitt!"Jawohl!" Der Sect war aber gut!" . . . Sag' mal, wo hast Du den her?"Den hab' ich von Dir rüberholen lassen!" ,,Wa' . .? Anschreiben lasten?!!Ja wohl!"

* Kleiustadtlnst. Man schreibt derFrkf. Zig." : In der in Neustadt a. S. (Unterfranken) erscheinendenRhön- und Saalpost" macht sich eine in ihrer gesellschaftlichen Ehre schwer gekränkte Dame durch folgendes Inserat Luft:Anzeige. Den Herren königl. Beamten und deren Frauen, besonders Frau Oberamtsrichter Eberlein und Frau Amtsrichter Stängel, ferner der ganzen Einwohnerschaft von hier diene zur gefl. Kenntniß, daß mein Mann nicht Assistent, sondern pragrnat.- königl. Secretär ist. Bischofsheim, den 10. Nov. 1893. Frau Secretär Breuder." Ob die schneidige Dame mit diesem InseratErfolg" gehabt hat und ihr Mann den ihm gebührenden Titel von der Frau Oberamtsrichter und der Frau Amtsrichter jetzt erhält, ist noch nicht bekannt geworden.

Rittheilungcn aus dem siebenjährigen Krieg, besonders aus den Kirchenbüchern von Queckborn und Ettingshausen von Pf. F. in Q.

Nachdruck verboten.

Anziehend, die Liebe zu unserem großen deutschen Loterlande mächtig weckend, zu Selbstverleugnung und Opfer- villigkeit für dasselbe ermunternd, so erzählen uns die großen Kcschichtswerke die Ereignisse des siebenjährigen Krieges. Epecialwerke, die nur diesen Krieg behandeln, thun dasselbe »och in höherem Grade. Nicht weniger sind dazu geeignet auch so mancherlei, den erwähnten Krieg betreffende Nach­richten, die sich noch in alten Urkunden finden, und die zum Theil noch nicht veröffentlicht worden sind. Zu diesen alten Urkunden gehören sowohl die Aufzeichnungen, welche 1011 Privaten zu jener Zeit niedergeschrieben worden sind, unft die als alte Familien-Urkunden den.Nachkommen der Aufzeichner das erzählen, was ihre Vorfahren in jener Ariegsperiode erlebt und erlitten haben, als auch die Notizen, welche sich besonders in alten Kirchenbüchern über jene vor- finbrn. Namentlich die letzteren enthalten zum Theil über Itn östlichen, zum Theil über den westlichen Kriegsschauplatz iwdi manche sehr interessante Nachrichten. Ueber den west- jpen Theil des Kriegsschauplatzes geben nun auch die Kirchen­bücher von Queckborn und Ettingshausen interessante Mitthei­lungen über Ereignisse, die sich in diesen Orten und auch in der näheren und ferneren Umgebung derselben zugetragen haben. Find diese Ereignisse auch nur ein minder wichtiges Glied in der großen Stelle der geschichtlichen Begebenheiten während des siebenjährigen Krieges, so dürften sie doch namentlich für die Einwohner von Queckborn und Ettingshausen und für deren Nachbarn ein besonderes Interesse beanspruchen.

Die Hauptquelle, welche mir die zahlreichsten und und) tigften Mittheilungen darbot, aus welcher besonders zu idwfen ich Veranlassung genommen habe, ist unser ältestes Archenbuch, das mit dem Jahre 1662 beginnt. Es berichtet uns vieles aus dem siebenjährigen Strieg und der Wunsch, dieses, das seither im Verschlüsse des genannten Kirchen­buchs liegend, nur Wenigen zugänglich und bekannt gewor- btn war, auch dem weiteren Kreise derjenigen rnitzutheilen, die sich dafür intereffiren mögen, hat mich zunächst veranlaßt, Über den oben erwähnten Gegenstand zu berichten. Anderer- fritS wollte ich durch die Schilderung dessen, was Queckborn, Lutter und Ettingshansen in jenen Jahren, besonders von 1759 dis 1762, erfahren, gelitten und geopfert haben, ein kleines Bild zeichnen, welches geeignet fein dürfte, die unsäglich großen Heimsuchungen und Opfer uns im Geiste schauen zu lassen, welche jener Krieg unserem weiteren Vaterlande auferlegt hat, auch das Unheil vor die Augen zu führen, welches wohl zu jeder Zeit mangelnder Patriotismus und rücksichts- loic Selbstsucht, die ihren Sonderinteressen zu lieb das Pohl des Vaterlandes fremder Herrsch- und Habsucht »eisgiebt, über unser engeres und weiteres Vaterland gebracht, die schweren Wunden, die sie ihnen geschlagen haben. Eine solche Betrachtung und Erwägung muß uns i*er lehren und dahin führen, daß wir die Errungenschaften »v letzten großen Kriegs in 1870 und 1871 um so höher iiischlagen, und echte Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit ; fürs Vaterland um so eifriger Pflegen.

Fallen dem Gegenstände unserer Mittheilungen gemäß hauptsächlich nur die in Queckborn und Ettingshausen und in icr näheren Umgebung dieser Orte vorgefallenen Ereignisse in den Rahmen unserer Betrachtung, so haben wir die übrigen kdeigniffe nur vorübergehend zu berühren und besonders inr insoweit, als diese mit den von uns zu erwähnenden ' in engerem Zusammenhang stehen. Im Uebrigen halten wir b für unsere Aufgabe, die Fäden aufzusuchen und an das licht zu legen, welche die Notizen unserer Kirchenbücher nit der allgemeinen Geschichte jenes Krieges verknüpfen. La uns nun betreffs der ersten zwei Jahre des sieben- jah eigen Kriegs keinerlei Einträge vorliegen, so sei es mir zestattel, die großen Ereignisse der Jahre 1757 und 1758 len geehrten Lesern in kurzem Ueberblicke vorzuführen.

Durch die beiden schlesischen Kriege (17401742 und i'441745) hatte sich Friedrich der Große in den garan­tirren Besitz von Schlesien gesetzt. Die Friedensverträge lon Dresden und Aachen hatten den Besitz dieser lang und hei-ß umstrittenen Provinz ihm feierlich ^gesprochen. Mit schwerem Herzen sah sich Oesterreichs große Kaiserin Maria Lhrresia genöthigt, sich in das Unvermeidliche zu fügen. Le:iitschlands Fürsten und Völker genossen wieder Frieden,