"«’n.
Carl“
Zerrung,
tritt.
?*' 1« 6*.
®E*tand.
* Sitrkrlltr Leerung, ®*n *e mnn ® M «bgel,n.
«« Mr«,. ^°°,«be°ds M»de f1Mt, Blt °«! ta Ratte
* ’to äwilitn loIe «m rf. bit W 12 Uhr, bei W Sinbenp!^, °fßr., in Gmpb ^Vorstand, ublikum # Frei- n De- kn btt
Mv. mdlung il
Itltrtnjr.55 i Gießen: WchlS'M
II — "
Haus. 8i9i
uni bei unserem geworben finb,
StS 808) 1881 3310
8SS
200J mz jfiUt 6-Ä
ict W»'
S*
HWist c 1898.
-Mir e onopol:3lnL
«j t»
Nr^ 299 Zweites Blatt. Mittwoch bett 20 December
Der AKtztirrr >e|tl|Ci cr^nirt täglich, ett «u-nahmk btl Montag«
Die Gießener
xvbtn dem Anzeiger ir^choUtch dreimal dr^egt.
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
1893
UieNeNihric- XMwet
2 Mark 20 Pfg. «<* Brmgerlohn
Durch dir Post bt|cye
2 Mark 50
Redaktion, Lxprd^« und Druckerei:
, Fernsprecher 51.
Jlmtf* und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.
■■ "..... II ■ ' .....
iMÜnt een Anzeigen zu der Nachmittag» für den felOeude» Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Kratisbeitage: Gießener KamitienbtäLler.
Alle Ännontm-Butfour de» In« und Auslände» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgege».
———MMMWMMM——WWW«»«
Parlamentarische Weihnachten.
Der deutsche Reichstag hat unmittelbar nach der endgültigen Annahme der Handelsverträge mit Rumänien, Spanien und Serbien seine Weihnachtsferien angetreren, er kann jetzt also auf den ersten Abschnitt seiner am 16 November eröffneten neuen Session zurückblicken. Wenngleich die Reichsboten in diesem vierwöchigen Zeiträume begreiflicher Weise noch nicht viel vor sich zu bringen vermochten, so' weist ihre bisherige Thät'gkeit doch immerhin schon manche bemerkens- »erthe Momente auf. Hauptsächlich ragt hieraus die Be- rathung und schließliche Annahme der neuen Handelsverträge jcrvor. Die handelspolitischen Fragen beherrschten ganz Überwiegend den nun beendigten einleitenden Theil der gegenwärtigen Tagung des Reichsparlaments und entfesselten sie wiederholt scharfe Redekämpfe zwischen der Regierung und den Anhängern der Handelsoertragspolitik einerseits und deren Gegnern anderseits. Endlich ist aber den neuen Handels oerträgen doch die parlamentarische Sanction ertheilt worden Und kann man angesichts der vollzogenen Thatsache nur aufrichtig wünschen, daß die Erwartungen in Erfüllung gehen ’trögen, die in den commerciellen und industriellen Kreisen 'Deutschlands auf die Neuregelung unserer handelspolitischen Beziehungen zu den genannten Ländern gesetzt werden.
Von wichtigeren Verhandlungen, die in dem jetzt abge- schlossenen Sessionsabschnitte slattfanden, sind weiter hervorzuheben die Generaldebatte über den Etat und über die Novelle zum Stempelabgabengesctz. Die allgemeine Berathung dcs Reichshaushaltsetats war diesmal allerdings weniger interessant, als sie es sonst zu sein pflegt, dagegen eröffnete die erftc Lesung der Stempelsteuer-Vorlage beachtenswerthe Ausblicke auf das muthmaßliche Geschick der schwebenden Steuer- und Finanzresorm im Reiche. Nach den betreffenden Verhandlungen zu urtheilen, erscheint das Zustandekommen der geplanten Reformen in der Thal ernstlich gefährdet, da sich die Mehrheit der Volksvertreter für die vorgeschlagenen -steuer- unb finanzpolitischen Maßnahmen offenbar nur bis zu einem gewissen Grade zu erwärmen vermag. Sollte daher voS neue Jahr keinen Umschwung in dieser Stimmung bringen, so dürfte die Reichsregierung gut thun, einen „geordneten Rückzug" in den Steuer- und Finanzfragen anzutreten, ihr wurden hierbei vom Parlamente gewiß goldene Brücken gebaut werden.
Eine Episode von spcciellem Interesse bildete in der vorweihnachtlichen Thätigkeit des Reichstages die Angelegenheit des Jesuitenantrages des Centrums. Unleugbar kann die Centrumspartei mit der vorläufigen Annahme ihres Antrages im Reichstage einen nicht zu unterschätzenden Erfolg verzeichnen, sie hat sich hiermit den verbündeten Regierungen
erneut als ein sehr gewichtiger parlamentarischer Factor in Erinnerung gebracht. Eine einschneidende practische Bedeutung würde der ganze Zwischenfall freilich nur bann, gewinnen, wenn auch ber Bundesrath dem Jesuitenantrage zustimmen würde, Letzteres ist jedoch nach wie vor höchst unwahrscheinlich.
Im Uebrigen hat der Reichstag noch eine Anzahl kleinerer Sachen erledigt, unter ihnen die Militärpensionsnovelle und den Handels-, Schifffahrts- und Freundschaftsvertrag Deutschlands mit der Republik Columbien.
Der Reichstag hat demnach von den ihm zur Lösung unterbreiteten größeren Aufgaben bisher wenigstens eine gelöst, indem er die neuen Handelsverträge durchberieth und genehmigte. Aber die eigentliche parlamentarische Hauptarbeit harrt seiner noch, in ihrer Mitte steht die Special- bcrathung der Steuervorlagen, welche so gewichtige Entscheidungen in sich schließen.
Mögen die Reichsboten nach der wohlverdienten weihnachtlichen Ruhepause frischgestärkt und mit neuer Lust, zugleich aber mit unbefangenem und ruhig prüfendem Blick an ihre ferneren Arbeiten gehen und möchten sie dann ihre Entscheidungen nur so treffen, daß dieselben auch wirklich dem Gefammtwohle ber Nation unb des Vaterlandes entsprechen.
Vermifd?tC9.
* Antwerpen, 16. December. Einer der angesehensten hiesigen Großkaufleute, der auch eine Filiale in Frankreich hat, kehrte kürzlich von einer längeren Reise durch Deutschland zurück und hielt nun vor Freunden und Bekannten einen kleinen Vortrag über seine auf dieser Reife von der deutschen Industrie gewonnenen Eindrücke. Nach seiner Ueberzeugung hat dieselbe in den letzten zehn Jahren ganz gewaltige Fortschritte gemacht und die französische und belgische weit überflügelt. Der Vortragende war förmlich begeistert von den deutschen Fabrikaten, die er gut und so billig nannte, daß die meisten von ihnen jede Concurrenz aus dem Felde schlagen müßten. Das gälte z. B. unbedingt von den einfacheren Möbeln, den Glaswaaren, den electrotechnischen Artikeln, den Stahl- und Eisenwaaren und noch vielen anderen Artikeln, die wir nicht alle behalten konnten. Zum Schluffe meinte der betr. Herr, daß die Antwerpener Kaufleute mit vielen deutschen Fabrikaten in Antwerpen und überhaupt in Belgien geradezu glänzende Geschäfte machen müßten und er bemerkte unter Anderen, daß wenn er die Zeit hätte, um sich z. B. mit dem Vertriebe von deutschen Glaswaaren zu befassen, er sich anheischig machen wollte, hiervon allein während der Ausstellung für wenigstens 200 000 Francs abzusetzen. Diese Worte eines so erfahrenen und intelligenten Mannes verdienen
bei uns um so mehr Beach ung, als sie sicher nicht anS'blinder Vorliebe für die Deutschen hervorgegangen sind und weil thatsächlich bereits viele deut-che Firmen in der letzien Zeit die practische Erfahrung gemacht Haden, daß Antwerpen mit feinem großartigen Exporie für gediegene und preiswürdige Fabrikate ein vortreffliches Absatzfeld ist. PaS gilt z. R. von den deutschen Pianosorte Fabrikanten, von denen die bekannte Firma Rud. Ibach Sohn in Barmen den früher als unerreichbar geltenden Erard in Paris überall verdrängt und bei den belgischen Künstlern und Musikern einen wahren Enthusiasmus für die deutschen Pianos wachgerufen Hot,- d»S gilt ferner auch von den optischen und physikalischen Instrumenten, die trotz der sehr vortheilhast bekannten französischen Concurrenz hier fast ausschließlich aus Deutschland bezogen werden. Solche Verhältnisse find es zweifellos werth, daß sie allgemein bekannt unb von unfern Industriellen ernst! <t> beachtet werden; es kommt nur darauf an, daß sie hier ihre Fabrikate in der richtigen Weise an den richtigen Mann zir bringen suchen, bann wirb ein schöner unb bauernber Erfolg sicher nicht auf sich warten lassen.
Consira 6 Millionen Flaschen!
Die unter königl. Hat. Staats controlle stehenden Tisch-, Tafel» und Destertweine der Deutsch-Ital. Wein- Import-Gesellschaft
Daube, Donner, Kinen 8t Co. nomenl(ld) die Tischwein - Marken: Mare» Italia, Vino da Pasto Nr. i und 8, Castel Cologna üFlasche Sv Pf., Mk. LOS. Mk. I do u.Mk. 1.90, welche bekanntlich von atka besseren Rothweinen sich In Deutschland jetzt des grössten Consums erfreuen, sind nebst Preislisten sämmll. Sorten der Gesellschaft rat» haltend, zu beziehen In:
(Sieben bet den bekannten Verkaufsstelle:». 110173
Beim Einkäufe von Weihnachtsgeschenken seien alle Hausfrauen, Herrschaften, rote auch die junge Damen- und Herrenwelt auf die herrlichen WeihnachiseartonS aufmerksam ge, macht, die die Firma Doering u. Cie. für ihre Arbeiter unfertigen ließ Ein jeder dieser Cartons enthält drei Stück ber renommirten Doerings Seife mit der Eule und eignet sich diese bei ber prächtigen Ausstattung unb Eleganz ber Cartons zu einem sehr hübschen unb reprä- sentationssähigen Geschenke ganz besonders für Damen. Man benutze diese Gelegenheit und kaufe zeitig. Diese farbenprächtigen Cartons find, so lange ber Vorrath reicht, ohne Preiserhöhung zu haben. [10059 Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen.
Feuilleton.
Nur ein Schaffner.
Von Georg Paysen Petersen.
(Schluß.)
Am nächsten Tage hatte Fischer wieder Dienst. Es war trübes Wetter und der Nebel so dicht, daß man keine Hand vor Augen sehen konnte. Die Leute eilten mit ihren Weihnachtseinkäusen so schnell wie möglich in die Pferdebahn- wagen und diese waren daher bis auf den letzten Platz gefüllt, nicht von Menschen allein, sondern auch von allerlei Schachteln und Packeten, die die Menschen bei sich trugen. Auch Fischers Wagen war gedrängt voll und rollte langsam Lurch den Nebel dahin.
„Wie weit, mein Herr?" fragte Fischer dienstbeflissen einen stutzerhaft aussehenden jungen Mann, der — beide Hände in den Seitentaschen seines Winterrockes — breit- ipurig vor ihm stand, so daß die Elfenbeinspitze des Ebenholz- töckchens, das er in seine linke Tasche gesteckt hatte, bis zur Augenhöhe reichte und die übrigen Fahrgäste belästigte.
„Zehn Pfennig," näselte der Jüngling, indem er den Rauch seiner Cigarrette dem Schaffner ins Gesicht blies und gleichzeitig mit einer nachlässigen Handbewegung und ohne einen Blick auf die Münze zu werfen, dem Fragenden ein Zehnpfennigstück reichte. Fischer steckte dieses in seine Geldtasche, gab dem Herrchen den verlangten gelben Quittungs- zettel und wollte sich an den nächsten Fahrgast wenden.
„Ich bekomme noch vierzig Pfennige heraus!" schnarrte dec Stutzer.
„Entschuldigen Sie, mein Herr, Sie haben mir nur ein Zehnpfennigstück gegeben," wandte Fischer ein.
„Na, nu wirds aber gut," entgegnete der Jüngling,
„sehen Sie doch gesälligst ordentlich nach, wenn man Ihnen Geld anvertraut, ich habe Ihnen ein Fünfzigpfennigstück gegeben und bekomme vierzig Pfennige wieder heraus."
„Sie müssen sich irren, mein Herr!"
„I bewahre, ich sage Ihnen ja, es waren fünfzig Pfennige, wozu haben Sie denn Ihre Augen!"
Um dem widerwärtigen Auftritt ein Ende zu machen, zahlte Fischer die verlangten vierzig Pfennige schweigend aus und setzte dann das Einsammeln der Fahrgelder fort.
Auf dem Mittelsitze des Wagens, unmittelbar unter dem Kutscherbock, saß in pelzverprämtem Winterrock ein etwa achtjähriges Bürschchen. Kinder lieben diesen Sitz im Wagen vor allen anderen, denn von hier aus können sie die Pferde sehen und die kindliche Einbildungskraft braucht nur wenig nachzuhelfen, um sich als Leiter des ganzen Gefährtes zu fühlen. Das war nun zwar bei dem herrschenden Nebel unmöglich, und der Kleine, der dort saß, hatte heute nur gewohnheitsgemäß diesen Lieblingssitz eingenommen. Als Fischer an ihn herantrat, gab es plötzlich einen Ruck im Wagen, ein lauter Schrei ertönte außerhalb desselben, die Fenster klirrten und der Wagen krachte in allen Fugen- aber schon hatten die großen Hände des Schaffners den Jungen an der Schulter gepackt, ihn blitzschnell emporgehoben und in die entfernteste Ecke des Wagens geschleudert. Im nächsten Augenblicke taumelte Fischer und fiel rückwärts auf den Boden des Wagens, ein Strom Blutes quoll ihm aus dem Munde. Entsetzt sprangen die Fahrgäste auf. Ein schwerer Bierwagen war m voller Fahrt in den Pferdebahnwagen hineingefahren, die Deichsel hatte die Scheiben zersplittert, den ganzen vorderen Theil des Wagens zertrümmert und die Brust des Schaffners getroffen. Nur durch Fischers blitzschnelles, entschlossenes Eingreifen war der Knabe, der vor kaum einer Secunde an jenem Platze gesessen hatte, vom Tode gerettet worden. Der heldenmüthige Helfer aber lag röchelnd am Boden und ein
bald herbeigeeilter Arzt konnte nur achselzuckend bedauern, daß hier menschliche Hilfe unmöglich sei. —--
Drei Tage später betraten die Kameraden des in treuer Pflichterfüllung Gestorbenen dessen Wohnung, um ihm die letzte Ehre zu erzeigen. Als sie in das Zimmer traten, wo ber Todle ausgebahrt lag, standen Mariechen und der kleine Fritz an den Seiten des Sarges und ihre Thränen netzten die Hände des entschlafenen Vaters. Frau Martha aber kauerte am Fußende der Bahre, tränenleeren Auges starrte sie auf das bleiche Antlitz des Tobten und indem ihre Füße den Tact traten, fang sie eintönig:
„Schlaf, Kindchen, schlaf!
Dein Vater hütet die Schaf,
Deine Mutter schüttelt das Bäumelein, Da fällt herab ein Träumelein, Schlaf, Kindchen, schlaf!"
Der Geist des armen Weibes war umnachtet.
Schweigend standen die wettergebräunten Männer und ans mancher Wimper stahl sich eine heimliche Thräne. Da legte ein graubärtiger Kutscher seine Hand auf Frau MarthaS Schulter und sprach:
„Wir müssen ihn jetzt forttragen."
„Ja," entgegnete die Frau, „er schläft auch schon, bringt ihn nur in die andere Stube."
Die Männer schlossen den Sarg und trugen ihn davon - einer aber, ein Schaffner, dessen Ehe der Herr nicht mir Kindern gesegnet hatte, zog Mariechen und den kleinen Fritz an sich, legte ihnen — wie segnend — die Hände auf die blonden Lockenköpfchen und blickte ihnen tief in die blauen Augen.
„Kinder," sprach er, „soll ich jetzt Euer Vater sein?" „Ja," antwortete Marie und trocknete sich die Augen. „Du," rief Fritzchen, „bann mußt Du mich aber zu. Weihnachten eine Blase schenken."


