Ausgabe 
20.12.1893 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt. Mittwoch den 20. December 1898

Gießener Anzeiger

Kenerat-Unzeiger.

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Durch die Poft begaf*. 2 Mark 60 Bft

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Amts- und Anzeigeblutt f8r den Ttveis Gietzen.

Hrattsöeitage: Hießener Aamilieuötätter

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Bekanntmachung,

betreffend Schafräude zu Mainzlar.

der Influenza vorgenommen.

Berlin, 18. December. Zwischen Weihnachten und Neu-

_ ... In einigen ungarischen Comitaten

soll die gefürchtete Saatenzerstörerin, die sogenannteHessen- fliege" aufgetreten sein. Die Landwirthe fürchten, daß bei dem diesjährigen milden Winter das Jnsect die ganze Winter-

Bertheidigungsschrist.

Paris, 18. December. Heute erhielt der Börsenaufseh^r wieder mehrere Drohbriefe, weshalb die Militärwache verstärkt wurde. Munizipalgarden controüiren viertelstündlich das Telegraphenbureau, der Verkehr auf den Gallerien wurre verboten. ,

St. Etienne, 18. December. Nachdem bet hiesigen Berg­leuten mehrfach Dynamit entdeckt worden ist, hat die Polizei in verflogener Nacht Haussuchungen abgehalten und zahl­reiche Verhaftungen vorgenommen. Der Justizbehörde war die anonyme Mittheilung zugegangen, daß Bergleute die Absicht haben sollten, den Justizpalast und das Stadthaus in die Luft zu sprengen.

Vorlage beginnen.

Die Frage, von welcher Macht denn die behauptete Anregung zu einem internationalen Feldzuge gegen die Anarchisten ausgegangen sei, wird jetzt dahin beant­wortet, daß Spanien diesen Schritt gethan habe. Die spanische Regierung hatte ihre diplomatischen Vertreter bet den Großmächten beauftragt, die betreffenden Cabinete zu sondiren, ob und inwieweit dieselben zu Vorbesprechungen über gemeinsame Maßregeln zur Bekämpfung des Anarchismus bereit seien. Anscheinend sind hierbei der spanischen Regie­rung überall Körbe eriheilt worden, theils direct, theilS in- direct. Speziell heißt es von der englischen, wie von der französischen Regierung, daß sich beide kühl und ablehnend gegenüber dem von Spanien angeregten Projrcte verhalten hätten. Demnach dürfte trotz der furchtbaren Mahnung in Gestalt des Bombenattentates in der französischen Deputirten- kammer auch diesmal die Angelegenheit einer internationalen Bekämpfung der anarchistischen Gefahr im Sande verlaufen.

Berlin, 17. December. Vom preußischenLandtag. Mitte Januar wird der preußische Landtag zu einer neuen Session zusammentreten. Im Vergleiche zu den vorgehenden Sessionen wird die bevorstehende nur eine verhältnißmäßig kurze sein, mit wenigen Entwürfen und von nicht so großer Bedeutung wie die Steuervorlagen der letzten Zeit. An erster Stelle kommt der Etat,- neben diesem dürfte das sogenannte

jahr wird in den deutsch-russischen Zollverhand­lungen eine Pause eintreten.

Berlin, 18. December. DieNordd. Allg. Ztg." meldet, daß zum Nachfolger des Grafen Solms als Botschafter in Rom der derzeitige Gesandte in Bukarest, v. Bülow, in Aussicht genommen ist.

Berlin, 18. December. Die Socialdemokraten erklären sich nunmehr gegen die in Gewerkschaften befindlichen An­archisten. Die Generalversammlung des socialdemokratischen Wahlvereins sür den sechsten Berliner Reichstagswahlkreis bekämpfte einen Antrag auf Unterstützung der ausständigen Arbeiter von der mechanischen Schuhwaarenbranche aus der Vereinskaffe heftig, weil die Strikenden meistens Anarchisten sind.

Berlin, 18. December. DvrStaatsbürger Ztg." wird zur Angelegenheit Kirchhof-Harich gemeldet: General Kirchhof war vom Militärgericht zu mehrmonatlicher Festungs­haft verurtheilt. Er hatte kürzlich seine Strafe in der Festung Magdeburg angetreten. Nachdem er 14 Tage verbüßt, ist er vom Kaiser begnadigt worden.

Berlin, 18. December. Gestern sand in dem Vorort Weißensee eine von vielen Neugierigen besuchte Anar­chistenversammlung statt. Trotzdem Leute wie Reinsdorf,

Berlin, 18. December. Die Ausschüsse des Bundesraths für Handel, Verkehr, Zoll- und Steuer­wesen haben heute Sitzungen abgehalten. Zur Berathung standen die Verordnungen über den Zollzuschlag sür die aus Rußland kommenden Maaren, Abänderungen des amtlichen Waarenverzeichnisses zum Zolltarif usw.

Berlin, 18. December. Aus Anregung des Reichs­gesundheitsamts werden gegenwärtig wieder in allen Bundes­staaten Erhebungen über den Umfang und die Bedeutung

Die angeordneten Sperrmaßregeln in rubricirter markung sind hiermit aufgehoben, da die Räude erloschen ist.

Gießen, den 19. December 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

saat zerstören wird.

Hamburg, 18. December. Der Senat hob das Verbot der Beförderung russischer Auswanderer über Hamburg für diejenigen Auswanderer auf, welche die Unter« suchung und Desinfektion in der Außwandererstation Ruhleden bei Berlin durchgemacht haben und im Besitz von vollbezahlten Fahrscheinen der Packetfahrt-Gesellschaft sind.

Zürich, 18. December. In der verflossenen Nacht ist hier ein aus Deutschland eingeliefertes anarchistisches

Locales unfc provinzielles. '

Gießen, 19. December 1893.

* Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 21. Dcember 1893, Nachmittags 4 Uhr. 1. Mittheilungen. 2. Gesuch des Männerturnvereins um vorübergehende Ueberlassung der Realschulturnhalle. 3. Vorlage der Rechnung der GYmnasial- Vorschule für 1892/93. 4. Abhaltung des Jugendfestes in

1893; hier: Uebernahme des Fehlbetrages auf die Stadtkasse. 5. Uebertragung von Straßenbau-Crediten aus dem Rechnungs­jahr 1892/93 in das Rechnungsjahr 1893/94. 6. Unter­haltung der Grabstätte des Wolf von Todtenwart. 7. An­bringung eines Briefkastens in der Gartenstraße. 8. Baugeiuch des Corps Teutonia; hier: Dispensationsgesuch. 9. Festsetzung des durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienstes der in la,.ü- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen. 10. Die Vornahme einer außerordentlichen Viehzählung am 1. December 1893. 11. Düngung der städtischen Wiese»;

hier: Anschaffung von künstlichem Dünger. 12. Gesuch des Georg Löhr von Gießen um Concession zum Wirthschasis- betrieb in der bisherigen Wirthschaft zur Traube tn der Kaplansgasse. 13. Gesuch des Philipp Bauer II. dahier um Concession zum Wirthschaftsbetrieb in seinem Hause Bahnhof, straße 57. 14. Gesuch des Karl Weidig zu Gießen um

Eisenbahngesetz die wichtigste Vorlage bilden. Dabei handelt Stellmacher undVaillant verherrlicht wurden, sah d,e Gendarmerie es sich darum, die dem Bau von Kleinbahnen enrgegenstehenden I sich nicht veranlaßt, die Versammlung aufzulöftti. Hindernisse zu beseitigen. Von Seiten des Cultusministers I Berlin, 18. December. In einigen ungarische, ist nur der Gesetzentwurf, betreffend das Ruhegehalt und die r-*n " nnpnnnn e

Verhältnisse der Hinterbliebenen von Lehrern an den öffent­lichen Mittelschulen, ausgearbeitet. Im Justizministerium ist

Darmstadt, 18. December. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog sind gestern Abend 10 Uhr 20 Mm. von Coburg hierher zurückgekehrt.

Berlin, 17. December. Ueber allen parlamen- o

tarischen Wipfeln ist nunmehr Ruhe und verstummt I 17. December. Der Ministerpräsident Crispi

sind bis auf Weiteres die Debatten im Reichstage, wie in I üerfügte im Einverständniß mit dem Marineminister die

den gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten. Im I Riickberufung des von der früheren Regierung nach

Reichsparlamente ging es aber unmittelbar vor Eintritt der I Palermo entsandten Geschwaders, da die dortige Lage eine

erlösenden Weihnachlsserien noch einmal heiß genug zu, die I derartige Verfügung nicht erfordere.

Gegner der Handelspolitik dec Regierung unternahmen einen I Madrid, 17. December. Die Abordnung der in Bilbao letzten verzweifelten Vorstoß gegen die neuen Verträge, be- | e0Cn die Handelsverträge abgehaltenen Versamm- sonders gegen den rumänischen Vertrag, aber sie wurden I luug begab sich zur Königin mit der Bitte, bei der Regierung schließlich auf allen Punkten endgiltig geschlagen, die Handels- I für b(c Ablehnung des deutschen und englischen Handels­politische Redeschlacht war sür sie definitiv verloren. Die I Vertrages einzutreten. Die Handelskammer von Madrid be- Unterlegenen trösten sich damit, daß die Regierung jetzt nur I teitet eine Gegenkundgebung zu Gunsten des unbedingten einen Pyrrhussieg errungen habe und daß die etwaigen Der- I Freihandels vor. Handlungen über den russischen Hundelsnertrng 'm Reichstage Nicht so günstig verlaufen würden. Indessen, dies ist einst. weilen doch nur billige Zukunftsmusik, denn ehe der in der Luft schwebende deutsch-russische Handelsvertrag dem Reichs­tage wirklich einmal zur gefälligen Genehmigung unterbreitet wird, darüber dürften besten Falles noch lange Wochen ver­gehen. Der Wiederzusammentritt des Hauses erfolgt am 9. Januar 1894, doch stehen für die erste Sitzung im neuen Fabre nur unbedeutende Sachen auf der Tagesordnung. Am Mittwoch den IO. Januar istSchwerinStag", am Donnerstag soll dann die Generaldebatte über die Tabaksteuer-

Bekanntmachung.

Nach Art. 1 des Gesetzes vom 1. Juli 1893, die polizei­liche Beaufsichtigung der Miethwohnungen und Schlafstellen betr., ist der Ortspolizeibehörde die Befugniß eingeräumt, alle zum Vermiethen bestimmte Wohnungen und Schlafstellen, sowie die von Arbeitgebern ihren Arbeitern (Lehrlinge, Ge­sellen, Gehülfen und Dienstboten rc.) zugewiesenen Schlaf­räume einer Untersuchung dahin zu unterwerfen, ob aus deren Benutzung zum Wohnen und Schlafen Nachtheile für die Gesundheit oder Sittlichkeit zu besorgen sind.

Wir bringen daher zur öffentlichen Kenntnißnahme, daß die Schutzmannschast angewiesen ist, in den nächsten 14 Tagen eine vorläufige Ausnahme der hier in Betracht kommenden Räume vorzunehmen.

Gießen, den 16. December 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutsches Reich.

ein Gesetzentwurf über die Verhinderung der Güterzertrümme­rung vorbereitet worden. Weiterhin hat man sich im Land- wirthschafts-Ministerium und den übrigen beteiligten Refforts mit der Errichtung von Landwirthschaftskammern beschäftigt. Doch scheint es noch nicht sicher, daß diese Vorlage an den Landtag gelangt. Von Seiten des Ministeriums des Innern sind zwei Vorlagen in Aussicht gestellt, nämlich eine Land­gemeinde-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau und ein Gesetzentwurf, betr. die Einverleibung der Vororte in die , .. v . 9Intrnf

Stadt Berlin. Seit fast zwei Jahren ist die Einbringung Flugblatt verbreitet wo-den, we ches den TM ,,Auruf eines ComPtabililätSg-setz-S in AuSstcht gestellt; ob dieses an all- Arbeiter und G-nosftn tragt und A° h-tzung-n ehr

Mal die Vorlage erscheinen wird, ist wohl ebenso ungewiß gefährlicher Art enthalt. Seitens der Polizei wi l g wie in den früheren Tagungen. Erinnert mag noch daran nach den Verbreitern des Ausrufs gesucht, mehrere Verdächtige werden, daß für Danzig, Stettin und Kiel die Herstellung befinden sich bereits in Haft.

von Freihafengebieten seit längerer Zeit in Erwägung ge- ^ien, 18. December. Me polnische Blatte '

zogen ist, doch gilt es für unwahrscheinlich, daß jetzt schon sollen in Russisch-Polen wieder mehrere Verhaftung b llglich Vorschläge an den Landwg gelangen. wegen jocMiftifd,» Umtriebe sta.tgesnnben haben Meh,

6 H " I Angestellte der Lodzer Fabrikbahn, sowie die Directonn Der

~ Fröbel'schen Kinderschule in Lodz, Bronowska, befinden sich

Neuste Nachrichten.ntel ben V-rh°s--t°n.

Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau. I Wien, 18. December. In einer Versammlung haben die

Berlin, 18. December. Im Reichstagsgebäude fand l hiesigen Buch druck er geh Ilsen beschlossen, vom 1. Januar eine Conferenz der Vertreter des Reichsversiche- I nächsten Jahres ab eine Erhöhung des jetzt herrschenden rungSamtes, der Landesversicherungsämter und I ^ohtitninimums von 12 auf 15 Gulden zu beanspruchen, der landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaften Diesbezügliche Unterhandlungen mit den Arbeitgebern sollen statt. Die Tagesordnung umfaßte 21 Gegenstände, darunter I f0f0rt beginnen.

bie Abänderung des geltenden Unfallanzeige-Formulars, den I Paris, 18. December. Anstatt daß man hier die Milde Erlaß von Unsallversicherungsvorschriften, freiwillige Versiche des Unheils des deutschen Reichsgerichts gegen die beiden franzö- rung, Umlagemaßstab, ländliche Wegebauten rc. Den Vorsitz Offiziersspione dankbar anerkennt, ist die chauvinistische

führte der Präsident des Reichsversicherungsamts Bödiker. Presse auf dem besten Wege, eine Deutschen- bezw. Die Verhandlungen werden morgen fortgesetzt. I Preußenhetze ins Leben zu rufen. DerJour" schreibt:

~ ~ ~ rr-io.-i Man könne von jedem in Frankreich lebenden Deutschen sagen,

daß er in seiner Sphäre die Aufgabe eines Spions erfülle. Die Polizei möge deshalb alle Deutschen genau überwachen, für die Franzosen sei Mißtrauen gegen Alles, was aus Deutsch­land komme, patriotische Pflicht.

Paris, 18. December. Vaillant verlangte im Ge- fängniß physikalische und astronomische Werke, deren Lectüre cr sich eifrig hingibt. Heute Vormittag arbeitete er an seiner