Ausgabe 
20.9.1893 Erstes Blatt
 
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F<rnsprech« 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Giefzen

Allk Annoncen-Bureaux bei In- und ÄuUanbt« nehm«.

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Der ^tt|extr crfd^nt täglich, «it NuZncchme des Montag«.

Dir Gießener yewirUeirtlfet werben dem Anzeiger «»«chLntlich dreimal deigelegt.

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Kreisen Rußlands Beziehungen unterhaltende Blatt erklärt kurzweg, bei einem fest geschlossenen Bündniß mit Frankreich würden die russisch-französischen Sympathien sich längst ver­flüchtigt haben. Rußlands eigenes, stets skeptisches Verhalten gegenüber diesen Sympathien sei in der Befürchtung gegründet, daß diese russtscherseits sich bis zur Sympathie mit demre­volutionären Dunstkreis" der Franzosen ausdehnen würden, wenn man auch zugeben müsie, daß die jetzigen Sympathien eine lebensfähige, vom politischen Standpunkte aus äugen-

Annahmt von Anzeigen zu btt Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinmden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

blicklich sehr vortheihafte Thatsache seien.

Newyork, 18. September. Bei der PreiSvertheilung m der Weltausstellung in Chicago erhielt Deutschland in der Fischerei-Abtheilung der LandwirthschaftS-AuS-

Attsland.

Wien, 18. September. Kaiser Franz Josef empfing bei seiner Ankunft in Güns eine Anzahl Deputationen und

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Amtliche»' Theil

Bekanntmachung,

und Wekerle.

Leu«, 18. September. In allen Kohlenbergwerken des Pas de Calais wird vollständig gefeiert. Die Ausständigen bilden Patrouillen, um Ausschreitungen zu ver­hindern. Bisher ist kein ernster Zwischenfall vorgekommen. Schaaren von Strikenden durchziehen Lens mit den Rufen: Es lebe der Str'ke!" Auch im Departement Nord ist auf einigen Gruben die Arbeit eingestellt. Der Deputirte BaSly, Präsident des Syndicats der Grubenarbeiter des PaS de Calais,

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erwiderte er die an ihn gerichteten Begrüßungsansprachen in huldvollster Weise. AufS Neue sprach jedoch der Monarch hierbei den ernsten Wunsch aus, die Völker Ungarns möchten in confessioneller und politischer Eintracht mit einander leben.

Die Anwesenheit des Herzogs von Connaught, des dritten SohneS der Königin Victoria, bei den ungari­schen Kaisermanövern, hat zu mancherlei politischen Deutungen Anlaß gegeben. Speciell soll dieser Manöver» I besuch deS englischen KönigSsohnes in Ungarn zwischen den Cabinetten von Wien und London angeblich in Hinblick auf die Fahrt deS russischen Geschwaders unter Admiral Avelon I nach Toulon vereinbart worden sein. Demgegenüber muß indesien daran erinnert werden, daß die Manövereinladung I des österreichischen Kaisers an den Herzog von Connaught bereits vor Monaten ergangen ist, zu einem Zeitpunkte also, | zu welchem von dem russischen Flottenbesuche in Toulon noch I keine Rede war.

Madrid, 18. September. Die spanische Provinz Tarra­gona, bekannt durch ihren Weinbau, droht zu einem Tummel« platz socialistischer und anarchistischer Wühlereien zu werden. Schon kürzlich kam es daselbst zu bedenklichen Ausschreitungen revolutionärer Elemente und nun ist es in genannter Provinz sogar zu einem förmlichen Aufstande der verbrüderten Socialisten und Anarchisten gekommen. Dieselben I erregten schwere Unruhen, sodaß Gensdarmen und Truppen zur Unterdrückung der Emeuten einschreiten mußten. Hierbei wurden elf Aufrührer getödtet und zahlreiche andere ver­wundet.

Unter den enthusiastischen Kundgebungen, welche in | | Frankreich das bevorstehende Erscheinen russischer Kriegsschiffe in Toulon hervorgerufen hat, sind diejenigen der radical-socia- listischen Partei von speciellem Interesse. Denn es ist doch eine merkwürdige Erscheinung, daß auch die französischenRothen um die Wette mit den übrigen Parteien ihres Landes in das Horn der gallischen Russenbegeisterung stoßen, obgleich doch der französischen Socialdemokratie daS absoluttstisch-casaristische I Rußland eigentlich ein Gräuel sein müßte. Aber eS scheint, als ob die Franzosen ein allgemeiner Taumel ergriffen habe, in welchem sie in Rußland nichts als den mächtigen Freund und Zukunstsverbündeten der Republik erblicken, und unter dem Eindrücke dieser Bewegung setzen die französischen Socia» listen alle ihre politischen Principien hintan! Ihre Kriecherei I vor Rußland bekundet sich u. A. auch darin, daß der socialistische Bürgermeister von Marseille eigens bei dem russischen Botschafter v. Mohrenheim in Paris vorgesprochen hat, um auch Marseille die Ehre eines Besuches der erwarteten russischen Gäste auszuwirken. Zu seinem Schmerze mußte sich indeffen der brave Bürgermeister von Herrn v. Mohren- hetm bedeuten lassen, daß Admiral Avelon stricte Anweisung I habe, keine anderen französischen Städte als Paris und Toulon I zu besuchen.

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Erstes Blatt. Mittwoch dev 20. September

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Localer and provinjieller.

Sieben, 19. September 1893.

Oeffeutliche Sitzung de8 Proviuzialausschuffes der Provinz Oberhefsen vom 16. September 1893. 1. Klage des Ortsarmenverbandes Ruppertenrod gegen

Vitrttizvhngrr Aßonutmtat-PreiB» 2 Mark 20 Pfg. mtt Brmgtrloha. Durch btt Post bqogt* 2 Mark 50 Pfg.

Ätbaction, Lspcbiti« und Druckt?«:

Gießener Anzeiger

Senerat-Unzeiger.

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richtete an die belgischen Delegirten ein Telegramm, in dem er mittheilt, der AuSstand sei allgemein, 47,000 Arbeiter feierten- gleichzeitig werden die belgischen Bergleute aus­gefordert, die Arbeit ebenfalls niederzulegen. Truppen der zweiten Division sind heute Nachmittag nach dem Kohlenrevier abgegangen.

London, 18. September. Die liberale nationale Vereinigung beschloß heute Nachmittag in einer großen Versammlung mit Begeisterung eine Resolution, die das Ver- halten des Oberhauses tadelt und die Abschaffung des­selben verlangt.

Chicago, 18. September. DerTtmeS^ zufolge erwägt die Direction der Ausstellung eine Verlängerung der Ausstellung bis zum 31. December. Mehrere ausländische Commissare sollen dem Plane günstig sein.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 18. September. DerNordd. Allg. Ztg." zu­folge bildet den Gegenstand der Erörterung in der CentrumS- preffe und den Organen der Freisinnigen und VolkSPartet der Erlaß der Regierung in Coblenz, welche an­scheinend von ihren Landräthen bei UnterstützungSantragen für katholische Geistliche auch über deren politische Stellung, sowie darüber Auskunft wünscht, ob die Gesuchsteller bei den letzten Wahlen agitatorisch gegen die Staatsregierung auf­getreten sind. Das Blatt erklärt, wenn ein solcher Erlaß ergangen sei, sei dies ohne Vorwiffen deS Ministers geschehen.

Hamburg, 18. September. Capitän Mesb itt vom i DampferGallina" wurde wegen Uebertretung der Quaran- tänevorschriften verhaftet.

Bromberg, 18. September. Heute Vormittag wurde daS Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. feierlichst ent­hüllt. Die Stadt ist prächtig geschmückt. Der commandtrende General des 3. Armeecorps, v. Blomberg, nahm als Ver­treter des Kaisers an der Feier Theil, ebenso Oberprasident Willamovitz und Landeshauptmann Deziembowski. Der Kaiser hatte einen prachtvollen Kranz gespendet.

Wieu, 18. September. Offiziös wird gemeldet, daß tn den letzten Wochen in Ungarn wöchentlich ungefähr achthundert Personen an der Cholera erkrankt sind.

Prag, 18. September. Gestern fanden trotz des Aus­nahmezustandes mehrfach Excess e Seitens der Czechen statt, wobei die Polizeimannschaft verhöhnt und mißhandelt wurde.

Rom, 18. September. Wie hier gerüchtweise verlautet, I soll der Besuch der englischen Flotte wegen der Choleragrfahr I verschoben werden.

Paris, 18. September. In St. Etienne beschloß I eine Versammlung von Bergarbeitern, ihre Wünsche den socialtstischen Abgeordneten zu übermitteln, damit die Kammer ihnen zu Hilfe komme, andernfalls würde der General­ausstand erklärt.

Paris, 18. September. DemGaulois" zufolge trifft das russische Geschwader erst am 15. October in

betreffend die Nothlage der Landwirthschast.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnch, daß bie Intendantur des 15. Armee-Corps zu Straßburg i. E. be- schloffen hat, im Großherzogthum folgende Markte für den Ankauf von Schlachtvieh abzuhalten:

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Neueste Nachrichten. Toulon ein.

Madrid, 18. September. Ueber die durch die Ueber- Wolffs telegraphisches Correspondenz - Bureau. schwemmungen angerichtetenVer Heerungen laufen

Berliv, 18. September. DerReichsanzeiger" ver- ^schreckende Meldungen ein. Unter den eingestürzten Häusern öffentlicht eine Meldung aus Dar-es-Salam, der zufolge toctben fortgesetzt zahlreiche Leichen hervorgezogen. Ueber eine Abteilung der kaiserlichen Schutztruppe die in Ugogo ^0 Häuser sind eingestürzt. Der Kriegsminister sandte Zelte gelegene Haupttembe Kanyange des Wahahehäuptlings Sin- unb bte Kaufleute von Madrid Kleider. Bei Viones und jangaro erstürmt hat. Lieutenant Flißbach ist gefallen und I ^omerQ ^Q[fCn 12 Personenzüge im Wasser.

Lieutenant Richter leicht verwundet. Petersburg, 18. September. Grashdanin preist die

Potsdam, 18. September. Die Kaiserin ist mit den Esche Polittk der freien Hand, die keine BundeSgenoffen kaiserlichen Kindern um 5 Uhr Nachmittags auf der Wildpark- a(g bie weiseste und giebt den nach einem Bündniß station eingetroffen- der Prinz und die Prinzessin Leopold! [ecb Jnfocn gramofen einen falten 2BQffcrftTat)L DaS in höchsten waren zum Empfang am Bahnhofe anwesend. . 1 - - " - ' - -------«w.**

Stuttgart, 18. September. Der Stadtschultheiß Rümelin veröffentlicht ein Schreiben des Kaisers, worin der Kaiser zugleich Namens der Kaiserin anläßlich seines Auf- enthalts in Württemberg, insbesondere in Stuttgart, der Bevölkerung für den wohlthuenden Empfang seinen wärmsten Dank und seine lebhafteste Befriedigung zu erkennen gibt.

Guus, 18. September. Die Manöv <r begannen nach 7 Uhr und endeten IO1/« Uhr. Der Deutsche Kaiser führte bei der Attacke sein Husarenregiment Nr. 7 und zeich- nete Szögyenhi durch eine Ansprache aus. Der deutsche Botschafter, Prinz Reuß, besuchte Nachmittags Szögyenyi

9. 11. .. Gießen.

Gießen, den 16. September 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Gießen, den 16. September 1893.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

IM die «rpßh. vürgermeiftereiei, de- Kreises.

Obige Bekanntmachung wollen Sie sofort und zwar mehrmals auf ortsübliche Weise verkündtgen.

v. Gagern.__ I

Deutsche» Reich.

Friedberg, 18. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog fuhren mit den Höchsten Herrschaften | und Gefolge heute früh 7 Uhr 27 Min. mit der Bahn nach Butzbach und von dort zu Wagen über Ober-Hörgern nach dem Manöverseld bei Münzenberg. Die Prinzessinnen nebst Gefolge begaben sich von Ober-Hörgern zu Pferde nach dem Manöverterrain. ,

Berlin, 18. September. Kaiser Wilhelm weilt nunmehr nach Beendigung seines Manöverbesuches in Süd­deutschland auf ungarischem Boden, um daselbst der Gast Kaiser Franz Josefs bei den großartigen Heeresübungen zu fein. Durch diesen Manöverbesuch in Ungarn, den jetzt der deutsche Kaiser abstattet, wird erneut die unentwegte Fortdauer des Friedcnsbündniffes zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn sowie die treue Waffengemeinschaft der ! beiderseitigen Heere bekundet, die politische Bedeutung des EreigniffeS bedarf daher wohl kaum eines besonderen Com- mentars. Die ungarischen Blätter begrüßen aufs. Wärmste das Erscheinen Kaiser Wilhelms auf ungarischer Erde, wobei fie betonen, dasselbe trage keineswegs den Character einer internationalen Demonstration, wohl aber bedeute der Manöver­besuch des deutschen Kaisers in Ungarn eine Bekräftigung der Friedenspolitik des Dreibundes. Die Ankunft Kaiser Wilhelms in Güns, dem Mittelpunkte der großen ungarischen Manöver, erfolgte am Sonntag Nachmittag 4 Uhr. Der österreichische Kaiser eilte, als der Sonderzug seines kaiserlichen Freundes unb Gastes in die Bahnhofshalle einfuhr, dem Salonwagen des Kaisers Wilhelm entgegen unb umarmte unb küßte seinen hohen Verbünbeten wieberholt. AlSbann fanb auch herzlichste Begrüßung bes Kaisers Wilhelm mit bem Könige von Sachsen unb bem Herzog von Connaught statt, welche beiben Fürstlichkeiten zusammen von Wien gekommen unb eine halbe Stunbe vor bem deutschen Kaiser in Güns eingetroffcn waren. Weiter wurde Kaiser Wilhelm von den Erzherzögen Albrecht, Karl Ludwig, Wilhelm, Ladislaus, Salvator, Rainer und Leopold Salvator, ferner vom Minister des Auswärtigen Grafen Kalnoky, sowie von den ungarischen Ministern Dr. Wekerle, Hieronymi, Fejervary und TiSza tearüfct. Die Stadt Güns zählt etwa 8500 Einwohner und liegt im ungarischen Comitate Eisenburg. Es befinden sich daselbst u. A. ein Schloß des Fürsten Esterhazy, ein katholisches Untergymnasium, eine Hauptschule, ein Militär- ObererziehungShaus, verschiedene Klöster usw.

Berlin, 18. September. Der norddeutsche Antr- femitentag, welcher gestern in Berlin getagt und von 500 Personen besucht war, hat sich mit Schärfe gegen ein Bündniß mit den Conservattven und auch mit den Christlich­socialen des Herrn Stöcker ausgesprochen. Auch gegen die Tabakfabrikatsteuer wandte sich die Versammlung und erklärte in einer Resolution, daß sie gegen jede directe und indirecte Steuern sei, welche bie unteren unb mittleren Klaffen be­lastet. Redner waren u. A. Förster, Ahlwardt, Wille, Pastor Rödenbeck.