Ausgabe 
20.8.1893 Zweites Blatt
 
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Hersfeld, 11. August. Die diesjährigen abnormen Verhältnisse in Bezug auf Die hpreise werden recht treffend illustrirt durch einen Vorfall, der sich auf dem hiesigen Vieh- markte abgespielt hat. Einem Bauern wurde aus dem vor einigen Wochen hier abgehaltenen Viehmarkc für eine junge Kuh 50 Mark geboten. Da ein höheres Gebot nicht erzielt wurde, so wollte eS der Bauersmann doch lieber auf da« Aeußerste ankommen lassen. Er nahm seine Kuh wieder ruhig mit nach Hause und hat dieselbe auf dem am ver- wichenen Mittwoch hier abgehaltenen Diehmarkt nunmehr für 150 Mark verkauft.

Neisse, 15. August. Ferida, die neunjährige Tochter Emin Paschas, welche seit einigen Tagen hier in der Obhut ihrer Tante, deS Frl. Melanie Schnitzer, weilt, bildet den Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit. DaS sehr schwächliche Mädchen weist eine unverkennbare Aehnlichkeit mit dem Vater auf, von dem sie den regen Geist und großes Sprachtalent geerbt hat. Die kleine Ferida spricht arabisch, englisch, französisch, italienisch und deutsch, letzteres nicht so gut wie arabisch, aber besser wie die übrigen europäischen Sprachen, wie auch die Tochter Emins mit Stolz betont, sie sei eine Deutsche. Als solche wird sie, sobald sie sich von der Reise erholt und Klima und Verhältnisse einigermaßen ange­wöhnt hat, auch erzogen werden. Für die Zukunft seines einzigen Kindes hat Emin Pascha vor seinem letzten, anschei­nend verhängnißvollen Zug durch Niederlegung einer bedeu­tenden Geldsumme in Bagamoyo Sorge getragen.

* Zermatt, 17. August. Ein englischer Student, 22 Jahre alt, der mit einem Eollegen und zwei Führern von Saas ge­kommen war, um sich über baß Täschhorn nach Zermatt zu begeben, stürzte diese Nacht um 2 Uhr von einem Felsen, auf welchem die Gesellschaft Halt gemacht hatte, um den Tag zu erwarten. Die schrecklich verstümmelte Leiche wurde iy2 Stunden oberhalb Randa gefunden.

* Wörtlich befolgt. Aus Oppeln wird berichtet' Ein geistlicher Herr auS einem benachbarten Dorfe schenkte einer armen, alten Frau seiner Gemeinde ein Stückchen Land, damit sie sich etwas anbauen könne. Die Alte pflanzte sich Kohl, der auch prächtig gedieh. Eines Morgens aber, als sie auf das Feld kam, sah sie zu ihrem Schrecken, daß ihr in der Nacht all der schöne Kohl gestohlen worden war. Ihr erster Gang war zum Herrn Pfarrer, dem sie ihr Leid klagte. Der geistliche Herr war entrüstet, daß man der armen Frau das Letzte genommen hatte und wies in seiner Predigt am nächsten Sonntag darauf hin, welch große Sünde es doch sei, die alte Frau zu bestehlen.Wenn man mir," so fuhr der Pfarrer dann fort,das gethan hätte, so wäre das noch nicht so schlimm gewesen, denn ich hätte den Verlust eher verschmerzen können." Die Gemeinde lauschte diesen Worten ihres geistlichen Oberhirten mit besonderer Aufmerksamkeit und als der Herr Pfarrer an einem der darauffolgenden Tage seinen Acker beschritt sand er sein ganzes Kohlfeld abgeräumt.

* Von der Wirkung des Infanterie-Gewehres Modell 88 rheilt dieTägliche Rundschau" einen recht interessanten Fall mit. Die Besatzung von Hornkranz in Afrika wurde öfters beim Wasserholen von den Witboys von einer Anhöhe aus beschossen und es gelang, des zerklüfteten bergigen Geländes wegen, selten, einen der unruhigen Geister herunterzuschießen. In einer nach Hornkranz zu mit FelSsteinen verschlossenen Rinne, die nur mannSbreit ist, schlichen die KerlS sich vor und warteten auf die günstigste Zeit. Am 30. Mai, kurz nach Anbruch des Tages, ehe die Wasserholer hinausgingen, wurde jene Rinne genau beobachtet, und bald bemerkte man darin auch drei hintereinander stehende Hottentotten, die von Zeit zu Zeit wie auf Commando sich senkrecht ausstellten, um, nachdem jeder nach einer anderen Richtung hin recognoscirt hatte, schnell wieder hinter der Deckung zu verschwinden. Diesen Moment paßte nun aber einer von der Besatzung, ein ehemaliger Goslarer Jäger, ab. In der Secunde, wo die drei dunkeln Gestalten wieder erschienen, krachte sein Schuß und alle drei wankten in die Rinne zurück. Eine noch am selbigen Tag unter allen Vorsichtsmaßregeln dahin abgeschickte Patrouille fand darin drei Leichen vor. Alle drei waren von der Kugel in die obere Brust getroffen. Der erste in die Mitte, der zweite, der nach links auSgeschaut hatte, in die rechte Seite, und der letzte, der nach rechts gesehen hatte, oberhalb deS Herzens.

* Allerlei Titel. Aus M a r i e n b a d erhält dieF. Z." folgende Zuschrift: Ich gestatte mir, einige Titelmonstrositäten auS der Marienbader Kurzeitung auSzugraben. Möchten Sie ihnen einen Ehrenplatz in den unergründlichen Tiefen Ihres RedactionSmakulaturaufbewahrungSkorbeS" anweisen, oder auch Ihren geehrten Leserinnen und Lesern als abschreckende Beispiele vorführen- einige dürften auch als Sprechübungen für stotternde Menschenkinder von nicht zu unterschätzender zungenequiltbristischer" Wirkung sein. Die schon oft citirte pens. OssizierS'" oderEapitänsgemahlin", eineExpeditionS- Diätarin a. D." mögen noch hingehen, obwohl auf den ersten Blick die Pensionsverhältnisse der Damen doch etwas verwirrt und eigenthümlich erscheinen. Mit einerArztensgemahlin", und sei cS selbst einerk. k. RegimentSarztenögemahlin^', oder einOberstenS-Gattin" müssen wir schon etwas strenger verfahren- das sind Mißbildungen, pardon Wortmißbildungen, geßcn welche derDeutsche Sprachverein" energisch zu Felde ziehen sollte. Wie denken Sie aber über eineAdvocaturS- ConzipicntenSgattin", einek. k. Bezirksgericht« - Adjunkten«- gemahlm", eineComitatS-Ober-PhysikuStochter", eineFeld- marschall-LientenantSgemahlin", eineRauchwaaren-Commif- sionärSgaltin", eineWeißwaaren-GeschäftS-JnhaberS-Gattin", einemed. DoctorS- und Universität-Professorentochter?" Oder fürchten Sie nicht, sich einen ganz complizirten Zungen- datterich zu holen, wenn Sie mir nachsprechen sollten, daß die BuchhaltungS-DiSponenten-gattin" X. diek. k. WaldschätzungS- ReferentenSgemahlin" Z. und dieEommerz- und Admiralität«' rathSgemahlin" B. einladen läßt, mit ihr und derAdvokaten«, und Kammer-DeputirlenSgattin" A. nach Tisch auf demEger- länder" bei einemVerkehrten" einen kräftigen Vierdamenscat

zu dreschen und Mohnkipfel? Ich weiß nicht, wenn ich so etwas höre, dann habe ich in den Fingern das Gefühl, als ob ich beim Blumensuchen mit der Hand unversehens in die Brennnesseln oder in Disteln gerathen wäre. Und wie an- muthig und bescheiden schimmert dann zwischen diesen Sprach­disteln ein niedlichesGlaswaarenerzeugungstöchterlein" hin­durch? Allerliebst, nicht wahr? Doch genug deS Schrecklichen, höre ich Sie rufen, und auch ich will schließen, denn meine Feder macht schon ganz bedenkliche Beinverrei.koersuche und bevor sie zu einem Generalstreik anhebt, muß sie nochmals alle Kraft zusammennehmen, um Ihnen zu versichern, daß ich mit aller Hochachtung bin Ihr ergebenster Kur- und Badegäste- titelmonstrositatennachspürungscommissionSoberreferent.

Die Knute. Einiges aus einem neuen, noch unver­öffentlichten Werke des Grafen Tolstoi,Gott und Menschen" betitelt, ist von einem Correspondenten deSDaily Chronicle" im Manuskript gelesen worden. Er ist der Meinung, daß daS Buch in Rußland verboten wird. Im 12. und letzten Capitel des Buches erzählt Tolstoi, daß er am 29. September v. I., in einem der Districte reifte, in denen die Hungers- noth herrschte. Er bemerkte die Ankunft eines Schnellzuges, welcher einen General und eine kleine Abtheilung Soldaten enthielt. Sie waren auf ihrem Wege nach Tula begriffen, um einige Bauern zu bestrafen, die es yroagt hatten, sich der Schmälerung ihrer Rechte seitens eineß jungen, aber einflußreichen Grundbesitzers zu widersetzen. Gras Tolstoi giebt die folgende realistische Beschreibung der Art und Weise, wie bei dieser Gelegenheit die Gerechtigkeit gehandhabt wurde nicht, wie er sagt, als ein außerordentliches Beispiel, sondern weil er das einzige ist, mit dem er gesetzlich be­kannt geworden.Als Alles vorbereitet war, befahl der Generalgouverneur, daß der erste der zwölf Bauern, welche der Grundbesitzer als die Rädelsführer der Revolte bezeichnet hatte, vorgeführt werde. Dieses Opfer war ein Familien­vater, ungefähr 40 Jahre alt, dessen Rechtschaffenheit sprich­wörtlich war und der sich der Achtung seiner Mitbürger im höchsten Grade erfreute. Es wurde ihm befohlen, sich außzu- kleiden und seinen Platz auf der Bank einzunehmen. Der Bauer bat nicht um Gnade- er wußte, daß dies unnütz sein würde. Er bekreuzte sich schweigend und legte sich hin. Zwei Polizisten eilten vorwärts, um ihn auf seinem Platze zu halten. Ein gelehrter MedikuS stand nahe bei, um im Falle der Noth Hilfe zu leisten. Die beiden Verbrecher, die mit der Ausführung der Strafe beauftragt waren, spukten sich zuerst in die Hände, knallten dann mit ihren Peitschen und begannen ihr Werk. ES begab sich, daß die Bank zu klein war und eS war schwer, den gequälten, sich windenden Menschen ruhig zu halten. Der General­gouverneur befahl, daß eine andere Bank gebracht werde. Unterdessen stand das arme gemißhandelte Geschöpf mit finsteren Blicken, zuckender Unterlippe und mit zitternden, nackten Beinen da. Als die zweite Bank gebracht wurde, band man den Armen noch einmal darauf und die Henker nahmen ihr Werk wieder auf. Mit jedem Augenblicke wurden die Wunden schrecklicher, dem Rücken, den Seiten und Beinen des gefolterten Wesens entströmte Blut und nach einem jeden Schlag stieß der Gequälte einen Seufzer auS, den er vergebens zu ersticken versuchte. Und aus der Menge, welche umherstand, erscholl das Geschluchze der Frauen, Mütter, Kinder und Verwandten des Gemarterten und das Gewinsel Derjenigen, deren [eine gleiche Strafe wartete. Der Generalgouverneur zählte an seinen Fingern die Zahl der Schläge und rauchte kaltblütig seine Cigarette. Nachdem mehr als fünfzig Schläge ertheilt worden, hörte der Bauer auf zu seufzen oder sich zu bewegen und der gelehrte Herr Doetor, welcher seine Dienste und seine Weisheit dem Distriet- Hospital zur Verfügung gestellt, kam herbei, fühlte den Puls des Gefolterten, bückte sich, zu lauschen, ob das Herz noch schlüge- er benachrichtigte den Repräsentanten der Kaiserlichen Autorität, daß das Opfer bewußtlos und daß eine fernere Bestrafung seinem Leben gefährlich sein würde. Aber der Generalgouverneur, trunkener denn je durch die ihm verliehene Machtvollkommenheit geworden, wurde beim Anblicke von Blut wild: er befahl mit der Strafe fortzufahren. Der Folterproeeß nahm seinen Fortgang, bis der 70. Schlag ge­fallen war 70 schien aus unbekannten Gründen die heilige Zahl zu sein, unter der es eine Beleidigung der Gerechtigkeit wäre, aufzuhören. Dann nahm er seine Cigarreite auS dem Munde und sagte ruhig und gelassen:Genug! Führe den Nächsten her!"

* Statistik der Analphabeten Europa«. Herr Janshut gibt in derNedelja" folgende Tabelle über die Volksbildung in den verschiedenen Ländern Europas:

Des Lesens und Procent

Schreibens Unkundige: 0,2 Sachsen

0,3 Norwegen

0,4 Bayern und Schweden

0,6 Preußen

1,9 Finnland

9,0 England

9,5 Frankreich

23,6 Oesterreich

42,0 Italien

78,3 = Rußland

79,3 Serbien

, 82,0 Rumänien

85,0 ---- Bulgarien

? --- Türkei

Abgesehen von den Balkanstaaten, steht also Rußland in Europa auf der niedrigsten Bildungsstufe, während das kleine arme Finnland selbst so reiche Länder wie England und Frankreich übertrifft.

Nicht selten machen Lehrer die trübe Erfahrung, daß die der Schule entlassene Jugend sich in wenig ehrerbietiger Weise gegen ihre ehemaligen Lehrer betragt. Die jungen Burschen glauben, da der Lehrer keine Strafgewalt mehr über sie hat, sich alles gegen ihn erlauben zu dürfen. In Stettin passierte vor einiger Zeit der Fall, daß ein vor

einigen Monaten entlassener Knabe seinem ehemaligen Lehrer aus der Straße ein Schimpfwort nachries. Dieser meldete die Angelegenheit bei der Polizei und beantragte gerichtliche Strafe, Kürzlich kam die Sache vor dem Schöffengerichte zur Verhandlung. Der Amtsanwalt beantragte eine Woche Gefängniß. Bei der Verkündigung deS Unheils sprach der Vorsitzende Richter den Wunsch auS, daß dieses Unheil vom Katheder herab den Schülern verkündet werden möge, damit sie erfahren, daß daS Gericht in solchen Fällen keinen Spaß verstehe.

* Die einfachste Erklärung.Sagen Sie, lieber Mayer, woher kommt es, daß der Stadtrath i. noch ganz schwarze« Kopfhaar und schon einen weißen Backenbart hat?"Weil der Rath sein Lebenlang bei Weitem mehr mit den Backen gearbeitet hat, al« mit dem Kopse!"

Scbiffsttacb richten»

(Mitgeiheilt durch den Agenten des Norddeutschen Lloyd, Herrn Carl Loo« tn Gießen)

Bremen, 17. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Lahn, Capitän H. Hellmer« vom Norddeutschen Lloyd tn Bremen, welcher am 8. August von Bremen und am 9. August von Southampton abgegangen war, ist heute 3 Uhr Nachmittag« wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 17. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Straßburg, Capitän H. Winter, vom Norddeutschen Lloyd tn Bremen, welcher am 2. August von Bremen abgegangen war, ist gestern, 5 Uhr Nachmittag«, wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 5. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer München, Capitän C. Steencken, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5. August von Bremen abgegangen war, ist gestern, 8 Uhr Abends, wohlbehalten in Newoork angekommen.

Der PostdampferWesternland" derRed Star Line" tn Ant­werpen ist laut Telegramm am 15. August wohlbehalten in "Newyork angekommen.

Literatur und Aunft.

Die Barrikadenkämpfe tn Pari« und da« neue französische Miltlärgesetz haben Frankreich wieder einmal in den Vordergrund deS JntereffeS gerückt. Da ist e« sehr erwünscht, daß soeben der 7. Band der Jubiläums - Ausgabe von Vrockhau«' Sonversations-Leriko« erscheint, welcher Frankreich und den da­mit tn Verbindung stehenden Artikeln nicht weniger al« nahezu 300, durch 11 Tafeln und Karten tllustrirte Spalten widmet, in denen daS Gesammtwissen der Gegenwart über Frankreich concentrkt ent­halten ist. Wir machen besonders aus den durch 2 DlSlocation«- karten erläuterten ArtikelFranzösisches Heerwesen" aufmerksam, der viel zu denken giebt, ferner autFranzösische Kunst" mit G Tafeln undFranzösische Eisenbahnen." Da« Militärische tritt Im 7. Bande stark hervor, da derselbe die ArtikelGeschoffe" undGeschütze" enthalt. Sie sind durch 9 Tafeln und 67 Textbilder illustrirt und bieten, da sie von hervorragenden Mitgliedern des preußischen General- stabeS bearbeitet sind, die beste Gewähr für Richtigkeit. Der Be­deutung der Technik in unserer Leit Rechnung tragend, giebt dieser neue Band unter 50 Tafeln und 282 Textabbildungen nicht weniger alS 12 Tafeln und 183 Texisiguren zu den außerordentlich pröci« und doch auch dem Laien verständlich abgesaßten technischen Artikeln, unter benen wir nurGasbeleuchtung" und die damit zusammen­hängenden Stichworte nennen wollen Auf gleicher Höhe stehen die naturwissenschastlicyen und geographischen Artikel. Einen Beweis von der ausgezeichneten Ausführung specicll der Chromotaseln giebt die TafelGiftschlangen". Gerade zu jetziger Jahreszeit werdm die beiden hübschen Chromos der einheimischen Giftpflanzen inter- essiren, nach denen jedes Kind diese Arten zu ernennen vermag. Der Kunst sind 8 Tafeln gewidmet, darunter eine hervorragend schöne Chromotafel, RauchS berühmte« Berliner Monument Friedrich« de« Großen, und ein Broncedruck, die bekannte Erzthüre Ghiberti« in Florenz darstellend .Wie ausgezeichnet Handel und VolkSwirthschast bearbeitet sind, beweisen Artikel wieFreihandel",Gebrauchsmuster", Geld" u. a. m. Interessant ist der ArtikelGemeindehauShalt", welchen eine Tabelle begleitet, aufl der hervorgeht, daß unter allen europäischen Großstädten llNünchen die größten Einnahmen und Ausgaben per Kops hat, daß die größten Ausgaben für Schulwesen (per Kops) Frankfurt a. M. leistet. Sehr lesensweith ist der Artikel Geheimmiltel", der eine ausführliche Aufzählung der hauptsächlichsten Mittel mit dem Nachweise Ihrer Schädlichkeit ober Werthlosigkeft enthält. Der biographische Theil ist wieder sehr gut vertreten, wie dies der ArtikelFriedrich Barbarossa",Friedrich der Große", Franz Joseph I.", u. a. tn. beweisen. Als neu fiel uns auf, daß die berühmte Schauspielern Geislinger nicht, wie sonst überall zu lesen ist, 1828, sondern nach ihrer eigenen Angabe am 28. Juli 1836 fleboren ist. Wie schnell die Redaction von Brockbau«'Conversatton«- Lexikon den Zeitereignissen folgt, ersieht man z. B. au« den Aeitkeln, die dem serbischen Minister Garaschantn und dem russischen Minister Giers gewidmet find. Wir begrüßen auch diesmal wieder den neuen Band von BrockhauS' Conoersation« - Lexikon al« ein Muster ge­drängter sorgfältiger Zusammenstellung deS Wissen« der Gegenwart in unübertroffener kunstvoller Ausstattung.

Gutfreund werden un« die Franzosen nie werben. E« heißt sie daher zu bekämpfen, nicht durch Haß, sondern durch Bestrebungen, die un« frei machen von ihrem Einflüsse. E« ist noch nicht lange her, da mußte jede bessere deutsche Schneiderin und jede feinere deutsche Familie ein französische« Modeblatt Haden, und der unverschämt hohe VierleljahrSprei» von 10 Mark und darüber wurde freublg bewillig. Seitdem die jüngste, aber vollendeste Schöpfung auf dem Gebiete der Mode, dieGroße vlodenwelt". ihren Slege«lauf über Deutschland und weit über Deutschland« Grenzen hinaus angetreten Hal und Kenner feststellten, daß dieGroße Modenwelt' an Neu­heiten, AuSwahlreichthum und chic leider hat die deutsche Sprache für dieses französische Wort keinen bezeichnenden Ersaß ferner an anmuthigen Darstellungen der Mode, an Vielseitigkeit und Gründlichkeit der Kleiderschnitte und an vornehmer Ausstattung bei erstaunlich billigem Bezugspreise 1 Mark vierteljährlich) wesentlich Beffere« lieferte al« die französischen Blätter, da wurde der franzöfische Ballast sofort abgefchüttelt, und die Große Modenwelt" al« maß­gebendste Beratherin für Mode und verwandte« herangezogen.

Wie auf den meisten Gebieten, so hat Deutschland auch auf dem de« Maschinenbaue« in Chicago einen vollen Erfolg zu ver­zeichnen, der selbst von ben anglo amerikanischen Blättern, wenn auch nicht ohne Widerstreben, anerkannt wird. In seinem Bericht über die ausgestellten deutschen Dampsmaschinen schreibt einer der berufensten Beurtheiler. Herr Prosesior Riedler in derZeitschrift bei Verein« deutscher Inaenieure vom 17. Juni 1893:Die aul­gestellten deutschen Tanw'maschtnen von F. Schichau in Elbing und die LoeomodUe« von «. »elf in MaOdednrO-VnFa« reprä- senliren »war nur einen kleinen theil der deutschen Industrie, find aber aUtn gleichartigen Maschinen der «nsstelnng sowohl in Bauart al« «lnßfüßrun- überlegen." In ähnlicher Weste äußert sich Herr Emil Blum, Director der Berlin And Maschinen­bau-Act.-Gel., Defiau, im osficiellen Bericht de« Reichsanzeiaer« untenn 17. Juli 1893:Die Locomobilen der Firma R. Wolf tn Buckau, welche übet die Grenzen Deutschland« durch peinliche Aus­führung, sauberer Ausstattung, sowie geringen Dampfoerbrauch sich einen großen Markt erobert haben, finden allseitig großen Beifall und dürften im der «nostellun« ohne Tomemrrems fein."

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