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20.8.1893 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 20. August

1893

Amts- und Anzeigeblatt für den «reis Gietzen

Zum Kampfe wider das Capital.

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Ein altes Sprichwort sagt: Wenn es raucht, da muß eS auch irgendwo brennen. Das kann nur bedeuten, daß, wenn in irgend einer Sache ein großes Geschrei und Lärm entsteht, so muß auch ein gewisser Grund dazu vorhanden sein, und wenn in der gegenwärtigen Zeit sich nun in vielen Bolkskreisen und zwar nicht nur in den unteren, sondern auch in den mittleren und höheren ein großer Unwille, gegen das Capital und seinen Einfluß im wirthschaftlichen und socialen

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Localer rrnd Provinzieller.

Gießen, 19. August 1893.

* Im Augenblick, wo die Wespen so viel Schaden an­richten, wird es manchem Ob st freunde angenehm sein, zu erfahren, wie man auf einfache Weise den Schädlingen Ein­halt thun kann. Man bereitet aus Wasser, Essig und etwas Fruchtsafl eine duftende Flüssigkeit, fülle solche in Fläschchen, die einen etwas weiten Hals haben,'-und hänge dieselben an die Obstbäume oder in die Nähe derselben, wenn möglich, in schiefer Richtung auf. Man wird dann die Freude haben, nach kurzer Zeit schon zu sehen, wie viele der Näscher m der Falle den Tod gesunden haben- in Gesellschaft der Wespen finden sich oft Hornisten und Fliegen aller Art, niemals aber Bienen. Denn die Biene lockt nur der Duft der Blüthen, nicht der der Frucht.

** Bisweilen werden zum Militärdienst Ausgehobene in Folge ihrer Einberufung brodlos, da ihre Arbeitgeber sofort nach erfolgter Kenntnißnahme von dieser Einberufung es vorziehen, sich schleunigst nach neuem Personal umzusehen, um später deßwegen nicht in Verlegenheit zu gerathen. Es fällt den demnächstigen Rekruten unter der ,fo gegen ihren Willen gezeitigten Ruhepause oft genug schwer, bis zu ihrer Einstellung beim Truppentheil inzwischen Verdienst oder Be­schäftigung zu erhalten. Für diese gibt es in diesem Falle einen immerhin rettenden, meist nicht gekannten Ausweg,

Viertetjährigke

2 Mark 20 M. m» vringerlohn.

Durch bie Post btpgw 2 Mark 50

Reboction, QEypebiKee unb Druckerei:

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Fernsprecher &L

Verinischter.

* Geisenheim, 16. August. An der Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau dahier wird soeben ein stark besuchter ObstverwerthungScursus sür Damen abgehalten. Der theoretische Unterricht und die praktischen Unterweisungen umfassen die Obstweinbereitung und dessen Behandlung tm Keller, Bereitung von Essig, Branntwein (Liqueur), Beeren­wein, Pasten, Gelee und Marmelade und Herstellung von Conserven, das Dörren von Obst und Gemüse und Ernte, Aufbewahrung und Versandt deS frisches Obstes. Der Obst- verwerthungscursus für Herren beginnt Ende dieses MonatS, der Nachcursus für Obst- und Gartenbau nimmt nächste Woche seinen Anfang.

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K.Scl.

Verliebt?"

Bis über beide Ohren!"

Du erschreckst mich. In wen denn?"

Ja, wenn ich das wüßte: allem Anscheine nach wohnt Dame in Baden, in Rastatt."

Preisschleudereien getrieben, ferner durch Verlockung des kleineren Capitalisten zur unsoliden Anlage seines Capitales in bedenklichen ausländischen Papieren und faulen Gründungen. Ein weiterer Mißbrauch mit dem Capital wird durch gewinn­süchtiges Creditgeben, versteckten Wucher, Güterschlächtereien und ähnliche rasfinirte Manipulationen getrieben. Auch ist das Capital oft der Gegenstand des Mißbrauches in indu­striellen Großbetrieben, wo Hungerlöhne an die Arbeiter be­zahlt werden, um eine große Dividende für die Actionäre herauszuschinden. Gegen die geschilderten wie ähnlichen Miß- bräuche des Capitols muß mit allen Mitteln der Moral,

denn die Militär-Ersatz-Jnstruction bestimmt, daß derjenige, welcher ohne sein Verschulden wegen seiner Aushebung zum Militärdienst brodlos wird, seine sofortige Einstellung zum Militärdienst beantragen kann.

Wormser Lutherfestspiel. Zehn Jahre sind verflossen, seit auf Anregung eines Wormser Bürgers daS Luther­festspiel von H. Herrig gedichtet worden ist. Bei der Feier des 400jährigen Geburtstags Luthers diente es dazu, den Bürgern der alten Lutherstadt den Gegenstand deS Festes nahe zu bringen und in ihnen die rechten Gedanken und Empfindungen lebendig werden zu lasten. Seitdem ist daS Stück in sehr vielen Städten Deutschlands wiederholt zur Darstellung gebracht worden und der ihm innewohnende religiös-nationale Geist hat so Gelegenheit erhalten, aus immer weitere Kreise zu wirken. Jetzt planen auch die Bürger der Stadt Worms, die mehr wie alle anderen Städte Eigenthumsrecht auf dieses Stück hat, neue Aufführungen des Lutherfestspiels. Dieselben sollen diesmal in dem städtischen Spiel- und Festhause ftattfinden, besten Bau seiner Zeit durch das Lutherfestspiel angeregt worden ist und das deshalb für solche Darstellungen mit besonderen Einrichtungen versehen ist. Unter der bewährten Leitung des Herrn Hofschauspielers Werner von Darmstadt, der auch die Titelrolle übernehmen wird, wird es wohl den Bürgern von Worms gelingen, abermals etwas zustande zu bringen, das geeignet ist, wie damals Vielen weihevolle Stunden zu bereiten. Die ersten Aufführungen sollen am 26. und 27. August und am 10. September stattfinden.

In Ostpreußen hast Du solch wunderbare Erfahrungen gesammelt?"

Ja, das heißt ich traf einen Herrn in Berlin, mit dem ich mich unterhielt."

Muß eine ungeheure UeberredungSgabe besessen haben, dieser Herr," sagte der Alte sarkastisch,jedoch dem möge sein, wie ihm wolle, ich freue mich über die Aenderung Deiner Ansichten, und bedauere nur, daß ich augenblicklich Niemand habe, den ich mit dieser schwierigen Mission betrauen dürfte."

Ich selbst, Vater"

So, also Du selbst? Pun, noch besser, wenn einer Non uns selbst das erste Mal nach dort geht, es ist sicherer, am Ende auch zweckentsprechender, wenn Du hingehst," unterbrach ihn der Alte,ja, ja, ich bin vollständig überzeugt."

Während nun Knauth junior sich wieder der Landkarte zuwandte, stieg der Alte langsam die Treppe hinauf, um sich in das Zimmer seiner Frau zu begeben.

Weißt Du, Charlottchen," redete er sie an,mit unserem Jungen ist es nicht richtig!"

Aber Mann!"

Ja, ja, ich habe so meine Gedanken. Der Bengel ist verliebt!"

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deutlich angesehen.Du bist seit einiger Zeit nicht mehr der alte, was ist Dir? Sonst war ich gewohnt, daß mein Sohn am Herzen seiner Mutter das Vertrauen suchte, das er noch immer gefunden hat. Habe ich Dein Vertrauen nicht mehr?"

Er sah bittend zu ihr auf.

Sprich!" fuhr sie fort, indem sie ihm forschend in die Augen sah.

Er suchte nach einem Ausweg und als er immer wieder ihrem fragenden Blicke begegnete, kniete er vor ihr und legte sein Haupt in ihren Schooß, und dann kam es stoßweise von seinen Lippen und er beichtete und erzählte, und je mehr er sprach, desto leuchtender wurden seine Augen, zumal er die Wahrnehmung zu machen glaubte, daß seine Mutter mit ihm fühlte und seine glühende Begeisterung mit ihm theilte. Als er geendet, fühlte er den warmen Händedruck der Mutter.

Ob sie Dich lieben wird, Otto?"

Ich glaube und hoffe es, Mutter!"

Nun, dann geh mit Gott, mein Sohn, möge es der Weg zu Deinem Glücke sein!"

Schon Tags darauf führte ihn das schnaubende Dampf­roß nach dem Süden und etwa eine Woche später ward den Einwohnern von N. das unerwartete Ereigniß kund, daß sich der einzige Sohn des reichen Knauth mit der Tochter eines Majors verlobt habe- wie das zugegangen, wußte man sich vorerst nicht zu erklären.

Jahre sind nunmehr darüber hingegangen. Das junge Ehepaar lebt glücklich und zufrieden und Frau Elise Knauth hat längst ihren Abscheu gegen den Genuß des Tabaks wenigstens insoweit überwunden, oaß sie ihren Mann deS öfteren bittet, seine Cigarre, die ihm zum Lebensbedürfnis geworden ist, in ihrer Gegenwart zu rauchen.

Du aber, lieber Leser, der Du vielleicht nach einer Lebensgefährtin suchst, laß Dir den Rath ertheilen, datz daS Glück auf allen Wegen lauert, und wenn Du eine weite Reise zu unternehmen hast, so bedenke, daß Dir dieses G ebenfalls lächeln kannim Coupe für Nichtraucher .

Feuilletön.

Im Coup« für Nichtraucher.

Novelle von Erich Doges.

(Schluß.)

Da war er nun wieder zu Hause, nach einer zwei­monatlichen Abwesenheit, aber seltsamer Weise empfand er heute gar nicht das Glücksgefühl, welches ihn sonst beseelte, wenn er nach längerer Reise nach Hause zurückkehrte. Er fühlte zum ersten Male etwas Unvollständiges- er merkte, daß ihm etwas fehle, ohne sich doch Rechenschaft geben zu können, was eS sei.

Dem besorgten Vater, der ihn am Eingänge des Hau,es empfing, entging die Stimmung nicht, in welcher sich fein Sohn befand - er erkundigte sich teilnahmsvoll nach der Ursache, ohne indessen eine befriedigende Antwort zu erhalten, bis er ihn denn schließlich es waren inzwischen einige Tage vergangen überraschte, wie er vor der Landkarte stand und mit dem Finger die dicke Eisenbahnlinie verfolgte, die sich bis nach Frankfurt zog, um von dort in etwas schwächerer Gestalt südwestlich zu führen. Der alte Herr blieb hinter ihm stehen, bis der Finger des Suchenden schließlich nach manchem Zickzackzuge aufRastatt" haften blieb.

Eine gute Gegend das," meinte der Alte, und wahrend Knauth junior sich erschreckt herumdrehte, fuhr er fort: Schade, daß wir dort keine Geschäftsverbindung haben."

O," erwiderte der andere zerstreut,die dürste sich dach ohne große Mühe anknüpfen lassen."

So?" sagte der Alte gedehnt, indem er seinen Sohn sinnend ansah, ^früher warst Du dach anderer Meinung. Baden, überhaupt Süddeutschland, war früher für Dich eine terra abstracta, van welcher man nicht sprechen durfte."

Je nun, Du wirft zugestehen, Vater, daß man sich auch irren kann."

Webhalb sollte ich das nicht? Aber so plötzlich?

Ich habe auf meiner letzten Reiie Gelegenheit gehabt, meinen Jrrthum einzusehen und die Erfahrung zu machen, daß Baden ein ganz gesegnetes Land ist."

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger.

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und Obst- gerven and allen PreW ibriken empfiehlt jU Fischbach-

A,»ahmr von Inj -e,.n »uw- .r Gratisbeilage: Gießener Iamilienbkätter. filtzenlrn lag erscheinenden Nummer biß Borm. 10 Uhr. j

Woher weißt Du das?" ,

Ich traf ihn vorhin, wie er auf der Landkarte btejen Ort suchte. Im Uebrigen magst Du ihm mal auf den Zahn fühlen, er wird Dir gewiß Rede stehen- ich gehe in meinen Club, wenn ich zurückkehre, hoffe ich Aufklärung zu erhalten.

Ich lasse meinen Sohn bitten!" beorderte Frau Char­lotte das Mädchen, nachdem ihr Mann gegangen war, und gleich darauf trat der Gerufene ins Zimmer.

Was wünschest Du, Mütterchen?" frug er, indem er sich ihr gegenübersetzte, um ihre weiche Hand in die seine zu IOtto," begann sie, nachdem sie ihn eine Weile nach-

Z GEWERBEN Ausstellung [ LEIPZIG V imVI

Leipzig 1814.

Äfe gettenb mach,, können di- brtr.ff.nbni brauch, es C°P,°s

(dmebenen Sünden und Vorwürfe übertrieben und ungerecht Nicht gebilligt werden, werden. Wir wollen deshalb versuchen, eine Scheidelinie . lahmend wirken.__________

in dem Kampse gegen das Capital zu ziehen und zu ! zeigen, wo die Gegnerschaft berechtigt und wo sie unberech- tigt ist. . c I

Zunächst sei hervorgehoben, daß eine Feindschaft gegen daS Capital als solches weder vernünftig, noch wirthschaftlich klug ist, denn das Capital an sich ist nicht des Menschen Feind, sondern des Menschen Freund. Es ist das Product einer höheren Cultur und bedeutet aufgespeicherte Arbeit, aufgespartes Gut zum Zwecke zu steigernder Production und . zur Bekämpsung wirthschaftlicher Nothstände. Also ist bei Lichte betrachtet, das Capital das Universalproductionsmittel innerhalb der menschlichen Cultur, denn nicht nur das Geld ist in gehöriger Menge ein Capital, sondern auch alle Güter, die mit demselben erworben werden können, wie Grund und Boden, Häuser, Fabriken, Maschinen, Werkzeuge, dann vor i allen Dingen auch die immensen Mittel des Verkehrs, wie Schiffe, Eisenbahnen und Telegraphen. Kein Culturmensch kann also die Vortheile und Segnungen des Capitals ent­behren, denn es brachte und bringt noch täglich Jedem Nutzen. Wie nun aber Alles in der Welt, selbst auch das Gute und Veste, mißbraucht werden kann, so ist es leider auch mit den Capitalmächten der Fall und gegen die mißbräuchliche An­wendung des CapitalS von Seiten gewinnsüchtiger und beute­gieriger Unternehmer und Speculanten kann und muß mit voller Berechtigung angekämpft werden. Die größten Miß­bräuche mit dem Capital werden vor allen Dingen an der Börse durch oft ganz unerhörte Preistreibereien oder auch

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