Nr. 298 Zweites Blatt. Dienstag den 19. December
1893
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er für einen ebenso harmlosen wie nützlichen Zeitvertreib. So einem grünen Fuchs müsse eben Respect vor einem bemoosten Haupte beigebracht werden.
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Vermischtes.
* Amerikanisches Ttudentcnleben. Eine der verbreitetsten Unsitten in der amerikanischen Studentenschaft ist das sogen. „Hazen", das heißt das Malträtiren und Kujoniren der jüngeren Studenten, also der Füchse, wie sie in Deutschland heißen. Dieses „Hazen" nimmt nicht selten eine Form an, für welche die Bezeichnung roh noch viel zu milde ist. Zn Prineetown sind neuerdings solch barbarische Handgreiflich« keiten verübt worden, daß der Staatsanwalt, obgleich er auf dieser Universität seine Ausbildung genossen, es doch für seine Pflicht gehalten hat, die Angelegenheit den Großgeschworenen vorzulegen, wodurch sich die ganze Studentenschaft furchtbar beleidig gefühlt hat, da sie ihre eigene Gerichtsbarkeit beansprucht und gewöhnlichen Philistern das Recht bestreitet, über einen academischen Bürger zu Gericht zu sitzen. Die Untersuchung, die von der Faeultät eingeleitet ist, hat ganz haarsträubende Dinge an den Tag gebracht. So ist zum Beispiel ein junger Student, Namens Leopold, Nachts von Quälgeistern aus dem Bette geholt und, nachdem man ihn aufs Brutalste geprügelt hatte, ins Wasser geworfen worden. Der arme Teufel holte sich bei dem nächtlichen Abenteuer eine heftige Lungenentzündung, die ihn hart am Rande des Grabes vorbeiführte. Und dabei hat er absolut nichts gethan, was den Unwillen seiner Angreifer hätte erregen können. Letztere hielten die Taufe für nöthig, um ihm die „Mucken" auszutreiben. Zur Erreichung dieses edlen, etwas unbestimmten Zweckes werden noch andere liebenswürdige Mittel angewandt. So zwingt man z. B. die Füchse, bei Tisch zusammen mit farbigen Kellnern aufzuwarten, während des Servirens Reden über irgend ein unsinnges Thema zu halten und schließlich dem Neger den Bruderkuß zu geben. Auch packt man sie an Händen und Füßen und stößt sie gegen Bäume und Steine, bis sie kein Glied mehr rühren können. Der Student, dessen Erklärungen diese erbaulichen Einzelheiten entnommen sind, meinte, er sei kein Freund des heftigen „Hazens", allein daß man einen jungen Fuchs zwinge, auf allen Bieren herumzukriechen und Gras zu fressen, wie eine Kuh, oder daß man sie in ein größeres Faß stecke und dann sie einen Berg hinunterrolle, das halte
llttiverfiiäte - Nachrichten.
, -Universitätsstatistik. Der Besuch der Berliner Universität hat in diesem Winter wieder eine Steigerung erfahren. ; Die Zahl der Studirenden beträgt 4979, 103 mehr als im Vorjahre ; und 1089 mehr «18 im letzten Sommer. Neu immatriculirt wurden ■ T Siena: Die Universität wird in diesem Semester von : 643 Studirenden und 39 Hörern besucht. Der theologischen Facultät i gehören 74, der juristischen 154, der medictnischen 196, der phtlo- ' Machen 219 Studirenve an. Aus dem Deutschen Reich stammen j ->86 Lrludirende, aus anderen europäischen Ländern 49. — Marburg: | Immatriculirt sind 825 Studirende, wozu noch 43 nicht immatricu- lirte Hörer kommen. Im letzten Sommersemester zählte Marburg nur 933 Studirende. Der Rückgang Am Wintersemester ist diesmal nicht so groß, wie angesichts der unliebsamen Vorgänge des Sommersemesters vielfach befürchtet worden war. — Kiel: Die Universität wird in diesem Semester von 507 fmmatriculirten Studirenden und 38 Hörern besucht. Die theologische Facultät zählt 82 Studirende, die juristische 67, die medicinische 257, die philosophische 101. Von i den Letzteren studiren 37 Philologie und Geschichte, 26 Mathematik und Naturwissenschaften, 2 Cameralia und Landwirtbschaft, 36 Phar- ' macie und Zahnheilkunde. - In Greifswald beträgt die Gesatnmt- > zahl der Studirenden 747, die der Hörer 10. Die theologische Facultät zählt 202 Studirende, die juristische 89, die medicinische 380, die phtlosophtsche 76. — Heidelberg wird in diesem Halbjahr von 960 Studirenden und 163 Hörern besucht. In der theologischen Facultät sind 71 Studirende inferibirt, in der juristischen 321, in ' der medtcinischen 218, in der philosophischen 144, in der naturwissenschaftlich-mathematischen 206. — Freiburg ist von 1040 j Studenten und 77 Hospitanten besucht. Theologie studiren 228, ! Medicin 342, Rechtswissenschaft 207, Naturwissenschaften, Philo- sophie re. 193, Pharmocie 70. — Bei der Universität Halle beträgt dic Zahl ber tmmatrkulirtm Hörer hn Winterhalbjahr 1893/94 1466. Nach den Facultäten entfallen auf die theologische 537, aus die juristische 267, auf die medicinische 233, auf die philosophische 489. — Bonn: An der Universität betragt in diesem Jahre die Zahl der Hörer nahezu 1450. Ein bedeutendes Mehr stellen in erster Linie, seitdem das große neue erzbischöfliche Convict errichtet wurde, die katholischen Theologen; ihre Facultät zählt jetzt über 200 Studirende. Die evangelisch-theologische Facultät zählt nur 80. Auch die juristische Facultät hat im letzten Decennium um ein Drittel zugenommen. Die anderen Facultäten bleiben stationär. Die mit der Universität verbundene landwirthschaftliche Akademie in Poppelsdorf ist in lebhaftem Aufblühen begriffen; sie zählt jetzt nahezu 250 ©tubirenbe. — Erlangen: Die nunmehr für das laufende Semester definitiv «b-
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Cheviot od. Buxkin für einen ganzen Anzug z« Mk. 5.75 Belonr od. «ammgarn für e. ganzen Anzug zn Mk. 7.75 ie 3 Meter 30 ’m berechnet für den ganzen Anzug oerfenben birect an Jebermann [6696
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geschlossene Frequenzziffer ber Universität ist mit Einschluß ber nichi- immatrkuHrten Hörer 1142. Von ben 1098 immatriculirlen Slubenten gehören ber theologischen Facultät 284, mebicinischen 339, juristischen 208, philosophischen, Section I 39, Section II 136 an; Zahnärzte find 20, Pharmaceuten 72 eingeschrieben. Im Sommersemester war die Frequenz 1137 Studenten und 13 Hörer. — Breslau: Die Gesammtzahl der immatriculirten Studirenden in diesem Semester beträgt 1238. Die evangelisch-theologische Facultät zählt 119, die katholisch-theologische 205, die juristische 328, die medicinische 287, die philosophische 299 Studirende. Die Zahl ber Hörer beträgt 36. — Münster: Die Akabemie wirb von 399immatriculirten Studirenden und 32 Hörern besucht. Die theologische Facultät zählt 261 Stu- btrenbe, die philosophische 138. — Rostock: Die Gesammtsumme der Studirenden in diesem Winterhalbjahr beträgt 425, die theologische Facultät zählt 51 Studirende, die juristische 82, die medicinische 120, die philosophische 172. — Die Albertus-Universttät in Königsberg wird in diesem Semester von 683 Studirenden und 26 Hörern besucht. Theologie studiren 107, Rechtswissenschaften 191, Medicin 230, in der philosophischen Facultät find 155 immatriculirt. — Tübingen: Die Universität wird in diesem Winterhalbjahr von 1150 Studirenden besucht. Der evangelisch-theologischen Facultät gehören an 264 Studirende, bet katholisch-theologischen Facultät 165, der juristischen 228, ber mebicinischen 235, Philosophie ftubiren 36, Staatswissenschasten 169, Naturwissenschaften 53. Die Zahl ber Hörer beträgt 27. — Die Universität Leipzig zählt 3067'Stubirenbe (240 weniger als im vorigen Winter). Die theologische Facultät zählt in blefem Semester 424 Stubirende, bte juristische 1005, bie mebicinische 788 nebst 27 Stubirenden in der Zahnheilkunde, die philosophische 823. Die Zahl der Hörer beträgt 106. — Würzburg: Die Frequenz der Hochschule beläuft sich auf 1231 Studirende (gegen 1286 im vorhergehenden Sommersemester). 439 der Immatriculirten sind neu zugegangen. Auf die einzelnen Facultäten vertheilen sich die Studirenden wie folgt: Theologen 112, Juristen 237, Mediciner 708, Philosophen 174 und zwar Pharmaceuten 50, Chemiker 43, Naturwissenschaftler 24, Philosophen 43 und Philologen 14. — Straßburg: An der hiesigen Kaiser Wilhelms-Universität sind in diesem Winter 941 Studirende immatriculirt (im Sommer 903, im vorigen Winter 969). Darunter find 101 Theologen, 239 Juristen, 299 Mediciner, 116 Philosophen, 186 Mathematiker und Naturwissenschaftler.
Feuilleton.
Nur rin Schaffner.
Von Georg Paysen Petersen.
(2. Fortsetzung.)
Fritzchen stand neben dem Vater, schaute ihm zu und lachte vergnügt, wenn dieser dann und wann eine Kartoffel in sein Mäulchen wandern ließ.
„Du, Papa," sagte er plötzlich, „weßhalb setzen wir uns denn nicht in Deinen Wagen?"
„Weil es dort dann nach Bratkartoffeln und Kohl riechen würde, mein Junge!"
„Das riecht aber doch schön, Papa!"
„Ja, Fritz, aber die Herren, die hernach in dem Wagen fahren, mögen es nicht gerne riechen."
„Sind die aber dumm!" entgegnete Fritz in kindlicher Einfalt.
Fischer küßte seinen Jungen und bat Frau Martha, den Kaffee heute Nachmittag durch Mariechen zu schicken, damit er auch sein Töchterchen einmal sehen könne, denn wenn er am Abend heimkehren würde, lägen die Kinder längst im Schlafe.
So geschah es denn oudj; der Nachmittag und der Abend verliefen wie der Morgen, nur das Wetter schlug um, der Regen hörte auf und ein eiskalter Nordost fegte durch die Straßen, so daß den durchnäßten Schaffnern das Zeug auf dem Leibe trocknete. Endlich war Mitternacht vorüber und um dreiviertel auf ein Uhr fuhr Fischers Wagen in den Stall, 17 volle Stunden hatten Kutscher und Schaffner ununterbrochen ihren Dienst verrichtet, nein — nicht ununterbrochen, denn 17 Minuten Mittagsrast waren ihnen vergönnt gewesen, volle 17 Minuten!
Todtmüde kehrte Fischer in sein Heimwesen zurück, zu seinem Weibe, das sehnsuchtsvoll seiner harrte; aber noch durfte er sich dem lange entbehrten Schlafe nicht hingeben, ^>enn zuvor mußte er seine Rechnung abschließen, das heute eingenommene Geld abzählen und verpacken, damit er es am anderen Morgen abliefern könne. Hätte ihm bei dieser Arbeit Frau Martha nicht getreulich geholfen, er wäre nimmer da« mit fertig geworden vor übergroßer Müdigkeit. Endlich war
auch dieses besorgt und Fischer legte den Ueberschuß — die empfangenen Trinkgelder — vor sich hin- es waren eine Mark und zehn Pfennige, nämlich ein bleigraues, sich scklüpfe- rig anfühlendes und offenbar falsches Markstück, das übrigens sehr geschickt nachgeahmt war, und ein wirklicher, ächter Nickel« groschen. Dafür also hatte sich Fischer wohl zwanzigmal am Tage demüthigen müssen.
„Mutter," sprach er, „das Falschstück bewahren wir zum Andenken an den heutigen Tag auf, die übrigen Trinkgelder aber werden künftig alle zurückgelegt, bis ich meinem Freunde die Caution zurückzahlen kann."
Die folgenden Tage vergingen für Fischer wie der erste - der Dienst war mühselig und die Abwechselungen, die er bot, bestanden in ebenso vielen Widerwärtigkeiten. Die wenigen Minuten, welche Fischer an der Endstation zuweilen mit seiner Frau und seinen Kindern verplauderte, waren für ihn die einztgen frohen Augenblicke des Tages.
Als er am vierten Tage spät Abends heimkehrte, sagte er zu Frau Martha: „Morgen habe ich meinen ersten freien Tag, den wollen wir gemüthlich mit den Kindern verleben."
„Vor allen Dingen solltest Du einmal ordentlich auS- schlafen, Walther!"
„Ausschlafen?" fragte Fischer lächelnd, „Du vergißt, liebe Frau, daß wir morgen früh Appell haben,- es könnte doch einer der Kameraden fehlen, und dann muß ich für ihn eintreten."
Frau Marthas Gesicht verlängerte sich zusehends.
Beim Appell hieß es am anderen Morgen: „Sie müssen den dritten Wagen übernehmen, Fischer, da sich Johannsen hat krank melden lassen."
Fischer mußte also auch heute den gewohnten Dienst verrichten und erst nachdem er neun Tage nacheinander gefahren hatte, fiel ihm ein „freier Tag" zu. Als er am Morgen dieses Tages nach beendigtem Appell heimkehrte, suchte er sofort das Bett auf und verschlief den ganzen Vormittag. Mariechen war schon längst aus der Schule gekommen, als ihr Papa endlich erwachte, aber er erwachte neugestärkt und auf seinem Gesicht lag wieder das heitere Lächeln eines glücklichen Menschen.
Während des Essens sagte Fischer zu seinen Kindern: „Nun paßt einmal auf, Ihr beiden, jetzt gibts etwas zu rechnen. Heute ist der vierte December und nach zehn Tagen habe ich auch weder frei, was ist bann?"
„Der vierzehnte December," antwortete Marie.
„Und dann nach zehn Tagen habe ich auch wieder frei, was ist dann?"
„Der vierundzwanzigste December und dann ist Weihnachten!" jubelten die beiden Kleinen und klatschten vor Vergnügen in die Hände.
„Un denn schenkst Du mich eine Blase, nich wahr, Papa?" rief Fritzchen.
„Und einen Tannenbaum kriechen wir doch auch, mit Lichtern daran?" fügte Mariechen hinzu.
„Gewiß, Kinder, wenn Ihr artig seid, dann gibts einen Baum," versicherte Frau Martha- dann zog sie den Kindern warme Jäckchen an und beide Eltern machten mit ihnen eine Wanderung durch den „Dom", wie die Hamburger feit alters den Weihnachtsmarkt nennen.
Am Abend, nachdem die Kinder zu Bett gebracht worden waren, holte Fischer mehrere Bilderbogen hervor, klebte sie auf Pappe und machte sich daran, die Soldaten auszuschneiden, aber die mit Frostbeulen bedeckten Hände verrichteten ihren Dienst schlecht.
„Du hast doch sonst niemals Frost in den Händen gehabt, Walther," sagte Frau Martha.
„Ich habe auch sonst nicht in jedem Wind und Wetter mit bloßen Händen gehen müssen, mein Kind, und Handschuhe würden mir auch nichts nützen, da ich kein Geld zählen kann, wenn ich sie anhabe."
Frau Martha schwieg und lächelte, aber sie holte ihr Strickzeug herbei und während Walther fleißig an seinen Pappsoldaten herumschnitt und Holzklötzchen dahinter klebte, so daß schließlich ein ganzes Regiment kampfbereit auf- marschirt war, strickte sie ebenso fleißig und hatte nach zwei Stunden einen Handschuh fertig gebracht, der die Handfläche, den Handrücken und die beiden kleinen Finger warm bekleidete, während er die Vorderglieder des Daumens und der betöcn großen Finger frei ließ.
„Siehst Du, wie prächtig er paßt!" rief sie freudestrahlend, als sie ihrem Manne das Meisterwerk über die Hand gezogen hatte, und Fischer küßte sein liebes Weib dankbar. So verging den Eheleuten unter fröhlicher Arbeit und herzlichem Geplauder der Abend.
(Schluß folgt.)


