Ausgabe 
19.10.1893 Zweites Blatt
 
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Nr. 246. Zweites Blatt. Donnerstag den 19. October

1893

Meßmer Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger

ltersiveg.

Zlints- und Anzeigeblatt für den Akveis Gietzen

Hratisöeitage: Gießener Aamitienölätter

CocaUs und provinzielles

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Wann.

October 1893. \

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Ich dachte den Herrn Gemahl hier zu treffen," be-

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merkte er,

iebenen:

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man annehmen finstere Blitzen

Augenblicke die ist eingetroffen

Die kleine Hand ballte fich zornig. Aber seltsam! der Ausdruck in ihren Augen war keineswegs mehr so energisch

Dir Gießener Jlewinexlfitftr «♦tn dem Anzeiger »ScheMlich dreimal b^degt.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den »lgmdrn Tag erscheinenden Nummer bi» Sonn. 10 Uhr.

Der

HKtzener Anzeiger erscheint täglich, «tt >u»nahme de» Montag».

hörte indeffen unten von einem Diener, daß

Alle Lnnoucen.Bureaux de« In. und Au»lande» nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

GesangvereinLiedertafel", GesangvereinGermania",Männer­gesangverein, Turnverein, Beteranen- und Kriegerverein. Die Begrüßungsrede, die in warmen und tiefempfundenen Worten das Glück der Familie Buderus, die Antheilnahme der Arbeiter an demselben und das schöne Verhältniß zwischen beiden Theilen zum Ausdruck brachte, hielt Herr Schlosser­meister Simon, der sich auch sonst bei dem Arrangement sehr verdient gemacht hat. Herr Simon hob unter Anderem treffend hervor, daß gerade die Person des Jubilars es gewesen ist, welche aus kleinsten Anfängen heraus die jetzt so bedeutende, weit über die Grenzen des engeren und weiteren Vaterlandes hinaus mit Recht berühmte und angesehene Eisenindustrie des Lahnthals in das Leben rief und ihr mit rastlosem Eifer und großer Energie zu der Stellung verhalf, welche sie heute thatsächlich einnimmt. Lollar ist demnach der Ausgangspunkt für die gesammte jetzige Roheisenindustrie des Lahnthals, auf hessischem wie preußischem Boden, und der Jubilar ist mit Recht als der eigentliche Schöpfer dieser heimischen Industrie anzusehen, welche schon seit langen Jahren vielen Tausenden von Arbei­tern Verdienst schafft. Wir können bei dieser Stelle nicht versäumen, die Feierlichkeit hervorzuheben, die der ganzen Ovation das Gepräge der Würdigkeit verlieh. Sämmtliche Vereine trugen gut einstudterte paffende Lieder vor, die mit den Musikvorträgen der Capelle abwechselten. Herr Buderus dankte bewegten Herzens auf alle Ansprachen in schlichter aber von Herzen kommender und zu Herzen gehender Weise; besonders eingehend erwiderte er auf die Ansprache des Herrn Bürgermeisters. Es ist dies auch wohl verständlich, denn daß der Jubilar in seinem über 30 Jahre währenden Wirken hier von seinen Beamten und Arbeitern verstanden und ge­würdigt ist, dies setzte er gewiß gern voraus, daß aber auch die Gemeinde als solche osficiell hervorgehoben und anerkannt hatte, wie sehr das Wirken des Jubilars neben der Arbeiter­schaft auch dem ganzen Ort und dessen Bewohner und der Gegend zu Gute gekommen sei und ein wie schönes Ver­hältniß zwischen Gemeinde und Werk herrsche- dies ausge­sprochen zu hören, mußte die besondere Freude des Jubilars ausmachen, der Lollar vor 32 Jahren als sein Asyl erkoren und nie wieder auf längere Zeit verlassen hat, wie es treffend in dem Festgedicht der Arbeiterschaft lautere, welches in ge­schmackvollem Album dem Jubelpaar überreicht wurde. Alle Festtheilnehmer freuten sich später auch noch in ihren Vereinen gerade darüber, daß es gelungen war, in würdiger Weise das Verdienst einer Person zu feiern, welche fern von

und selbstbewußt, wie vorhin, beinahe hätte können, daß etwas wie Wehmuth durch das derselben hindurchleuchtete.

Gnädige Frau," meldete in diesem Kammerjungfer,ein Herr von Bieberstein

-n- AuS Lollar, 16. October, geht uns nachfolgender Bericht zu, den wir, obwohl über die Feier bereits in dir. 144 berichtet wurde, hiermit veröffentlichen:Der

lungslkil

und läßt an frag en, ob er der gnädigen Frau augenblicklich einen Besuch machen dürfte."

Herr von Bieberstein ist hier?" wiederholte sie unter leichtem Erröthen.Sagen Sie dem Herrn, daß ich ihn bitten ließe, sich zu mir zu bemühen."

Wenige Minuten später trat der Angemeldete, ein schöner Mann mit einem nur etwas verlebten Gesichte, in das Zimmer. Mit vollendeter Galanterie führte er die zierliche Hand, die sie ihm entgegenstreckte, an seine Lippen und nahm alsdann ihr gegenüber Platz.

derselbe nicht anwesend sei und daher nahm ich mir die Frei­heit, bei der gnädigen Frau mich anmelden zu laffen. Es würde mir leid thun, wenn mein Besuch in irgend einer Weise störend für die gnädige Frau sein sollte."

Ihr Besuch ist mir im Gegentheil sehr angenehm, Herr Baron," versetzte sie unter einem etwas befangenen Lächeln.Kann mir bei unserer stillen und einsamen Lebens­weise ohnehin alles, was irgend welche Abwechselung in dieses eintönige Leben bringt, nur im höchsten Grade will­kommen sein, um wie viel mehr muß ich dann erst über den Besuch eines Herrn mich freuen, der auf den Bällen in der Stadt stets eine so ritterliche Galanterie mir gegenüber an den Tag legte."

Ritterlichkeit gegenüber den Damen ist die Pflicht eines jeden gebildeten Mannes, diese Pflicht aber wird zu einer beglückenden Gunst, wenn die betreffende Dame mit seltenen geistigen und körperlichen Vorzügen auSgestattet ist, welche die Bewunderung eines Jeden erregen müssen. Wem es vergönnt ist, einer solchen Damen seine Aufmerksamkeit

widmen zu dürfen, der wird in der That beneidenswerth, und nur ein ganz roher, für Geist und Schönheit ganz un­empfänglicher Mensch wäre im Stande, gleichgiltig bei dem Gedanken zu bleiben, daß die Strahlen, welche von jenen Eigenschaften ausgehen, auch auf ihn niederfallen und somit ihn selbst in einem verklärten Lichte erscheinen lassen."

Sie übertreiben, Herr Baron!" entgegnete erröthend die junge Frau,denn wenn dasjenige wahr wäre, was Sie soeben sagten, so müßte ein Mann, der eine schöne und geistteiche Frau besitzt, sich bis in den Himmel erhoben fühlen und er müßte zu der letzteren stets wie zu einem höheren, weit über ihm stehenden Wesen aufblicken."

Bei jedem wirklich gebildeten und feinfühlenden Manne wird dies auch immer der Fall sein," erwiderte eifrig der Baron.Ein solcher wird nie und nimmer die Achtung und die ritterliche Ergebenheit einer Dame gegenüber aus den Augen lassen, eine Frau aber, welche bei ihrem Manne etwa das Gegentheil hiervon bemerken sollte, die könnte nicht anders, als denselben von ganzem Herzen verachten. Sie müßte sehr, sehr unglücklich werden und Niemand würde es ihr ernstlich verübeln können, wenn sie an ein andere- Herz, welches dem ihrigen sympathischer wäre, sich anzu­schließen versuchte, um dort dasjenige Glück zu finden, auf welches sie gerechten Anspruch besitzt.

Mit hingebender Zärtlichkeit ließ der Baron seine Augen auf den ihrigen ruhen, so daß sie dieselben vor diesem Blicke verlegen zu Boden senkte.

Das sind gefährliche Grundsätze," sprach sie unsicher, wie man sie vor einer ehrbaren Frau eigentlich nicht aus­sprechen sollte. Außerdem aber gehen dieselben von ganz falschen Voraussetzungen aus. Denn ich glaube, daß die Männer insofern sich sämmtlich gleich sind, als ihre Ergeben­heit gegenüber einer Dame in demselben Maße abnimmt, in welchem sie dieselbe genauer kennen lernen und daher der-" trauter mit ihr werden."

(Fortsetzung folgt.)

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dem Verkehr mit der großen Außenwelt nur das eine Ziel verfolgt hat und verfolgt, den Seinen und seinen Ar­beitern ein wirklicher Freund und Arbeitgeber zu sein, der ein warmes Herz und Verständniß für die Bedürfnisse der­selben besitzt und nach Kräften bethätigt. Möge das schöne Verhältniß, bei dem sicher alle Tl)eile gedeihen, noch recht lange in gleicher Weise weiter bestehen.

§ Aus dem Ohmthal, 17. October. Ein trockener Herbst ist für den Landwirth viel werth, weil Bearbeitung und Aussaat bei trockener Witterung entschieden leichter und besser von statten gehen und weil das im Herbste sich häu­fende Heimbringen der Erdgewächse rasch und gut bewerk­stelligt werden kann. Letztere aber auch selbst können bei trockenem Herbstwetter beffer ausge« utzt und besser aufbewahrt werden. Ein solch trockener warmer Herbst folgte dem vor­jährigen trockenen Sommer. Der diesjährige Herbst aber, der nach einem trockenen Sommer gefolgt, hat die unselige Trockenperiode beendet, allerdings zu einer Zeit, die nichts weniger als günstig bezeichnet werden muß. DaS am vorigen Sonntag niedergegangene wolkenbruchartige Regenwetter hat den ohnehin weichen Boden so gründlich durchfeuchtet, daß man auf bebauten Aeckern fußtief etnsinkt. Wer die Korn­saat noch nicht beendigt hat, vermag dieselbe jetzt nicht mehr auszuführen. Nur die Stoppeläcker können gepflügt werden. Die gründliche Bodendurchfeuchtung verursacht noch ein spätes Wachsthum des Grases, so daß Weide reichlich vorhanden ist. Auch das junge Korn geht recht gut auf. Eine eigenthüm- liche Erscheinung bildet noch immer am Bergfelde lagernde Gerste, die aber durch das andauernde Regenwetter zu Grunde geht. Dieses unaufhörliche Regenwetter hat zum ersten Male in diesem Jahre die Bäche über ihre User treten lassen und die Mühlgräben gefüllt. Die Müller haben wieder einmal überflüssiges Wasser, was sie lange nicht gesehen, und die Wiesen erhalten eine Bewässerung, die ihnen hellsam ist.

Eigensinn.

Von G. ©trüber.

(1. Fortsetzung.)

Mit einem tiefen Seufzer schritt er endlich die Treppe Vnab und nach dem Hof, wo er einem Knechte befahl, so- . fort zu dem Baron Kindler zu eilen und demselben mit- Mh eilen, daß er und seine Frau leider verhindert seien, tute zu kommen. Einem zweiten Knechte trug er auf, sein cibpferd zu satteln, da er einen Ritt über daS Gut zu ^cben beabsichtige.

Die hübsche, kleine Frau war inzwischen nach ihrem immer zurückgekehrt, wo sie sich auf das Sopha nieder- allen ließ und in ein leidenschaftliches Schluchzen ausbrach.

Nein, diese Behandlungsweise ertrage ich nicht länger," hrach sie endlich, die Thränen aus ihren schönen Augen .tzischend, zu sich selbst,er soll nicht denken, daß ich ein iin b sei, welches ihm ganz selbstverständlich in Allem zu horchen hätte. Er soll mir mit derselben Achtung gegen- betreten, wie die anderen Herren, welche ich in der letzten jth kennen zu lernen Gelegenheit hatte und die sämmtlich ton der größten Bewunderung von meinen Eigenschaften «lüllt schienen, er soll anerkennen, daß eine Frau nicht allein p; gehorchen, sondern unter Umständen auch zu befehlen hat, jiteilfalls aber einen selbstständigen und respectirenden Willen ksiht. Daß ich ganz arm war, als er mich heirathete, gibt ism kein Recht, meine Ansprüche an da- Leben, sowie auf tbe achtung-würdige Stellung mit Füßen zu treten, daS 'ttrie ich ihm nochmals beweisen. O, ich begreife über- staS>t nicht, wie ich mit diesem Manne, der nur Sinn für feine Pferde und für seine Ackerwirthschaft hat, so lange zu« trieben leben konnte,- aber die Augen sind mir gottlob ge- iwtt worden, ich weiß jetzt, was ich zu fordern berechtigt Jin, und daS verdanke ich allein den freundlichen Menschen, iit ich auf den Bällen kennen lernte und deren Umgang er *rir schließlich auch noch verbieten will."

Bi ertdfib tiger IlmtatiUFMÜi 2 Mark 30 Pfg. erit Bringerlohn. Durch bie Post tx^og« 2 Mark 50 Sfc

Rebection, (typebitiee und Druckern:

-chnlstr«»« Mr.7. Fernsprecher bl.

Literatur und Aunft.

An Künstler und Kunstgewerbezeichner, die für den flfatbm» druck arbeiten, richtet sich ein Preisausschreiben der lithographischen Klmstanstalt von Moritz Schauenburg zu Lahr in Baden, das in amerikanischem Geschmack gehaltene Entwürfe zu Ctaarrenpackungen verlangt, die unter Motto bis zum 1. Januar k. I. einzusenden sind. Die besonderen Vorschttfim des Wettbewerbs find von der genannten Firma zu erfahren. An Preisen sind ausgesetzt Beträge von 600, 500 und 400 Mk. Daneben ist der Ankauf weiterer ansprechender Arbeiten vorbehalten.

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; 12. October hat für Lollar und Umgegend, sowie für weitere flreife eine größere Bedeutung gehabt, sodaß Einsender dieses 1«t veranlaßt sieht, wenn auch verspätet, einen Bericht zu fltien, documentirte sich doch bei dieser Feier daS schöne Aeuhältniß, tote es zwischen der Werksleitung und der Arbeiterschaft besteht, in besonders prägnanter Form. Am

5 12, October feierte nämlich Herr Georg Buderus in Dollar mit seiner hochverehrten Frau Gemahlin im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Sinne tos Jubilars entsprechend sollte von jeder öffentlichen Kund- ßtbiing abgesehen werden. Trotzdem ist eine Ueberraschung, «welche von der Arbeiterschaft in die Wege geleitet war, völlig gelangen, das hat wohl jeder Festtheilnehmer empfunden, der -die schönen Stunden miterlebte, in denen eine verdiente Huldigung und eine Aussprache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern und ersterem und dem Gemeindevertteter iftatifanb, wobei sich die vollste Harmonie in den gegenseitigen Gerinnungen aller Theile ergab, wie dies nach dem Zeugniß tes Herrn Bürgermeisters Carl Geißler hier seit dem Wirken des Herrn Georg Buderus der Fall ist. Laffen wir die Ereignisse des Festtages kurz der Reihe nach an uns vor- überziehen. Am Morgen wurde ein Ständchen, Gratulation 'der Familienmitglieder und der Beamten ausgeführt, welch ütziere eine Adresse, sowie ein sehr geschmackvolles Andenken (fitberner Tafelaufsatz mit Widmung) gleichzeitig im Namen oller Beamten der Werke überreichten. Als die Nacht herein- gebrochen, setzte sich ein Festzug in Bewegung, der sich auf sie freundliche Einladung der Meister- und Arbeiterschaft hin »m südlichen AuSgang des Dorfes gebildet hatte. Alle tütfeine hatten mit Freuden die Gelegenheit ergriffen, ihre Sympathie durch ihr vollzähliges Erscheinen mit beweisen zu Idnrien. Zunächst eröffnete die freiwillige Feuerwehr in Unifform den imposanten Zug, in dem allein weit über O Personen meist mit Fackeln oder Lampions versehen, marschierten. Nach dem starken Orchester, unter der Leitung ler Herrn Musikdirectors Krauße, folgte die Beamtenschaft, tarnt die Meister und die Veteranen der hiesigen Arbeiter- fchafst, sowie diese selbst. Alsdann der Ortsvorstand, der Turn- und Gesangverein, ferner in ausgelooster Reihenfolge

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