“et»,
ar,
*kiW.
Ättein.
'd- 8 Hr er.
Reimer;
W Fürsten im Ww^w |ö)er Wen itn ege. mmen.
*■ sss
r1893:
stellten 5g Baritlö-Thtatrrn.
- ,,8- 6toV.
tixab; 9jd. Winter, irner, Costümsoubrette; teuer tfferten.
!sballe- 1591
. GaLnie 20 Pf.
eine Gastspiel. ch
wehr
Abends M/r W WMrs c und eventuelle» hefigen Liabiraih,
lkktk» Srnsiik". bet gejammten Lache -MW-
1554
littl. SW (3 Bimmer tt) >nMtn. SteinfKaheR.. [eineWohnung, sowkcke ju perrn Hundsgasje v.
TFÄSsZiM. BtStti Schottstrahe^ ^WTsöwiseineSM' Große Mlgche^^.
MmpltiLLSL jTT«*WS ®rsv!S> SjSSwi«™^
**
mkgrM
UM 1893-
Aold-Sientr Rente
91.90 93-2» 21.00
61#
*8^
Sfr*
101.20
61.50
358.15
204.15
153.60
10610 1H.$
61.80
Nr. 43. Zweites Blatt. Sonntag den 19. Februar
1893
Wer WH«« >*!•*•« nf4nnt täglich, ■ft LuSnahm» bti Montag».
Wt etctmtr gMaltioHlttti »e*tn btw Injcif« Wöchentlich tzreimal Wirft
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
virNiljährig er JLIeeemceUprdii 2 Mark 20 Pfg. mft
Vringerlohn. Durch die Post dezogM 2 Mark 50 Pf»
«etodtee, tpebftUe and Druckerei:
S«»1strrch-r 51.
Amts- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren.
| Hrati-Seil-,-: Hi-ßmer Jamikimölatter. | !!' ^^"'.7, V.TTT.’E'
Apolitische Wochenschau.
Gießen. 18. Februar 1893.
Die Mililärcommisfion des Reichstags hat nunmehr auch die allgemeinen Erörterungen über die Finanzlage des Reiches und die finanziellen Consequenzen der neuen Militärvor- läge abgeschlosien und wird ihre bezüglichen Festsetzungen einem Anträge Richters gemäß am nächsten Montag genau formuliren. Mittlerweile hat die Specialdiscussion begonnen, welche demnächst völlige Klarheit über die Aussichten der Regierungsvorlage im Reichstage schaffen wird. Bereits in erster Lesung erledigt ist der erste Punkt der Einzelberathung, die Frage, in welcher Form die Einführung der zweijährigen Dienstzeit ausgesprochen werden soll. Im Regierungsentwurf heißt es, daß die Entlassung der Fußtruppen nach zwei Jahren „im allgemeinen als die Voraussetzung" für die geforderte Heeresverstärkung anzusehen sei. Mit dieser Faffung beabsichtigt die Regierung, sich das Recht zu sichern, bei einer später einmal möglicher Weise vom Reichstag bewirkten Verminderung der beantragten Heeresstärke die dreijährige Dienstzeit wieder zurückzuführen. Außerdem würde die Formulirung der Regierung dem einzelnen Militärpflichtigen keinen rechtlichen Anspruch auf Entlassung nach dem zweiten Dienstjahre gewähren, da sie ja die zweijährige Dienstzeit nur im „allgemeinen" zugesteht. Diese Formulirung will ein Vorschlag der Nationalliberalen beseitigen, der im Uebrigen die Auffaffung der Regierung entgegenkommt, daß die zweijährige Dienstzeit nur so lange bestehen soll, als die beabsichtigte Truppenverstärkung in Geltung bleibt. Dagegen beantragen die Freisinnigen, Demokraten und Socialdemokraten die Verkürzung des Dienstes der Fußtruppen durch entsprechende Abänderung des betreffenden Verfassungsparagraphen ohne Rücksicht auf die Heeresstärke gesetzlich festzulegen und zu einem persönlichen Rechte jedes einzelnen Militärpflichtigen zu machen. Die Berathung über die verschiedenen Anträge hat in der ersten Lesung zu keinem Resultate geführt. Keine dsr vorgeschlagenen Fassungen hat eine Mehrheit in der Commission gefunden, so daß es der zweiten Lesung Vorbehalten bleibt, eine Mehrheit auf irgend einen Vermittlungsvorschlag zu vereinigen. Vielleicht werden in diesem mehr nebensächlichen Punkt Centrum und Regierung
Feuilleton.
Eine Wette.
Fastnachts-Erzählung von S. tom Have.
(4. Fortsetzung.)
„Nun bist Du mein, theuere geliebte Ada," sagte er unter glühenden Küffen, die sie schüchtern erwiderte. „Nun trennen wir uns nicht, denn Du begleitest mich als mein geliebtes Weib nach B. — Du mein Alles! Wie schwer ist es mir geworden, Dir meine Liebe nicht früher zu gestehen, allein ich durfte doch das Opfer Deines Reichthums nicht von Dir annehmen, so lange ich nur in beschränkten Ver- hältniffen lebte, jetzt ist es Gottlob anders und ich kann Dir eine Deiner würdige Stellung bieten, mein süßes Herz!"
„Ich wäre mit Dir auch in beschränkten Verhältniffen glücklich gewesen," sagte Ada Herzlich, „übrigens ist das Gerücht, daß ich bet meiner Wiederverheirathung mein Vermögen verlieren würde, eine Erfindung, an der ich nicht ganz un- betheiltgt bin, denn ich wollte nicht nur meines Geldes halber geliebt werden, damals kannte ich Dich noch nicht," fügte sie entschuldigend hinzu.
„Kleine Diplomatin," drohte er lächelnd, „dafür muß ich Dich strafen und die durch Deine Schuld versäumten Küsse jetzt nachholen."
Liebe liebt keine Zeugen, lasten wir darum das glückliche Paar allein. Sie vergaßen bei ihrem Liebesgeplauder die ganze Welt und speziell die Damen Richthofen, welche sich endlich zur Speisestunde selbst meldeten und nun zu ihrer herzlichen Freude die Verlobung erfuhren. Ueberrascht schienen sie indeß nicht gerade zu sein.
Sie mußten versprechen, bis zu Adas Hochzeit bei ihr zu bleiben, Saldern sollte sich bald auf seinen Posten begeben und wollte von keiner Trennung hören, Ada sollte ihn als seine Frau nach B. begleiten, da würde also die Hochzeit schon sehr bald stattfinden und darüber wollen wir uns auch für Richthofens freuen, denn die Gesellschaft eines Brautpaares pflegt nicht gerade unterhaltend zu sein. Am folgenden Nachmittag fand das Diner bei Gräfin Walbhof statt.
Bei demselben wurde den Gästen die Verlobung der Wirthin mitgetheilt und erregte gemischte Gefühle, denn man bedauerte lebhaft, daß das Brautpaar von L. scheiden würde, wenn man sich auch über die Verlobung freue.
sich entgegenkommen und den in der Mitte liegenden Vorschlag der Nationalliberalen annehmen. Die Haltung der Freisinnigen der Regierungsvorlage gegenüber wird auch in allen Einzelheiten nach wie vor die gleiche bleiben. — Im Plenum des Reichstages und des Abgeordnetenhauses haben die conservativen Großgrundbesitzer in diesen Tagen die Vertragspolitik der Reichs-Regierung auf das heftigste bekämpft, um zu verhindern, daß in dem geplanten Handelsvertrag mit Rußland dieselben Zollermäßigungen für Brotfrucht eingeräumt werden, welche Oesterreich und Italien gegenüber in Anwendung gekommen sind. Indessen scheint es, als ob der Reichskanzler sich durch die Opposition einer einzelnen Jnreressentengruppe in der Fortsetzung seiner Vertragspolitik nicht beirren lassen werde.
lieber den Arbeitsplan des preußischen Abgeordnetenhauses wird bekannt, daß die Berathung der drei Steuergesetze im Plenum erst nach Ostern in Angriff genommen werden soll. Vor den Osterferien ist noch der Etat fertig zu stellen- darauf soll die erste Lesung des Gesetzentwurfes in Betreff der Secundärbahnen und wenn möglich die dritte Lesung des Wahlgesetzes vollzogen werden.
In dem englischen Parlament ist die viel erörterte Homerulevorlage von dem achtzigjährigen Premierminister Gladstone eingebracht und in sehr wirksamer Weise in einer mehr als zweistündigen Rede begründet worden. Nach der Vorlage soll die höchste Exekutivgewalt in den Händen eines Vicekönigs liegen, der für sechs Jahre zu ernennen wäre, aber schon vorher von der Krone abgesetzt werden könnte. Die Gesetzgebung wird einem legislativen Staate von 48 und einem gesetzgebenden Parlamente von 105 Mitgliedern zugewiesen. In Bezug auf alle rein irischen Angelegenheiten soll Irland auch das Recht im eigenen Hause haben. Dagegen würde in dem englischen (Reichs-) Parlament die Zahl der Iren entsprechend den Bevölkerungsverhältnissen auf 80 herabgesetzt werden. Ebenso soll die Stimmfähigkeit der Iren im Reichsparlament eine Beschränkung erfahren. In allen rein britischen Angelegenheiten werden die irischen Abgeordneten in der Gladstone'schen Bill von der Abstimmung ausgeschlossen. Man sieht: Die staatsrechtlichen Verhältnisse, welche der englische Premierminister herstellen will, entsprechen ziemlich genau den in
Deutschland bestehenden. Nur soll in England in dem führenden Bundesstaat nicht, wie in Preußen, ein besonderes Landesparlament neben dem Reichstag bestehen, sondern ein solches von Fall zu Fall durch Ausschluß der Nichtbriten aus dem Reichsparlament constituirt werden. — In Frankreich und Italien sehen die Ministerien — hier infolge der Enthüllungen über die banca Romana, dort wegen der Panamaangelegenheit — ihre Existenzsähigkcit fortdauernd in Frage gestellt. — In Hawai ist die Uebernahme des Protectorates seitens der Vereinigten Staaten von dem amerikanischen Gesandten eigenmächtig vollzogen worden und wird möglicher Weise wieder rückgängig gemacht werden.
Vermischtes
* Und die Treue, fie ist kein leerer Wahn---.
Die Vermehrung der südwestafrikanischen Schutztruppe, die in den letzen Tagen eifrig betrieben wurde, hat auch das liebende Herz einiger junger Mädchen berührt. Zehn Unteroffiziere, d. h. ehemalige, die sich in den Colonialdienft gestellt, hatten zarte Bande angeknüpft und wenn ihren Entschluß, rüber zu gehen, etwas hätte wankend machen können, wäre es nur die Liebe gewesen, die sie ihren Berliner Bräuten geschenkt. Eine Verstärkung von 203 Mann wird die Schutztruppe erfahren und unter diesen eben befinden sich die zehn Bräutigame, die dem Ehestande ebenso zugeneigt waren wie dem Militärstande. Dieser Tage ist der Rest der Schutztruppe, 26 afrikanische Freiwillige, im Offizierverein in Berlin, der die Ausrüstung übernommen hatte, eingekleidet worden. Die Unteroffiziere tragen dunkelgraue Mäntel mit marineblauem Tuchkragen und graubraune hohe Mützen aus englischem Lederstoff mit braunen Rändern und großen schwarzen Schirmen. Unter Führung des Hauptmanns Fischer, der Compagnieführer in der ostasrikanischen Schutztruppe, verließ der Transport am 13. d. Mts. Abend- Berlin, um am 14. in Cuxhafen auf einem Dampfer des Norddeutschen Lohd eingeschifft zu werden. Am 15. d. Mts. früh erfolgte die Abreise nach Deutsch-Südwestafrika. — Aber die zehn verlobten Unteroffiziere gehen nicht allein; die zehn Bräute haben sich entschlossen, „mitzugehen". Wenn auch die Auserwählten der Schutztruppe angehören,
„Nun werden Sie auch wohl nicht mehr nach L. kommen, gnädiges Fräulein?" fragte Herr v. Berg Gretchen traurig.
„Schwerlich," antwortete das junge Mädchen mit ungewohntem Ernste, „ich war freilich sehr gerne hier, obwohl mir gleich am ersten Tage etwas Unangenehmes begegnete."
„Wie war das möglich," rief Berg, „Ihnen kann doch sicher Niemand etwas Unangenehmes sagen ober thun!"
Sein Blick und Ton ließen Gretchen erröthen, als sie zögernd antwortete:
„Glauben Sie denn nicht, Herr von Berg, daß, wenn man meine Freundin, die Gräfin Waldhof, beleidigt, ich eS tief mitempfinde?"
„Das hat aber doch unmöglich Jemand wagen können," rief Berg entrüstet.
„Dennoch ist es geschehen und zwar in einem öffentlichen Local, im Hotel N.," erwiderte das junge Mädchen.
„Um Gotteswillen, Sie meinen doch nicht die unselige Wette Lembergs?" fragte Berg erschreckt, „aber nein, Sie können ja nicht von ihr gehört haben, denn außer Saldern, Hagen und mir war ja Niemand zugegen, und daß darüber zu schweigen für uns drei Ehrensache ist, bedarf wohl nicht erst meiner Versicherung, gnädiges Fräulein?"
„Also haben Sie uns, meine Mutter und mich, gar nicht bemerkt, und wir saßen doch in demselben Speisesaal, — freilich am anderen, weniger erleuchteten Ende, nahmen auch kein Champagnerdiner ein, sondern nur eine Taffe Bouillon."
„Und weiß Gräfin Waldhof die fatale Sache?" fragte Berg ganz niedergeschlagen.
„Ich hielt es für meine Pflicht, sie ihr mitzutheilen und hoffe, daß Graf Lemberg doch irgend eine Strafe wird für seine Anmaßung und Unritterlichkeit, jedenfalls verliert er wenigstens sein Pferd an Lieutenant von Hagen. Die Herren," fuhr Gretchen fort, „müssen jd)on der Wette halber den Ball besuchen und Graf Lemberg die Verlobung der Gräfin mittheilen - dabei möchte ich sein, um des eitlen Herrn enttäuschte Miene zu sehen."
Abends Punkt 10 Uhr stand ein stattlicher Tscherkeffe am Eingänge des Theaters und prüfte mir suchendem Blick die ankommenden Masken. Die halbe Karte hatte er als Wahrzeichen angesteckt.
Aber er wartete lange vergebens, es erschien Niemand
mit der anderen Hälfte. Verschiedene Masken neckten ihn, er wies sie jedoch schroff zurück- eine Blumenverkäuferin, die ihm eine Rose bot, hatte ein gleiches Schicksal, sie ließ sich aber nicht zurückschrecken wie die anderen, sondern bat so lieb: „Nimm doch nur mei Ros', schöner Tscherkeffe," daß er die Rose nahm, um so mehr, als die Maske sehr niedlich schien. Sie trug ein kostbares, aber etwas kokettes Tyroler Costüm und hielt ein Körbchen mit frischen Rosen und Veilchen in der Hand.
Kaum hatte der Rittmeister die Rose genommen, als. er in derselben die andere Hälfte der Karte erblickte. Freudig erschrocken rief er:
„Theure Gräfin, Sie haben mich allerdings überrascht, wie konnte ich nur so blind sein und Ihre Elfengestalt, Ihren schwebenden Gang auch nur einen Augenblick verkennen ?"
„Also mit dem Herzen hast mi nit erkannt," lachte die Maske, „aber mit den Augen auch nit, denn ich bin ka Gräfin, sondern nur a schlicht Verkäuferin."
Einen Augenblick ward Lemberg stutzig, die österreichische Mundart klang gar zu natürlich- bann fiel aber sein Blick auf eine kostbare Agraffe von Brillanten unb Saphiren, die Ada auf ihrem Balle im Haar getragen unb ble ihm burch ihre eigenthümliche antike Fassung ausgefallen war. Dieselbe Agraffe war auf dem Tyrolerhütchen der Blumenverkäuferin befestigt- und dann die Karte, nein, es war kein Zweifel möglich, es war die Gräfin.
„Wie reizend Sie den österreichischen Dialect sprechen," sagte er, ihr seinen Arm bietend unb ihre Hand zärtlich brückenb. Dann bat er: „Wenn ich nicht Gräfin sagen soll, so lassen Sie mich Sie bei Ihrem schönen Namen nennen, theure Aba!"
„Aber bös is ja nit mei Noam, ich hoiß Jeanette — ja, wie haiß i nur weiter? I vergeß noch oft darauf, weil —"
„Nun weil?" fragte der Graf, als sie plötzlich wie erschrocken verstummte.
„Weil es noch nit gar so lang her is, dös ich so hoiß," fügte sie schnell gefaßt hinzu.
(Schluß folgt.)


