Ausgabe 
18.4.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Dienstag ven 18. April

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Xi*to dem Anzeiger '»ichnttlich dreimal Itigrfrgt

Commission zur Feststellung des Berichts, welcher sehr umfang­reich ist, erfolgt.

Die Geschäftsordnungs-Commission des Reichs­tages hatte sich heute mit einer Frage zu beschäftigen, die eit dem Bestehen deS Reichstages noch nicht an ihn heran- getreten war. Gegen den Abg. Pickenbach (Antisemit) war wegen einer Wein schuld in Höhe von 250 Mark die Zwangsvollstreckung fruchtlos ausgefallen. Der Anwalt des Gläubigers beantragte nun, da der Schuldner den Offen­barungseid zu leisten sich weigert, dessen Abführung in Personalhaft. Die Commission beantragt beim Plenum, die Genehmigung zu dieser Maßnahme zu versagen, da der Reichstag in civilrechtliche Verhältnisie seiner Mit­glieder nicht einzugreifen das Recht habe.

Berlin, 15. April. Wegen Verbreitung des be- kannten Extrablattes am 31'. Januar d. I. mit der erfundenen Nachricht über ein Attentat auf den Czaren wurden verurtheilt: Der Handelsmann Hebel zu 9 Monaten Ge- fängniß und einer Geldstrafe, der Drucker Dittbrenner zu 320 Mk. Geldstrafe, der Handelsmann Hecht zu 6 Wochen Haft, sowie einer Geldstrafe und die Handelsleute Polster und Günther zu einer Geldstrafe.

Die socialdemokratische Maifeier wird, soweit man über dieselbe bisher überhaupt etwas vernimmt, im Deutschen Reich nur vereinzelt durch Arbeitsunterlassung am 1. Mai begangen werden. In den meisten Orten haben die socialdemokratischen Arbeiter sich für die Feier am Sonntag vor oder nach dem 1. Mai entschieden.

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Sieben, 17. April 1893.

♦♦ Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Gr osi­tz erzog haben Allergnädigst geruht: Am 12. ds. Mts. den Eisenbahnbauasiessor Arthur Wolpert zum Vorstände der Baubehörde für Nebenbahnen in Oberheffen mit dem Amts­titelEisenbahnbaumeister" mit Wirkung vom 1. Mai d. I. ab zu ernennen.

♦♦ Neuer Theater. Der gestrige Abend brachte unS wieder eine Novität und zwar von Adolf L'Arronge, dem bestbekannten Verfasser vorzüglicher Volksstücke. Auch sein neuestes Werk dieser Art,Lol os Vater", bietet ein vorzüg­liches Charactergemälde aus dem Volksleben. Der Inhalt ist kurz folgender: Der pensionirte Briefträger Fritz Klemm, ein Mann, der sich auf seine Beanztenstellung etwas zu Gute thut, gibt seiner von ihm durch stete Nachsicht verzogenen jüngsten Tochter Charlotte, von ihm Lolo genannt, immer Recht und Beistand bei ihren stets wechselnden Launen, während die Verlobung der anderen Tochter Hedwig mit einem ehrbaren tüchtigen Buchbinder von ihm als zu gering angesehen wird. Lolo, welche egoistisch 'sich von ihrem unver­schuldet ins Unglück gekommenen Bräutigam abwendet, heirathet alsdann mit Einwilligung des sich sichernden VaterS den für ihre Ausbildung zum Theater sorgenden reichen Ver­ehrer, sterblich in "sie verliebten alten Baron Bojatzki. Lolo unterhält jedoch hinter dem Rücken ihres Mannes zarte Be­ziehungen zu dem Hausfreund Assessor v. Stein und wird dabei von der sie beobachtenden Mutter überrascht. Der Vater Lolos, davon von seiner Frau unterrichtet, warnt den Baron und die Folge davon ist, daß Lolo nach dem Vorhalt ihres Gatten sich aufs tiefste durch dieseKlatscherei" beleidigt fühlt und, um ferner unbeobachtet zu sein, die zu sich ge­nommenen Eltern aus ihrer Wohnung weist. Frau Klemm beredet ihren Mann, ihre Zuflucht bet der seither von ihm verkannten, inzwischen mit dem Buchbinder Hilgers verhei- ratheten Tochter zu suchen. Beide treffen zufällig am Tauf­tage des ersten Sprösiling dort ein und werden mit Herzlich­keit ausgenommen. Der in Lolo so sehr enttäuschte Vater findet nun Ruhe und Arbeit bei seinem einst verkannten Schwiegersöhne. Damir Schluß. Die Handlung bietet

Mr. 90. Erstes Blatt

Ausland

Budapest, 15. April. Die Entwickelung der Saaten ist infolge schlechten Wetters vollständig zurück­geblieben. Die Kälte der letzten Tage schadete sowohl den Winter- wie Frühjahrssaaten sehr.

Rom, 15. April. Bei dem gestrigen Empfange der österreichischen Pilger durch den Papst verlas der Car­dinal Gruscha eine Adresse in lateinischer Sprache. Der Papst empfahl in seiner Antwort Gehorsam gegen die Bischöfe und Fernhalten von allen gefährlichen, dem Katholizismus feindlichen Secten, er rieth den Gläubigen, sich insbesondere mit den Schulen zu beschäftigen, und segnete schließlich den Kaiser von Oesterreich, das ganze erlauchte Herrscherhaus und alle Gläubigen Oesterreich-Ungarns.

Staffel, 15. April. Bisher wurden über 100 Personen, welche von den Gendarmen und Polizisten verwundet wurden, gezählt. 12 Polizisten erlitten schwere Verletzungen. Ver­gangene Nacht hatten die Socialisten in der Eperonnterstraße Barrikaden errichtet, welche erst nach einem blutigen Zusammen­stoß mit der Gendarmerie entfernt wurden.

Ueber den Verlauf des gegenwärtigen großen Arbeiterausstandes in Belgien läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Indessen läßt die Leitung des Strikes an Einheitlichkeit offenbar zu wünschen übrig, an welchem Organisationsfehler die Bewegung vielleicht zerschellen wird. Im Kohlenrevier verschlimmert sich allerdings die Lage, hier ist der Strike ein allgemeiner geworden, es herrscht außer­ordentliche Aufregung unter den Bergleuten. Von Brüssel gingen Cavallerie und Infanterie nach den Hauptpunkten deS Kohlenreviers ab. Bezüglich der in der Verfaffungsrevision schwebenden KrisiS wirb eine baldige Lösung derselben an­gekündigt. Ein Compromtßvorschlag zu Gunsten des Mehr- stimmensyftems soll Aussicht auf Annahme Seitens der Depu- tirtenkammer haben.

Amsterdam, 15. April. Während der Rundfahrt der beiden Königinnen durch die Straßen der Hauptstadt bewarfen die Socialisten den Hofwagen mit Schmähschriften. Elf Personen wurden verhaftet.

Paris, 15. April. Die Polizei verhaftete gestern die muthmaßlichen Urheber der Explosion in der rue des bons enfants, den Anarchisten Depres und dessen Geliebte Lemaske- dieselben werden heute vernommen.

Petersburg, 15. April. Die Verheirathung des Königs Alexander von Serbien mit einer russischen Prinzessin soll beschlossene Sache sein, der Czar habe bereit­willigst seine Zustimmung ertheilt.

Petersburg, 15. April. DemSwet" zufolge sind die russischen Gegenvorschläge zum Handelsvertrag mit Deutschland nach Berlin abgegangen.

Belgrad, 15. April. Die gestrigen Festlichkeiten verliefen ohne jeden Zwischenfall. Zahlreiche Glückwunsch­telegramme sind beim Könige eingelaufen. Die Polizei wurde verstärkt und hält die Ordnung musterhaft aufrecht.

Gießener Anzeiger

Senerat-Mzeiger.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 16. April. Die Liste über das Gefolge Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten auf der Resse nach R o m wird, wie folgt, sestgestellt: a. Bel Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin werden sich be­finden : Ihre Excellenz Oberhofmeisterin Gräfin von Brockdorff, Hofdame Gräfin Keller, Hofdame Fräulein von Gersdorff, Seine Excellenz Oberhofmeister Freiherr von Mirbach, Kammerberr von dem Knesebeck, b. Bet Seiner Majestät dem Kaiser und König: Hauptquartier: General a la suito Generalmajor von Plesjen, Flug-l^Adjutant-n Ob-rstll-ulenant von Scholl, von Arnim, von Moltke, von Hülsen. Hof. Seine Excellenz Ober - Hof- und Hausmarschall, Ober- Ceremonienmeister Graf zu Eulenburg. Leibarzt: General­arzt Professor Dr. Leuthold. Militär-Cabinet: Seine Excellenz General der Infanterie von Hahnke, Oberst und Abtheilungs-Chef von Lippe. Civil-Cabinet: Seine Excellenz Wirkl. Geh. Rath Geh. Cabinetsrath Dr. von Lucanus. Marine Cabinet: Contre-Admiral Admiral ä la suite Frei­herr von Senden-Bibran. Auswärtiges Amt: Seine Excellenz Wirkl. Geh. Rath Staatssecretär Freiherr Marschall vorr Bieberstein, Geheimer Legationsrath von Kiderlen-Wächter.

Depeschen detz Bureau .Herold*

Brüssel, 17. April. Ein großes Meeting sand gestern hier statt. Hulert erklärte Namens der Buchdrucker, daß sie alle die Arbeit einstellen, wenn das allgemeine Stimmrecht nicht gewährt werde. Vandervellde sagte in einer heftigen Rede, wenn das allgemeine Stimmrecht nicht angenommen werde, werde die Armee der Ausständigen eine Revolution Hervorrusen. Nach dem Meeting bildete sich ein Zug von 5000 Manifestanten. Bei dem Durchzug der Avenue Louise wurde der Bürgermeister BulS, welcher gerade in Begleitung passirte, von einem Individuum durch zwei Hiebe schwer ver­letzt. 50 Gensdarmen stellten die Ordnung wieder her. Auch aus Gent werden ernste Unruhen gemeldet.

Brüssel, 17. April. Die Socialisten beginnen die CastzS und Hotels zu brandschatzen- sie lassen sich gut auftischen und drohen bei verlangter Zahlung mit den Revolvern.

Antwerpen, 17. April. Während der Meetings schlug ein Redner vor, die Läden der Waffenfabrikanten zu plündern.____________________

KW'Ss

Deutsches Reich.

Berlin, 15. April. Der Kaiser traf am Freitag Abend in Swinemünde ein, von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, und begab sich sofort an Bord derHohenzollern",- dieHohenzollern" dampfte alsdann nach Kiel ab. Zur Stunde dürfte der Monarch von diesem Ausfluge jedenfalls wieder in Berlin eingetroffen fein. Die Abreise des Kaisers und der Kaiserin nach Italien erfolgt am Dienstag Abend 11 Uhr.

Die Novelle lzum Unterstützungswohnsitz­gesetz ist von der betreffenden Reichstagscommission am Freitag in Angriff genommen worden. Die Commission will ihre Arbeiten beschleunigen, damit das Plenum baldigst in die weitere Berathung der Novelle eintreten und letztere noch vor der muthmaßlichen Auflösung deS Reichstages erledigen kann.

Im Stande der brennenden TageSangelegenheit der inneren Politik, ter Militärfrage, ist keine sichtliche Veränderung zu verzeichnen. Allerdings wollen die Gerüchte, wonach daS Centrum bei der entscheidenden Reichstags­abstimmung über die Militärvorlageumfallen" würde, noch immer nicht verstummen, auf den meisten Seiten werden sie indessen nicht ernst genommen, sondern lediglich 'als unbe­gründete Muthmaßungen, als bloße Versuchsballons betrachtet. Bis jetzt ist vielmehr noch immer das Wahrscheinlichere, daß die Militärvorlage auch im Plenum fällt und daß demnach die Auflösung des Reichstages unvermeidlich erscheint. Es wird versichert, daß sich daS Reichstagspräsidium bereits auf letzteren Fall vorbereite und die entsprechenden geschäftlichen Dispositionen treffe. Die weitere Nachricht jedoch, der Reichs­kanzler habe in seinem dem Kaiser kürzlich gehaltenen Vor­trage schon das Decret über die Reichstagsauflösung zur Unterschrift vorgelegt, er sei jedoch vom Monarchen beschieden worden, daß die Sache telegraphisch erledigt werden könne, kann nur unter allem Vorbehalt wtedergegeben werden.

Berlin, 15. April. Der Bericht deS Abgeordneten Gröber für die Militärcommisslon ist fertiggestellt. Die Com­mission tritt voraussichtlich Montag zusammen, um den Wort­laut deS Berichtes zu berathen, welcher im Laufe der Woche endgiltig festgestellt werden dürfte.

Berlin, 15. April. Nach dem Armee-VerordnungSblatt sind folgende Truppenverlegungen angeordnet: Es werden verlegt: 1) am 1. April d. I. die erste Abtheilung des Feld - Artillerie - Regimenis Nr. 2 von Gollnow nach Stettin- 2) gelegentlich der diesjährigen Herbstparade des GardecorpS das 4. Garderegiment z. F. von Spandan nach Berlin- 3) zum 1. October dss. IS. das Königin-Augusta- Garde-Grenadler-Regiment Nr. 4 von Coblenz nach Spandau, das zweite Bataillon deS Infanterie-Regiments Nr. 75 von Harburg nach Bremen, daS Pionierbataillon Nr. 9 von Rends­burg nach Harburg.

Berlin, 15. April. Im ^Reichstage ist ein Antrag Ahlwardts noch nicht eingegangen. DieBörsenzeitung" meint, es sehe ganz so aus, als ob Ahlwardt mit den Acten- stücken überhaupt nicht herausrücken wolle, wenigstens gegen­über dem Reichstage nicht.

Berlin, 15. April. Die Centrumsfraction des Reichstages hat gestern eine Sitzung abgehalten, worin es zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen ist. Es ver­lautet, man habe bezüglich der Militärvorlage verhandelt. Der Bericht der Militärcvmmijsion ist fertiggestellt. Es wird angenommen, daß am 17. April der Zusammentritt der

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Bekanntmachung.

Wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche wird der Viehmarkt am Mittwoch den 19. d. MtS. in der Stadt Wetzlar nicht abgehalten, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.

Gießen, den 17. April 1893.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

_________________v. Gagern.___________________ ' Gießen, den 15. April 1893.

Betr. Die Vertilgung der Feldmäuse.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

cm die Grotzh. Bürgermeistereien des «reise-.

Soweit Sie mit Erledigung unserer Verfügung vom 20. März 1893 (Kreisblatt Nr. 70) noch rückständig sind, erinnern wir Sie an baldige Berichterstattung.

v. Gagern.

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_______________Louis S-rry.

] 1. Qtod, 3 flimmer mit Bobern nd Zubeh. im fall zu otrmidfcn- er Siri«' und Schillerskaße 2l.

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