Ausgabe 
18.3.1893 Erstes Blatt
 
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Brüssel, 16. März. DerIndependance beige" zufolge -entdeckte die Brüsseler Polizei ein weitverzweigte- anar­chistische- Complott, welche- bezweckt, die Dynamit­anschläge in Pari- wieder aufzunehmen. Zwei Anarchisten wurden verhaftet, mehrere andere, meist Franzosen, find flüch­tig. Bei den Verhafteten wurde eine bedeutende gestohlene Summe gefunden.

Belgrad, 16. Mürz. Bei dem letzten Zusammenstoß zwischen Militär und Bauern anläßlich der Wahlen worden 21 Bauern getödtet und 100 verwundet.

Sitzung der Stadtverordneten

am 16. März 1893.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadt­verordneten die Herren Brück, Faber, Flett, Homberger, Helfrich, Hehligenstaedt, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Petri, Simon, Bogt und Wallenfels.

Eine von den Herren Oberlehrern ergangene Ein­ladung zur Besichtigung der Ausstellung von im Hand­fertigkeitsunterrichte für Knaben gefertigten Arbeiten, sowie zur Prüfung der Fortbildung-schüler wird zur Kenntniß der Versammlung gebracht. Die Ausstellung der Handarbeiten findet am Sonntag den 19. d. MtS., von Vormittags 11 bis Nachmittag- 4 Uhr, im Festsaale der Stadtknabenschule an der Nordanlage, die Prüfung der Fortbildungsschüler im Schulhause an der Schulstraße am Montag den 20. d. MtS., Nachmittags von 2 bis 41/» Uhr und Abends von 51/, bis 7Vs Uhr statt.

Nach dem Local-Reglement vom Jahre 1888, betr. die Bertilgun g der Blutlaus, hat die Commission von Sachverständigen jährlich zweimal unter Beisein der Feld- schützen die Gemarkung zu begehen und die Aepfelbäume zu untersuchen. Die seither aus den Herren Stadtverordneten Helfrich und Simon, sowie den Herren Chr. Haubach und Carl Steinberger bestehende Commission wird wiedergewählt.

Nach einem früher gefaßten Beschlüsse sollen die städtischen Wiesen alljährlich zu einem Viertheil gedüngt werden, so daß sich diese Düngung alle vier Jahre wiederholt. Im Jahre 1890 wurden 135 Morgen, 1891 105 Morgen, 1892 112 Morgen und in 1893 bis jetzt 72Vs Morgen gedüngt, inSgesammt 424Vs Morgen, von den 443 Morgen städtischen Wiesen sind sonach noch über 20 Morgen zu düngen, und soll auf Antrag der landwirthschastlichen Commission der erforderliche künstliche Dünger (100 Centner Kainit und 100 Centner Thomas-PhoSphatmehl) angeschafft werden, was einen Aufwand von 367 Mark erfordert.

Der vor Jahresfrist behufs Vertilgung der Feld­mäuse empfohlene Läffler'sche MäusebacilluS hat die erwartete Wirkung nicht gehabt, es ist nach vorliegenden Berichten weder eine Abnahme der Mäuse eingetreten, noch sind die Cadaver verendeter Thiere gefunden worden. Die landwirthschaftliche Commission hat in Anbetracht dessen, daß die Mäuse auch den strengen Winter gut überstanden haben, ein systematisches Vorgehen für geboten erachtet und empfiehlt sie als geeignetes Vertilgungsmittel vergifteten Weizen oder Hafer- die Com­mission empfiehlt ferner die Anwendung vergifteter Körner auf städtischen Rainen und Grundstücken und den Erlaß einer Aufforderung an die Grundbesitzer, in gleicher Weise vorzugehen. Einschließlich Arbeitslohn würde das Legen ver­gifteten Weizens, welches zur Verhütung einer Vergiftung anderer Thiere sehr sorgfältig ausgeführt werden muß, für die städtischen Grundstücke etwa 300 Mark Kosten verursachen. ES wird im Sinne des Ausschußantrages beschlossen und den Vorschlägen der Herren Helfrich und Wallenfels entsprechend genehmigt, daß Großh. Kreisamt um Erlaß einer Aufforderung an die Nachbargemeinden zu gleichem Vorgehen ersucht und darum angegangen wird, das bezeichnete Mittel behufs Ver- ttlgung der in den Straßengräben usw. sich aufhaltenden Mause anzuwenden; Herr Flett empfahl als besonders wirksam daö Verstopfen der alten Löcher und Legen des Giftes am Abend.

DaS Gesuch des Herrn Commerzienrath W. Gail um Erlaubniß zur Herstellung eines gepflasterten UebergangS am Lahnstein an Stelle eines bereits früher vorhandenen wird widerruflich und unter dem Anfügen genehmigt, daß die Pflasterung unter Aufsicht und nach Angabe des Stadtbau- amteö vorgenommen wird.

Herr W. Seultng beabsichtigt am Ende der Schott- straße einen Neubau zu errichten und hat deshalb um Ueber- schüttung des in die Straße fallenden Geländes bis zum ge­planten Neubau und Herstellung eines Wasserabflusses nach­gesucht. Es wird auf Antrag der Baudeputation Ablehnung des Gesuches beschlossen, da es nach Erklärung der Deputation, der sich sonst ergebenden Consequenzen wegen, den Bauenden überlassen werden müsse, in noch nicht eröffneten Straßen für eine gute Zufuhr selbst zu sorgen. Der über die Er­werbung von Straßengelände zwischen der Stadt und Herrn Seuling gefertigten Kaufnotul wird Genehmigung ertheilt.

Nach bereits gepflogenen Verhandlungen zwischen der Stadt uud Herrn Ph. Wagner über Geländeregulirung am Hause des letzteren wurden der Versammlung die Pläne für einen an Stelle des abzubrechenden Wagner'schen Hauses zu errichtenden Neubau, sowie die neue Baufluchtlinie für die Neustadt wie für die Stallgasse vorgelegt. Die Versammlung spricht sich für Genehmigung der Pläne, sowie dafür auS, daß der geplante Neubau die näher bezeichnete Abstumpfung an der Ecke von Neustadt und Stallstraße erhält.

Der Männer-Badc-Vcretn beabsichtigt seine Bade­anstalt durch Anbau eines Ankleideraumes für Knaben und Ankletdezellen für Erwachsene zu erweitern. ES wird Ge­nehmigung auf Widerruf beschlossen.

Herr August Ackermann hat um Erlaubniß zur Er­richtung eine- Hintergebäudes auf seinem an der Franksurter- straße belegencn Grundstücke nachgesucht. DaS Gesuch soll, obwohl ihm der § 17 deS OrtSbaustatutS, wonach Hinter­gebäude in der Regel nicht früher als Vordergebäude errichtet

werden bürfen, entgegensteht, ausnahmsweise befürwortet werden, weil da- frag!. Gebäude in 40 Meter Abstand von der Straße errichtet, durch Garteuanlagen maSkirt wird und hin­sichtlich feiner äußeren Ausstattung nicht zu beanstanden ist.

DaS Gesuch deS Herrn Caspar Heinzerling um Erlaubniß zur Errichtung eines Werkstättebaues am Schiffen- bergerweg war in der Sitzung vom 19. Januar d. I. beanstandet worden, weil das geplante Gebäude für die dorttge Gegend als mißständig zu bezeichnen war. Der Gefuchsteller hat hierauf einen andern Plan eingereicht, dessen ausnahmsweise Ausführung befürwortet werden fall.

Nachdem die Kosten für den Ausbau der durch Steins Garten führenden Theilftrecke der Gartenstraße im Be­trage von 9500 Mark bereits bewilligt wurden, hatte die heutige Versammlung über die Vergebung der auf 505 Mark veranschlagten Planirarbeiten zu berathen. Dieselben werden Herrn Maurermeister Steinbach, welcher sich als Mitinteressent erboten hat, die Arbeiten für den Preis von 50 Psg. pro Cubikmeter Abtrag und 90 Pfg. pro Cubikmeter Auftrag zu übernehmen, übertragen.

CocaUs und provinzielles.

Gießen, 17. März 1893.

Oeffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreise- Gießen vom 16. März 1893.. Zur Verhandlung gelangt das Gesuch des Adam Lorenz Bingel zu Grüningen um ConcessionzurErrichtungeinerGastwirthschaft. In nichtöffentlicher Sitzung hatte der KreiSauSschuß unterm 17. v. MtS. die Ertheilung der Concession abgelehnt, weil ein Bedürsntß nicht vorliege beziehungsweise nachgewiesen sei. Gemäß Art. 57 der KreiSordnung ist nunmehr durch den Anwalt des Gesuchstellers mündliche Verhandlung beantragt worden. Die Vernehmung der Zeugen ergab, daß in Grüningen vier Wirthschaften bestehen, wovon drei die Berechtigung zum Beherbergen seit Anfang dieses Jahres besitzen. In ver­einzelten Fällen (nur zwei Fälle wurden genauer angegeben) hätten arbeitsuchende Leute kein Nachtquartier finden können, auch sei eS mit der Verköstigung nicht zum besten bestellt. Der Anwalt des Gesuchstellers überreichte eine von einer größeren Anzahl Einwohner Grüningens unterschriebene Petition und führte aus, daß die zur Zeit bestehenden vier Wirth- schäften nicht genügten, daß auch in früherer Zeit eine oder zwei weitere Wirthschaften existirt hätten. Der Kreisausschuß lehnte daS Gesuch wiederum ab und verurtheilte den rc. Bingel in die Kosten, sowie zur Zahlung eines Aversionalbetrags von 3 Mark in die Kreiskasse.

* * Nach dem Jahresberichte der Großh. Realschule und deS Realgymnasiums besuchten im abgelaufenen Schuljahre: a) daS Realgymnasium 244 Schüler, worunter 158 Einheimische, 57 auswärtige Hessen, 27 auswärtige Reichsangehörige und 2 Ausländer- evangelisch waren 212, katholisch 13, israelitisch 19, b) Die Realschule 329 Schüler, darunter 242 Einheimische, 66 auswärtige Hessen,' 21 auswärtige Reichsangehörige- evangelisch waren 281, katholisch 12, israelitisch 36. Die Vorschule beider Anstalten wurde besucht von 156 Schülern, worunter 140 Evangelische, 11 Katholiken, 5 Israeliten. Die Gesammtzahl aller Schüler belief sich sonach auf 729, gegen 701 im Vorjahre. Von den Ostern 1892 und Herbst 1892 abgegangenen Abiturienten der Realschule (Heinrich Becker, August Fink, Hermann Hoffmann, Ed. Klinkel, Wilhelm Meißinger, Heinrich Plank, Otto Wagner, Emil Gröninger, sämmtlich aus Gießen, Max Frank aus Düdelsheim, Hermann Hammerschlag aus Treis a. d. Lda., Karl Krämer aus Darm­stadt, Wilhelm Seibel aus Londorf) widmen sich 5 der Kauf­mannschaft, 3 dem Postfache, je 1 dem Baufach, der Technik, dem Finanzfach und der Bäckerei. Der Unterricht im neuen Schuljahr beginnt am 11. April, Vormittags 7 Vs Uhr. Anmeldungen neuer Schüler werden am 8. April von 9 biß 12 Uhr im Schulgebäude entgegcngenommen. Die für die Vorschule anzumeldenden Knaben müssen vor dem 1. October das 6. Lebensjahr zurückgelegt haben.

* e Zulässige Bemerkungen auf Postkarten. Das Reichs­postamt hat an die Postanstallen verfügt:Postkarten mit handschriftlichen oder in anderer Weise hergestellten weiteren Angaben, Geschäftsempfehlungen, Anzeigen, Abbildungen auf der Vorderseite sind von der Beförderung gegen ermäßigtes Porto ausgeschlossen- dagegen können auf der Vorderseite Angaben, welche die abgekürzte Telegramm-Adresse deS Ab­senders und die Nummer seines Fernsprechers betreffen, als auf die Beförderung bezüglich angesehen werden, auch sind Abbildungen rc. auf der Rückseite nicht zu beanstanden.

Zn der Bestellung von Eilbriefsendnngen tritt für die Folge eine Aenderung ein. Wenn sie den VermerkEigen­händig" tragen, nicht eingeschrieben und genügend frankirt sind, dürfen sie künftig auch in den Hausbriefkasten gelegt werden, falls eine persönliche Ablieferung, welche der Bote in jedem Falle zu versuchen hat, nicht möglich ist.

Zu den Anträgen ans Errichtung früherer Kreife und Kreisämter, und zwar zu Neustadt, Lindenfels, Nidda, Grün­berg, Wald-Michelbach, Hungen und Wimpfen hat Ramen­des Sonderausschusses der zweiten Kammer der Abg. Möllinger Bericht erstattet. Auf die Mittheilung der Anträge ist von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz die Antwort dahin ertheilt worden, daß vorerst nicht in der Absicht der Grobherzoglichen Regierung liege, der Frage der Errichtung neuer beziehungsweise Wieder­herstellung früherer «reife im Großherzogthum näher zu treten. Da nach dieser Mittheilung keine Aussicht vorhanden ist, Grobherzogliche Regierung werde von dem ihr zustehenden Organisationsrecht in vorliegender Frage Gebrauch machen, so dürfte eS wohl zwecklos sein, auf die Behandlung der ein­zelnen Anträge weiter einzugehen. Der AuSschub schlägt des­halb hoher Kammer vor, den betreffenden Anträgen keine Folge zu geben.

C RebgeShain, 16. März. Ein hiesiger Gastwirth setzte- einen Betrunkenen, einen Mann in den 50er Jahren, vor die Thür. Derselbe stürzte hierbei mit dem Himerkopf auf den Boden und zog sich eine Schädelverletzung zu, an deren Folgen er verstarb. Gestern war daS Gericht mit Aerzten behufs Untersuchung deS Verstorbenen hier an­wesend.

A SroßHelba, 16. März. Sin hiesiger angesehener Zimmermeister ist wegen deS Verdachtes einer Meineids- affaire gestern in die Untersuchungshaft abgeführt worden. Der Fall erregt nicht geringes Aussehen.

-n. Etonftls, 16. März. Bei der heutigen Beige- ordnetenwahl wurde Herr JohS. Ludwig Schneider mit 28 Stimmen neu gewählt.

Butzbach, 16. März. Mit dem morgigen Tage findet aa der hiesigen Großh. Realschule das Schuljahr 1892/93 feinen Abschluß. Die Anstalt besuchten inSgesammt 152 Schüler (81 auS Butzbach), davon waren 138 Protestanten, 3 Katholiken und 11 Israeliten. Seit Ausbau der Schule zu einer sechSklassigen Realschule wurde die Anstalt besucht wie folgt: Im Jahre 1888/89 von 111 Schülern, im Jahre 1889 90 von 127, im Jahre 1890/91 von 137, im Jahre 1891/92 von 151, im Jahre 1892/93 von 152 Schülern.

Friedberg, 14. März. Die Abiturienten des hiesigen SchullehrerfeminarS von 1883 haben für den dritten Oster- feiertag dieses Jahre- (4. Aprll) eine Zusammenkunft in Frankfurt a. M. in Aussicht genommen. DaS auS den Herren Geller, Haggenmüller und Leib, sämmtlich in Gießen, sowie Herrn Monnick-Friedberg bestehende Comitü hat folgende- Programm vorgesehen: 1) Bon 9 Uhr an Sammlung im Hauptbahnhof (Wartesaal II. Kl., vor Bahnsteig 8). 2) Um 12 Uhr Mittagessen im Hotel Jacobi, Stiststraße. Gedeck ohne Wein 2,50 Mk. Darauf gesellige- Zusammensein. Anmeldungen zum Essen müssen bi- zum 28. März an Herrn Monnick (Friedberg) geschehen.

no. Darmstadt, 16. März. Zweite Kammer der Stände. Inder heutigen Sitzung der zweiten Kammer beant­wortete Finanzminister Weber eine Interpellation de- Abg. Erk, wegen der sog.Hohen Straße" bei Echzell. Abg. Erk bt# tont den schlechten Zustand dieser Straße und bittet um Ab­hülfe. Finanzminister Weber sagt Adhülse zu. Eine Interpellation de- Abg. Hirsch wegen Herstellung der Reben bahn Heßloch OsthofenRhein rk heim be­antwortet Finanzminister Weber dahin, daß die Vorarbeiten augenblicklich hergestellt würden. Nach dem Gesetz fei nicht zulässig, daß besondere Ausnahmen gemacht werden. Werde jedoch vom Haus die von der Regierung gemachte Vorlage auf Ausführung von Theilstrecken angenommen, fo werde die- die Sache beschleunigen. ES erfolgt nunmehr die Berathung der Regierungsvorlage wegen Erbauung einer stehen­den Eisenbahn- und Straßenbrücke über den Rhein bei Worms, hier Aufbringung und Bewilligung der dafür erforderlichen Mittel im Betrage von 7 970000 Ml. Im Finanzausschuß haben sich zwei Ansichten geltend gemacht. Eine AuSschnßmehrheit (Ivckcl, Oriola, Möllinger, und Theobald) beantragt an- verschiedenen Gründen nur 4660000Mk. zum Bau einer Eisenbahnbrücke unter dem Vorbehalt des vorgängigen AdschlnsseS einer Vereinbarung mit der Hessischen LudwigSdahn wegen Benutzung der Brücke zu bewilligen, während die Minderheit deS Ausschusses (Schröder, WolfSkehl und Haaß) sich unter dem letzteren Vorbehalt, für die Regierungsvorlage erklärt. Ministerial- ralh Sckäfser vertritt mit Entschiedenheit die Regierungs­forderung, weil die bei Worms vorhandenen Verhältnisse den Bau zweier getrennten Brücken erheischen. Wenn die Er­weiterung deS HochsluthprofilS bei WormS durchgeführt werde, fei die Beseitigung der jetzigen Schiffsbrücke unbedingt er­forderlich und an deren Stelle müsse dann, um den Interessen der anliegenden Gemeinden zu entsprechen, der Bau einer festen Straßenbrücke treten - mit nur einer Eisenbahnbrücke fei nicht gedient. Abg. Metz-Darmstadt weist darauf hin, daß die f. Z. vom Haufe bewilligte Summe nur zum Zweck der Vor­arbeiten zur Herstellung einer BerkehrSbrücke für WormS be­stimmt worden fei. Eine Eisenbahnbrücke zu bauen sei Sache der LudwigSdahn. Der Verkehr von WormS gravittre be­sonders mit der Bergstraße und dem Ried und deßhalb er­scheine ihm eine BerkehrSbrücke nothwendig. Abg. Rein­hardt-WormS tritt für die Erbauung von zwei Brücken ein. WormS habe in den letzten Jahren sich um ca. 16°/® vermehrt und durch Erbauung der Brücken werde die- noch vergrößert. Dieselben hätten nicht nur für die Stadt, fonbern auch für die Landwirthschaft bedeutenden Nutzen. Gegen Er­bauung von zwei Brücken spricht Abg. Graf Oriola und Abg. Michel im Namen der rheinhessifchen Abgeordneten. Finanzminister Weber betont, daß sich zur Evidenz herouS- gestellt habe, daß nur zwei getrennte Brücken den that­sächlichen Verhältnissen von WormS Rechnung tragen können. Wenn das HauS der Regierungsvorlage zusttmme, dann könne die Regierung mit der Hessischen LudwigSdahn einig werden- möge dieselbe dann wollen ober nicht, so müsse sie doch dem allgemeinen Druck nachgeben. Anfang- seien die Berhandlungen mit der LudwigSbalm ganz gut gegangen, dis auf einmal der Wormser Bahnhof mit in die Frage hereingezogen worden fei. Im Interesse des Zusammenschlusses zweier Provinzen und auS politischen und wirthschaftlichen Gründen bittet er daS Haus, die Erbauung der beiden in Aussicht genommenen Brücken zu genehmigen. Für die Re­gierungsvorlage sprechen noch die Abg. Jöst, Heinzerling, Gutfleisch, Metz-Gießen, WolfSkehl, Hermann,Arank. Gegen diese Abg. Iöckel. Nach erfolgter Abstimmung wird die Vorlage der Regierung auf Erbauung zweier Brücken mit 19 gegen 25 Stimmen abgelehnt, desgleichen ein Antrag deS Abg. Mctz-Gießen auf Erbauung einer Straßenbrücke mit 21 gegen 24 Stimmen. Der Antrag' der Mehrheit des Ausschusses auf Erbauung einer Cisenbahnbrücke findet sodann mit allen gegen zwei Stimmen die Sanction der Kammer. Damit war die TaaeSordnung um t/12 Uhr erledigt.