1893
Samstag den 18. Februar
nr. 42. Zweites Blatt
Amts, und Anzeiseblatt für den «reis Gieren.
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ihme während dem ,en Gatten, BaterS des Vereins \ut r str ihre unemüd- lchedem Verewigten Levi für die W igen innigM Dank
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Bekanntmachung,
betr. den Oberhesf. Obstbauverein.
Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird die nachstehend bezeichneten Orte des Kreises Gießen zu den angegebenen Zeiten besuchen, um Vorträge und praktische Unterweisungen an Obstbäumen abzuhalten. Die Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues werden hierzu freundlichst eingeladen. Die Herren Bürgermeister der betr. Orte ersuche ich um gefällige ortsübliche Bekanntmachung.
Gießen, 9. Februar 1893.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhess. Obstbauvereins.
Nebel, Amtmann.
Steinheim. Sonntag, 19. Februar, Nachm. 3 Uhr: Vortrag. Montag, 20. Februar, Vormittags 9 Uhr ab: Praktische Unterweisungen.
Utphe. Montag, 20. Februar, Abends 8 Uhr: Vortrag.
Dienstag, 21. Februar, Vormittags 9 Uhr ab: Praktische Unterweisungen.
Trais-Horloff. Dienstag, 21. Februar, Abends 8 Uhr: Vortrag. Mittwoch, 22. Februar, Vormittags 9 Uhr ab: Praktische Unterweisungen.
Inheiden. Mittwoch, 22. Februar, Abends 8 Uhr: Vortrag. Donnerstag, 23. Februar, Vormittags 9 Uhr: Praktische Unterweisungen an Dbftbäumen.
darauf aufmerksam, 11 Etiquett versehen
unserer Brauerei uw bmbmmi.
geschickt, um In der dortigen deutschen Abtheilung für Schulwesen als Muster von Unterrichtsergebniffen ausgestellt zu werden. Die von der preußischen Unterrichtsverwaltung angestellten Erhebungen über die besten Schriftproben in den Mädchenschulen deS Staates haben das für die Anstalt höchst ehrenvolle Ergebniß gehabt, daß die hiesige höhere Töchterschule in dieser Beziehung die erste Stelle einnimmt.
* Wie«, 8. Februar. Die Wiener Dienstboten sind sehr billig, im Allgemeinen treu, in Ausnahmsfällen aber sehr gefährlich für ihre Dienstgeber. Ein solcher Aus- nahmsfall ereignete sich gestern im Hause Nr. 7 der Hernalser Hauptstraße in der Wohnung deS Spezereihändlers Alfonso Crov att o. Dieser hatte gewohnter Weise um 6 Uhr früh seine Wohnung verlassen und sich in sein im selben Hause befindliches Geschäftslocal begeben. Die Frau lag noch im Bette. Da drang plötzlich um 6'/« Uhr früh ein unbekannter Mann in ihr Zimmer und führte mit dem Schlägel eines Mörsers einen Schlag gegen ihren Kopf. Die Frau rief ihrem Dienstmädchen um Hilfe, doch vergebens. , Sie wollte durch die andere Thür aus dem Schlafzimmer entweichen, doch die Thüre war versperrt. Schließlich gelang es ihr, das Fenster zu gewinnen und auf die Gaffe um Hilfe zu rufen. Herr Crovatto und dessen Hausknecht kamen nun herbei, und es gelang ihnen noch, den fliehenden Eindringling festzuhalten. Dieser ist der 66jährige SebastianKastner, der Vater des Dienstmädchens der Crovattos. Er ist vor einigen Tagen aus seiner Heimath, einem Dorf in Böhmen, eigens nach Wien gekommen, um unter passiver Assistenz seiner Tochter deren Dienstgeberin, Frau Crovatto, zu ermorden und zu berauben. Selbstverständlich werden Vater und Tochter ihrer Strafe nicht entgehen. Vor zwei Jahren etwa kam in Wien ein ähnlicher Fall vor. Die meisten Leute vertrauen unbedenklich ihr Eigenthum, ihre Kinder und ihr Leben schlecht bezahlten Dienstboten an. Mon muß sich eigentlich wundern, daß diese doch verhältnißmäßig so selten das Vertrauen ihrer Dienstgeber täuschen.
ul Lindau.
hailier (Rudolphs Parquet ML VoO, . GaWeiie Mk 1.-. J___1454
ipktein. fälle von Angehörigen d. Ms. anberaumte Weiteres verlegt.
der Vorstand.
'ein.
Heia r/2 tu.
Vermischtes.
♦ Trier, 9. Februar. Die Hefte der hiesigen höhern Töchterschule werden zur Weltausstellung nach Chicago
Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues lade ich zu dieser Versammlung freundlichst ein, besonders ergeht diese Einladung an die Herren Bürgermeister des Kreises Gießen.
Gießen, den 14. Februar 1893.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhess. Obstbauvereins.
Nebel, Amtmann. _____
«ine Wette.
Fastnachts-Erzählung von S. torn Have.
(3. Fortsetzung.)
„Nun," meinte Ada, „dann bleib wenigstens bei mir, bis eS vollends Tag ist, Du kannst ja hier auf meiner Couchette Dich ein Stündchen hinlegen und versuchen zu schlafen, es war ja öfter Dein Plätzchen, wenn ich mich nicht ganz wohl fühlte und Nachts nicht allein sein mochte."
Freudig erfüllte die treue Jeanette der geliebten Herrin Wunsch und beide begaben sich zur Ruhe. Ada war indeß sehr erregt und konnte lange nicht einschlafen. Als sie infolge dessen am anderen Morgen erwachte, war Jeanette schon fort.
Am Nachmittage gingen RichthofenS emige Einkäufe machen. Ada hatte sie nicht begleitet, sondern Müdigkeit vorgeschützt, in Wahrheit wollte sie aber den Rittmeister, den sie erwartete, allein empfangen.
Kaum hatten RichthofenS sie verlassen, als ihr auch Lemberg gemeldet wurde. Daß die Gräfin gestern den Ball mit ihm eröffnet und auch noch den Cotillon mit ihm getanzt, hatte ihm nun vollends den Kopf verdreht, so daß er es wirklich wagte, Ada den Vorschlag zu machen, sie auf den Maskenball zu führen, der übrigens auch schon in einigen Tagen stattfinden sollte.
Der Erfolg rechtfertigte seine kühnsten Hoffnungen, ein weniger eitler Mann würde doch etwas erstaunt gewesen sein, daß Ada nach kurzem Zögern seine Bitte gewährte. Graf Lemberg sand es natürlich und hegte nur die Besorgniß, daß er sich schließlich in allem Ernst in die reizende Frau verlieben, sie vielleicht gar heirathen werde, und seine Don Juan- Natur sträubte sich doch gegen das Joch der Ehe.
„Darf ich Sie am Abend des Maskenballes hier ab- holen, verehrte Gräfin, und wann befehlen Sie, daß ich komme?" fragte er.
„Nein, ich denke, wir treffen uns am Eingänge des Theaters um zehn Uhr," war der Gräfin Antwort.
„Wie Sie befehlen, gnädigste Gräfin, aber bitte, beschreiben Sie mir Ihr Costüm, — ich werde als Tscherkeffe erscheinen."
Bekanntmachung,
betreffend den Oberhessischen Obstbauverein.
Freitag den 24. Februar d. I., Nachmittags 2 Uhr, findet auf Lonys Bierkeüer zu Gießen eine Generalversammlung des Vereinsbezirks Gießen mit folgender Tagesordnung statt:
1. Was kann Seitens der Gemeinden zur Förderung des Obstbaues geschehen? Referent: Herr Landwirthschafts- lehrer Dr. von Peter zu Friedberg;
2. Unter welchen Verhältnissen gewährleistet der Obstbau die höchste Rentabilität? Referent: Vorsteher der pomo- logischen Gärten Herr C. Reichelt zu Friedberg;
3. Ist die Theilung des Vereinsbezirks Gießen in Sec- tionm wünschenswerth? Aufgeben der Sectionen?
Gold-Mlt Wir
Bekanntmachung,
betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach.
Die Arbeiten des III. Abschnitts des II. Feldbereinigungsbezirks zu Steinbach (Feld zwischen der Kreisftraße nach Garbenteich und dem alten Anneröder Weg), nämlich die bei Bildung der Crfatzgrundstücke angefertigten Zutheil- ungsfarten, das Zutheilungsverzeichniß, die Guter-Gefchoffe, das Verzeichniß der übergehenden Obstbäume liegen in der Zeit vom 15. bis einschließlich 28. Februar 1. I auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Steinbach zur Einsicht der Betheiligten offen.
Termin zur Entgegennahme von Einwendungen gegen diese Arbeiten findet Mittwoch den 1. März l. I., Nachmittags von 2’/, bis 4 Uhr in dem Rathhaus zu Steinbach statt.
Ich lade zu diesem Termin die Betheiligten unter dem Hinweis darauf, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind.
Gießen, 11. Februar 1893.
Der Vollzugs-Commissar:
Nebel, Amtmann.
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Gießener Anzeiger
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„Morgen gibst Du schon wieder ein Fest? Ach, Ada, eS ist entzückend bei Dir, und ich habe Dich furchtbar lieb!" ries Gretchen, die Freundin stürmisch umarmend.
„Weil ich Lieutenant von Berg wieder eingeladen habe, lachte diese. „Erdrück mich nur nicht aus Dankbarkeit dafür, Kleine, sonst gibts morgen eine Leichen- statt einer Der- lobungsseier."
„Wer wird sich denn morgen verloben?" fragte das junge Mädchen schelmisch. „Aber," fuhr sie fort, „ist morgen nicht der Maskenball?"
„Möglich," erwiderte fast verlegen und sichtlich verstimmt Ada, „soll ich ihn vielleicht besuchen?" setzte sie mit Bitterkeit hinzu.
Erschrocken über ihre Unbedachtsamkeit, durch die sie die Freundin verletzt, wollte Gretchen ihren Fehler mit einem Kusse abbitten, als Herr v. Saldern gemeldet wurde.
„Führen Sie den Baron in den Salon," befahl Die Gräfin erröthend, „komm mit, Gretchen," wandte sie sich dann an diese, indem sie von ihrer Arbeit aufblickte. Doch da war kein Gretchen mehr, es hatte bei Salderns Namen rasch das Zimmer verlassen und Ada mußte sich allein in den Salon begeben.
Saldern eilte ihr entgegen und ihre Hand ergreifend und mit Küssen bedeckend, rief er:
„Theure Gräfin, am liebsten wäre ich schon gestern zu Ihnen geeilt, allein ich kam erst mit dem letzten Zuge zurück aus der Residenz, wo ich meine Ernennung zum bevollmächtigten Minister in B. erhielt."
„O, wie freut mich diese Nachricht. Herzlichen Glück- wünsch'." unterbrach Ada ihn lebhaft, dann plötzlich erbleichend, fügte sie traurig hinzu: „Aber dann werden Sie L. ver- lassen müssen?"
„Und würden Sie mich vermissen?" fragte Saldern glückstrahlend. „SD, Ada, haben Sie nicht zwischen den Zeilen meines Briefes gelesen? Sie müssen ja wissen, daß ich ®le heiß und innig liebe, daß ich ein Leben fern von Ihnen nicht ertrüge."
Bei seinen Worten blickte Ada erröthend zu ihm auf, und was er in ihren Augen las, ließ ihn sie in seine Arme ziehen.
(Fortsetzung folgt.)
„Mit meinem Cosiüm will ich Sie überraschen," entgegnete Ada. . ,,
„O, mein Herz wird Sie in jeder Maske erkennen," unterbrach Lemberg sie lebhaft.
Spöttisch lächelnd suchte Ada indeß aus der vor ihr befindlichen Kartenschale eine Karte des Rittmeisters, riß sie in zwei Thetle und ihm den einen gebend, sagte sie: „Diesen stecken Sie an, ich nehme den andern, denn das Erkennen mit dem Herzen dürste doch eine etwas unsichere Geschichte sein, wenigstens was mich betrifft," fügte sie fast verächtlich
Jetzt wurde anderer Besuch gemeldet und der Rittmeister empfahl sich mit siegreich triumphirender Miene, nachdem er wiederholt Adas Hand geküßt. Als er gegangen, veränderten sich die Züge der jungen Frau, ihre Augen blickten ihm zornig nach und um ihren Mund spielte ein verächtliches Lächeln - auch blieb sie den Rest des Tages nachdenklich und zerstreut. .
Einige Tage später saßen die beiden Freundinnen plaudernd in Adas kleinem Boudoir, d. h. Gretchen trug zum größten Theile die Kosten der Unterhaltung, denn Ada verhielt sich seit ihrem Balle ungewöhnlich ernst und still, was RichthofenS nicht entgangen war. Frau v. Richthofen schob es auf die Kränkung, welche ihr die Wette bereitet, und welche um so tiefer sein mußte, als Ada fast ängstlich jede «eitere Aussprache darüber vermieden hatte, Gretchen dachte indeß, der Brief Salderns möchte wohl auch seinen Theil daran haben- aber so schwer es ihr bei ihrer Lebhaftigkeit ward, schwieg sie tapfer darüber, eingedenk der mütterlichen Warnung.
„Welcher von Deinen Tänzern hat Dir denn auf unserem Balle am besten gefallen?" fragte Ada endlich.
„Als Tänzer Herr von Berg, er tanzt vorzüglich, war die Antwort.
„Darum hast Du ihm auch wohl den ersten Walzer, die Polka und auch noch den Cotillon gegeben? Aber auch sonst scheint er Dir nicht gerade mißfallen zu haben, oder hast Du Dich nur aus Höflichkeit bei Tisch so lebhaft mit ihm unterhalten?" neckte Ada.
„Natürlich nur aus Höflichkeit, Du garstige Ada, lachte Gretchen. t r _ .,
„Nun, das ist mir lieb zu hören, da sollst Du ihn morgen bei unserem kleinen Diner auch nicht zum Tischnachbarn haben," sagte die Gräfin.
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