Ausgabe 
18.1.1893 Zweites Blatt
 
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^taugen,

Amts« und Anzeiseblatt für den Areis Giefzen.

Hratisbeikage: Hießener Aamilienbtätter

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der fiskalischen Chausseestrecken erzielte. Die Obstnutzungen ] brachten 184914.75 Mk., der Weidenschnitt 4005 Mk. und die sonstigen Erträgnisse 4154.92 Mk. Dabei ist noch ganz besonders erwähnenswerth, daß die Obstnutzungen in keinem ; Jahre ohne Ertrag geblieben sind und daß die Ertrags- ; summe für das Jahr bloß zwischen 13 026 Mk. und ; 23 447.80 Mk. schwankt. Aus diesen Zahlen ist zugleich zu erkennen, welchen Werth der Obstbau für jenen Landkreis : har, und es muß noch jederzeit mit Dank anerkannt werden, i daß die Verwaltungsbehörden eifrigst bemüht gewesen sind, es dahin zu bringen, daß die Gemeinden des Landes möglichst ! jeden öffentlichen Weg mit Obstbäumen umsäumen- denn ungezählte Tausende fließen infolge dieser Verordnungen bereits jetzt in die Gemeindekasfen und kommen jedem einzelnen Gemeindemitgliede zu Gute. Möchte diese That- sache doch auch dazu beitragen, daß Baumfrevel etwas

Jede Arbeit ist mit einem Motto zu versehen, und die genaue , abreffe schließe der Herr Verfasser in ein Couvert nut - gleichem Motto ein. Redactionelle Kürzungen und Ab- [ Snderungen bleiben Vorbehalten. Einsendungen sind bis zum 15. August d. I. an den Vorsitzenden Emil Fischer tn Hera (Reuß), Laasener-Straße 16 zu richten.

Wie selbst Straßenränder bei guter Bewirthschaftung und geeigneter Benutzung eine nicht zu verachtende Geld­quelle abgeben, das läßt sich aus den Einnahmen Nach­weisen, welche die Staatskasie des Herzogthums Sachsen- Altenburg in dem letzten Jahrzehnt aus den Obst-

1 Uhr. 605

Wehener Anzeiger

Kemrat-Anzeiger.

heute ausklären will. Mama, ich gehe jetzt gleich aus, daß $U ^Aber^wohin denn, Gerta, es ist erst halb zehn Uhr." Um so bester. Auf Wiedersehen, liebe Eltern!" Die Thür fiel zu, das kopfschüttelnde Ehepaar blieb zurück und Gerta eilte im Sturmschritt nach ihrem Zimmer, um sich zurecht zu machen. Ein scharfer Klingelzug rief die Jungfer herbei, welche so rasch wie möglich die Comteß frl* siren und anziehen mußte, eine dornenvolle Aufgabe bet deren bitterböser Stimmung. ,

Als sie fertig war, eilte Gerta hinab auf die Straße, um sich in der ersten besten Droschke nach der Wohnung des Directors Volkert, welche am Rande des anonymen Briefes angegeben stand, zu begeben. Noch athemlos vom Treppen­steigen langte sie in dem betreffenden Hause, dritte Etage, an und riß an der Klingel. Ein Mädchen erschien, freund­lich knirend nach dem Wunsche der Dame fragend.

Ist das Fräulein zu sprechen?" herrschte Gerta die

^Fräulein werden gleich zur Probe fahren"

Hier meine Karte. Ich muß sie unter allen Umstanden sprechen." . .

Als Donna Bella die wappengeschmückte Karte tn der Hand hielt, erbleichte sie, ihr Herzschlag stockte momentan und die Stimme des Herzens rief mahnend:Nun ist der Traum zu Ende, entsage der Sonnenstrahl verblich, die schwarze Schuld fiel aus Deine Seele."

Ich lasse die Dame in den Salon bitten, befahl sie mit ernster Stimme und schritt dann selbst hinein, ihren Be­such zu empfangen. , ..

Mit leichtem gegenseitigen Kopfnicken standen beide Neben­buhlerinnen vor einander. Die Comteß sprach zuerst mit scharfer, kalter Stimme: _

i,Sie werden wissen, mein Fräulein, was mich zu Ihnen führt!"

Wohl kaum eine Erneuerung unserer einstigen Instituts- bekanntschaft, Gräfin Rhonau!"

Nein, gewiß nicht, ich verkehre niemals mit Kunst­reitern !"

Wicvlia für Hausfrauen.

-TXSÄ»« , '192

L. Mühlhausen, Btsmarckftraste W.

Irrwege.

Novelle von F. von Pückler.

(13. Fortsetzung.)

Comreß Gerta faß acht Tage später mit den Eltern am ^Laffeetisch - sie war sehr schlechter Laune, denn Prinz Curt hatte sich seit jener Circus-Vorstellung nicht mehr blicken lasten und sie beabsichtigte eigentlich, ihm eine scharfe Gardinen- .predigt zu halten.

Heute Abend ist Ball beim Kriegsminister zur Feier jeines Geburtstages und trotz aller Sommerhitze. Ihr geht wohl auch hin?" frug der Präsident, von seiner Zeitung aisblickend.

Ja, gewiß. Mein rosaseidenes Kleid liegt schon zu­recht," nickte Gräfin Gerta,aber sieh doch, Papa, da zwischen den Zeitungsblättern fällt ein Brief heraus an mich?"

Sieh doch an, KindWer schreibt Dir denn per Stadtpost?"

Gerta öffnete gleichgiltig den Brief, fuhr jedoch sogleich totenbleich zurück; es waren anonyme Zeilen von unbekannter Hand:

Prinz Arloff, Gräfin RhonauS Verlobter, ist von Donna Bella, der schönen Kunstreiterin, so bezaubert, daß er völlig vergißt, schon durch fein Wort gebunden zu fein. Er trägt auf dem Herzen eine Rose, welche die Dame einst beseffen, und ist tn jeder Probe und Vorstellung zu finden. Auch trifft er mit der Künstlerin sehr häufig auf dem Kirchhof zusammen. Diese Warnung Ihnen, gnädige Gräfin, von einem Unbekannten."

Die junge Dame sprang kreideweiß in die Höhe, erstaunt blickten Vater und Mutter sie an, doch sie steckte den Brief Rat ei« und entgegnete auf alle erstaunten Fragen:ES W eine Unannehmlichkeit zwischen Curt und mir, die ich noch

^Vo^iüen Seiten laufen Klagen ein über das jetzt im Handel befindliche amerikanische Petroleum. Das find die ftolacn des Kampfes der Amerikaner unter fich.

swn ist Nobel Petroleum immer b-fie- «ew-.de. und erhält heute schon zu gleichen Preisen den Vorzug^hW

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worden. , , ,

* Eine fatale Unterbrechung der Flitterwochen erfuhr zu seiner nicht geringen Ueberraschung Stabshoboist H. auS Thorn, welcher acht Tage Urlaub erhalten hatte, um in Altona die Erwählte seines Herzens heimzufuhren. Die Hochzeit war vorüber und das junge Ehepaar dampfte frohen

Herzens dem gemeinsamen Heim Thorn zu. Auf dem Haupt bahnhose in Thorn angelangt, wo zur Begrüßung Bekannte, Musiker 2C. anwesend waren, trat dem jungen Ehepaar daS Schicksal im militärischen Gewände entgegen, nahm den jungen Ehemann in Obhut und entführte ihn seiner lungen Gattin. Er wurde auf acht Tage nach der Beobachtungs­station des Garnisonlazareths gebracht. In seiner Abwesenheit war nämlich, wie dieThorner Ztg. erzählt, kriegsmimsteriell der Befehl eingetroffen, alle beurlaubten Militärs, welche auf ihrem Urlaube choleraverdächtige Städte besucht hatten, beim Eintreffen in ihrer Garnison acht Tage lang unter Beob- achtu -i-9 F^er in der Brautkutsche. Dieser Tage sollte in der Matthäikirche in Berlin ein Architect mit seiner Braut, der Tochter eines Musikdirectors, kirchlich getraut werden. Als aber das Brautpaar in einer hocheleganten Equipage vorfuhr, bemerkte man, daß der Stelle, wo die Braut ge­sessen, Rauch entstieg, und daß nicht nur der Sitzplatz, ondern auch der Schleier der Braut und das Brautkleid zum Theil verbrannt waren. Glücklicherweise hatte die Braut selbst keinen Schaden gelitten. Der Brand wurde natürlich sofort gelöscht- seine Entstehung dürfte darauf zuruck^führen. sein, daß der Bräutigam, ein leidenschaftlicher Raucher, nicht einmal während der Fahrt nach der Kirche die Havanna entbehren wollte und die brennende Cigarre dann achtlos bei Seite legte. Er hat sich nicht nur erheblichen mater.ellen Schaden zugefügt, sondern auch die Hochzeit verzögert, denn seine Braut wollte doch nicht nut verbranntem Brautschleier uud Rrautkleid an den Traualtar treten.

Bella zuckte zusammen, der verächtliche Ton traf si^ttef.

Nun, so bitte ich um den Zweck Ihres Besuches.

Sie bot der Gräfin keinen Sitz, Auge m Auge vor einander stehend, ließ sich die schwere Stunde am besten durchkampfen.^ ^iner heftigen Bewegung den anonymen Bries aus der Tasche und reichte ihn ihrer Feindm.

Lesen Sie nur, meine Beste, und Sie werden nicht die

®onnaMa warf einen zornigen Blick auf die Hand­schrift des Pamphlets.Von Mr. Prince geschrieben, murmelte sie dann,ich ahnte es, daß der Elende sich rachen ""«t. sie geiefen, gab sie schweigend der Gräfin den Brief zurück- dies- fuhr wülhend in die Höhe:Sie sagen nicht« Sie wollen die Unschuldige spielen und nicht zugeben. datz Sie meinen B-rlobten bethdrt und mir abwendig gemacht haben?" _ ,,

Das leugne ich in der That.

Und was geben Sie zu, edle Donna.Bella?

Daß ich den Prinzen oft gesehen und gesprochen habe. Ein Wort, das unser beider unwürdig wäre, ist nicht zw scheu uns ^^nwollen Sie leugnen, daß Sie den Prinzen lieben und daß Sie ein Liebesverhältniß mit ihm unter» ^^^onna Bella ward noch bleicher als zuvor, sie griff stützend mit der Hand nach einer Stuhllehne, aber doch hob sie stolz das Haupt:Nein, Gräfin, das leugne ich nicht

Haha, die Comödiantin! Und was, mein Frauen, soll nun Ihrer Meinung nach geschehen? MemenSie, ich würde als eine Heilige still zurücktreten und meine <Hände segnend auf Eure Häupter legen? Nein, so stehen die 64e,3* w^te uom elften Moment, da ich mein Herz er. kannt daß ich entsagen müffe."

(Fortsetzung folgt.)

cht _ MgWst. Januar l893, Mu qtal. dichte ***

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, des Schuhmachers Adolf Heinrich Reiher durch den Scharfrichter Reindel aus Magdeburg statt. Reiher war

1 vom Schwurgericht zum Tode veruriheilt worden weil er seine beiden 2</z Jahre bezw. sechs Monate alten Kinder er-

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seltener werde.

* Neu > Ruppiu, 12. Januar. Im Hofe des hiesigen Gefängnisses sand am Mittwoch früh 8 Uhr die Hinrichtung

Gießen, 17. Januar 1893.

Preisausschreiben. Der Thierschutzverein in |cuw uuwu l3 x)**>** ~-o « 17

tat drei Preise im Betrage von 100, 60 und 40 Mark für s mordet hatte- er ist 52 Jahre alt, von denen er I h das unbeschränkte Verlagsrecht der drei besten Arbeiten über ; in Zuchthäusern zugebracht hat. .

bit tragt:In weither Weise kann die Jugend durch Thun , * Ein- -rgr-is-nd- Geschichte lst vor einiger Zett in

»d Lallen praetisch Thi-rschutz üben?" ausgesetzt. Die für Rehme bei Oeynhausen (Kreis Minden) zum Abschluß ge- bK deutsche Jugend kurz und bündig geschriebenen Vorschläge, ! fomraen. Am Weihnacht« - Heiligabend waren es gerade beven leichte Ausführbarkeit vorausgesetzt wird, sollen als . gv Jahre her, al« sie ihren Ansang nahm. An diesem^Tage 1862) öbnqefäbv einen Druckbogen umsassende Broschüre in den [d)icfte der Salzsaetorb. Prommtz em-nDien-rAnton Kortner Schulen zu den denkbar billigsten Preisen verbreitet werden. ; r Post, um einen Geldbrief von 450 SDif. °bzuh° °n. Anton

1 ------........ übernahm nebenbei den Auftrag, einen für d,e Kirche de-

stimmten Weihnachtsbaum dem Pfarrer zu uberbrmgen. In Folge der schweren Last hatte Körtner das Unglück, aus seiner Tasche den Werthbrief zu verlieren. Trotz allen Suchens war das Vermißte nicht wieder aufzufinden. Anton sollte die schweren Folgen seines Mißgeschicks bald merken. Mtt einer gründlichen Tracht Prügel entließ ihn Herr v. Prommtz aus seinem Dienste und zwang ihn außerdem, den Verlust zw ersetzen. Wo war aber der verhängnißvolle Brief hmgekommen? Einige wollten gesehen haben, wie eine Frau, die des Weges

Altenburg in dem letzten ^ayrzeynr aus ucn . kam, etwas Weißes aufgehoben und in ihrem ^vrbe verborgen Nutzungen, dem Weidenschnitt und den sonstigen Erträgnissen . h^be. Diesen Verdacht hat die längst dahingeschiedene Frau

v 8 ~ ^(t ing Grab genommen. Herr und Diener ruhen langst

im Schoße der Erde- keiner denkt mehr an den traurigen Vorfall - aber durch eine Begebenheit wird er denen, die ihn miterlebt, aufs Neue ins Gedächtniß gerufen. Vor einiger Zeit erhielt der Pfarrer Seippel in Rehme eine Geldsendung mit Begleitschreiben. In demselben wird erzählt, daß Absender dieser Sendung der unehrliche Finder des Geldbriefes sei, der Anton Körtner, den ehemaligen Diener des v. Prommtz, in so großes Unglück gebracht- durch Gewissensbisse, die ihn, den Reuigen, angesichts seines nahen Todes immer mehr ge­quält hätten, sei er zu diesem Schritt getrieben worden. Er zahle die vermißte Summe nebst Zinsen zuruck und bitte den Pfarrer, dieses Geld den Erben des verstorbenen Anton Körtner zukommen zu lassen. Den betreffenden Erben ist das Geld, rund 900 Mk., durch den Pastor ausgehandigt

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