Ausgabe 
17.10.1893 Zweites Blatt
 
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Dienstag dm 17. Oktober

1893

S!r. 244 Zweites Blatt

Fernjprech« M-

beigrftgt.

Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Hratisbeitage: Hießen er KamiNenKlätter

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soll auf dem hiesigen Ortsgericht die der

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Dienstag, 14. November,1 Nachmittags 2»/a Uhr, sollen aus dem hiesigen Ortsgericht die den Ä»rl Germann «Heleule« in Gießen gehörigen Immobilien:

Zigeuuerschl««Heit.

Auf der Musterung der Milttärpflichtigen in einer ComitatSstadt Ungarn« erscheint neben einem reichen Müllers- sohn auch ein armer Zigeuner. Ersterem ist es gelungen, den Stuhlrichter durch Geld zu gewinnen und er hofft frei- znkommen auf Kosten des Letzteren, der nicht« mitbringt wie seinen tauglichen Körper, seine Angst vor demweißen Rock" und seine Schlauheit. Alle haben bereits daS Loos gezogen bis auf den Müllerssohn und auf den Zigeuner,- noch aber fehlt ein Mann an der Zahl, die da« Comitat zu stellen hatte. Aengstlich pocht dem Zigeuner das Herz- aus dem Zögern und dem Zusammenstellen seiner armen Person mit dem reichen Burschen schöpfte er Verdacht und wittert Unrath. Mißtrauisch hält er die Augen offen und gewahrt, daß, statt

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Gießen, den 11. October 1893.

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hi dem Stadtbauamte einzureichen. Gießen, den 13. October 1893. Sroßh. Bürgermeisterei Gießen.

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einer schwarzen und einer weißen Kugel, zwei schwarze Kugeln in die verhängnißvolle Urne geworfen werden.

Zieh, EigLn!" ruft der Stuhlrichter.

Der Zigeuner fährt zusammen und mit anscheinender Demuth und Unterwürfigkeit sträubt er sich.

Ach, bin ich doch nur armseliges Zigeuner, wie könnte ich sein so stolz, so übermüthig, zu ziehen zuerst."

Willst Du ziehen, CigLn!" . .

Nein, nein! Möge Gott das Pserd von Bater meinige« beim ersten Hufschlag verwandeln in einen kreuzlahmen Esel, wenn mir so etwa« in den Sinn käme, soll mir niemals mehr ein Handel gerachen, ein guter Griff, ein Geschäft, wenn ich mich hier unterstehe, der Erste zu sein. Nein, nein, hoch« verehrter Herr hat den Vorzug."

Bassam teremtete! Zieh, Zigeuner'."

Mit bedeutsamem Blick winkt der Stuhlrichter demHerrn Heiducken", wie der Bauer ehedem den auch anwesenden Arm der Gerechtigkeit respectvoll nannte, und der Diener de« Gesetzes greift schon nach dem im Winkel lehnenden Uebrr« zvugungsmittkl de« Naturrechts, das auf dem Haselstrauche wächst, dem geschmeidigenHaslinger".

Doch so weit läßt es der braune Bursche nicht kommen. Ruhig tritt er, als wollte er sich in das Unvermeidliche fügen, an die Schicksalsurne heran, streckt so langsam wie möglich die Hand hinein, zieht rasch eine Kugel heraus, führt sie blitzschnell an den Mund und verschluckt sie.

Sprachlos starrt die zahlreiche Umgebung auf den gutenSchlucker", der Stuhlrichter macht ein paar Augen, als wolle er ihn damit erstechen, kann jedoch vor so vielen Zeugen nichts machen.

Der Zigeuner steht da mit eingeknickten Stnteen, äußerlich ein Bild des Jammers, aber innerlich frohlockend und mit triumphirendem Hohne streifen seine Blicke über den rathlo« gaffenden Müllerburschen.

Hab ich jetzt meine Kugel gezogen," spricht er,nun ist der dran; zieht er weiße Kugel, zieh ich weißen Rock an, erwischt er aber schwarze, dann muß ich freilich gerade ge­schluckt haben weiße."

Der Müllerbursche zieht natürlich eine schwarze Kugel und befreit zieht der pfiffige Zigeuner wieder heim in die Pußta.

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wieder hinaus! Nun, ich sage Dir, Marie, darau» wird nichts! Willst Du das Mädchen durchaus an den Mann bringen, so laß meinetwegen ein Heirath«gesnch?in die Zeitung setzen, daS ist noch ehrbarer, als wenn man ein so unreifes Ding einem x-beliebigen Menschen in die Arme wirft! Dom Ball ist noch kein vernünftiges" Der Herr Rath muß sich unterbrechen und die Frau Räthin lachte hell auf. Siehst Du, Erich, wie Du Dich verplapperst! Also vom Ball ist noch kein vernünftiges Mädchen sortgeholt? Sag doch mal, Alterchen, wo hast Du denn Deine Frau zuerst gesehen? Ist sie denn gar so abscheulich eingeschlagen?" Der Herr Rath räuspert sich verlegen, indeß seine Gattin den Arm um seinen Hals schlingt.Das ist ja gewiffermaßen wahr," sagt er zögernd,aber dazumal ..."Ach, bleib mir doch fort mit Deinem dazumal! E« ist heut just nicht anders wie dazumal! Und daß Elsbeth noch zu unreif ist und sitzen bleiben wird, - sieh sie Dir doch mal an." Dabei öffnete Frau Rath das Nebenzimmer und hkrrm rauschte Elsbeth mtt freudig geröthetem Gesicht und im längst serttggestellten Ballstaat. Mit Staunen stehl der Rath auf sein hold erblühtes Töchterlein, und al« dies schmeichelnd sagt:Papa, unter der Karle steht: U. A. w. g." da kann der Herr Rath nicht widerstehen.Ihr seid doch Teufelsweiber," fügte er,nun, dann schreib nur die Antwort!"

Der erste Ball.

Unter vorstehender Spitzmarke schreibt dasBerliner lagt blatt": Sie kommt allmälig heran, die Zeit der Bälle. $n toen Familien ist der Jourfix bereit« wieder eröffnet und liqec pflegt die Vorbereitung dazu zu bilden. Sie hat in fiesem Sommer ihren achtzehnten Geburtstag gefeiert, Mottl« iknchtSrath« El-beth, und Mama hat ihr dabei daS feierliche versprechen gegeben, sie in derSaison" wenigsten« auf tintn Familienball zu führen. Die Gelegenheit hat sich ItntC geboten: EommerzienrathS, deren Bekanntschaft man m Bade gemacht hat, haben gestern eingeladen. Papa, der Mit rauschenden Vergnügungen nicht« mehr wtffen will, nach« bem er sie al« vielgewandter Asseffor selbst bi« zum Ueber- bru§ auSgekostet, hat die Einladung schleunigst in den Papier- 1orb besördert und gebrummt:Dumme« Zeug, wir tanzen nidjt mehr!"Aber Elsbeth, soll denn das arme Mädchen «it keine Jugend haben?" hatte Frau Rath eingeworfen. - . ElSbeth hat noch ein paar Jahre Zeit. DaS Mädchen (jt hum aus den Kinderschuhen heraus und noch lange keine tarne. Wer tanzt überhaupt mit so einem jungen Ding, tarnt ziert sie die Wände und wir schwitzen Angst dabei." jrai Räthin hatte geschwiegen, denn sie wußte, daß Morgens lor Lem Gerichte schwer etwas mit dem Gatten aufzustellen sei. Der Ueberfall wurde bis auf den Nachmittag verschoben. Dec Herr Rath hatte sich zum Nachmittagskaffee eine Zeitung piteebracht, aus die er gewaltig schimpfte. Das war ein gutes Zeichen. Wenn er sich daS Herz erleichtert hatte, »flczte er weich und empfänglich zu sein und sich billigen Miaschen zu fügen. Er wartete sogar oft darauf, daß ihm iann. etwas abgezwackt würde. Aber Frau Marie saß dies« »al still und schweigend neben ihm, daß e« ihm ganz un« tzeh° glich wurde.Wo steckt denn Elsbeth?" fragte er schließlich ungeduldig.DaS arme Kind wird wahrschein« iich auf seinem Zimmer sein."Arm, wieso denn arm?" - ^,Aber lieber Erich, ich bitte Dich, siehst Du denn nicht, leie e« Elsbeth empfindet, daß sie allein zurückstehen muß, mhend alle ihre Freundinnen doch wenigstens einen Ball Witmachen?"Also auf den verdammten Ball kommt e«

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