r.- Lollar, 15. October. (verspätet.) Am vergangene» Donnerstag beging Herr Georg BuderuS hier nebrt ietner Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Obwohl eS iditen, als solle dieser Tag spurlos vorüberztehen, was wohl out im Stone deS Jubelpaares gelegen, so konnte doch n>ch: umgangen werden, baß wenigsten» die nädüten Anverwandten,
Neueste Nachrichten.
Dolff» telegraphische» Correfpondmz - Bureau.
Stettin, 16. October. Hier kamen vier Erkrankungen und fünf Todesfälle an Cholera vor.
Apia, 16. October. Die deutschen Kriegsschiffe in Gemeinschaft mit dem britischen Kriegsschiff legten auf Tuhula die herrschenden Unruhen ohne Blutvergießen bei. Durch die Gefangennahme der Rädelsführer ist auf sämmtlichen Inseln der Samoagruppe nunmehr Ordnung und Ruhe völlig hergestellt.
Einst und Jetzt.
Eine Skizze.
Es ändern sich die Zeiten .... Keine aller Fürstinnen, die je auf einem Thron gesessen haben, hat das bittrer erfahren müssen, als Maria Antoinette, des unglücklichen Ludwigs XVI. unglücklichere Gemahlin. Welch ein Unterschied zwischen dem Tage, da sie als fünfzehnjährige Braut an der Sette des Dauphin ihren Einzug in Paris hielt, und dem Tage ihrer Todesfahrt, dem 16. October 1793! Damals umtobte sie der Jubel des leichterregbaren Pariser Volkes, heute gellte ihr nur der eine Ruf ins Ohr: vive la r6publique!
Drei Tage und drei Nächte hatte das Tribunal ununterbrochen verhandelt. Es mußte ja der ganze im Voraus erfb schiedene Prozeß einen Anschein der Unparteilichkeit haben! Die Königin zeigte sich einfach und groß. Auf die ihr vor- gelegten Fragen antwortete sie kurz und mit vornehmer Ruhe, für die Schamlosigkeit, mit der ihr die Anklageacte Fouquier - Tinville's und die Rede Hebert's die größten Schändlichkeiten unterschoben, hatte sie nur schweigende Verachtung. Kein Punkt der Anklage konnte ihr bewiesen werden, aber weder dieser Umstand noch die glänzenden Vertheidigungs- reden ihrer beiden Anwälte Tronson-Ducondrah und Chaveau- Lagarde vemtochten das Geringste an ihrem Schicksal zu ändern. Das hatten ja der „Wohlfahrtsausschuß" und der Convent längst besiegelt. Es war nur eine Formalität, daß die Bank der Geschworenen daS Schuldig aussprach. Die Tochter Maria Theresias war von „Gevatter Schneider und Handschuhmacher^ zum Tode verurtheilt. Ohne mit der Wimper zu zucken, vernahm die Königin ihr Schicksal und ruhig, wie sie gekommen, schritt sie in ihren Kerker zurück. Es war 4*/j Uhr Morgens. Trotz tödtlicher Ermüdung schrieb sie an ihre Schwägerin Prinzessin Elisabeth einen Brief, der gleichsam ihr Testament enthielt. Dann kleidete sie sich an zum letzten Gang. Um 11 Uhr wird sie hinaus geführt. Von diesem Augenblick an hatte sie nichts mehr von der Rohheit ihrer Richter und deren Schergen zu leiden. ES ist nicht wahr, daß man ihr ans Hohn einen zerfetzten Bettlermantel umgehängt habe. Sie trug ein weißes Unterkleid, ein schwarzes Oberkleid, darüber ein weißes Nachtcamisol mit schwarzen Schleifen und auf dem Haupte eine wetße Haube mit schwarzem Band. Bis zum letzten Augenblick bewahrte die unglückliche Fürstin ihre hoheitsvolle Haltung, „jeder Zoll eine Königin". Mit wildem Beifallsruf begleitete der Pöbel den Fall des königlichen Hauptes — Frankreich hatte eine Königin gemordet.
Ein Jahrhundert ist seitdem mit Sturm und Wetter dahin gebraust. Auf die blutige Schreckensherrschaft der Danton, Marat, RobeSpierre folgte die Dictatur Napoleons L, dann in buntem Wechsel Königthurn, Republik, Kaiserthurn und schließlich wieder Republik. Aber die Republikaner von 1893, dieselben, deren Vorfahren vor genau hundert Jahren ihren König und ihre Königin zum Schaffst schleppten, sie liegen heute vor einem fremden gekrönten Herrscher — noch dazu dem unumschränktesten in ganz Europa — im Staube und lecken begeistert die Thranstiefel seiner Abgesandten.
Ein bekannter geistreicher Historiker hat Recht, wenn er Frankreich „das große TollhauS" nennt.
gegen, Frauen umarmten sie,- die Matrosen circultren die Stadt am Arm französischer Seeleute und Soldaten.
Marseille, 14. October. DaS Ersuchen deS hiesigen Bürgermeisters an den Admiral Avelan, er möge die Stadt Marseille mit der Flotte ebenfalls besuchen, beantwortete der Admiral dahingehend, daß er sein Möglichstes thun werde, um dem Wunsche der schönen Stadt nachzukommen, definitiven Bescheid könne er jedoch noch nicht geben.
Rom, 14. October. Die „Tribuna" hofft, daß durch Rufe, eS lebe daS Ausland, eS lebe Frankreich, beide Nationen der Friedenszuversicht Ausdruck geben. Die „Voce della Derita" hofft, daS Bündniß beider Nationen werde lange dauern, da dasselbe besonders in FriedenSzeiten allen vortheil- haft sei. Die anderen Blätter veröffentlichen nur Telegramme auS Toulon.
London, 14. October. Hier verlautet, die französische Regierung habe den Bau von drei Kriegsschiffen mit Geschützen stärksten Kalibers anbefohlen.
CocaUs ttttö provinzielle».
Äiefcen, den 16. October 1893.
* • Militärisches. Dr. Weber wurde zum Unterarzt bei dem Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm" ernannt.
Znr Tabaksteuer. In einer auf gestern Nachmittag in daS Casv Leib einberufenen Versammlung von Tabak- arbeite™ Gießens und der Umgegend referirte Herr Dr. Quarck aus Frankfurt a. M. Derselbe legte zu Beginn seines Referates dar, daß man regierungSfeitS erst die berufenen Vertreter deS Volkes hätte hören müssen, ehe man mit einer in unser Erwerbs- und WlrthschaftSleben so tief einschneidenden Vorlage, wie sie die Tabakfabrikat- steuer ist, gekommen wäre. Unter den heutigen ungünstigen Erwerbsverhältnissen, der Hast, womit Jeder sein Durch- kommen ermöglichen müsse, fei der Tadakgenuß kein bloßer LuptS, sondern zum Bcdürfniß der großen Masse deS Volkes
geworden- es sei deßhalb ungerecht, ein Verbrauchsmittel zu bestelle™, welches von den obersten bis in die untersten Schichten deS Volkes consumirt werde. Der Tabakconsum Vertheile sich so, daß von einer neuen Belastung nur der Wohlhabenden keine Rede sein könne, denn der Hauptconsum an Cigarren falle in die Preislage von 4 bis 6 Pfennig, er betrage 70—80 pCt. Wolle man nur die theueren Sorten belasten, so würde die geplante Steuer so gut wie nichts einbringen. Man suche nun in den Kreisen der Fabrikanten Stimmung für die Steuer dadurch zu machen, daß man ein kleineres Formal der Cigarren Vorschläge, dies geschehe aber wieder zum Nachtheil der Consumenten- Referent hofft, daß auch die Fabrikanten gegen diese Zumuthung Stellung nehmen. Die Tabakfabrikatsteuer hätte so vielerlei Schädigungen der Industrie zur Folge, daß mit allen Mitteln dagegen ange- kämpst werden rnüffe. Infolge der Zersplitterung der Tabakindustrie auf viele große und kleine Betriebe, sowie besonders auf die Hausindustrie würden bei Bertheilung Her Steuerlast Mißgriffe Vorkommen, durch welche wenig bemittelte Fabrikanten schwer geschädigt würden, deshalb sei diese Industrie die ungeeignetste für die geplante Steuerbelaftung. Die durch die Steuer herbeigesührte Dertheuerung eines Verbrauchsartikels würde einen Rückgang des ConsumS zur Folge haben, dieser wieder die Entlassung vieler Arbeiter- wir lebten aber ohnedies schon in einer winhichaftlichen Slrife, eS herrsche ohnehin Arbeitslosigkeit, so daß die Entlassung von nur 10,000 Arbeite™ aus der Tabakbranche schon allein zwinge, entschieden Stellung gegen bte Tabakfabrikatsteuer zu nehmen. Eine weitere Folge würde das Sinken der ohnehin nicht hohen Löhne fein. Referent kam hierbei auf die Löhne der Tabakarbeiter in Gießen und Umgegend zu sprechen, die er als sehr niedrige bezeichnete und die infolge der ausgedehnten Frauenarbeit auch niedrig gehalten würden. Die Tabak- fabrikatsteuer sei eine Fortsetzung deS Systems, nach dem die Bedarfsartikel des Arbeiters gerade gut genug seien, um durch deren Besteuerung die Mittel für militärische und an- dere Zwecke zu beschaffen. Die oft gehörte Berufung auf Frankreich mit seinen theueren Tabakfabrikaten sei unrecht, denn Frankreich besitze daS verfahrenste Steuersystem, welches man sich denken könne, dort werde alles auf dem Wege in- directer Besteuerung beschafft. Der Ursprung der Tabaksteuer- Vorlage, nämlich die vermehrten Anforderungen für militärische Zwecke, sei unsympathisch' und deshalb auch die Steuer verwerflich- man solle mehr sparen, aber nicht an den der Cultur dienenden Zwecken, sondern an dem diesen feindlichem Mili- tarismuS, an Prachtbauten und Prachtschiffen rc. Eine einzige Reichseinkommensteuer sei die richtige Art der Besteuerung - die ebenfalls ins Auge gefaßte Erhöhung der Matrikular- beiträge sei kein Unglück, denn dadurch würden die Einzelstaaten gezwungen werden, die Einkommensteuer zu erhöhen, bezw. daS System der directen Besteuerung mehr auszubauen, wie dies in Preußen bereits durch die Selbstemschätzung, in Hessen durch die Capitalrentensteuer geschehen sei. Auch die Fabrikanten müßten sich auf den vom Referenten sehr ausführlich bargelegten Stanbpunkt ber Arbeiter stellen - er hoffe, daß sich bie volksthümliche Bewegung gegen bie Tabaksteuer sowie gegen jebe Besteuerung überhaupt immer mehr befestige unb bazu beitrage, baß bie Arbeiter in Deutschlanb
i schehen trotz ber traurigen Lage der Arbeiter, hier i Räsonniren über schlechte Löhne ufro. nicht», man müsse Tharry sehen. Der Vortrag beS Her™ Dr. Quarck habe ßlarbttr nach ber Richtung, bie bezüglich ber Tabaksteuer einzuschla^ sei, geschaffen, er hoffe nun, baß bie Arbeiter ihre Intern^ auch durch Organisatton wahren. Allzusehr solle man sh nicht auf die Mithilfe der Arbeitgeber verlassen, die Arbenn! schäft müsse sich selbst helfen. Man solle darauf bringen, bä alle Verbrauchssteuern fallen, daS zu erftrebenbe Ziel sei progressive Einkommensteuer. SS würben weitere versa»,, lungert stattfinben, an allen Orten, wo dies nur angäng» er hoffe, baß dieselben zahlreich besucht würden - daS Bestreik Aller solle auf einheitliches Wirken gegen alle Verbrauchs steuern gerichtet sein. — Die Versammlung, bie von Arbchrn, wie von Fabrikanten gut besucht war, nahm solgM, Resolution an:
„Die heutige öffentliche Versammlung er Hart: Die I ber RetchSregierung geplante Tabakfabrikatsteuer ist ach bloS als solche, sonbern auch als neue VerbrauchSftvW wie alle (Sonfnmneuem auf6 Entschtebenste azurnena. ES muß baS Bestreben aller Volkskreise fein, auch d« । bereits bestehenden Verbrauchssteuern zu beseitigen uat eine progressive ReichSeinkommensteuer an deren Stellt zu setzen."
J.B. Rene» Theater. „DaS Mädel ohne ®elb* von Jakobsen. „Nichts empfiehlt Aristoteles dem t ragische. Dichter mehr, als die gute Abfaffung der Fabel." Die mobe™en Poffensabrikanten scheinen daraus gefolgert zu haben. „Nichts empfiehlt Aristoteles dem Schwankdichter mehr als den gänzlichen Mangel an Handlung." Der gestrige Adeni gab dem blühenden Blödsinn Gelegenheit, wahre Orgien za feiern. Allerdings: eS war Sonntag Abend und die Gallerte- besuchet, für welche an Wochentagen ber Theaterbesuch zumetn illusorisch bleiben muß, konnten sich einmal auSschütten vor Lachen. Man lacht oft am herzlichsten, wenn man nicht roetj worum ober sich bazu zwingt. Die vierzig Pfennige find bezahlt- ergo amüfiren wir uns! Die Leute haben nicht Unrecht. Denn, welchen Wanblungen bie Bühnenliterat« auch im Strome der Zeiten unterworfen war — Stur» und Drang, Classicität, Romantik, Tendenz, Realismus, Naturalismus — die Posse ist geblieben. Ihr Publikum stirb: eben nie auS. — „DaS Mädel ohne Geld." Der Titel erzählt den ganzen Inhalt. Wir können schließlich in Direction die Heranziehung eine« derartigen Stückes nicht verübeln. Denn MontecuculiS AuSspruch „zum Äriryt braucht man Geld, Geld und zum brtttenmale Gels" ßtst auch für baS Theater. Man muß bem Geschmückt ttl Sonntagspublikums huldigen, wenn eS ein volles Hau» machen soll. — Die Darstellung bewegte sich durchwegs auf der lobenswerthen Höhe, welche wir an dem jetzigen Ensemble des Neuen Theaters gewöhnt sind. Herr 'Tiemeier gab seinen, in abgebrochenen Tönen knurrenden und brummenden Baron und Oberst a. D. mit
viel Verve. Herrn Reiffs, dessen Sohn, Rolle war so undankbar, daß selbst die beste Darstellung au» diesem Jammerkerl nichts zuwege gebracht hätte. Die RegistratorSwittwe Stern (Frau Schumann) und ihre Enkelin (Frl. Geigler) erwirkten in der AbichiedSscene auS dem baronlichen (laufe einen erfolgreichen Appell an manche Thränendrüsen. Frao Wehn war, abgesehen von einigen Uebertreibungen, die Der liebte und geizige alte Schachtel commc il faut. Frau Anni ReinerS entfesselte in ihrer drolligen Hosenrolle Stürme von Heiterkeit. Herr Stückel spielte den Sänger mit dem wunderbaren Nomen, bei dessen Aussprache ran niesen muß, urkomischsten Erfolge-- nur sollte der Darsteller seine Gesten mehr auf bafl Stubium ber Chironomie beschriolei. Fräulein Mathilde Grohmann, dem man noch bie fangenheit der Anfängcrschaft anmerkt, stattete ihr Statz«, mädchcn Röschen mit einer entzückenden Fülle von Anmuch und Schelmerei auS. WaS dem jungen Mädchen an fekche» Soubrettenthum abgeht, ersetzt es durch Tiefe der Empfindung. Herr ReinerS fühlte sich als Bummler, Dienstmann unb Pantoffelheld so kannibalisch wohl, daß unbedingt daS nahezu ausverkaufte HauS an dieser fidelen Stimmung theilnehwen mußte. Herr Paul Ernst schuf auS dem flüchtig gezeichneten Stubenmaler einen wirklichen Character- daS will etwas heißen. Die Masken der VolkSzählungScommifsion trugen den Stempel einer köstlichen Originalität. — Die feinsinnige und diScrete Klavierbegleitung des Herrn Paul Polster fiel allgemein angenehm auf.
** Cchonschreib Unterricht für Erwachsene. Den Freunden unb Verehrern einer schönen Hanbschrift bürste die Nachricht angenehm sein, daß die im Bereiche der Kalligraphie bekannter Lehrer Gebrüder Gander auS Frankfurt a. M. demnächst auch hier ihre Schönschreib-Curse eröffnen werben. Die Herren Gebrüber Ganber machen eS sich zur Aufgabe,' jebc Hanbschrift, auch bie verborbenste, in ber überaus kurzen Zck von zwei bis brei Wochen zu einer schönen, babei schwu» vollen umzugestalten. Wie auS dem heutigen JnseratemhM ersichtlich, befindet sich daS UnternchtSlocal Marktplatz 2, tre* selbst auch Anmeldungen zu geschehen haben.
• • Lrödcheudiebin. Seit längerer Zeit wurden in einigen Straßen die an den HauSthüren rc. hängenden Wecksäcke ihres Inhalts beraubt bezw. ganz entwendet, vorgestern wurde in der Person einer Frau, welche sich selbst mU BrödchenauStragen beschäftigt, die Diebin erwischt.
* * Streit. In verflossener Nacht wurden in der Neustadt zwei Männer von drei Kutschern ohne Grund angefallen und mißhandelt. Einer ber Angefallenen trug mehrere Wunden davon- auch wurde ihm ein Zahn auSgeschlagen.
zu einem menschenwürdigeren Dasein kommen. — Mit Bezugs auf die an die Fabrikanten gerichtete Aufforderung, sich auft renselben Standpunkt wie die Arbeiter zu stellen, erklärte.' hierauf Herr Fabrikant Georgi, daß die hessischen Fabrik anten mit aller Macht gegen das Steuerproject auftreten würden, man verwahre sich deshalb seitens derselben dagegen, daß ' ür diese ein bestimmter Fabrikantenstandpunkr vorhanden fei,.* Arbeiter und Fabrikanten hätten solidarisch Jntereffe daran.i daß die Tabakindustrie in Ruhe gelassen werde. — Herr Dr. Quarck: Die Fabrikanten sollten erklären, daß sie nidjt j nur gegen die Tabaksteuer seien, weil es an ihren Geld-sl beutel ginge, sondern weil es eine Verbrauchssteuer sei, nur^I durch die einmüthige Erklärung, daß auch sie gegen jede öer^J brauchSsteuer seien, könnten sie das Vertrauen der Arbeiter!' erwecken. — Herr Georgi erklärte hierauf, daß er üon- seinem Standpunkt aus gegen jede Erhöhung von Verbrauchs- steuern sei, er glaube sich darin auch mit den anderen Fabri- kanten Hessens einig, denn dieser Standpunkt habe Ausdruck gefunden in der Frankfurter Resolution. — Herr Dr. Quarck gibt eine Uebersicht über den jährlichen Verbrauch an Tabak in Arbeiterfamilien; der Höchstbetrag, den ein gut gestellter Arbeiter in Frankfurt dafür ausgebe, belaufe sich auf 20 bis 25 Mk., dies fei aber ein hoher Procentsatz im Verhältniß zum Einkommen gegenüber solchen Rauchern, deren Einkommen 8000 Mk. und mehr betrage, folglich fei eine Mehrbelastung unrecht, denn sie treffe die wenig Bemittelten, und stehe im Widerspruch mit bem Versprechen, bie Lasten ber Mehrbe- ftcuerung auf bie starken Schultern ber Wohlhabenheit zu legen. Er gebe ber Hoffnung AuSbruck, baß Herr Georgi auf bem bezeichneten Stanbpunkte stehen bleiben werde. — Herr Fabrikant Schmal! erklärt, baß bie Interessen dem Fabrikanten mit denen der Arbeiter solidarisch seien, auch ftelj die Fabrikanten, seien gegen alle Verbrauchssteuern, tS rnüffe entschieden dagegen aufgetreten werden, daß die TabakinbuftriM bie Lasten allein zu tragen habe, währenb andere Jnbustriecnl die ihr Schäfchen im Trocknen, frei gelassen würben. Gerabc ber Tadakinbustrie sei schon zu viel aufgebürbet worben, ohne daß ihr ein Aequivalent irgendwie geboten worden Man solle sich wehren, daß ihr daS aufgebürbet würbe, was ber Militarismus forbere. Er hoffe gegenüber allen Fürsprechern ber Steuervorlage, wie sie biefelbe besonberö in ber „Köln. Zeitung" burch Herrn v. Meyer, den früheren Leiter ber Straßburger Tabakmanufactur, gefunden, baß im Reichstage noch so viel gefunber Sinn vorhanben fei, baß es zur Annahme ber Fabrikatsteuer Vorlage nicht komme. Fabrikanten wie Arbeiter wollten zusammenstehen, dann werbe ber Sieg der gerechten Sache nicht fehlen. — Herr Orbig, welcher die Versammlung geleitet, bemerkt zum Schluß: Es sei noth- wendig, die berufsgenossenschaftliche Organisation ber Tabakarbeiter zu förbern, beim hier fei noch fo gut roie nicht» ge«


