seinen Weg. — Abends kam Herr M. nach Hause und vermißte die Sau. Er fragte und erfuhr das Schreckliche. Wir wollen den Mantel der Nächstenliebe über die jetzt er- folgenden Vorgänge im M.'schen Hause ziehen. Hans wurde dringend gesucht, aber er kam diese und die nächste Nacht nicht nach Hause. Ach, bis man ihn findet, wird eS wohl schon zu spät sein.
* Wie iheuer das Leben beim Militär ist. Drei Väter klagen einander auf der Rückkehr aus dem Badeorte X. im Eisenbahnwaggon ihr Leid, wie theuer das Leben beim Militär sei, wo jeder von ihnen einen wohlerzogenen Einjährigen stehen hat. Papa Nr. 1 blickt finster drein und spricht: Bei der Cavallerie dient er, mein Sohn, und im letzten Monat hab ich ihm tausend Mark schicken müssen, weil er em ärarisches Pferd zu Schanden geritten hat und ersetzen mußte." — Papa Nr. 2 schlägt eine bittere Lache auf und sagt: „Und das genirt Sie? Lumpige tausend Mark?
Mein Sohn, hören Sie, hat muß nicht so billig gethan.
Freilich dient er bei der Artillerie. Letzten Freitag bekomm
ich von ihm eine Rechnung über 11,400 Mark — eine
Kanon' hat er zerbrochen." — Papa Nr. 3 springt mit gesträubtem Haar von seinem Sitze auf und schreit ver- zwerfelt: „Was ist all das im Vergleich zu dem Geld, daß ich werde bezahlen müssen. Mein Herr Sohn dient nämlich bei der Manne. In der vorigen Woche befiehlt ihm sein Admiral: „Kraxeln Sie auf den Mastbaum hinauf!" Mein Sohn gehorcht natürlich, er kraxelt und kraxelt, und wie er ganz oben ist, fällt er mir herunter und zerbricht mir den ganzen Meeresspiegel. Gott weiß, was ich werd zahlen müfien ..." — Es ist in der Thar unglaublich, wie theuer das Leben beim Militär ist.
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AUSSTELLUNG LEIPZIG
L 1879. /
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Drr AteßeRer Amzelger trennt täglich, «üt AuSnahmk de» MontagS.
Die Gießmer M.wikie.Skälter •erben dem Anzeiger Wöchentlich dreimal h «Gelegt.
Drittes Blatt. Sonntag den 17. September
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
1893
vierteljähriger JteoneemenU,rtUi 2 Mark 20 Psg. otii Brmgerlohn.
Durch die Poft bezöge» 2 Mark 50 Pjg.
Rrtaction, Expeditio» und Druckerei:
-ch,lstr«tzeKr.1 Fernsprecher 51.
Aints- und Anzeigeblntt fiw den Hveis <6ie^en.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den zd
folgenden Dag erscheinenden Nummer bi» Corrn. 10 Uhr. | ö
Sechste Generalversammlung des Gentral- verbandes deutscher Kaufleute
am 10. September in Cassel.
Am 10. d. M. tagte in Cassel die sechste General Versammlung des Centralverbandes deutscher Kaufleute. Erschienen waren zahlreiche Vertreter aus allen Theilen des deutschen Reiches. Den Vorsitz führte der 2>erbandSpräsident Senator Schulze-Gifhorn. Nach den MitkheUungen deö Präsidenten ist die Zahl der dem Verbände augeschlossenen Vereine während deS letzten Jahres von 120 auf 132 gestiegen, sodaß dem Verbände ca. 7000 Mitglieder angehören. Mit besonderer Genugthuung wurde constatirt, baß das Interesse für die kaufmännischen Bestrebungen fort laufend im Wachsen begriffen ist, daß auch weitere Kreise sich der Sache des Handelsstandes anzunehmen beginnen, und tafe man sich neuerdings sowohl im Reichsparlament wie in der Presse viel mit den Fragen des Handelsstandes belästigt hat. Der Präsident ermahnt die erschienenen Vcr- tretci, muthig weiter zu kämpfen und mit frischem Muthe ber Zukunft entgegen zu sehen. Nach hierauf erfolgter ^echnungSablage und einer einstimmigen Wiederwahl der Vorstandsmitglieder gelangte zunächst ein gemeinsamer Antrag des Vereins Leipziger Kaufleute und deS Verbandes der Provinz Sachsen re. auf Gründung einer Slerbrkasse für ^-erbandSmitglieder zur Debatte. Nach längeren Verhandlungen wird ein diesbezüglicher Antrag angenommen:
„Es ist den Mitgliedern des Centralverbandes fre'ge- stellt, unter sich eine Hülsskasse zu bilden unter der Firma: „Sterbekaffe des Centralverbandes deutscher Kaufleute" ; diese Kasse unterliegt aber nicht der Verwaltung und der Aufsicht des Centralvorstandes,' die Generalversammlung empfiehlt den Mitgliedern, sich dieserhalb mit den Mitgliedern des Centralvorstandes in Leipzig und Magdeburg in Verbindung zu setzen."
Nach Annahme verschiedener Anträge innerer Na'ur wurden dann die zum großen Theil bekannten Forderungen btS Kaufmannsstandes:
alle Consumvereine sind für den Branntwemverkauf concessionSpflichtig zu machen-
Verbot an die Consumvereine, Waaren an Nichtmitglieder zu verkaufen und Festsetzung von Strafen im Uebertretungsfalle-
alle Consumvereine sind zur Steuer heranzuztehen- Staatsbeamte und Lehrer dürfen weder im Vorstande, noch im Verwaltungsrathe eines Consumvcreinß eine Stellung bekleiden-
Einschränkung des Hausirhandelß und Verbot des Detailretsens;
Verbot der Wanderlager und Waaren-Creditveretne- Beschränkung der Abzahlungsgeschäfte-
ratisßeifage: Hießener Iainirienbkätte
eingehend berathen und. in längerer Debatte erörtert. In ergreifender Weise schildern einzelne Vertreter die in ihrer Gegend herrschende Nothlage im Handelsftandc, das fortwährende Anwachsen der Consumvereine und das weitere Umsichgreifen des HausirwesenS. Unter Anderem wird seitens deS Breslauer Vertreters erwähnt, daß der dortige Consum- verein, der einen jährlichen Umsatz von IO1/» Millionen Mark erzielt, immer weiteren Boden gewinne und schon jetzt einen Theil des dortigen Kaufmannsstandes an den Bettelstab gebracht habe. Die Generalversammlung faßt den Beschluß, unentwegt an den vorerwähnten Forderungen festzuhalten und nicht zu ermüden. Der Vorstand glebt die Versicherung, daß er nach wie vor für die berechtigten Forderungen des Kaufmannsstandes eintreten und dieserhalb an maßgebender Stelle vorstellig werden wolle. Der Vereinspräsident erklärt, daß er in allernächster Zeit eine birecte Petition an Se. Majestät den Kaiser richten und nm eine Audienz bei Höchstdem- selben nachsuchen werde. Die Versammlung begrüßt diese Mittheilung mit lebhaftem Beifall uud legt die Angelegenheit zur weiteren Erledigung vertrauensvoll in die Hände des Centralvorstandes. Ein Antrag des kaufmännischen Vereins Guben, bei dem Minister der öffentlichen Arbeiten, bezw. den Eisenbahn-Verwaltungen zu beantragen, daß nur das wirkliche Gewicht der Güter auf den Bahnen berechnet, wenigstens das Gewicht von Kilogramm zu Kilogramm abgerundet wer- den möge, wird angenommen. Als Ort für die nächstjährige Generalversammlung wird Dresden gewählt.
Vermischtes.
♦ Eine „internationale Arbeiterspielkarte" ist die neueste Blüthe der Industrie. Zwei erfinderische Soeialisten — Sack und Brennert sind ihre Namen — haben nämlich ein neues Kartenspiel erfunden. Thatsächlich war es auch mit dem alten Spiel für die Dauer unhaltbar! Den „Königen" muhte bislang — und war es eben auch nur beim Kartenspiel — eine gewiße Achtung gezollt werden, nicht minder den „Damen." Jetzt wird auch dem hartgesottensten Ungläubigen die Lehre Marxß „spielend" beigebracht. Die „Könige" sind natürlich von vornherein abgeschafft. „Freiheit", „Gleichheit", „Brüderlichkeit" und „Solidarität" sollen an ihre Stelle treten. Ebenso sind die „Damen" abgeschafft, nicht vergebens hat Brbel die Gleichheit der Geschlechter proclamirt. „Freie Arbeit", „Gerechtigkeit", „Friede" und „Eintracht" ist nunmehr die Losung. Ob man mit diesen Karten auch mehr gewinnt wie mit den alten, ist noch nicht festgestellt.
* Widerstandsfähige Papierfohlen. Ein Amerikaner hat ein Verfahren zur Heistelluug von Papiersohlen entdeckt, welche gegen die Einwirkung deS Wassers sehr widerstands- sähig sind. Die neue Erfindung besteht darin, daß die Papier-
, Alle Annoncen»Bureaux de» In- und AuSlande» nehme«
• Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
mässe mit einer Lösung von Chrom — wahrscheinlich doppelchromsaures Kali — und Alaun getränkt und bann in geeigneter Weise behanbelt wirb. „Der Schuhmarkt" und die „D. Schuhmacher-Ztg." sind der Ansicht, daß sich für billiges Schuhwerk diese Papiersohlen eignen möchten.
Ciicrahtr rrnd Aririst.
— HübnerS geographisch - statistische Tabelle«, Ausgabe 1893. HerauSgegrbcn von Reg.-Rach Prof. F. v. Juraschek. Dieses Buch, em Ergibntß mühevoller Arbeit, ist ein Bebürfniß für alle geworden, Die Studien oder Geschäfte betreiben, und jede neue Auflage erscheint als ein neues Werk durch die in sie aufgenommenen Veränderungen und Zusätze. Dre außerordentliche stets zunehmende Verbreitung beweist, oaß das Schriftchen jedem Gebildeten al8 unentbehrlicher Berather zur raschen Orientirung über alle Thelle der ciotlisirten Welt geworden ist. Gerade jetzt, wo so manche Frage über Statistik der Bevölkerung, der Heere, der Kriegsschiffe, der Staatsschulden ?c. in Gast- und Kaffeehäusern im Gespräche aufgeworfen wird, wird man dieses schätzbare AusklärungSmittel gern bei der Hand haben. Als besonderer Vorzug von den früheren Ausgaben sei noch erwähnt, daß die Buchausgabe seit vorigem Jahre einen größeren und deutlicheren Druck erhalten hat. Preis der elegant gebundenen Buch-Ausgabe Mk. 1.20, der Wandtafel-Ausgabe GO Pfg.
Mineralwasser-Anstalt
der
Pelikan-Apotheke Gießen.
Attest.
Auf Verlangen wird hiermit dem Herrn Walter Weitz, Apotheker in Gießen (Mettenheimer'sche Apotheke) bescheinigt, daß nach stattgehabten Revisionen des Großherzogl. KreiSgesundhettS- amtS Gießen das zur Herstellung des Mineralwassers verwendete Wasser sämmtlich aus der städtischen Wasserleitung stammt, zuvor aber noch ein Kohlensandfilter passirt, aus welchem eß fast chemisch rein, destillirtem Wasser sehr ähnlich, heroorgeht.
Die verwendete Kohlensäure wird in den bekannten schmiedeeisernen Flaschen in flüssigem Zustande bezogen. Alle diese Ingredienzien und verwendeten Stoffe sind ohne nachtheiltge Einwirkung auf die menschliche Gesundheit.
Der ganze Betrieb ist sehr gut ausgestattet, alle Regeln der Reinlichkeit sind beachtet. Apparate und sonst verwendetes Material entsprechen i« jeder Beziehung nicht allein den gesetzlichen Be, stimmungen, sondern auch den weitgehendste« Anforderungen der Gesundheitspflege.
Gießen, den 5. August 1893.
GrotzherzoglicheS Polizeiamt Gießen.
Fresenius. 7253
Humoristisches.
• DaS thönerne Schweinerl. Die Gattin unseres geschätzten Mitbürgers M. - so erzählt die „W. D. Z." — tft etwas eigensinniger Natur. Ste behauptet zwar dasselbe von ihrem Eheherrn, aber die Freunde des Hauses erklären diese Behauptung dahin, sie treffe nur für den Fall zu, daß Frau M. irgend einen kostspieligen, mit der augenblicklichen Finanzlage des HauseS unvereinbaren Wunsch hat, was nicht gerade selten fein soll. Zum Beispiel: im Frühjahre hatte fie sich's in den Kopf gesetzt, daß sic um jeden Preis eine Sommerwohnung haben müsse. Aber Herr M. blteb ihrem Drangen gegenüber kühl biß ans Herz hinan. Eines TageS — es war gegen Ende Mai - als Frau M. ihre Forderung wieder mit größerem Nachdruck geltend machte, nahm Herr M. seinen Hut und Stock und ging davon. Als er Abends hetm- fim, brachte er bann seiner noch immer grollenben Ehehälfte eine wunberschöne, thönerne Sau mit einem Loch auf bem Rücken für Spareinlagen mit. Auf den Leib der vierbeinigen Sparkaffe hatte Herr M. mit Fleiß und Geschick einen selbst- gedichteten Reim gemalt, auf den er nicht wenig ftolj roar, ber lautete: „Spar im Sommer, liebe Fran, Stich im Herbst bann ab bie Sau!" Dieses Geschenk überreichte er mit einer wohlgesetzten Ansprache: „Schau, liebe Amalie, wenn Du baß ganze Geld, um baß ber theuere Sommer- Oufenthalt mehr kostet alß baß Hierbleiben, in biefe Sparkasse thust, so hast Du im Herbst basür einen wunderschönen Wintermantel. Leg jebeß ersparte Zehner! ba hinein, so hast Du mehr bavon, alß von dieser Sommerfrische.' Damit Hellte er daß thönerne Ungethüm auf die Commode. Frau Amalie war wüthend. Die Sommerfrische wurde nicht bezogen, aber Frau Amalie sparte auch nicht. Im Gegentheil,
es verdarb ihr jedesmal die Laune, so oft ihr Blick auf die moralpredigende Sau fiel. Am meisten aber konnte sie in Wuth kommen, wenn Herr M. von Zeit zu Zeit die Sau in die Hand nahm, recht schüttelte und dann mit einem vielsagenden Blick auf die Gattin bemerkte: „Aber eß schleppert ja gar nicht." Neulich wurde eß ihr zu arg; da sagte Herr M., alß er eben beim Fortgehen seinen Ueberrock anzog: „Siehst Du, Mali, jetzt wär der Sommeraufenthalt auch zu Ende und Du hättest erst nichts davon. Wenn Du jetzt die Sparsau abstichst, so wirst Du Dich erst freuen, daß wir das Gelb nicht so hinausgeworfen haben!" Es war ein Glück, daß Herr M. schleunigst die Wohnungsthür hinter sich schloß. Eben wollte die Zürnende ihren Unmuth an dem unschuldigsten Theile, der harmlosen Sau, auslaffen, als ihr Neffe Hans, ein junger Student, hereintrat, natürlich, um die liebe Dante wieder einmal anzupumpen. Da kam er gerade recht. „So? Geld brauchst Du schon wieder! Natürlich, wenn man den ganzen Tag in der Kneipe sitzt, kann man selbstverständlich nicht außtommen. Aber Du irrst Dich, wenn Du glaubst, daß ich Dir länger den Narren machen werde! Nicht einen Kreuzer bekommst Du mehr von mir . . Hans stand wie betäubt vor dem Schwall, der sich über ihn ergoß. Da zuckte in ber erzürnten Tante ein teuflischer Gebaute auf. Sie ergriff bie Unglückssau, reichte sie bem verbutzten ©tubenten mit höhnischem Lächeln hin unb rief: „Da! Das kannst Du Dir nehmen, bamit Du enblich einmal sparen lernst.
Mechanisch nahm Hans baß Vieh in ben Arm unb trat schweigend den Rückzug an. Draußen aber Packte auch ihn ber Zorn, er schleuberte mit einem Fluch baß thönerne Schwein zu Boben, baß eß in tausend Stücke zersprang. Da erblickte er unter den Scherben ein zusammengefaltetes Papier und bückte sich rasch danach. Eine Hunbertguldennote!! Mit | einem Freudenschrei sprang er in die Höhe unb ging eiligst


