Ausgabe 
17.6.1893 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1893

Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren

Hratisbeitage: Hießener Aamikienösätter.

Muss.

m

üe Morgen 5 Ur

erbUtbmn.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Darm. 10 Uhr.

Samstag dm 17. Juni

lQng dass es lütter, Gross-

ich

nfpirtow Ksch

denen:

1

Der chiegener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Dir Gießener 'PamikienSkälter werben dem Anzeiger «Schentlich dreimal tzeigelegt.

s 4 Uhr vom [6358

Zurücknahme eines Ausschreibens.

Das in Nr. 132 dieses Blattes erlassene Ausschreiben bezüglich des Korbmachers Ludwig Klein aus Vetzberg ist erledigt. '

Gießen, den 10. Juni 1893.

Großh. Staatsanwaltschaft.

Schilling.Trygophorus.

Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Vierteljähriger ASon»e«evtspr«i»r 2 Marl 20 Pfg. mit vringerlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Kchnkflrahe ^r.7.

Fernsprecher 51

anmuthig mit grünem Gras und rothweißer Erika bewachsen, über welcher Bienen summten und Schmetterlinge sich wiegten, und man genoß von seiner Höhe einen reizenden Ueberblick über die Haide. Denn in diesem Lande, wo einige Maul­wurfshügel schon hinreichen, ein vethältnißmäßigcoupirtes Terrain" zu schaffen, ist so ein Hünengrab schon ein bedeu- tender Aussichtspunkt.

Aber die Sonne, welche bei der Rückkehr deS Doctors schon mit schrägen Strahlen das blühende stille Haideland küßte, sollte heute nicht untergehen, ohne daß sein Kummer sich noch um ein Großes vermehrte. Als er noch etwa ein Stückchen von der Stadt entfernt war, begegnete ihm der Wagen des Gutsbesitzers Kaspar Sandmeyer und die grauen verschmitzten Augen des wohlbeleibten, etwa fünfzigjährigen Mannes lugten den Doctor so triumphirend und höhnisch an, daß neben dem Zorne die schlimmsten Befürchtungen in ihm erwachten.

Daheim sand er dann ein eilig mit Bleistift geschriebenes Billet, das ihm Gretchen durch eine verschwiegene Milchdirne geschickt hatte und welches ihn auf acht Uhr nochmals an die Schlehdornhecke berief. Außer diesem Marschbefehl enthielt das Billet noch die unholde Mittheilung, daß Gretchen ver­zweifle und nur noch den einen Wunsch habe, mit ihm zu­sammen zu sterben. Drei Ausrusungszeichen bestätigten trotz der Eile der Schreiberin diesen düsteren Wunsch.

An der Hecke erzählte sie dann unter vielen Thränen das neue grause Berhängniß, während die Fledermäuse aus der alten Rathhausmauer gespenstisch über ihren Häuptern schwirrten und nur dann und wann noch ein verspäteter Fink schlaftrunken sein letztes Liedchen zirpte.

Gretchen hatte natürlich zufällig und unabsichtlich eine Unterhaltung zwischen ihrem Dater und dem bösen Guts­besitzer erlauscht. Große Dinge waren im Werden. Seine Hoheit der Erbprinz gedachten noch im Laufe der nächsten acht Tage, das Städtchen mit Höchstihrem Besuche offiziell zu beehren. Herr Sandmeyer wußte es aus bester Quelle, wenn auch die amtliche Anzeige noch nicht vorlag, Hoheit liebten es, zu überraschen.

(Fortsetzung folgt.)

totales und ^provinzielles,

Gießen, 16. Juni 1893.

* Leinene Schnürschuhe und Aluminium - Feldflaschen in der Armee. Als zweite Fußbekleidung der Truppen wurden vor einigen Jahren Schnürschuhe aus wasserdichtem Stoffe mit Lederbesatz in der deutschen Armee eingesllhrt- da die­selben nun nach mehrjähriger Benützung und den gemachten Erfahrungen den gehegten Erwartungen nicht entsprachen, kommen bei künftigen Neubeschaffungen an deren Stelle lederne Schnürschuhe, die leichter und haltbarer sind, zur Einführung. Ferner haben die Proben einer Feldflasche und eines Bechers aus Aluminium die kaiserliche Genehmigung erhalten.

Darmstadt, 14. Juni. Als das dritre Bataillon des Großh. Leibgarde-Regiments gestern vom Exerciren bei Gries­heim zurückkehrte,liefe der Regimentscommandeur, Oberst Frhr. von und zu Eglof fest ein, daffelbe auf dem kleinen Exercierplatz antreten, rief den bei der 9. Compagnie dienenden Einjährig-Freiwilligen Gefreiten v. Werner vor die Front und theilte demselben mit, daß Se. Majestät der Kaiser ihm die preufeische Rettungs-Medaille verliehen habe. Der Herr Oberst fügte in herzlichen anerkennenden Worten hinzu, dafe diese Deeoration sehr selten und nur dann verliehen werde, wenn die Rettung erwiesener Maßen mit eigener Lebens­gefahr stattgefunden habe. Der Herr Oberst stieg sodann vom Pferde und heftete dem Gefreiten eigenhändig da- Ehren­zeichen auf die Brust und befahl, dafe der Deeorirte an der Spitze des Bataillons einrücken solle. Der feierliche Act machte auf alle dabei Anwesenden einen tiefen Eindruck. Wie verlautet, hat Herr v. Werner, ein Sohn des hier lebenden Admirals v. Werner, vor etwa zwei Jahren mit eigener Lebensgefahr einen Knaben aus der Oder vor dem Ertrinkungs­tode gerettet.

Pfungstadt, 14. Juni. Hier wird am 19. Juni ein Ziegenmarkt abgehalten. Derselbe dürfte wohl der erste in Deutschland sein und sollen prächtige Exemplare, sowohl echte Schweizerzucht, als auch Kreuzungsthiere, beide in vor­züglichster Qualität und jedem Alter zum Berkaus kommen. Die auf der diesjährigen, vergangene Woche abgehaltenen landwirthschaftlichen Ausstellung in München von Pfungstadt ausgestellten prämiirten Thiere werden am 19. Juni Vor­mittags zur Vorführung kommen, sodafe auch für den Nicht­käufer, welcher sich im Interesse des minderbemittelten Standes

Ausfchreiben.

Wir bitten um Auskunft über den derzeitigen Aufenthalts- ort des Karl Maus, Korbmacher, Sohn der Marie Maus aus Nieder Gemünden.

Gießen, den 10. Juni 1893.

Großh. Staatsanwaltschaft.

Schilling-Trygophorus.__________

Feuilleton.

Das Hünengrab.

Erzählung von Eethegus.

(Nachdruck verboten.)

Sie standen beide an dem Schlehdornzaun, der des Bürgermeisters Garten von einer kleinen menschen- und bäuserleeren Gasse abschloß. Draußen vor dem Zaun stand er und sie stand drinnen im Garten, durch hohe Bohnen­ranken vor neugierigen Blicken vom Hause her geschützt. Die Lust war erfüllt von Blüthen- und Heudüften, denn das Städtchen war klein, wenn es auch das größte auf viele Meilen im Umkreis war, und seine Bewohner lebten noch zum guten Theile vom Ertrag ihrer Landarbeit.

Der junge Mann sah ganz hübsch und wacker aus, trotz der Brille vor den kurzsichtig glänzenden Augen und dem etwas verstudirten Gesichtsausdruck. Das Mädchen sah mit seiner schlanken Gestalt und dem frischen, von blonden Zöpfen gekrönten Gesichtchen sogar recht hübsch aus. Man konnte ihnen von Herzen alles Liebe und Gute wünschen. Zur Zeit aber schien es, als ob sie sich von der Erfüllung dieses Wunsches recht fern wüßten. Er machte ein ernstes und zorniges Gesicht, und in den blauen Mädchenaugen standen Thränen.

Ach, Heinrich," seufzte sie,unserer Liebe drohen dunkle Wolken!" Sie hatte den Ausdruck vielleicht nur irgendwo mal gelesen, aber es war ihr offenbar ganz ernst damit. ,

Heinrich drückte zärtlich ihre kleinen weichen Hände.-

Wenn ich nur wüßte, was denn Dein Vater gegen mich hat. Er ist Bürgermeister nun gut, ich bin Doctor der Philosophie, habe mein Oberlehrer-Zeugniß und werde auch nicht ewig hier an Eurer Bürgerschule bleiben, und mein Auskommen habe ich jetzt schon, es reicht vollauf für uns beide."

Es ist ja auch nicht deßhalb," flüsterte sie bekümmert. Aber dieser gräßliche Mensch, der Herr Gutsbesitzer Kaspar Sandmeyer, liegt dem Vater nun einmal alle Tage in den Ohren und "

Würdest Du denn jemals die Werbung dieses Menschen

angenommen haben, auch wenn wir un8 nicht kennten, Gretchen?"

Aber nein, Heinrich! Es ist ja ein scheußlicher Pavian in meinen' Augen. Aber der Vater hält nun einmal große Stücke auf ihn und meint, daß der Mann ihm zur Erfüllung seines Wunsches behilflich sein könne, Du weißt ja"

Ach ja," fuhr der junge Mann auf,das Verdienst­kreuz! Und um diese Ausfüllung seines Knopfloches will der Herr Bürgermeister sein Kind verkaufen"

Pfui, Heinrich, schäme Dich, es ist doch mein Vater?" Verzeih, Gretchen, ich bin ganz unsinnig vor Liebe und Kummer. Mit diesem Hünengräber zu rivalisiren"

Ach ja, siehst Du, und das kommt nun noch hinzu. Der Herr Sandmeyer hat dem Vater in den Kopf gesetzt, dafe Du die Bedeutung unseres Ortes schädigst, weil Du in einer öffentlichen Zeitung seine Hünengräber für ganz werth- los erklärst."

Es sind alle ausgenommenen Nester, wie sie zu Dutzenden im Lande herumliegen," erwiderte der junge Lehrer mit wiffenschaftlichem Eifer.Zwei haben wir aufgedeckt und nichts gefunden."

Aber in dem dritten, dem großen, meint Herr Sand­meyer, läge um so mehr."

So, meint er? Da soll er es doch aufdecken."

Gretchen beschwichtigte den aufgeregten Liebhaber in der zwischen Liebenden üblichen Form, dann fuhren sie noch ein Weilchen in ihrer aus Klagen und Betheuerungen gemischten bittersüßen Unterhaltung fort, bis wirtschaftliche Pflichten das junge Mädchen ins Haus riesen.

Dr. Heinrich Liebrecht verließ in recht trüber Stimmung das Stelldichein.Dieser Bürgermeister! Dieser Gutsbesitzer, früher Pferdehändler alias Roßtäuscher Kaspar Sandmeyer! Dieses nichtswürdige Hünengrab!"

Solche und andere enttÜstete Ausrufe kugelten in seinen Gedanken durcheinander, während er das Städtchen verliefe und der Straße ostwärts folgte, um das verrufene Hünen­grab noch einmal wenigstens von außen seiner persönlichen Verachtung zu versichern. *Es war übrigens gar nicht so übel dort. Mochte der massige, etwa anderthalb Stunden von dem Orte gelegene Hügel nun ein Hünengrab oder eine vorsündfluthliche Rübenkammer sein, jedenfalls war es sehr

S>rt

Mn

rS

wit, iithi Zitaten, bei

Begleitern iU wf unserem

n unsere Mitglieder [eben unseres lieben

: Schäfer gemitniß und bitten Le M*» #»*£ Winlttag.3 W *

$et P--st<«ü-

fk WJ W direkt aus der Fabrik also au» erster Hand v ^BtlilMnMp von Elfen t Keussen, Crefeld, | kjllut IIiIIhiL ip jedem Maaß xu beziehen. Man verlang«L Muster mit Angabe des Gewünschten.

140 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

Keneral-Ztnzeiger.

^mittag WW latt. [5362

SK'SS ens

Amtliche»- Theil.

Gießen, den 15. Juni 1893. Betreffend: Gesuche um Beurlaubung von Soldaten nach beendigter zweijähriger Dienstzeit zur Disposition des Truppentheils.

Das Großherzogliche Kreisami Gießen

M bU eroftt). Bürflttmdfteteieti bei ftxdU».

Indem wir auf unser Ausschreiben vom 31. December 1884 Kreisblatt Nr. von 1885 Hinweisen, machen, wir darauf aufmerksam, daß Gesuche rubr. Betreffs, welche bei uns nach dem 15. Juli l. I. einlangen, unsererseits un­berücksichtigt bleiben müssen resp. an den betreffenden Truppen- Iheil nicht mehr abgegeben werden können.

Die Gesuche sind bei Ihnen vorzubringen, wobei Sie sich des in unserem vorerwähnten Ausschreiben vorgeschriebenen Formulars zu bedienen haben, und mit Bericht, worin Sie sich über die Richtigkeit der zur Begründung des Gesuchs angeführten Thatsachen, über die Familien-, Vermögens» und Erwerbsverhältniffe der Gesuch­steller ausführlich zu äußern haben, längstens bis zum 15. Juli l. I. an uns einzusenden. Gesuche, welche ohne eine solche Aeußerung bereits eingegangen sind, werden Ihnen zur Vervollständigung der Vorlage k. H. zurückgesendet werden.

v. Gagern.___________________

für die Verbreitung und Pflege der Ziege interessirt, es an Unterhaltung nicht fehlen wird. Um den vielen Nachfragen gerecht zu werden, hat der Vorstand veranlaßt, dafe ein Waggon mit echten Schweizer- (Saanen- und Guggisberger) Ziegen zum Markte eintrifft, derselbe verspricht also ein sehr interessanter zu werden.

aus den Stautesamtsrtgifierii

der Stadt «iefcetu

Alrrfgeboie.

Juni: 7. Dr. Joseph Hoddes, ptacf. Zahnarzt zu Gießen, mit Stdome Katzenstein zu Offenbach a. M. 8. Julius Retsenverg, Kaufmann zu Beilin, mit Anna Hornberger hterselbst. 9. Joh. Georg M per, Kaufmann zu Cassel, mit Wilhelmine Charlotte Meta Christiane Debus von hier.

Juni: 3. Paul F^te?tt"ERn?ter^'Buchbinder dahier, mit Wilhelmine Luise Karoltne Josephine Bepler von hier. 3 Johannes Heinrich Naumann, Schlosser dahier, mit Margarethe Wagner hierselbst.

Juni: 2. Dem Gerber Friedrich B.lloff ein Sohn, Heinrich Martin Christian 2. Der Wtttwe des Kaufmanns Carl, Schmidt ein Sohn, Carl Wilhelm. 6. Dem Schaffner bet der Main-Weser- Bahn Mathäus AlthauS ein todtgeborenes Kind männlichen Geschlecht«. 9. Dem Schneider Georg Schütz ein Sohn, Karl.

Gestorbene.

Juni: 2. Dietrich Heinrich Lohmann, 71 Jahre alt, Möbel - fabrikant dahier. 3. Karl Philipp Emil Mainzer, 4 M-a-te- alt, Sohn von Telegraphenleitungsausseher Leo Mainzer dahier. 3.Wuhelm Köhn, 37 Jahre alt, Fabrikarbeiter von Fleisbach. 4. Karollne Gundrum, 3'/, J-Hre alt Tochter -^Maurermeister Wilhelm Gundrum zu Reiskirchen. 4. Karl Frt.d'ich Hebt» ich, 56 Jahre alt, Landwirth von Zell, Kreis Alsfeld. 4. Margarethe Bromer,^ Jahre alt, ledig, Arbeiterin dahier. 4. Ludwig Welker, 78 Jahre alt, Zimmermann dahier. 4. Clise Hartmann, 3 Jahre alt, Tochter van Schnridcr Georg Hartmann dahier. 5. Marte Katharine yoov, 63/« Jahre alt, Tochter von Schuhmacher Georg HooS dahier. 6. Marte Eiff, 2 Jahre alt, Tochter von Bergmann Balthaser Eiff zu Leihgestern. 7. Otto Wagner, 1 Jahr alt, Sohn von Lacktrer Adam Wagner dahier. 7. Elisabethe Bender, geb. Gräs, 43 Jahre alt, dahier, Wittwe von Philipp Bender. 7. Johannes Kabel, 23 Jame alt, Hasenhaarscbnetder aus Neu-Isenburg, Musketier tm 2. Grom. Hess. Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm) Nr. 116 dahier. 8. Robert Mulzer, 43 Jahre alt, Kaufmann von Dresden.